Montag, 2. Januar 2012

Dead Survivors

Das schöne an Zombies ist ja, dass es - zumindest seit Romeros Night of the Living Dead - keinerlei großen Erklärungen bedarf, woher diese überhaupt kommen. Entweder lässt man den Grund gleich komplett im Dunkeln oder macht nur vage Andeutungen, wieso überhaupt die Toten wieder auferstehen und es auf die Lebenden abgesehen haben. Meist ist dies dann ein Virus oder hin und wieder auch mal eine von Menschenhand hervorgerufene Katastrophe, die eine Verseuchung mit sich bringt. Die Untoten sind halt urplötzlich da und überrennen die Erde. Ein schöner Nebeneffekt beim Auslassen eines großen Erklärungsversuchs ist ja, dass so die Bedrohung der untoten Massen somit noch verstärkt wird. Natürlich gibt es mittlerweile auch das Gegenteil und es wird sehr wohl gezeigt bzw. erklärt, wieso die Toten aus ihren Gräbern steigen. Dieser Umstand bringt aber auch den Nebeneffekt mich sich, dass jeder Amateur mit halbwegs gutem technischen Verständnis in Sachen Ideenfindung keine große Bemühungen aufbringen muss, für seinen Streifen eine ausgefeilte Hintergrundstory auf die Beine zu stellen.

Bei Dead Survivors haben wir diesen Fall. Von Anfang an sind die Zombies aktiv im Geschehen, haben die Erde überrannt und einige Überlebende haben ihre Müh' und Not, sich die dauerhungrigen Untoten vom Hals zu halten. Selbst das gut ausgerüstete Militär musste schon das weiße Fähnlein schwingen und eine versprengte Gruppe Überlebender unter der Führung von Chris Burnside versucht, in seinem Unterschlupf irgendwie über die Runden zu kommen. Doch Konflikte sind selbstverständlich vorprogrammiert und nachdem irgendein neunmalkluger Unsympath einen Streit mit Christ vom Zaun bricht, stürzt dies die Mädels und Herren in eine neue Bedrohung und eine Odyssee durch den umliegenden Landstrich. Zombies entdecken den Unterschlupf und auf der Flucht trifft man zwar auf einen Haufen behämmerter Soldaten, doch diese sind eher ein Fluch als ein Segen. So findet man hier und da auf dem weiteren Weg in die nächst größere Stadt nicht nur weitere Massen an Zombies sondern auch einen schmucken Landsitz im Wald vor, in dem Chris und seine Kumpanen eine kleine Erklärung finden, wieso es zu dieser Katastrophe kommen konnte.

Hat man nun das Glück, nicht nur begeisterter Fan von Genrefilmen, sondern auch Zocker zu sein, so verspürt man an nicht gerade wenigen Stellen von Dead Survivors ein Deja Vu. Nicht nur der Name der Hauptfigur, sondern auch so einige Elemente der Story erinnern an die überaus erfolgreiche Horrorgame-Reihe Resident Evil des Publishers Capcom, welche es auch schon zu vier mehr oder minder erfolgreichen Verfilmungen und somit Kinoeinsätzen brachte. Da waren wohl Fans der Reihe am Werk. Und auch wenn im Film kaum mit genauen Ortsangaben gearbeitet wird, so fällt neben dem aus dem Lovecraft'schen Geschichtenzyklus bekannte Ort Arkham auch einmal ganz konkret der Name Raccoon City, welche eine nicht gerade kleine Rolle in den Spielen als auch den Kinofilmen spielt. Wie in den Games (und natürlich auch den meisten anderen Zombiestreifen) ist hier das Hauptmotiv das Überleben einer kleiner Gruppe in einer unwirtlichen Welt. Survival. Im Film selbst als auch vor der heimischen Glotze.

Laut einem allseits bekannten Sprichwort ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen und gerade wenn es sich um Debütfilme handelt (denen gerade mal ein Kurzfilm voraus ging), können hier und da noch einige Schnitzer vorhanden sein. Perfekte Filme gibt es ohnehin nicht gerade viele. Ecken und Kanten können manche Werke sogar noch interessanter machen. Vorrausgesetzt ist dabei allerdings Talent, welches Dead Survivors doch eher vermissen lässt. Dabei sind sogar hier durchaus einige Ansätze wie man es hätte gut machen können, vorhanden. Doch die verpuffen genauso schnell wie dürftig aussehenden, eingestreuten Computer-Explosionen, die zum Beispiel beim Abschluss des Prologs für genügend Amusement sorgen. Man hat es durch den auf etwas alt getrimmten, sepia-artigen Look des Films es sogar geschafft, ihm ein wenig den so immer wieder störenden kalten Look vieler auf digitalem Material gedrehten Indiestreifen aus Deutschland zu nehmen. Es funktioniert. Anders als die Handlung, welche wohl beim nächtlichen Besuch des Burger Kings nach einer durchzechten Nacht auf einen Fetzen Serviette gekritzelt wurde.

