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Dienstag, 25. August 2020

Lake Placid

Es dürfte mittlerweile eine ungeschriebene Tradition sein, dass Tierhorror-Filme über tödliche Lebewesen aus den Tiefen des Meeres oder alternativ Seen und Flüsse pro Jahrzehnt eine Renaissance erleben. In den ausgehenden 90ern versuchte sich auch Autor und Produzent David E. Kelley daran, ein monströs erscheinendes Getier aus dem Wasser auf das Kinopublikum loszulassen. Der daraus entstandene Lake Placid besticht dabei weder durch innovative und frische Ideen oder atemberaubende Spannung bis zum Schluss, sondern hat mir persönlich wieder bestätigt, dass Kelley ein besonderes Talent dafür besitzt, schrullige Figuren und absurde Situationen oder Dialoge punktgenau zu kreieren. Gelang ihm dies in Ally McBeal - eine meiner Lieblingsserien im Jugendalter - fast durchgehend, ist sein Gespür für interessante Charakterzeichnung eine Stärke der Stephen King-Adaption in Serienform Mr. Mercedes, die ansonsten durchaus an ihrem nicht vorhandenen, eigenen Charakter und schleppender Story krankt und einen schwankenden Gesamteindruck bietet. 

Deren Hauptdarsteller Brendan Gleeson dürfen wir in Lake Placid als leicht bärbeißigen und wortkargen Sheriff Hank Keough erleben, in dessen County - Kelley siedelte die Handlung in seiner Heimat Maine an - eine zunächst unidentifizierte Kreatur für Unruhe in der Umgebung um den von den Bewohnern Lake Placid getauften See sorgt. Vor den Augen des Sheriffs wird ein Taucher in zwei Hälften geteilt, was die ruhige Idylle in einen Tummelplatz voller nervöser Gestalten verwandelt, die der Sache sprichwörtlich auf den Grund gehen wollen, was in dem Gewässer lauert. Zu Keough und Wildhüter Jack gesellen sich die nervöse Paläontologin Kelly und der exzentrische wie steinreiche Professor Hector, der eine sehr eigene Beziehung zu Krokodilen pflegt und auch im See einen Vertreter dieser Spezies vermutet. Möchte man ihm zuerst keinen Glauben schenken, ändert sich die Meinung schnell, als das Quartett Zeuge davon wird, wie das riesige Tier einen ausgewachsenen Braunbären in die Fluten zieht.

Bis dorthin und darüber hinaus baut Kelleys Script brav das gewohnte Setting eines Tierhorror-Films mit übellaunigen Wasser-Bewohnern auf und wird unter der routinierten Regie von Steve Miner bis zum Schluss durch die verschiedenen Szenerien des Subgenres gezogen. Von schlechter Qualität ist das nicht und neben einigen anschaulichen Special Effects, darunter die von Stan Winston geschaffenen Animatronics des heimlichen Hauptdarstellers verschafft der Film der Zuschauer wenige, aber gut aufgebaute und spannende Szenen. Mehr bleibt von Lake Placid der vergnügliche Culture Clash im Aufeinandertreffen von Keough, Hector, Kelly und Jack hängen. Die vom Luxus der Urbanität ihrer Heimat verwöhnte Kelly tut sich schwer mit dem ländlichen Idyll ihres Aufenthaltortes und deren Vertreter Jack, während Keough, stellvertretend für die gemütlichen Gemüter der Örtlichkeiten ständig mit dem exzentrischen Hector aneinander gerät. Die Leichtigkeit, mit der Kelley dies in sein Script gepackt hat, sorgt für einige amüsante Momente und lässt Lake Placid zu einem kurzweiligen Screwball-Horror werden.

Den Höhepunkt erreicht der Film mit der Einführung von Golden Girl Betty White und deren schrulliger Figur Mrs. Bickerman, die mehr über das Krokodil zu wissen scheint, als sie zuerst zugeben möchte. Die hinzu kommende Absurdität lässt über die standardisierte Abarbeitung des Horror-Szenerien hinwegsehen. Dem Charme, den Kelley seinen Figuren und dem Film damit schenkt, erliegt man nur allzu gerne und verzeiht so manchen Griff in die Klischee-Kiste. Weit weg vom Attribut outstanding ist Lake Placid ein dazu hübsch gefilmter und atmosphärisch ansprechender - hin und wieder wirkt es so, als hätte Stephen King für die Vorlage gesorgt - kleiner Horrorfilm, der Dank der Konzentration auf die komödiantischen Aspekte des Plots für kurzweilige Unterhaltung sorgen kann. Ein kleiner, aber durchaus schmackhafter Happen für den großen, gierigen Schlund des Genre-Fans.

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