4. April 2009

Silbersattel

Als kleiner Junge muss Roy Blood mitansehen, wie sein Vater von einem Gefolgsmannes des reichen Herrn Barretts erschossen wird, da er seine 100 Dollar einfordert, um die er von Barrett betrogen wurde. Roy erschießt daraufhin den windigen Gesellen und reitet mit dessen Pferd auf und davon. Jahre später ist Roy zu einem properen Mann herangewachsen und reitet mit dem Markenzeiches des Mörders seines Vaters, einem silbernen Sattel, durch das Land. Er trifft dabei auf den Leichenfledderer Snake, der ihm wenig später einen Deal macht, den Roy nicht ausschlagen kann. Er soll Thomas, ein Mitglied der Barrett-Familie, ermorden. Allerdings entpuppt sich dieser als ein kleiner Junge, den er im letzten Moment vor anderen Schergen, die es auf ihm abgesehen haben, schützt. Trotz seines Hass auf die Barrett-Familie nimmt sich Roy dem kleinen Thomas an und kommt bald einer Intrige auf die Schliche, in der es um den Tod und das immense Erbe des kleinen geht. Roy versucht daraufhin, den Intriganten das Handwerk zu legen.

Der dritte und letzte Western von Kultregisseur Lucio Fulci entpuppt sich für dessen Verhältnisse als ein relativ zahmer Spätwestern, der durchaus zu unterhalten weiß. In der Hauptrolle steht dabei Giuliano Gemma, der sich zu dieser Zeit einen Namen als Westerdarsteller gemacht hat und ein Jahr zuvor im brillanten Der Mann aus Virginia mitspielte. Anders als dort, verkörpert hier Gemma wieder einen für ihn typischen Charakter. Roy Blood ist ein mit außerordentlich vielen Talenten ausgestatteter Mann, der sich aus jeder noch so brenzligen Lage befreien kann und zudem moralisch höchst integer agiert. Allerdings wird er so ein wenig zu sehr als eine Art am Ende immer siegender Supermann dargestellt. Nicht ungewöhnlich für den Italowestern, tummelten sich dort doch mehr solcher Figuren. Doch irgenwie mag Gemmas Charakter, trotz dem gelingen, das man Sympathien für seine Figur herstellt, hier nicht so richtig passen.

Fulci schafft mit dem toll inszenierten Anfang zuviele Erwartungen, die Silbersattel im weiteren Verlauf seiner Geschichte nicht halten kann. Die dort vorherrschende düstere Stimmung und unterschwellige Spannung verpufft schon innerhalb der nächsten fünf Minuten und man hat es dann mit einem eher gemäßigteren Vertreter seiner Art zu tun. Durch die Intensität des Beginns vermutet man eher einen knallharten Rachewestern. Und auch wenn das Motiv der Rache durchaus in der Geschichte Silbersattels vorkommt, so lockert man allerdings das Auftreten des Films durch einige mildere Elemente auf. Mit der Einführung der Figur des Snakes, ohnehin der heimliche Star des Films, kratzt man sogar ein wenig am erst in den 80ern wirklich aufkommenden Subgenre des Buddymovies. Auch wenn Skepsis zwischen beiden Parteien herrscht, so kommt auch eine fruchtbare Partnerschaft zwischen Roy Blood und Snake auf, die spätestens am Ende als eine Art heimliche bzw. aufkeimende Freundschaft dargestellt wird.

Dabei ist Snake das pure Gegenstück von Roy. Er zieht von Unglück zu Unglück, immer die Opfer und Toten nach deren Wertsachen durchsuchend, um diese dann an sich zu nehmen. Schnell hegt man allerdings mit ihm auch eine gewisse Sympathie, da Snakes Charakter gerade durch seine Verschrobenheit einen gänzlich eigenen Charme gewinnt. Der vom Amerikaner Geoffrey Lewis dargestellte wird wie erwähnt der heimliche Star des Streifens, da man seiner Figur die Ecken und Kanten gegeben hat, die Roy einfach fehlen. Selbst als er sich dem kleinen Barrett annimmt, siegt am Ende doch seine gute Seite. Wäre Silbersattel wohl einige Jahre früher entstanden, wäre die Figur Roy Blood wohl nicht so wohlwollend mit dem Kind umgesprungen.

Wobei man hier mit dem Handlungsverlauf auch eher eine kleine Botschaft mit auf den Weg geben möchte. Roy und der kleine Thomas freunden sich immer mehr miteiander an, ganz gleich, das der Junge ein Verwandter von dem Mann ist, der den Tod seines Vater zu verschulden hat. Dieses Motiv der Vergebung läßt Silbersattel ja beinahe schon etwas kitschig und in die Nähe "verweichlichter" US-Western gleiten. Allerdings ist der auch unter dem Alternativtitel Sie starben in Stiefeln bekannte Film doch durch und durch ein Italowestern, der durch ein herrlich dreckiges und staubiges Ambiente begeistern kann und die für Genre auch so bekannten Härten aufweist. Wobei man hier - gerade auch im Bezug auf Regisseur Fulci und dessen spätere Gewaltepen - doch sehr gemäßigt und zurückhaltend zu Werke geht. Zwar gibt es auch hier einige Grausamkeiten, andere Italowestern sind allerdings weitaus offensiver, was das angeht.

Einem Unterhaltungswert kann man ihm auch nicht absprechen, nur hätte man das Werk alles in allem doch etwas runder inszenieren können. Das Drehbuch kommt relativ Stückhaftig daher und bietet einige größere Zeitsprünge und es entsteht ein abgehackter Erzählfluss. Manche Sprünge erweisen sich einfach als zu hart und es hat den Anschein das man ohne große Ideen manche Ideen und Szenen im Drehbuch einfach nur aneinanderreihte und das mit einigen Füllelementen zu einer kompletten Geschichte ausdehnte. Dies ist Silbersattels größtes Manko und verwehrt ihm auch den Status eines richtig guten Films. Richtig gut ist dafür der Soundtrack aus der Feder von Franco Bixio, Vince Tempera und Fabio Frizzi. Letzterer sollte übrigens auch den kongenialen Soundtrack zu Fulcis erstem großen Splatterfilm, Woodoo - Schreckensinsel der Zombies, beisteuern. Hier kupfert man nämlich ein klein wenig bei Spiel mir das Lied vom Tod ab und gibt jedem größeren Charakter ein eigenes Thema, das beim Auftritt von diesem erklingt. Vor allem das Thema von Roy Blood, verschiedene Abwandlungen des ohnehin sehr schönen Titellieds, vermag schnell ins Ohr zu gehen.

Fulci arbeitete hier mit seinem Stammkameramann Sergio Salvati zusammen, der für ihn später auch seine großen und bei Horror- und Splatterfans so bekannten und geliebten Werke fotografierte. Auch hier bekommt er einige schöne Bilder hin und auffallend an Silbersattel ist, das eines der Motive für das Fulci am bekanntesten ist, der Zoom auf die Augenpartie seiner Darsteller, hier überraschend wenig auftaucht. Scheint so, als hätte sich der 1996 leider verstorbene Regisseur dieses Markenzeichen erst zu seiner Horrorfilmzeit angeeignet bzw. ausgebaut. Von seinen drei Western bleibt Silbersattel allerdings der schwächste, der auch an einer sehr konstruierten Auflösung zum Ende krankt. Trotzdem ist er auch ein seichter, aber auch kurzweiliges Italowestern-Abenteuer, das - ein wenig runder inszeniert - noch ein wenig besser geworden wäre.
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