Zombiefilme mit Hintersinn, Botschaften und dergleichen sind ja bekannterweise ohnehin nicht häufig anzutreffen und gelten als Ausnahme. Selbst in diesen sind sozialkritische Ansätze mehr oder minder im Hintertreffen um eher solche Dinge wie Atmosphäre, Action oder auch Spannung in den Vordergrund zu stellen. Es funktioniert, bestes Beispiel ist sicherlich Romeros Dawn of the Dead (1977). Nicht zu vergessen, dass auch viele Untotenfilme deren Story nicht großartig in die Tiefe gehen, unterhalten können. Es kommt eben immer auf die Qualität der Machart an. Selbst dann, wenn die Geschichte ein Hauch von Nichts ist. Doch bei Dead Survivors muss man sich wirklich die Frage stellen, ob dessen Macher David Brückner wirklich einen Plan hatte oder nur einen Vorwand brauchte, um seine Vorstellungen von "coolen" Sequenzen zu verwirklichen. Handlung? Eine fortlaufende Geschichte? Ja, die Geschichte des Genrefilms lehrt uns: wenn es um wandelnde Leichen geht, braucht man sowas nur bedingt. Ein Grundgerüst genügt. Nur doof, wenn das Grundgerüst so wackelig ist, dass es öfters mal merklich zusammenbricht.

Einige Überlebende die sich ihren Weg zur nächsten Stadt durch viele Gefahren bahnen. Dies hätte man durchaus spannend gestalten können, doch in tiefster sächsischer Provinz hat sich diese irgendwo im angrenzenden Stadtwald verlaufen. Wenn aus den sichtbar (ost-)deutschen Ortschaften auch noch im Kontext der Story Amerika wird, so kann man sich ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen. Die menschenleere Gebiete machen sogar zum Anfang noch was her, doch bietet Dead Survivors eigentlich typischen Indiehorror, der schon zum Aufkommen in der hiesigen Fanszene kaum wirklich Begeisterung hervorlocken konnte. Außer bei Hardlinern, die auf sowas stehen. Da schlägt man sich durch den bundesdeutschen Forst, leerstehende Gebäude und irgendwelche Hinterhöfe und versucht verkrampft, auf international zu machen. Der Einfluss der großen Hollywood-Vorbilder auf Brückner ist dabei auch das größte Manko von Dead Survivors. Anstelle was eigenes auf die Beine zu stellen, variiert man Handlungsstränge besagter Resident Evil-Serie, spinnt bemüht eigene Ideen hinzu und versucht dann auch noch, einen auf dicke Hose zu machen.

Aber Sachsen ist eben nicht Hollywood. Und aufgesetzte Coolness, wie sie hier im Film wie die Zombies um fast jede Ecke biegt, bringt schnell Missmut beim Zuschauer auf. Das übergroße Posieren von Michael Krug als Chris Burnside (welcher allerdings zur kleinen Rettung eine passende Erscheinung für die Rolle ist) ist ja schon ziemlich anstrengend. Doch noch schlimmer wird das ganze, wenn er als Schmalspur-Actionheld ständig nach irgendwelchen Aktionen bemüht lässige Oneliner über die Lippen bringt. Das wirkt so schrecklich und unecht, dass man irgendwann nur noch genervt ist und dem Protagonisten sogar eine ganze Ladung an hungrigen Zombies an den Hals wünscht. Unsympathisch großkotzig und mächtig daneben, dass wohl selbst das "Spläddakiddie" von umme Ecke nur verstimmt die Miene verzieht. Da wird schnell die Figur des Dean zum heimlichen Helden, der irgendwie verdammt normal und wohl gerade deswegen so sympathisch um die Ecke kommt. Immerhin ist dieser Chris ja auch eine Art Supermann, der es versteht, aus wirklich noch so verzwickten Lage zu kommen.

Egal ob die versprengte Truppe von Soldaten mit ihrem oberfiesen Colonel, übertrieben chargierend von Stephan König gemimt oder immer wieder neue Bedrohung durch Zombies: Chris schafft sie alle. Egal ob mit Wumme, Machete oder bloßen Fäusten: die Herausforderungen sind auf leichtestem Level für den Kerl. Bei den Kämpfen mit den Untoten, die typischen Kumpels- und Bekannten-Zombies wie man sie schon aus anderen Amateur-/Indiesplatterstreifen Germaniens kennt, wirds dann nochmal so richtig eng spannend im Gesicht des Zuschauers. Plötzlich packt man da auch noch übertriebenes "Martial Arts" aus. Zugegeben: manches kann man sich noch anschauen. Aber auch hier scheint es so, als sei der Choreograph zum Entschluss gekommen, die Fights sollen wie eine Mischung aus Grundkurs asiatische Kampfsportarten und Backyard-Wrestling aussehen. Apropos Wrestling: Chris Burnside erscheint tatsächlich wie John Cena, einer der derzeit größten Stars in der US-Wrestling-Szene. Auch dieser kann sich ja aus jeder noch so große, misslichen Lage mit scheinbar übermenschlichen Kräften befreien. Das übertriebene, maskuline Auftreten des Protagonisten lässt an dies unironischen und konservativ gefärbten Actionarien der 80er Jahre erinnern. Doch selbst diese waren und sind um Längen besser.

Selbst wenn man dann mal versucht, etwas mehr Hintergründe in die Geschichte zu bringen, scheitert dies. Man klaubt sich hier und da was zusammen und wirft es in kleinen Happen dann ein, wenn man meint, dies könnte den Film interessanter gestalten. Allerdings geht dieser ab der Flucht aus dem Unterschlupf gnadenlos unter und versinkt in Stereotypen grauster Indievorzeit. Wenn man eben versucht auf dicke Hose zu machen mit seinem Stoff, sollte man ausgeklügelter an die Dinge heran gehen. Dead Survivors zehrt allerdings schnell an den Nerven mit immer wiederkehrender Schematik im Ablauf. Man latscht durch die Botanik, trifft auf Zombies, killt diese und geht weiter. Hier und da wird das ganze dürftig aufgelockert mit Erklärungen, woher die Untoten stammen. Ein Virus, erforscht von einem großen Pharmaunternehmen, scheint die Erklärung zu sein. An diesem Punkt angelangt, hofft man als Zuschauer, dass die Überlebenden endlich ihr Ziel und der Film somit sein Ende erreicht. Durch die Gegend latschen und Zombies platt machen ist eben doch zu wenig, um wirklich zu unterhalten. Zumal Dead Survivors nicht mal eine ausgesprochene Splattergranate ist um mit einigen Effekten bei Laune zu halten. Auch hier wird nur Altbekanntes geboten.

