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Mittwoch, 20. Februar 2019

Ghost Stories

Der technische Fortschritt machte es Wissenschaftlern im parapsychologischen Bereich über die Jahre einfacher, etwaige übernatürliche Begebenheiten oder sogar Geistererscheinungen zu widerlegen. Tatsächlich unerklärlich bleibende Phänomene wurden (und werden) verschwindend gering und zur Seltenheit. Der Glaube daran, dass es übernatürliche Ereignisse und unerklärliche Dinge zwischen Himmel und Erde geben muss, bleibt bei allen wissenschaftlichen Erkenntnissen in einigen Menschen fest verankert. Spaß am Gruseln, an Gänsehaut herbeiführende Geschichten - am besten noch in nächtlichen Stunden rezipiert - ist eine lustvolle, emotionale Hingabe. Imaginärer Nervenkitzel und gleichzeitig romantisierte Verarbeitung der allgegenwärtigen Erkenntnis, dass Leben immer auch endlich ist. Gleich, ob solche Grusel- oder Geistergeschichten mündlich oder später schriftlich überliefert wurden: das Kredo lautet mindestens "Hauptsache gut gegruselt", im höchsten Falle I want to believe.

Bei stark ausgeprägtem Glauben, oder dem unbedingten Wunsch, dass übernatürliche Phänomene existieren, sind diese Leichgläubigkeit ausnutzende Scharlatane nicht weit. Diese als Betrüger in seiner TV-Show zu entlarven ist das Lebenswerk von Professor Goodman, einem Bilderbuchrationalisten, der keinen Pfifferling darauf gibt, dass Geister tatsächlich existieren könnten. Aus heiterem Himmel erhält Goodman eine Nachricht seines Vorbilds und als verschwunden geglaubten Charles Cameron, welcher in den 70ern mit einem ähnlichen Sendeformat, wie es nun Goodman selbst macht, bekannt wurde. Der sichtlich vom Alter gezeichnete, abgeschottet lebende Wissenschaftler überreicht dem Professor drei Akten mit für diesen bisher unerklärlichen Fällen. Diese handeln vom Wachmann Tony, der bei einer Nachtschicht in einer verlassenen Psychiatrie Bekanntschaft mit einem Geistermädchen machte, dem sensiblen Teenager Simon, der bei einer nächtlichen Autofahrt seiner Ansicht nach den Leibhaftigen persönlich angefahren hat und vom zynischen Geschäftsmann Mike, dessen Familie Ärger mit einem Poltergeist bekam. Goodmans Aufgabe: Camerons Ansicht widerlegen, dass es sich bei diesen Fällen um echte übernatürliche Erscheinungen handelt.

Verpackt sind diese drei Ghost Stories als launige Anthologie im Stile der legendären Amicus-Studios, welche schaurige Episodenhorrorfilme in den 70er Jahren zu ihrem Markenzeichen machten. Das Regisseuren-Doppelpack Jeremy Dyson und Andy Nyman, welcher gleichzeitig in die Rolle des Professoren-Protagonisten geschlüpft ist, verfilmten ihr eigenes Theaterstück und gestalten ihre Erzählung als Hommage an diese Klassiker, ohne bloß zu kopieren. Die Geschichte um Professor Goodman ist keine bloße Rahmenhandlung, die als Kitt einzig die einzelnen drei Erzählungen zusammenhält, wie man es von vielen Horror-Anthologien gewohnt ist. Eher konzentriert sich Ghost Stories auf seinen Protagonisten, der die heimgesuchten Menschen an ihren Wohnorten besucht, mit diesen Vorgesprächen führt, die als dargestellter Zeugenbericht dem Zuschauer näher gebracht werden. Der Film nimmt sich die Zeit, Goodman bei seiner Arbeit darzustellen, was zu lasten der einzelnen Geschichten geht. Dyson und Nyman beschränken sich darauf, klassische Horrorgeschichten zu erzählen; weitgehend unoriginell, geschweige denn überraschend in ihrer Auflösung.

Das Duo spinnt Ghost Stories zu einem Spiel mit der Wahrnehmung der Hauptfigur und des Zuschauers weiter. Mit Gespür für Atmosphäre schaffen sie es, jedem der drei Fälle gebührenden Gruselfaktor zu schenken, beschränken sich dann und wann zum Leidwesen des subtilen Charakters ihres Films auf fade Jumpscares, die den Horrorfaktor ihrer Geschichte schmälert. Für Dyson und Nyman ist es einzig ein Vorwand, um in der zweiten Hälfte ihr Spiel um den Glauben über das Gesehene auf die Spitze zu treiben. Die zum Ende hin auftretende surrealistische Traumlogik durchbricht den konventionellen Charakter des Films und selbst wenn spätestens hier durch erste Anspielungen die traurige Auflösung zu erahnen ist, so bleibt diese effektiv. Letztendlich - so das Fazit von Ghost Stories - funktioniert eine Geistergeschichte nur so gut, wie sie erzählt und gleichzeitig vom Rezipienten wahrgenommen wird. Selbst dann, wenn es hierbei um die eigene Impression ist. Man sollte dieser manchmal nicht zu stark trauen. Schnell wurde für uns im Kindesalter der Schatten eines Stuhls, eines Klamottenberg oder anderem im Dunkel des nächtlichen Zimmer zu einem Monster oder Geist. Die Macht der Einbildung kann stark sein, auch für nüchterne Menschen wie Professor Goodman, für den sowie den Zuschauer am Ende nichts so ist, wie es schien. Ghost Stories vermag mit seinem Ende und der restlichen Darstellung seiner Geschichte keinen Preis für Innovation erhalten, dafür ist es allerdings ein durchaus charmanter wie atmosphärischer kleiner Horrorfilm geworden, dessen Dramatik im Finale einzig durch die Nutzung bekannter Genremuster leider etwas an Wirkung verliert.

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