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Sonntag, 10. Januar 2016

The Danish Girl

Der dänische Maler Einar muss für seine Gattin Gerda, ebenfalls eine Malerin, für ein Porträt einer Tänzerin ersatzweise Modell stehen. Er schlüpft dafür in Frauenstrümpfe und -schuhe und darf das Kleid halten. Es ist der Beginn einer Wandlung des für seine Landschaftsbilder bekannten Künstlers. Im Spiel kreieren seine Frau und er Lili, seine weibliche Seite, welche in der Öffentlichkeit als seine Cousine vorgestellt wird, die für ihn auf einen Künstlerball geht, da er diese Veranstaltungen nicht ausstehen kann. Es ist gleichzeitig der Ausbruch seines wirklichen ichs: Einar merkt immer mehr, wie er gefallen daran findet, Frauenkleider zu tragen und sich feminin zu geben. Er fühlt sich als Frau, gefangen im Männerkörper. Zum Leidwesen seiner Frau, da Lili immer häufiger überwiegt. Es stellt das Eheleben auf eine harte Probe, die konsultierten Ärzte diagnostizieren Perversion oder Schizophrenie. Einziger Helfer könnte Kurt Warnekros sein, ein deutscher Arzt, der Lilis Sehnsüchte ernst nimmt und sich bereit erklärt, sie vollends zu einer richtigen Frau zu machen und die erste Geschlechtsumwandlung der Geschichte an ihr durchzuführen.

The Danish Girl basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Eberhoff, der wiederum wurde von den Aufzeichnungen der richtigen Lili Elbe, eine Vorreiterin für die heutige Transgender-Bewegung, inspiriert. Dafür werden einige Fakten aus dem Leben des wahren Künstlerehepaars alleine schon für die Dramatik des Films abgeändert. Eigentlich lebten Gerda und Einar eine offene Scheinehe, da Gerda lesbisch war und ihre Liebschaften auch nicht versteckte. Ein Umstand, der für einen potentiellen Oscar-Kandidaten (bzw. die Literaturvorlage) zu viel gewesen wäre. Man konzentriert sich auf das innerliche Drama der Ehe und von Einar. The Danish Girl ist dabei jederzeit hübsch anzusehen, die Kameraarbeit und die Ausstattung können sich wirklich sehen lassen.

Auch die darstellerische Leistungen von Eddie Redmayne (Einar) und Alicia Vikander (Gerda) sind auf hohem Niveau. Beide können die vorherrschende Zärtlichkeit in der Ehe zu Beginn mit kleinen Gesten wunderbar transportieren, im weiteren Verlauf auch die Zerrissenheit zwischen Kampf um ihren Mann und die Liebe und der aus letzteren resultierenden Unterstützung Lilis. Redmayne schafft eine herrliche Wandlung vom wegen seiner Neigung verängstigten, dann aber immer sicherer wirkenden Transsexueller. The Danish Girl kratzt hier in beiden Belangen, die der Film anspricht, an der Oberfläche. Die Tragik der an der geschlechtlichen Selbstbestimmung in einer vollkommen unaufgeklärten Zeit (der Film ist in den 1920ern angesiedelt) fast zerbrechenden Person ist zugunsten der ehelichen Konflikte zurückgenommen.

Hier vollführt das Drehbuch geschickt, dass diese beiden Themen niemals zu verkitscht und schwülstig besprochen werden. Trotz der schönen Bilder. The Danish Girl ist hübsches, zurückgenommenes Tragikkino mit kleinen und großen Gefühlen, großen darstellerischen Leistungen - auch in den Nebenrollen. Trotz aller Tragik vielleicht doch ein wenig zu viel Leichtigkeit als Gefühl, wenn der Abspann einsetzt. Unter der Regie von Tom Hooper ist dafür ein perfekt durchstrukturierter Film gelungen, der alleine schon durch das wichtige Thema, welches er anspricht, einen weiteren Pluspunkt verbuchen kann.

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