Schade, dass der Film zu einer einzigen Geduldsprobe verkommt. Zu Beginn ist man noch guter Dinge, wird allerdings ganz schnell auf den Boden der trostlosen Tatsachen zurück geholt. Wer eben zu stark auf dicke Hose macht, fliegt halt auch auf die Fresse. Dieses Schicksal ereilt Dead Survivors und es bleibt zu hoffen, dass die angedeutete (oder besser: angedrohte?) Fortsetzung durch sein offenes Ende doch besser wird. Nichts bleibt wirklich hängen, alles hat man schon mal (besser) gesehen und auch die Darsteller können nicht wirklich mit herausragenden Leistungen glänzen. Tino Dörner (Dean) durch sein sympathisches Wesen, ansonsten sind es aber eben diese bemühten Leistungen jugendlicher "Wir wollen auch ma' in 'nem Film mitmachen"-Darsteller. Das Alter mancher hier vor der Kamera stehenden Persönchen (ein junges Mädel sogar mit Zahnspange) lässt darauf schließen, das die Macher noch ganz schön Grün hinter den Ohren sind. Wenn man noch Wunschzettel schreiben sollte: dieses Jahr zu Weihnachten bitte eine Extraportion Talent aufschreiben! Vielleicht wirds ja dann doch noch was mit den nachfolgenden Werken. Zudem sollte man sich merken, dass fast dauerhafter Einsatz von Mittelklasse-Synthesizer-Orchestral-Scores ebenso nervig sein kann wie eben dieser Hauch von Nichts an Story. Man sollte an Brückners Stelle nochmal etwas Theorie pauken, bevor es wieder zur Praxis übergeht. Denn so hat Dead Survivors das Klassenziel nicht erreicht.
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Sonntag, 18. Dezember 2011

Viva Cangaceiro

Aller guten Dinge sind drei. Nach dieser bekannten Redewendung ist auch der Italiener Giovanni Fago vorgegangen und hat sich nach dem dritten von ihm inszenierten Western anderen Genres zugewandt. Wobei er allerdings gerade mit seinem letzten Film aus dieser Sparte ein kleines Ausrufezeichen gesetzt hat, da sich dieser damals wie heute doch schon etwas von den vielen anderen Pferdeopern aus Bella Italia abhebt. Zuerst wandte er sich mit seinem Debüt Django der Bastard (1967) sowie dem darauf folgenden Django - Melodie in Blei (1969) recht gebräuchlichen Geschichten zu und präsentierte diese mit allen für das Genre typische Elementen. Dabei hat Fago auch schon bewiesen, dass er vielleicht kein meisterlicher Macher, aber dafür ein sehr solider Handwerker ist, der ordentlichen Stoff abliefern kann. Mit dem im Original betitelten O'Cangaceiro überrascht Fago plötzlich mit etwas völlig anderem, der bestimmt so manchen Zuschauer mit falscher Erwartungshaltung vor den Kopf gestoßen hat.

Man könnte hier natürlich das Argument anbringen, dass der Cangaceiro einer unter vielen der damals aufkommenden Revolutions-Western ist. Zwar verschlägt es Fago zwar auch auf den amerikanischen Kontinent, doch nicht wie üblich nach Mexiko. Lieber hat er mit seinem umfangreichen Autorenteam (darunter der ebenfalls als Westernregisseur bekannte Rafael Romero Marchent) in der südamerikanischen Geschichte gewühlt und dort in Brasilien die sogenannten Cangaceiros für sich entdeckt. Diese waren im Nordosten des größten Landes Südamerikas marodierende Banden Gesetzloser, welche u. a. Städte oder auch Stützpunkte der Armee überfielen. Durch die in diesem Landstrich vorherrschende Armut rotteten sich die zusätzlich auch noch von der Regierung unterdrückten, unzufriedensten Bürger zu eben solchen Banden zusammen, welche ihre armen Mitbürger meistens in Ruhe ließen und teils sogar unterstützten. Als Darsteller für seinen Gesetzlosen suchte sich Fago einen gebürtigen Mittel- bzw. Lateinamerikaner aus, so dass dieser nicht nur durch sein gutes mimisches Können sondern auch durch sein Aussehen glaubhaft in dieser Rolle überzeugen kann.

Man griff zum Kubaner Tomas Milian, einem wahren Kultdarsteller, der ja schon zur damaligen Zeit in so einigen Italowestern mitwirkte. Und dieser ist eine wahrhaft passende Wahl für die Figur des Esposito, der in den 20er Jahren während eines Massakers des Militärs an der Bevölkerung seines Heimatdorfs, angeschossen und hinterher von einem Eremiten aufgefunden und versorgt wird. Zuerst ist Esposito nur mit der Pflege seiner Kuh beschäftigt, interessiert sich nicht für die Vorgänge in seinem Dorf, über die auch sein Vater mit ihm redet. Esposito ist eine einfache Haut, ein Naivling, ohne große Bezüge zu seiner Umwelt. Während draußen die Armee vor dem Dorf steht und einen dort untergekommenen Cangaceiro zur Kapitulation auffordert, ansonsten würde man die gesamte Bevölkerung umbringen, kümmert er sich aufopferungsvoll um das Tier. Er bekommt die Vorgänge gar nicht mit und scheint selbst bei der Eskalation der Ereignisse vollkommen desinteressiert diese an sich vorbei gehen lassen. Erst als beim Massaker der Militärs auch seine Kuh daran glauben muss, erwacht er aus seiner Welt, in der er zu leben scheint.

