22. Februar 2009

Verflucht zum Töten


Aldo, Mario und Nino überfallen auf brutale Weise eine Bank, erschießen dabei zwei Zivilisten und können mit dem erbeuteten Geld flüchten. Außerhalb der Stadt zwingt sie aber eine Autopanne, einen unvorhergesehenen Stop einzulegen. Sie kommen dabei in die Nähe eines abgelegenen Strandhauses, in dem gerade einige Internatsschülerinnen unter der Aufsicht von Schwester Christina für ihr Abitur büffeln. Die drei Gangster dringen in das Haus ein, töten auf brutale Art und Weise die Köchin und verschanzen sich im Haus. Dabei schrecken sie auch vor Vergewaltigungen nicht zurück. Als der Terror des Trios gegen die Bewohner des Hauses immer größer wird und sie eine der Schülerinnen sogar töten, beginnen sich die Unterdrückten langsam zu wehren.

Nachdem Wes Cravens Rape and Revenge-Reißer Last House on the Left ein Erfolg an den Kinokassen wurden, mussten natürlich auch im Land des Stiefels flugs einige Streifen nach dem gleichen Schema gedreht werden. Erstaunlich dabei ist, das ausgerechnet in dem europäischen Land mit dem meisten Exploitationgehalt im Film, die Rape and Revenge-Filme ausgesprochen zurückhaltend agieren. Dies ist bei Aldo Lados meisterlichem Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien der Fall, als auch hier bei La settima donna. Auch hier liegt der Fokus, anders als in anderen italienischen Genreproduktionen, gar nicht einmal bei ellenlangen, reißerischen Folter-, Tötungs- und Vergewaltigungsszenen. Natürlich gibt es sie trotzdem, nur wird an den entscheidenden Stellen weggeblendet, so das sich das meiste Grauen im Kopf des Zuschauers abspielt.

Doch auch so gelingt es Regisseur Franco Prosperi, einige sehr unschöne Momente einzufangen, die unter die Haut gehen. Mit wenigen Mitteln gelingt es ihm, einige Schlüsselszenen ohne groß reißerisch zu werden, mit einigen Schockmomenten zu versehen. Gerade als ein Vertreter eines sehr groben und exploitativen Subgenres kommt Verflucht zum Töten ohnehin mit einigen technischen und inszenatorischen Finessen um die Ecke, die man so nicht erwartet hätte. Alleine schon der in ungewöhnlichen Einstellungen gefilmte Banküberfall am Anfang mag zu begeistern. Hier hält sich weder Prosperi, noch das Drehbuch mit unnötigen Längen auf, so das sich das Gangstertrio schnell im Strandhaus einfindet und mit dem Terror gegenüber der Insassen anfängt. Die Befürchtung, das sich Längen durch das schnelle zum Kern der Geschichte kommen einstellen, ist dabei unbegründet. Allerdings läßt Prosperi - wie seine Protagonisten - Gott einen guten Mann sein und erzählt die Geschichte in einem sehr gemächlichen Tempo, was dem Film doch etwas an Dynamik nimmt bzw. diese mehr gewünscht ist.

So verwässern einige Actionszenen und ein wenig mehr "Drive" hätte dem ganzen Werk wirklich gut getan. Denn auch die Darsteller lassen sich wohl bald von der Postkartenidylle der Location einlullen und spielen auf routiniertem, aber nicht sonderlich herausstechenden Niveau. Florinda Bolkan als Schwester Christina gibt erst zum Schluss hin ihrem Charakter etwas mehr Pepp, während auch Ray Lovelock etwas blass bleibt. Allerdings ist seine Figur des Aldo noch relativ undurchsichtig, so das man ihm die Momente als bekannter Schönling nicht übel nehmen kann. Einzig und allein seine zwei Kompagnons, Flavio Andreini und Stefano Cedrati können wirklich überzeugen und spielen als schmierige und unberechenbare Gangster wirklich gut. Auch die Darstellerinnen der Schülerinnen machen ihre Sache im großen und ganzen auch recht ordentlich.

Trotz all seiner Vorzüge bleibt aber Verflucht zum Töten der Status eines richtig guten Filmes knapp verwährt. Es gelingt ihm erst spät, wirklich Spannung aufzubauen. Zudem läutet Prosperi das Finale und somit die Rache der Frauen an ihren Peinigern etwas zu abrupt ein. Die Eskalation der Geschehnisse bleibt zwar nachvollziehbar und ist zudem mit einer sehr wirkungsvollen, da schockierenden Szene eingeleitet, wird dann allerdings etwas zu schnell abgespult und flugs ist man schon am Ende des Films angelangt. Bis dahin wird man mit einem ungewöhnlich zurückhaltenden, aber doch recht unterhaltsamen Rape and Revenge-Thriller unterhalten, der zudem über einen wunderschönen Soundtrack verfügt, bei dem Lovelock das Titellied sogar selbst gesungen hat. Und hätte der Film etwas mehr Dynamik und würde die Handlung in manchen Bereichen etwas mehr Konsequent durchziehen, wäre er wirklich ein sehr bemerkenswerter Film. So kann man ihm "nur" gute, überdurchschnittliche Qualität zu attestieren.
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