22. September 2018

Die fliegende Guillotine 2

Leider war es für mich nicht eruierbar, wie viele Menschen sich Anno 1977 Die fliegende Guillotine in den westdeutschen Lichtspielhäusern anschauten. Sein Erfolg könnte gut, aber nicht gut genug gewesen sein, um die in seinem Heimatland entstandenen Fortsetzungen auch nach Deutschland zu holen. Der zweite und der dritte Teil des heutzutage als Klassiker angesehenen Martial Arts-Films schafften es nicht über den Ozean und erst vor kurzem wurden sie vom österreichischen Nischenanbieter Shock Entertainment als Deutschlandpremiere auf DVD und Blu Ray, sogar mit eigens angefertigter Synchronisation, veröffentlicht. Nicht gut genug könnte die erste Fortsetzung auch hinsichtlich seiner Qualität gewesen sein, dass die Bahnhofskinoverleiher der Republik die Finger von diesem ließen.

Bevor in den 80ern begonnen wurde, sie inflationär zu nutzen, waren in den Jahrzehnten davor Sequels eher eine Ausnahme bei besonders großen Kassenerfolgen, die Potenzial für eine Fortsetzung erkennen ließen. Selbst in der Prä-Film-Franchise-Ära schien das eiserne Gesetz zu gelten, dass der Zweitling mehr von dem zu bieten hat, was den Ursprungsfilm ausmachte. Im Falle von Die fliegende Guillotine 2 heißt das, viel mehr Fights als in Teil 1. Ruhigere Passagen werden hier immer wieder von Situationen durchbrochen, in denen sich ein weiterer Kampf anbietet. Die gibt es in der im Vergleich zu Teil Eins nur leicht abgewandelten Story zu Hauf. Wieder wird eine Leibwache für den bösen Kaiser geformt, die speziell an der Guillotine ausgebildet wird. Dieses Mal sind es 12 Frauen, die für das Leibeswohl des Regenten sorgen sollen, nichtsahnend, dass die Anführerin der Damen, immerhin Tochter eines kaiserlichen Ministers, zu einer Gruppe von Rebellen gehört. Mit beharrlichem Drängen schafft sie es, das Vertrauen des Kaisers zu gewinnen, dass er sie und ihre Gefährtinnen zur persönlichen Leibwache ernennt.

Um der Story noch mehr Pfiff zu verleihen, gibt es auch hier wieder Verrat und Intrigen, die dafür sorgen, dass der Kaiser Wind davon bekommt, dass sein Palast von Rebellen infiltriert wurde, zu denen auch der aus dem ersten Teil bekannte Ma Teng gehört. Es entbrennt ein unerbittlicher Kampf zwischen dem Mandschu-Regenten und den Han-Rebellen, in dem es nicht nur um die Pläne der effizient wie gefährlich weiterentwickelten fliegenden Guillotine, sondern auch um das Leben der Rebellenführer sowie des Kaisers geht. Zwar muss man auf Chen Kuan-Tai verzichten, dafür schaut mit Ti Lung ein anderer Shaw-Star vorbei, der dieses Mal den Rebellenhelden Ma Teng verkörpern darf. Viel Screentime erhält der Mime nicht. Die Story konzentriert sich auf die weiblichen Heldinnen und kann damit seine formellen Schwächen ausbügeln. Die fliegende Guillotine 2 mag männliche Helden bieten; sie spielen in der Geschichte eine untergeordnete Rolle. Die Protagonisten verkörpert hier die entschlossene, mutige und aufrechte Heroin, die für die guten Werte einsteht und dem bösartigen Kaiser entgegengestellt wird.

Die in dieser Zeit aufblühenden radikal-feministischen Exploitation-Filme des US-Kinos á la Coffy oder Switchblade Sisters schienen ihre Einstellung bis nach Asien zu streuen, während gleichzeitig Europa, allen voran deutsche Genreware, standhaft Sexismus und Misogynität die Stange hielt. Das Endergebnis punktet durch diese Ebene, während der Rest durch routinierte, aber uninspiriert repetitives Storyhandling auffällt, dem weitere neue Aspekte fehlen. Lieber kleistert man alles mit zugegeben gut choreographierten Fights zu, während die Handlung beginnt, auf der Stelle zu treten. Die eingeführte Rebellengruppe, die weiblichen Assassinen des Kaisers und selbst das geupgradete Mordwerkzeug bleiben in der umständlichen Handhabung des Stoffs durch die Regisseure hängen. Brillierte schon Die fliegende Guillotine mit holprigen Schnittfolgen, ist das Pacing hier noch fürchterlicher. Dieses filmische Kammerflimmern durchbricht den mühsam aufgebauten Erzählrhythmus und als Zuschauer muss man sich wie die nach Rückschlägen gebeutelte Rebellengruppe neu ordnen.

Das geht zu Lasten des Gesamteindrucks. Die fliegende Guillotine 2 ist kein Totalausfall, kann aber zu keinem Zeitpunkt an den großartigen Erstling heranreichen. Der Film möchte viel, schafft komplett wenig, um vollends zu überzeugen. Ein Sequel mit den typischen Fehlern, die man in einer Fortsetzung machen will, um damit den Vorgänger zu toppen. Sich mit diesem zu messen und eine Latte draufzulegen, ist ein leicht gescheitertes Unterfangen. Wäre da eben nicht die feministische Note, dem sich auch das chinesische Festland in den 70ern nicht entziehen konnte. Begannen erste Frauenrechtsgruppen schon kurz nach der Revolution 1911, für eine Änderung in der chinesischen Gesellschaft zu kämpfen, erstarkten diese auch in China mit dem weltweiten Feminism Movement. Einzig hier toppt man das Original mit den politischen Parallelen; der Film wirkt sogar freier und offener in der Verarbeitung dieser in seinen Plot. Da ist es doppelt schade, dass der Film als reiner Martial Arts- bzw. Action-Film nicht aus dem Durchschnitt ausbrechen kann.