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Mittwoch, 14. August 2019

Mystor - Deathstalker 2

Fünf Jahre nachdem der Todesjäger seinen ersten Auftritt (hier besprochen) in den deutschen Lichtspielhäusern hatte, wurde sein zweites Abenteuer auf die Fans zünftiger Barbaren-Action losgelassen und direkt in die Videotheken gestellt. Vom im ersten Teil vorherrschenden ernsten und für heutige Verhältnisse leicht zweifelhaften Ton gegenüber Frauen ist im vom deutschen Videoverleih nach dem Protagonisten Mystor betitelten Sequel nicht viel übrig geblieben. Beau John Terlesky, ein waschechter 80s-Posterboy mit Zahnpastawerbung-Lächeln und Föhnwelle ist ein verschmitzter, wieselflinker Held, der mit der Darstellung seiner Figur auch im Oneliner-Action-Kino der damaligen Zeit einen Platz gefunden hätte. In jeder möglichen und unmöglichen Situation flutscht dem Herren ein kesser Spruch aus dem Mund; in der deutschen Synchronfassung erinnert dies teils an die Spruchschmieden eines Karlheinz Brunnemann oder Rainer Brandt.

Das macht aus Deathstalker 2 eine Nummern-Revue der guten Laune, die mit aufgesetzter Heiterkeit ihr Fantasy-Märchen nach Schema F runterleiert. Der Deathstalker schlittert hier in die Arme der Hellseherin Reena, die von sich behauptet, eine aus ihrem eigenen Königreich vom bösen Zauberer Jarek verjagte Prinzessin zu sein. Mit diesem und seinen Schergen schließt der Todesjäger selbstverständlich sehr schnell Bekanntschaft und nach anfänglicher Skepsis entschließt sich Mystor, Reena bzw. Eevie, so deren echter Name, zu helfen. Mit ihr im Schlepptau reitet er in flottem Galopp dem Showdown mit dem Zauberer entgegen und muss auf diesem Weg allerlei Abenteuer bestehen. Regisseur und Drehbuch-Co-Autor Jim Wynorski, ein erprobter Recke auf dem weiten Feld dusseliger B-Filme lässt sich nicht lumpen und verwurstet neben gängigen Fantasy-Dauerbrennern wie Amazonen sogar Horror-Einflüsse und lässt u. a. eine Horde Untoter auf seine Protagonisten los.

Die geringe Laufzeit und das dabei meist durchwegs hohe Tempo der Erzählung bietet eine Fülle an unterschiedlichsten Settings, in denen nach deren Aufbau die Protagonisten in action- und spruchlastigen Sequenzen dafür sorgen sollen, dass der nächste Money Shot die Zuschauer gebührend bei Stange hält. Besonders beeindruckendes Spektakel bleibt in der Low Budget-Produktion, die sichtbar noch kostengünstiger als das Original ist, meist aus. Die gebotenen Kämpfe mit Schwert und Fäusten ist durchschnittlich choreographierter Genrestandard, die sichtlich nur existieren, damit John Terlesky den nächsten Spruch raushauen kann. Die entdeckte Lustigkeit, wahrscheinlich auf den Erfolg solcher Actionkomödien wie Lethal Weapon oder Beverly Hills Cop zurückzuführen, mag nie richtig passen. Der laue Humor sorgt meist mehr für angestrengtes Schnaufen als für entzücktes Lachen. Einzig das Wrestling-Match (!) gegen die stärkste Amazonen-Kriegerin bietet bei aller Albernheit eine amüsant kuriose Note.

Der häufig als beste Fortsetzung der Tetralogie beklatsche Deathstalker 2 krankt mehr an seiner Unentschlossenheit, ob er nun wirklich ein Fantasy-Abenteuer mit lauer B-Action oder eine selten sogar meta-referenzielle Komödie, die das gewählte Genre parodiert, sein möchte. Beides funktioniert minder gut und eher kämpft man als Zuschauer damit, den Film im Kopf für sich nicht frühzeitig abzuhaken. Wenige Ideen funktionieren soweit, dass der als stumpfes Unterhaltungswerk konzipierte Trasher tatsächlich unterhält. Mehr belustigen hier die Einflüsse des Jahrzehnts, in dem Mystor entstanden ist häufiger, als die gewollten Gags. Weit voran die aktuelle Frisurenmode der 80er, die in diesem eher durchschnittlichen Fantasy-Abenteuer sichtlich die Köpfe seiner Darsteller schmückt.

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