Glücklicherweise überlebt er leicht angeschossen die Gräueltaten und wird nun von einem äußerst gottesfürchtigen Einsiedler gesund gepflegt, der Esposito mit seinem religiösen Gebrabbel ziemlich beeindrucken kann. Vor allem: er beeinflußt ihn auch. Esposito wird vom Eremiten für dessen Zwecke benutzt. Laut diesem, ist ihm immerhin schon Gott erschienen, der zufälligerweise die Gestalt des Kuh- und Vaterlosen Manns trug. Esposito scheint wie ein hohles Gefäß zu sein, in welches man seine Zwecke einfüllen kann, damit dieser sie dann ausführt. Er wandert nun durch die Gegend, predigt das heilige Wort und ruft dabei gleichzeitig zum Kampfe und zur Rebellion auf. Dabei wird er in seinen Worten immer radikaler und nachdem er während eines Bettelzuges vom Militär aufgegriffen und verhaftet wird, wandelt er sich zum Cangaceiro. Er schart die Mitgefangenen nach einem Ausbruch aus der Haft um sich und formt eine Bande, welche den Landstrich, in dem er sich mit seinen Kumpanen niederläßt, mit Terror überzieht.

Dabei ist Esposito, der sich mittlerweile auch "Der Erlöser" nennt, aber dem Gouverneur der Region, einem gewissen Branco, im Wege. Immerhin ist dort ein großes Ölvorkommen entdeckt worden, das dem Land und vor allen den höhergestellten Gesellschaften ordentlich Geld in die Taschen fließen lassen würde. Aber die dort eben umherwandelnden Banden sind das einzige Hindernis, welches dem Abbau des Öls im Wege steht. Mit Hilfe eines holländischen Ölsuchers, der schon mal die Bekanntschaft mit dem Erlöser machte, versucht der Gouverneur Esposito auf seine Seite zu ziehen und so die anderen Cangaceiro-Banden zu beseitigen. Unser Erlöser lässt sich wieder einspannen, merkt aber alsbald, dass er von dem schmierigen Herren betrogen wurde, was dessen Versprechungen angeht. Allerdings hat Branco nicht mit der Rache des Erlösers gerechnet.

Nun macht Fago hier mit der Geschichte zwar schon so einiges richtig, dennoch erscheint Viva Cangaceiro doch auch etwas holprig an manchen Stellen. Milian verkörperte übrigens auch schon in Corbuccis Lasst uns töten, Compañeros (ebenfalls 1970) einen naiven Menschen, welcher durch den Einfluss anderer plötzlich in einer für ihn vormals vollkommen uninteressanten Sache verwickelt ist. Auch hier ist seine Leistung wieder sehr gut, nur das Buch bremst seine Figur auch etwas aus. Der religiöse Einfluss auf Esposito, der seinen Retter durch seine Verwundung an der Seite an Jesus Christus erinnert, wird etwas zu schnell auf die Seite geschoben. Fago zeigt uns in wenigen, schnellen und episodisch erscheinenden Szenen den Wandel Espositos. Es scheint als habe er das Potenzial, welches hier schlummerte nicht erkannt oder nicht weiter nutzen wollen. Schnell wird aus dem predigenden Naivling, dem man anmerkt, dass ihm seine Worte von einem anderen in den Mund gelegt sind, ein fast schon einfacher Bandit. Dabei entfernt sich auch Milians Äußeres weg vom einfachen Prediger der mit Kreuz und Machete seine Worte verkündet zu einem stylish interessanten, aber auch überfrachtend aussehenden Halunken.

Esposito spricht von Freiheit, von Aufstand gegen die Unterdrücker der armen Bevölkerung und versucht das Wort Gottes in revolutionäre Tiraden zu wandeln. Er schart mit den ehemaligen Mithäftlingen eine Bande um sich, wie einst Jesus seine Jünger. Man hätte die religiösen Anspielungen ruhig weiter in den Stoff einbauen und natürlich auch ausbauen können, um die Botschaften, die Viva Cangaceiro hier und da mit sich bringt, weiter auszubauen. Die Geschichte des Heilands umgewandelt in eine Art Revolutions-Western mit ganz eigener, ungewöhnlicher Art. Da hätte man etwas daraus machen können, doch die sichere und wohl auch einfachere Spur wird im weiteren Verlauf der Geschichte bevorzugt. Wobei es Fago hier und da noch schafft, leichte Kapitalismuskritik in den Stoff zu Schmuggeln. Beinahe könnte man seinen Esposito als sozialistischen Heilsbringer ansehen, der für das Wohl des Volkes beisteht und der nur auf Gewinn und Moneten schielende Obrigkeit ans Bein pinkeln will. Immerhin hat er mit Eduardo Fajardo als Gouverneur Branco einen schauspielerisch ebenbürtigen Partner bekommen, der auch sehr gut als aalglatter und skrupelloser Geselle, der nur auf seinen persönlichen Vorteil aus ist, rüberkommt.

