12. Oktober 2009

Byleth - Der Dämon mit den blutigen Fingern

Nach gut einem Jahr kehrt Barbara zurück in ihr Elternhaus, in dem schon sehnsüchtig ihr Bruder Lionello auf sie wartet. Die beiden Geschwister verbindet etwas besonders und die Liebe zu einander ist nicht nur rein platonischer Natur. Doch die Rückkehr seiner Schwester stellt Lionello vor eine harte Probe, ist sie doch mittlerweile seit einiger Zeit mit dem galanten Giordano verheiratet und weißt seine Zuneigung zurück. Zutiefst von ihr gekränkt, begegnet er auch dem Schwager von nun an sehr reserviert. Als wäre dies noch nicht genug für das ohnehin sehr sensible Nervenkostüm Lionellos, wird ein Dienstmädchen in ihrem Zimmer ermordet. Der Richter des nahegelegenen Ortes stellt bei seinen Ermittlungen fest, daß Parallelen zu einem Mord an einer Prostituierten bestehen, was die Ausführung der Tat und die Mordwaffe angeht. Zur Ablenkung Lionellos lädt Giordano seine Cousine ein um sie mit ihm zu verkuppeln und gibt diesem auch noch zu Ehren ein Fest, bei dem Barbara per Zufall die Theorie des örtlichen Geistlichen zum Mord mitbekommt. Er geht davon aus, daß Byleth, ein alter Dämon, für die Morde verantwortlich ist. Dadurch wird sie an einen alten Vorfall aus Kindertagen erinnert, bei dem sie ihren Bruder mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden liegend vorfand und eben diesen sonderbaren Namen vor sich hinmurmelte. Seine Schwester stellt sich dadurch nun die Frage, ob Lionellos seltsames Verhalten wirklich nur durch die Umstände des Mordes herrühren, oder ob er von dem Dämonen besessen ist.

Seltsam ist dabei auch ein treffendes Wort um den ersten Eindruck zu Byleth zu beschreiben. Nicht uninteressant, allerdings auch nicht wirklich packend oder spannend spinnt hier Regisseur Leopoldo Savona eine Geschichte zwischen mit allerlei Nuditäten versehenem Inzestdrama und seichtem Okkulthorror. Dabei geht Savona sogar so weit und läßt den Film mit einer Szene beginnen, die auch aus einem waschechten Giallo hätte stammen können. Dabei hätte sich der eher mit Italowestern vertraute Regisseur etwas mehr für eine Stilrichtung entscheiden sollen, ist die in Byleth vorherrschende Mischung der Genreversatzstücke nicht gerade ausgewogen. Es ist ein behäbig erzählter Film, der nicht wirklich in die Pötte kommen mag. Die Geschichte versickert in einer trüben Grube voller Langeweile, da die verschiedenen Elemente der Genre nur Ansatzweise vorhanden sind, sich allerdings nicht ein einem Genre vertieft. Um auch dem damaligen, voyeuristischen Bahnhofskinopublikum gerecht zu werden, bleibt Savona mit seinem Stoff vor allem auf der erotischen Ebene hängen.

Der Regisseur, 1922 in Lenola geboren, begann seine Karriere Ende der 40er Jahre mit einer Rolle in der US-Serie Studio One, wechselte allerdings bald hinter die Kamera und trat nur noch gelegentlich vor diese. Er hatte schon einige Jobs wie Choreograph, Produktionsmanager oder auch schon Drehbuchautor inne, als er damit begann, Regieassistent zu werden. Hier waren schon längst die 50er Jahre und die Zeit des Neorealismus angebrochen, so daß Savona an Werken wie Die freudlose Straße, Frauen und Wölfe oder Liebe, Frauen und Soldaten mitwirkte. Der bekannteste Film in seiner Zeit als Regieassistent dürfte dabei der 1961 entstandene Accatone - Wer nie sein Brot mit Tränen aß von Pier Paolo Pasolini sein. Kurz darauf wechselte er selbst auf den Regiestuhl und bewegte sich fortan eher in seichteren Gewässern. Die Hochphase seines Schaffens ist dabei mit der des Italowesterns verbunden, machen diese doch die meisten Einträge in seiner Filmographie aus. Hier war er unter anderem für solche Werke wie Spiel dein Spiel und töte, Joe, El Rocho - der Töter oder Pizza, Pater und Pistolen verantwortlich. In letzterem arbeitete er auch schon mit dem Hauptdarsteller seines Byleth zusammen: Mark Damon. Der Amerikaner hüpfte auch von Genre zu Genre und zählt zu seinen bekanntesten Filmen den Giallo Sieben Jungfrauen für den Teufel, den Italowestern Ringo mit den goldenen Pistolen und der in seinem Heimatland entstandenen Poe-Verfilmung Die Verfluchten von Roger Corman.

