21. April 2018

Chopping Mall

Manchmal braucht es eben einfache Filme. Wenig Handlung, ein straightes Tempo und genügend Schauwerte um auch ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Jim Wynorskis Chopping Mall ist so ein Kandidat, der keinen Hehl daraus macht, die niederen Instinkte des Filmfans ansprechen zu wollen. Die männlichen Figuren sind bis auf den schüchternen, nerdigen Ferdy hohle Grinseköpfe, die Frauen sind, bis auf Ferdys weibliches Pendant Julie, hübsches Beiwerk, das in den entsprechenden Situationen nackte Haut zeigt. Figuren, prädestiniert um reihenweise in den Filmtod geschickt zu werden. Die Gegenspieler: Roboter. Genauer gesagt die drei neuen Security-Roboter der Park Plaza-Mall, welche nach einem Blitzeinschlag ein mörderisches Eigenleben entwickeln und Jagd auf sechs Jugendliche machen. Diese, Mitarbeiter in den im Einkaufszentrum ansässigen Läden, verstecken sich nach Ladenschluss in diesem um eine ordentliche Sause steigen zu lassen. Inklusive Albernheiten, Booze und vorehelichem Sex.

Regisseur Jim Wynorski, der über die Jahre reihenweise kostengünstige B-Schoten runterkurbelte, lässt mit seinem Co-Autoren Steve Mitchell keinen ikonenhaft dargestellten, menschlichen Mörder als moralische Instanz die verkommene Teenieschaft dahinmeucheln, sondern ersann mit diesem eine Mischung aus Nummer 5, BB aus Der tödliche Freund und Robocop in der Light-Version, welche hier die Kids über den Jordan schickt. Dank der geringen Laufzeit von gerade einmal 76 Minuten kommt wenig bis gar kein Leerlauf auf. Die Figuren werden nach einer überdrehten Eingangssequenz, welches das wuselige Alltagstreiben in der Mall zeigt, zügig eingeführt, die Party bietet eine gehörige Portion nackte Haut (die auch davor schon öfter kurzzeitig aufblitzte) und vögelgeile Kids. Dazwischen schlägt der Blitz ein, sein dazugehöriger Donnerschlag bietet die selbstständig werdenden Security-Bots, welche zuerst die Sicherheitsmitarbeiter ausschalten um dann ihr einprogrammiertes Wertesystem eigenwillig selbst auszulegen. Einer der Strahlemänner muss für seine Angebetete Kippen holen gehen und wird erstes Opfer der sich auf ihrem Rundgang befindlichen Roboter.

Die restliche Laufzeit über beschränkt sich das Drehbuch darauf, nach und nach die restlichen Mitglieder der auf steter Flucht vor den Wachrobotern befindlichen Gruppe zu dezimieren. Die geleistete Gegenwehr bietet zuerst geringen Erfolg; mit vereinten Kräften versuchen die verbleibenden Kids die Roboter zu zerstören und einen Weg aus der Nachts komplett abgeriegelten Mall zu finden. Wynorski, welcher seinen Ausführungen nach vor Beginn der Dreharbeiten von Roger Corman zum Essen eingeladen und dort in einer Stunde nochmal die Grundvoraussetzungen für kostengünstiges, effektives Filme machen gelehrt bekam, verknüpft in seinem Chopping Mall gängige Horrorfilmmuster und Klischees und ist - glücklicherweise - dabei so selbstbewusst, daraus keinen Hehl zu machen, das dies so ist. Die von ihm hinzugefügte Prise Humor sitzt zwar nicht immer, ist aber nicht gänzlich peinlich oder abgestanden. Manche Pointen sitzen und so entwickelt sich das Ding zu einem wahren Fun Movie, der bevor er irgendwie weh tun kann auch wieder vorbei ist. Mit Barbara Crampton, die den Fans ein Jahr zuvor in Stuart Gordons Re-Animator auffiel, in einer größeren Rolle und Darstellern wie Paul Bartel, Dick Miler, Mel Welles und dem aus der Phantasm-Reihe bekannte Angus Scrimm (hier unter seinem bürgerlichen Namen Lawcrence Guy unterwegs) bietet er dabei allerlei bekannte Gesichter in kleineren Rollen, die Fans des Genres ein kurzes, aber freudiges Grinsen ob des Wiedersehens ins Gesicht zaubert.

Dazu spielt der Film immer wieder auf viele Filme des Corman'schen Unviversums an: in einem Restaurant im Einkaufszentrum hängen Filmplakate von dessen Produktionen an den Wänden (!), Julie und Ferdy schauen sich zusammen Attack Of The Crab Monsters an, Dick Miller heißt wieder - wie in Das Vermächtnis des Prof. Bondi aka A Bucket Of Blood - Walter Paisley und auch sonst zeigt sich der Film sehr zitier- bzw. anspielungsfreudig. Das ist, anders als bei heutigen (retro gerichteten) Werke, ohne Metaebene, sondern weil Wynorski und Mitchell einfach Bock darauf hatten. Die Without any sense-Haltung der beiden Autoren und Wynorskis zweckdienliche Regie lässt Chopping Mall im Endeffekt gewinnen. Das gezeigte mag zuerst formelhaft, zweckdienlich, abgeschmackt und repetitiv wirken; anders als Produktionen aus dem Hause Full Moon, an die Wynorskis Film in einigen Momenten durch die Nutzung der Exploitation-Elemente und die knackige Laufzeit erinnert, fühlt er sich echter an als diese, obwohl die Cormans natürlich ebenfalls mit genauem Kalkül und Blick auf den Ertrag des Films arbeiten. Dazu kommt das, was man nur bei wenigen Full Moon-Produktionen, um diesen Vergleich nochmals heran zu ziehen, spürt: bei aller kommerzieller Ausrichtung merkt man Chopping Mall, in Deutschland ganz einfallslos Shopping genannt, das Herzblut seiner Macher an. Das ist eine Lust auf Filme machen, auf einfach los drehen, was dank der weiter entwickelten Technik über die weiteren Jahre immer mehr Amateure taten, nur das deren Herzblut nicht die Limitiertheit ihres Könnens kaschieren konnte. Selbst wenn er später einfach nur noch kurbelte, was ging, zeigt Wynorski mit diesem Werk, dass er zwar kein großartig toller Regisseur ist, aber in guten Momenten, mit richtig viel Bock, richtig spaßige kleine B-Knaller á la Chopping Mall machen kann.