Da scheint man zuviel auf einmal mit dem Cangeceiro gewollt zu haben. Nicht nur, dass man diese Allegorie auf die Geschichte plötzlich einfach unter den Tisch fallen lässt und auch die vormals starken religiösen Anspielungen sich im Laufe der Geschichte zurücknehmen. Hinzu kommen sozialkritische Töne, die aber auch nur Ansatzweise aufgezeigt werden um weiterhin auch noch die eigentliche Story des Films erzählen zu können. Es passt einfach nicht so richtig und erst spät schafft es der Film, seinen eigenen Weg zu gehen. Hier wandelt er allerdings eher auf den Pfaden einfacherer geprägter Revolutions-Western. Wenigstens kann er sich durch die Ansiedlung der Story in Südamerika und der Zeit in der er spielt, dem 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, deutlich von diesen abheben. Somit ist Viva Cangaceiro auch nochmal etwas ganz eigenes, eine kleines Unikum, dass es trotz seiner Diskrepanzen im Aufbau der Story zu entdecken gilt. Fago schafft es trotz allem, eine interessante Geschichte zu erzählen, bei der eben leider die Anfangs so interessante Figur des Esposito etwas verblasst.

Dieser Wust an Fäden, welche die Autoren des Films aufgenommen haben, verheddert sich etwas an mancher Stelle und einige werden dann auch noch fallen gelassen. So sind dann auch manche Handlungen einiger Figuren etwas schwerer bzw. nicht allzu logisch nachvollziehbar. Hier wollte man wohl eher etwas mehr Pepp in die Handlung an manchen Stellen bringen, damit auch die Action nicht zu kurz kommt. Immerhin wird auch hier ordentlich die Feuerbüchse betätigt, so dass mancher Filmtod gestorben wird. Spätestens beim Kampf gegen die Militärs wandelt sich Viva Cangaceiro zu einem Spektakel, dass durch einen äußerst tristen und nüchternen Stil auffällt. Allerdings punktet der Film auch durch einige gute Einstellungen, die auf das Konto von Kamermann Alejandro Ulloa gehen. Nicht unterschlagen sollte man auch den etwas eigentümlichen, aber dennoch passenden Score von Riz Ortolani der auch so manche Szene sehr gut aufwerten kann.

Vielleicht war Fago nicht die beste Wahl für so einen komplexen Stoff, eventuell hat er mit seinen Mitautoren auch nur zu viel in einen Film packen wollen. Er ist ein guter Handwerker, dem es allerdings etwas an Esprit und hier und da auch an Feingefühl geht. Grundsätzlich ist ihm hier ja ein sehr interessanter Streich gelungen, dessen Motor bei der Fahrt durch die Handlung ins stottern gerät. Man kratzt zu sehr hier und da an der Oberfläche, bohrt aber nicht weiter nach und läßt einen etwas unbefriedigenden Eindruck zurück. Viva Cangaceiro kann sich durch seinen eigenen Charme, den er mit sich bringt, vor dem Fall in die Bedeutungslosig- bzw. Mittelmäßigkeit bewahren. Doch so richtig rund erscheit das ganze einfach nicht. Sicherlich: auch Filme dürfen und sollten Ecken und Kanten haben, doch an diesen stößt man sich allerdings doch irgendwie zu schmerzhaft. Und irgendwie ist der Film trotzdem auch so etwas wie eine klitzekleine Perle, die es zu entdecken gilt. Hier geht die Zwiegespaltenheit, die auch dem Werk innewohnt, fröhlich weiter. Alles in allem aber ein ansprechender Film der auch durch seine ganz außergewöhnliche und andere Art faszinieren kann. Ja, der Giovanni ist schon ein Fuchs. Bevor er mit anderen Arbeiten wieder eher durchschnittliche Arbeiten ablieferte, hat er hiermit schon ein aus seiner Filmographie herausstechendes Stück Film abgeliefert.
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Dienstag, 13. Dezember 2011

Djangos blutige Spur

Insgesamt zwanzig Mal nahm der gute Tanio Boccia auf einem Regiestuhl platz und war dabei vor allem im Peplum, also den italienischen Monumental- und Sandalenschinken, zu Hause. Dabei war Boccia zu Beginn seiner Karriere eher auf der Bühne aktiv: er startete als Choreograph und Tänzer, wurde hier und da auch als Mime in Dialektstücken eingesetzt bevor es ihn dann von den Brettern dieser Welt zum wuseligen Filmgeschäft seines Heimatlandes zog. Dies begann gegen Ende der 50er, als mit dem Erfolg des pompösen, amerikanischen Monumentalfilms auch die ersten italienischen Produktionen dieser Machart über die Leinwände dieser Welt flimmerten. Der gute Tanio konzentrierte sich hier eher nicht auf historische, sondern eher alter Legenden und Sagen verbundene Stoffe. Unter seiner Knute erlebten Sagenhelden wie Maciste (Maciste besiegt die Feuerteufel, 1961), Samson (Samson und die weißen Sklavinnen, 1963) oder auch Herkules (Hercules of the Desert, 1964) kostengünstig hergestellte, aber bunte Abenteuer in den Kinos der damaligen Zeit. Mit dabei war meistens der italienische Bodybuilder und Mime Adriano Bellini, der sich hier meist hinter dem amerikanischen Pseudonym Kirk Morris versteckte.