Der charismatische und wohl auch bei der Frauenwelt sehr gern gesehene Amerikaner ist es dann auch, der Byleth über weite Strecken der Laufzeit trägt. Nicht nur, daß er seine Filmpartnerin Claudia Gravy überaus gekonnt anschmachtet, auch sein nicht ganz stramm sitzenden Schräubchen in der Oberstube bekommt er zwar mit etwas Overacting, aber dennoch recht gut hin. Doch Damon allein schafft es auch nicht, gegen die ständig vorherrschende Belanglosigkeit anzukämpfen. Byleth ist von vorne bis hinten unspektakulär, bietet dafür aber eine unheimlich dichte Atmosphäre die auch schon durch die gesamten Settings sehr stark an die Hochzeiten des Gothic Horrors erinnert. Zusammen mit dem sich wunderbar in den Hintergrund einfügenden, leicht folkloresken Soundtrack von Vasil Kojukaroff, der leider seine einzigster ist, schwimmt der Film schon nahezu in einer wunderbar entrückten Stimmung. Gerade in Szenen mit Damon und Gravy, die sich mit der verbotenen Liebe zwischen den Geschwistern beschäftigen, wirkt dies sogar angenehm schwülstig. Es scheint, als wäre die Geschichte für Savona Nebensache und er wolle nur mal einige schön ausgeleuchtete Szenen verbunden mit eben dieser dichten Atmosphäre schaffen.

Doch während andere Kollegen damit sogar die dünne Story ihrer Filme vollkommen vergessen lassen und trotzdem lobende Worte für ihre Werke bekommen, reicht dies für Savona nicht ganz. Schöne Bilder und eine tolle Stimmung sind eben nicht alles und wenn man die ganze Spannung lieber vor der Tür läßt, als sie doch mal kurz rein zu bitten, so rächt sich dies. Zwar ohne irgendwelche Längen auskommend, stimmt die Erzählrhythmik von Byleth nicht wirklich. Für einen Giallo bietet er außer der Eingangssequenz viel zu wenig an typischer Thriller- bzw. Krimistory. Auch der Horror ist eigentlich nur mal kurz auf einen Sprung da, wird doch auch der Bezug zu titelgebenden Dämon sehr spät hergestellt. Bleibt die Erotik, welche wohl auch den damaligen deutschen Verleih dazu bewog, den Film unter dem Titel Trio der Lust in die bundesdeutschen Lichtspielhäuser zu bringen. Wobei: selbst wenn die stilvoll eingefangenen, nackten Frauenleiber überwiegen, so richtig passend ist dieser Name auch nicht wirklich. Die suggerierte Menage a troi kommt so nicht wirklich vor und die Lust mag sich ebenfalls nicht einstellen. Auch wenn bei weitem nicht so schlimm wie die räudigsten (S)Exploitationfilme, bleibt es hier eher schundig trotz gewissem (Pseudo-)Niveau.

Es fehlt einfach an Pepp und Schwung und einigen Spannungselementen. Auch einige Wendungen innerhalb der Geschichte hätten Byleth bestimmt gut getan, verläuft diese doch ohne wirkliche große Überraschungen und so benötigt man relativ wenig Hirnschmalz um auf die Auflösung zu kommen, die dann auch recht abrupt eintritt und urplötzlich ist der Film dann auch schon zu Ende. Das kommt dann ein wenig zu ruppig, stört dann allerdings auch nicht weiter. So bleibt man ein wenig Zwiegespalten was den Gesamteindruck angeht, zurück. Eigentlich ist der Film nicht mehr als guter Durchschnitt, kann allerdings durch seine detaillierte Ausstattung und seiner schönen Atmosphäre und dem sehr hörenswerten Soundtrack gefallen. Byleth scheint sich am ehesten für einen langweiligen, gemächlichen Sonntag Nachmittag zu eignen, besitzt dieser doch ebenso diese beiden Eigenschaften.
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