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Samstag, 27. Januar 2018

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Ich finde Luc Bessons Absicht, seinem Science-Fiction-Abenteuer Valerian eine pazifistische Aussage zu verleihen, bei weitem nicht verkehrt. Es passt wunderbar zum Geiste des Films, der auf einer französischen Comicreihe, welche zum ersten Mal in den 60ern veröffentlicht wurde, basiert. Das kriegerische Wesen des Menschen steht hier unter Anklage, welches, wie die Geschichte (einmal mehr) zeigt, Unschuldige ins Verderben stürzen kann. Es ist ein Kollateralschaden, der nicht passieren sollte, der hätte verhindert werden können, damit aber Verluste auf Seiten der menschlichen Kriegspartei entstanden wären. Das Kriegsverbrechen wird unter den Teppich gekehrt und viele Jahre später von den Spezialagenten Valerian und Laureline während ihrer Ermittlungsarbeit in der Weltraummetropole Alpha stückweise aufgeklärt. Der eigentliche Grund ihres Auftrags in Alpha, das gestohlene letzte Exemplar eines Transmutatoren zurück in die Hände der Regierung zu bringen, rückt fast in den Hintergrund, bevor die Agenten bemerken, dass auch der Diebstahl etwas mit der Verschwörung zu tun hat.

Die frühere Raumstation Alpha wuchs, so lehrt es uns die schöne Zusammenfassung zu Beginn des Films, über die Jahre zu einem großen Komplex im Weltall heran, der irgendwann aus der Umlaufbahn der Erde gestoßen wurde, da deren "kritische Masse" das Kraftfeld dieser beeinflusste. Die der ISS nicht unähnliche Station wuchs zu einer riesigen Stadt im Weltall heran, welche vielen verschiedenen, außerirdischen Wesen Platz und eine neue Heimat bot. Die Metropole steht für ein völker- und rassenübergreifendes, friedliches Miteinander unterschiedlicher Lebewesen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. Sicher ist es nicht frei von Konflikten, steht aber als Sinnbild für einen Sieg über rassistisches Denken und dessen gegenwärtig erstarkende Strukturen. Die Fremden, die außerirdischen Bewohner kommen in ihrer Zeichnung unbescholten davon: manche Rasse ist dem Aussehen nach bedrohlich, manche etwas aggressiver, der tatsächliche Aggressor und negativ behaftete Spezies ist der Mensch.

Konflikte gewaltsam und nur mit Krieg lösen zu können, ist das primitive und rückständige Denken des Menschen, lehrt uns Valerian. Selbst im 28. Jahrhundert, mit allem technischen Fortschritt, ist der Homo Sapiens nicht in der Lage, ohne Gewalt auszukommen. Ausnahmen sind weiterhin eine Seltenheit und das Krieg ohnehin sinnlos ist, wegen dem großen erzeugten Leid, dass auch Unbeteiligte treffen kann, ist ein klarer Antikriegsstandpunkt, den Besson über seine Geschichte vermitteln will. Einerseits ist dies eine rühmliche Absicht, andererseits leider nicht zwingend genug. Die Message des Films gleitet angenehm durch den Hintergrund der hauptsächlichen Agentenstory; gefühlt degradiert es Besson leider häufiger zu einer Nebensache. Der Franzose verliert sich in seiner geschaffenen Welt, die mit ihren vielen, tollen Details zugegeben sehr reizvoll ist. Mehr als einmal fühlte ich mich an sein Das fünfte Element erinnert, als wolle Luc Besson mit Valerian eine Art Update seines Blockbusters aus den 90er Jahren abliefern. Eben nur nicht ganz so aufgedreht und mehr laid back in der Stimmung.

Über weite Strecken funktioniert das auch und man lässt sich gern in die faszinierende Welt Alphas entführen. Valerian ist weniger ein reinrassiger Action- oder Abenteuer-Film im Weltall, sondern mehr ein zweistündiger Trip in eine fremde Welt, in der man sich gut und gerne verlieren kann. Das Besson das mit der Action und Spannung weitaus knackiger kann, zeigt er mit dem bereits angesprochenen Das fünfte Element. Dieser ist weitaus mehr Event, ein buntes Fantasie-Popcorn-Filmwerk als Valerian der bei allem bestreben, wie ein Weltraum-Epos Hollywood'scher Ausmaße zu wirken, zwischen den Zeilen einen Vibe á la Lautlos im Weltraum besitzt. Nicht komplett langsam und meditativ wie dieser, in gewissem Maße teilen sie ihre Grundaussage. Valerian muss(te) auch immer versuchen, den Blockbustern aus Hollywood nachzueifern, damit am Ende auch die Kasse produktionstechnisch stimmt. Anders als diese, fühlt sich Bessons Film weniger leer und tumb an, auch wenn die Geschichte fast wie im Videospiel von "Level" zu "Level" springt und man in den einzelnen Kapiteln/Akten dieser eine neue Welt präsentiert bekommt.

Zum Ende stimmt das Ergebnis. Valerian bietet zwar nicht die komplette Packung Actionfeuerwerk, seine Aussage fühlt sich (glücklicherweise nicht häufig) an die bunten Settings drangeklatscht an, überzeugt im Ganzen als ein etwas anderer Science-Fiction-Blockbuster der bei all' dem bunten Treiben auf dem Bildschirm eben auch versucht, dieses mit Sinn zu füllen. Man verzeiht Besson, dass er seine Konzentration verliert und lieber - wie irgendwann der Zuschauer - durch diese tolle, andere Welt treibt. Selbst der vielerorts gescholtene Dane DeHaan, dessen Valerian wie ein aus den 70ern geholter, rückständiger Übermacho wirkt, ist bei weitem nicht der große Ausfall, wie er beschrieben wird. Seine Chemie mit Schauspielpartnerin Cara Delevigne stimmt. Auch wenn ich mir, wenn ich mir nochmals das Ende vor Augen führe, ihr feministisches, selbstbewusstes Auftreten bis zu diesem Ende gewünscht hätte. Das ist dann leider zu stark an Hollywood-Filmwerk angelehnt.

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