Und als man in der italienischen Filmindustrie die ohnehin schon recht angestaubten Sandalen an den Nagel hing und sich anderen Stoffen widmete, so zog natürlich auch Boccia mit, inszenierte hier mal einen Agenten- und dort einen historischen Abenteuerschinken, bevor er sich dem nächsten Trend widmete. Vier Italowestern entstanden unter seiner Regie, wobei aus dieser Phase wohl vor allem Die sich in Fetzen schießen (1967) herausragt. Dieser Film wurde nämlich schon drei Jahre später neu verfilmt. Das Quasiremake hörte auf den Namen Matalo bzw. in Deutschland Willkommen in der Hölle und stellt einen ausgesprochen psychedelischen und herausragend anderen Italowestern dar. Boccias Vorbild für diesen Ausnahmefilm kommt dabei viel ordentlicher und bodenständiger daher. Zwei Eigenschaften, die man auch seinem letzten Western zusprechen kann. Was allerdings nicht heißt, dass Djangos blutige Spur etwa zu bieder umgesetzt wurde. Man merkt dem Streifen ja schon seine Entstehungszeit, die beginnenden 70er, doch etwas an.

Gerade auch beim Hauptdarsteller Richard Harrison, welcher mit seinem breiten Oberlippenflusensammler hier auf der Suche nach den Mördern seiner Schwester ist. Jeff Cameron ist hier sein Name, ein Kriegsgefangener, der nun in den Süden und seine Heimat zurückkehrt und die niederschmetternde Nachricht überbracht bekommt, dass Schwesterlein Deborah den Radies beim Wachsen von unten betrachten muss. Der Erlös des Verkaufs der Familienranch wurde ihr hier zum Verhängnis. Während der Auszahlung durch die Käufer des Grundstücks, einer Eisenbahngesellschaft, wird sie von einem bediensteten beobachtet. Schon hier geifert er beim Anblick des vielen Zasters die Fensterscheibe voll um dann mit einem Kumpanen in der nahe gelegenen Stadt einen Hinterhalt zu planen, in den Deborah leider auch vollends reintritt. Entrinnen gibt es keinen und während Oberfiesling Montana sogar noch kurz seinen Spaß mit dem armen Mädel hat, wird sie hinterher kaltblütig ermordet. Also schmiedet Jeff nach einigen Hinweisen auf die Mörder, die er gesammelt hat, den Plan, den insgesamt fünf Herren welche am Tod der Schwester schuld sind, sein Leibgericht zu servieren. Natürlich ist dies nichts anderes als eiskalt servierte Rache.

Der gute Harrison, wie Boccias Peplum-Lieblingsdarsteller Bellini ebenfalls ein ehemaliger Muskelpumper, ist hier wirklich gut aufgelegt. Sein flapsiger erster Auftritt als recht neben sich stehendem, verlumpten Kerl der in inniger Zweisamkeit mit seinem Maultier Manolito zu sein scheint, erinnert uns dabei ein klein wenig an diverse Auftritte von Terence Hill in diversen Prügelwestern, die er mit Dauerpartner Bud Spencer bestritt. Zerzaustes Haar, leicht angeschickert und trotzdem immer einen launigen Spruch auf den Lippen. Da verzeiht man ihm auch das schäbige rosa Hemd, welches er in dieser Szene trägt. Diesen kleinen, auflockernden Anflug von Humor lässt schnell die Sympathien für Harrison entstehen. Auch wenn er im weiteren Verlauf des Films ab und an wie ein typischer Held aus US-Western rumrennt, so sieht man dem bärtigen Herren gerne bei seinem Rachefeldzug zu. Eine markige, aber niemals kalauernde sondern eher sehr sorgfältige deutsche Synchronisation unterstreicht dies hier auch noch gekonnt. Hier und da scheint man es in der Ausrichtung Harrisons Figur etwas zu gut gemeint haben, zu cool erscheint der Herr. Seine Figur lässt etwas Verbissenheit in seinen Bemühungen vermissen.

Zumal er ja ohnehin ein sehr leichtes Spiel hat, die Pappenheimer, welche seine Schwester auf dem Gewissen haben, ausfindig zu machen. Hier leiert Boccia, der auch das Script schrieb, die Geschichte leider etwas zu einfallslos einfach runter. Nach dem ersten Hinweis auf den Aufenthaltsort von Obermufti Montana macht sich Jeff einfach dorthin auf, trifft diesen zwar an, bekommt ihn aber nicht in die Finger. Dafür spürt er nach und nach die Komplizen auf und richtet diese logischerweise einen nach dem anderen für ihr grausigen Vergehen. Selbst hier kommt er, bis auf die erste Begegnung mit Montana, nicht in Schwierigkeiten. Hier umgeht Boccia das ungeschriebene Italowestern-Gesetz, dass der Protagonist mindestens einmal in die Hände des Widersachers gerät und schlimmste Misshandlungen aushalten muss. Von daher ist die vom ohnehin unsinnigen deutschen Titel angedeutete Spur keineswegs blutig. Das hier kein Django vorkommt, versteht sich nach den bisherigen Ausführungen zum Film auch von selbst.

