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Freitag, 22. Januar 2021

Todestrauma

In der Motivation seiner Antagonisten ist der Slasher eine Reduktion dessen, was der Giallo, bekanntlich Vorläufer des Subgenres, meist breit ausgeschmückt und teils mit absurd anmutender Intention dem Publikum präsentierte. Ansatzweise bestimmen hier ebenfalls Motive wie persönliche Rache, sexuelle Traumata und Abnormitäten, psychologische Fehlentwicklungen oder gleich der pure Wahnsinn das Handeln der zum filmischen Boogeyman gewandelten, Mensch gewordenen Monster. In Todestrauma - mehr noch unter seinem Originaltitel The Dorm That Dripped Blood bekannt - stochert man als Zuschauer lange im Nebel, wenn man nach einem Grund für das Treiben des Mörders Ausschau hält. Der frühe Slasher hat zwar schon sorgfältig die Rezeptur für ein zünftiges Schlitzer-Treiben auf der Mattscheibe verinnerlicht, nur ein ansatzweise interessantes Setting und blutige Mordszenen allein machen noch lange keinen guten Slasher.

Während nun in den Weihnachtsferien Studentin Joanne mit ein paar freiwilligen Helfern ein Studentenwohnheim für den angedachten Abriss vorbereitet und ausräumt, geht in dem leeren Gemäuer ein natürlich zunächst unbekannter Mörder umher. Einem Schatten gleich bewegt sich dieser fast vollkommen unbemerkt durch die dunklen Treppenhäuser, Gänge und leeren Räume, um im Kinderabzählreim-Prinzip die studentische Truppe zu dezimieren. Ein auf dem Uni-Gelände verbliebener Sonderling wird zunächst dem Zuschauer, im weiteren Verlauf der Handlung den übrigen Hauptfiguren als Ursprung allen Übels schmackhaft gemacht. Nach obligatorischem Prolog-Mord, dessen Sinn mit jeder fortlaufenden Minute des Films mehr flöten geht, baut Todestrauma wie so mancher frühe Slasher seine Handlung mit bedächtigem Tempo auf. 

Bevor das Interesse des Publikums zu stark Richtung Nullpunkt kullert, schiebt man parallel dazu in das Script einige garstige Morde mit ein. Nur verpasste man es bedauerlicherweise, diesen einen Hintergrund zu schenken, damit überhaupt zuordenbar ist, wieso die betreffende Figur den Filmtod sterben musste. Somit erscheint der Prolog von Todestrauma doppelt verschenkt; andere Werke nutzen diesen meist zumindest Ansatzweise, um dem Killer ein Profil und einen Grund für sein Handeln zurecht zu legen. So verloren wie die Charaktere durch das Abrissgebäude stolpert man durch den Film, wie Obrow und Carpenter durch ihre eigene Story. Verloren in der eigenen dunklen Leere schleppt sich diese durch Genre-Muster, die bar jeder Spannung dem Zuschauer vor die Füße geworfen wird.

Das große Aber kommt mit der Enthüllung des Mörders und dem damit eingeleiteten Finale. Große Innovationen bleiben aus, doch schwenkt die Tonalität des Films derart, dass man den Verdacht nicht loswird, dass Obrow und Carpenter dieses Kapitel ihres Slashers zuerst in den Sinn gekommen ist und sie eher kläglich versucht haben, daraus einen kompletten Film zu machen. Während alles davor weitgehend Slasher-Dutzendware ist, bietet Todestrauma im letzten Viertel ein spannendes Katz-und-Maus-Duell, dessen kaltschnäuziges Auftreten im krassen Kontrast zum bisherigen Film steht. Vorhersehbar bleibt die Handlung wie zuvor auch im Finale; (positiv) überraschend ist dabei, wie konsequent und ernst man dies bis zum niederschmetternden Schluss beibehält. Gesamt betrachtet macht das aus ihm leider keinen richtig guten Horrorfilm. Die schal inszenierte, mit sinnlos erscheinenden Kills garnierte Story bietet leider so wenig Interessantes, als das der gute Rest dies retten könnte. Die dort vollzogene Wandlung schenkt dem Früh-Slasher zumindest einen kleinen Obskuritäten-Status, bei dem man bedauert, dass der dort beschrittene Weg nicht viel früher begangen wurde. Das hätte aus Todestrauma mehr als nur zu einer Randnote des Subgenres gemacht.

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