28. März 2018

Graduation Day

Sport ist Mord. Das macht auch der kleine Slasher Graduation Day mehr als deutlich, wenn zu Beginn die junge Laura, Star des Läuferteams ihrer Schule, ein Rennen gewinnt und noch auf der Laufbahn tot zusammenbricht. Inklusive bemüht schmerzerfülltem Gesichtsfasching ihrer Darstellerin. Dieser tragische Tod ist der Anlass für eine Mordserie an der Schule, als sich der titelgebende Tag des Schuljahresabschluss nähert und Laura an diesem gesondert geehrt werden soll. Ein unbekannter Mörder geht auf dem Gelände und in den Hallen der Lehranstalt umher und bringt auf gewisse sportliche Weise die weiteren Mitglieder des Läuferteams nacheinander zur Strecke. Der Verdacht fällt auf Lauras von einem Auslandseinsatzes ihrer Navy-Gruppe heimkehrende Schwester, die sich - so will es das eiserne Gesetz des Subgenres - leicht seltsam verhält. Das trifft auch auf ihren mürrischen Vater und den hartherzigen Trainer des Teams zu. Bis die Auflösung endlich erfolgt, bemüht man sich, die Seiten des Drehbuchs und die Laufzeit des Films zu erhöhen und zwischen viel Leerlauf wenig gute, manchmal sogar kreative Todesszenen unterzubringen.

Unverständlich für mich ist dabei, wieso Graduation Day über all die Jahre eine Fanbase aufbauen konnte. Es mag daran liegen, dass der Film eine Produktion von Troma ist, einige Jahre bevor sich eines der ältesten Independent-Studios dazu entschloss, mit Filmen wie Toxic Avenger oder Class of Nuke 'Em High (wortwörtlich) rotzige Filme jenseits des guten Geschmacks zu produzieren. 1981 waren die Slasher ein gewisser Garant, selbst mit kleineren Produktionen Kohle in die Kassen spülen zu lassen. Regisseur und Autor Herb Freed, der den Film auch mitproduzierte, soll seiner Zeit den potenziellen Geldgebern versprochen haben, dass der Film mit Sicherheit sein Geld wieder einspielen würde. Angesichts der kaum vorhanden Qualitäten des Endprodukts eine gewagte Vorhersage, mit der er allerdings recht behalten sollte. Um beim sportlichen Jargon zu bleiben, ist Graduation Day ein zu Beginn zwar vielversprechender Rookie, steigt im weiteren Verlauf dann unaufhaltsam in die C-Klasse ab. Leider ist Graduation Day einer jener Slasher, der bei seiner limitierten, ungelenken Handlung, nicht mit herausragend guten Effekten, trotz einiger netter Ideen bei den Morden, ablenken kann.

Bis auf den zugegeben fiesen Mord an einem Stabhochspringer und dem recht originellen "Footballspeer" fallen die Kills nur leicht blutig und ziemlich unspektakulär aus. Dazwischen präsentiert man dem Zuschauer eine unspannend verlaufende Geschichte, in der Patch Mackenzie als Lauras Schwester Anne in ihre Heimatstadt zurückkommt, um deren Ehrung bei der Abschlusszeremonie beizuwohnen und irgendwann festzustellen, dass die Teammitglieder des Läuferteams den Staffelstab des Lebens früher als geplant abgeben mussten. Kurios dabei ist, dass die Hauptfigur sogar für gut eine halbe Stunde vollkommen entbehrlich zu sein scheint. Lieber konzentriert man sich dann auf eine überlange Musikszene in einer Rollschuhdisco, die von einem weiteren Mord "aufgelockert" wird und zotigen Späßen mit dem dauergeilen Schuldirektor und seiner Sekretärin. Da lässt der Film schon leicht durchschimmern, auf was für eine Reise spätere Troma-Produktionen gehen sollten. Noch kurioser erscheint, dass sich in der deutschen Fassung des Films einige bekannte Sprecher vor's Mikrofon verirrt haben. Darunter Georg Thomalla als deutsche Stimme des angesprochenen Direktors.

Leider sind diese Späße bemüht lustig und können nicht von der Tatsache ablenken, dass die angestrebte, spannende Murder Mystery des Film in keinster Weise fesselnd ist. Planlos werden Mord- mit Füllszenen aneinander gereiht und so viele Verdächtige wie möglich präsentiert, ohne das in irgendeiner Weise nachvollziehbar zu begründen. Da die für den Zuschauer ausgesuchte Bezugs- und Hauptperson lieber für belanglosen Quatsch fallen gelassen wird und die restlichen Figuren noch schwächer dargestellt werden als diese selbst, ist irgendwann alles egal und man fiebert dem Ende wie bei einem x-ten schlechten Spiel des HSV entgegen. Auch der damals schon Genre-erprobte Christopher George, der die Hauptrolle im ein Jahr zuvor entstandenen Ein Zombie hing am Glockenseil inne hatte, kann den Film nicht weiter retten. Er geht mit ihm zusammen so schnell unter, dass der Semitwist gegen Ende zwar ganz okay erscheint, aber seine gewollte Wirkung nicht komplett ausgespielt wird. In einer ganz kleinen Rolle sieht man, um das der Komplettheit halber noch aufzuzählen, Scream Queen Linnea Quigley, die durch viele Rollen in größeren oder noch kleineren (B-)Filmen bekannt wurde (und sich mir in den Kopf brannte, als sie sich in Night of the Demons einen kompletten Lippenstift in die nackte Brust schob). Zur Ehrenrettung von Graduation Day kann man sagen, dass er in seinen besseren (wenigen) Momenten einen guten, schmierigen Charakter hat und bei weitem nicht komplett ramdösig und vergessenswert wie der ähnliche Killerspiele (auch als Fatal Games bekannt) ist.