Aber Boccia versteht sein Handwerk und schafft es mit dem angesprochen wohlgesonnenen und spielfreudigen Harrison schnell den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Die wilden (und milden?) Siebziger versprühen ihren Glanz, ihre ganz eigene Art und rein atmosphärisch bietet uns der mit 69 Jahren in Rom verstorbene Regisseur ausgezeichneten Stoff. Staubige, verlassene oder auch sehr runtergekommene kleine Städtchen bilden hier den Hintergrund für eine Geschichte, die einfach mehr Biss vertragen hätte. Somit hätte man wohl auch einen richtig starken Western hinbekommen. Wobei Djangos blutige Spur keineswegs schlecht ist. Einen Innovationspreis wird das Machwerk nie gewinnen, doch besser eine gute, aufgewärmte Story als miese Neukompositionen, die nicht munden wollen. Zumal nicht nur Harrison zu überzeugen vermag. Als weibliche Hauptrolle, die allerdings erst zum Ende etwas Screentime bekommt, bekommt man die dralle Anita Ekberg als Dame aus dem horizontalen Gewerbe zu Gesicht. Irgendwie ist die Rolle der schwedischen Aktrice etwas verschenkt, auch wenn Chemie zwischen ihr und Harrison stimmt. So hat man wenigstens noch eine kleine Nebengeschichte in den dünnen, hier und da vorhersehbaren Stoff, eingebaut bekommen.

Der oberfiese Montana wird von Rik Battaglia gemimt, ausserdem ist auch noch George Wang als einer der Bösewichte zu sehen. Dabei macht auch Battaglia eine gute Figur und ist auch für die wenigen im Film doch zu sehenden Sadismen zuständig. Eventuell gibt es aber im Ausland sogar mehr zu sehen, hier und da erscheint die deutsche Fassung etwas holprig und unvollständig. Dennoch ist die unaufgeregte, aber saubere Machart des Films ein Pluspunkt, die den Stoff bis zu seinem doch eher unspektakulären Ende über die Zeit rettet. Dazu versüßt einem der recht präsente und tolle Score von Carlo Esposito den Film. Die bekannte Rachestory, die man wie den kommenden Besuch im norddeutschen Flachland schon ewig vorher sehen kann, vermag es nun wahrlich nicht, Bäume auszureißen bzw. Begeisterungsstürme zu entfachen. Doch der ohnehin für sein Talent, kostengünstige Stoffe gut aussehen zu lassen, bekannte Boccia schuf einen dennoch sehr lockeren und leicht den damaligen Zeitgeist versprühenden Italowestern. Wie bereits angesprochen, wäre etwas mehr Biss wünschenswert. Aber auch so ist der Film ein voll und ganz zufrieden stellender und in Ordnung gehender Beitrag.
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Freitag, 2. Dezember 2011

Meister des Grauens

Wir befinden uns im Spanien des Jahres 1492. Die Inquisition sorgt dafür, dass das Land von Hexen und ähnlichem gottlosen Gefolge gereinigt wird. Der Obersaubermacher hört auf den Namen Torquemada und der Großinquisiteur ist dabei sogar so überzeugt von seinem Tun und dem Werkzeug der Folter als Maßnahme um Hexen zu überführen, dass er sich sogar über eindeutige Weisungen des Papstes hinwegsetzt. In sein grauslig-frommes Tun platzt allerdings die herzensgute Maria, die während einer Hexenverbrennung einen kleinen Jungen vor seiner Auspeitschung bewahren möchte. Selbst ihr Ehemann Antonio kann sie nicht davon abhalten. Torquemada bekommt davon natürlich Wind und lässt Maria unter Verdacht, sie sei ebenfalls eine Hexe, in einen Kerker seines Schlosses werfen. Dort durchlebt die hübsche Dame allerlei Absonderlichkeiten und einen Großinquisiteur, der trotz aller Frömmigkeit sehr triebhafte Gelüste für diese entwickelt. Währenddessen versucht ihr Ehemann mit einem tollkühnen Plan, sie aus den Fängen der Inquisition zu befreien.

Das Werk Edgar Allan Poes ist für Filmemacher aus der Genreschublade ein gut bestückter Fundus für Inspiration und Ideen. Nicht gerade selten wurden seine Geschichten für die große Leinwand adaptiert oder zumindest Elemente aus den ja auch nicht gerade immer sehr leicht umzusetzenden Erzählungen aufgenommen und in so manches Schauerwerk eingeflochten. Dem B-Film-Halbgott Rogar Corman verdanken wir sogar mit die besten Verfilmungen von Poe-Geschichten, welche in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden. Und wenn wir schon gerade bei Veteranen des Genrefilms sind, so dürfen wir nicht Charles Band vergessen. Irgendwie wird dieser ja leider immer etwas vergessen, dabei hat dieser mit seinen Studios Empire und nicht zuletzt auch Full Moon so manch launiges und kultiges Werk abgeliefert. Er mag zwar nicht so bedeutend sein wie Corman, aber dennoch haben wir ihm zum Beispiel die Puppetmaster-Reihe oder auch die kultige Lovecraft-Verfilmung Re-Animator (1985) zu verdanken. Zu Beginn der 90er war dann bei Band und den damals noch recht frischen Full Moon-Studios Poe eine literarische Vorlage Poes an der Reihe, als Film umgesetzt zu werden.

Wobei der Allrounder Band (er ist u. a. Autor, Darsteller, Regisseur und Produzent) hier nur als Produzent fungierte, um eine Herzensangelegenheit von Stuart Gordon umzusetzen. Gordon ist ja als Fachmann für Verfilmungen eines anderen für die phantastische Literatur wichtigen Mannes bekannt: H. P. Lovecraft. Der schon angesprochene Re-Animator geht auf das Konto des vom Theater kommenden Regisseurs, aber auch ebenfalls auf Lovecraft basierende Filme wie From Beyond (1986) oder auch Dagon (2001). Meister des Grauens stellt die erste Berührung Gordons mit Stoff von Poe dar und basiert lose auf der Geschichte "Die Grube und das Pendel". Wenn man den Vergleich zieht, was Gordon besser liegt, so kommt man jedenfalls bei diesem Werk zum Schluss, dass es wohl Lovecraft ist. Dabei ist Meister des Grauens nicht mal ein übler Stinker ohne jegliche Qualitäten. Es ist ein für Full Moon-Verhältnisse, da die Qualität derer Machwerke leider teils auch stark schwankend sein kann, ein sogar überaus sorgfältig produzierter bzw. realisierter Film.

Gordon gelingt hier ein atmosphärisch dichter Film, den man dank der Detailliertheit bei den Kulissen und Requisiten für Full Moon-Maßstäbe sogar schon beinahe opulent nennen kann. Trotz seines weiter durchschimmernden B-Film-Charakters. Es krankt hier aber einfach nur daran, dass man bei der Geschichte selbst, nie so richtig wusste, wohin man diese steuern mag. Meister des Grauens schwebt unentschlossen zwischen Drama und Horror, bietet allerdings von allem deutlich zu wenig, um stärken in einem der beiden Gebiete ausspielen zu können. Dies führt trotz vorherrschender, höherklassiger Qualität zu einigen Längen, die man nicht so recht auszubügeln vermag. Man fühlt sich an die alten Hexenfilm-Klopfer wie zum Beispiel dem deutschen Mark of the Devil (1970) erinnert. Doch man geht an die Thematik bei weitem nicht so ausschweifend heran wie dieser oder andere, ähnlich gelagerte Filme.

Bis auf einige wenige Szenen hält sich Meister des Grauens zurück, womit die wenigen, gezeigten Grausamkeiten noch mehr Wirkung erzielen. Wer also ein Feuerwerk an Grausamkeiten und Folterungen erwartet, wird hier eher enttäuscht. Durch die Unentschlossenheit bei der Ausrichtung des Films, verpufft an manchen Stellen allerdings der Old School-Grusel, den man hier erwirken wollte. Es mag sich einfach keine richtige Spannung einstellen. Auf der anderen Seite verpuffen die dramatischen Anflüge durch einige wohl Alibimäßig hinzugefügte, übernatürliche Phantastereien. Hier punktet der Film aber durch die Darstellung von Lance Henriksen, welcher der Figur des Torquemada (der übrigens auch real existierte) unheimlich viel Leben einhaucht. Ohne großes Overacting, sondern sogar sehr akzentuiert gibt er hier einen beinahe schon religiös fanatischen Mann, der durch die Verlockung einer Frau mit sich selbst und seinen Prinzipien hadert. Diese Töne, die man hier bei Meister des Grauens anschlägt, sind ziemlich ungewöhnlich für Full Moon-Streifen. Es steht dem Film aber, Henriksen trägt diesen durch seine Leistung sogar zu einem gewissen Teil, kann selbst aber auch nicht über den langatmigen Gesamteindruck retten.

Dafür stehen ihm zwar in den Nebenrollen einige ebenfalls gute Darsteller wie Herbert West himself, Jeffrey Combs, der für einige Minuten zu erblickende Oliver Reed oder auch Mark Margolis zur Seite, aber auf der anderen Seite der Hauptdarsteller regiert der Durchschnitt. Sowohl Rona de Ricci als Maria als auch deren Filmehemann Jonathan Fuller liefern zwar okaye Leistungen ab, doch gerade de Ricci verblasst in den Szenen neben Henriksen total. Hier wäre eine erfahrenere Darstellerin wohl die bessere Wahl gewesen. Der Film bietet zwar einige nette Schauwerte, schafft es allerdings nicht, zu fesseln. Selbst der Aspekt, die Poe'sche Originalgeschichte mit der Zeit der Inquisition zu verbinden, der erst ungewöhnlich, dann aber als gute Wahl erscheint, kann hier nichts mehr herausreißen. Sogar dann, wenn Gordon andere bekannte Elemente aus dem Oeuvre des Herrn wie dem lebendig begraben sein, auspackt.

Auch wenn Meister des Grauens mit einem sehr gut aufgelegten Hauptdarsteller aufwarten kann und hier und da einige nette Szenen bietet, so ist die Inszenierung insgesamt etwas zu kraftlos. Diese Hin- und Hergerissenheit zwischen Drama und Horror lähmt das ganze. Gordon und sein Stammautor Dennis Paoli hätten sich vorher besser entscheiden sollen, welchen Weg sie einschlagen. So verpufft so manch guter Ansatz im Wust der Mittelmäßigkeit, obwohl wir es hier mit einer richtig guten Full Moon-Produktion zu tun haben. Eventuell ist es auch die hier nicht ganz passend zu scheinende ironische Art und Weise, wie Gordon sich dem Konstrukt seiner Geschichte nähert. Schwarzer Humor funktioniert wunderbar mit der abgehobenen Fantasterei eines Lovecrafts, doch bei Poe scheint dies hier und da ein Griff in die Toilettenschüssel zu sein. Mal funktioniert es zwar, jedoch nicht immer. Man verschenkt viel bei Meister des Grauens und im Endeffekt geht das ganze zwar noch in Ordnung, aber man verbleibt als Zuschauer auch noch etwas unbefriedigt zurück. Da wäre eben noch mehr drin gewesen, als einem hier geboten wird.
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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Pronto Amigo

Ein Treck wird im Tal des Todes vom Banditen El Condor und seinen Kumpanen überfallen und bis auf die blonde Janet über den Haufen geschossen. Da der Mexikaner dem Militär schon länger ein Dorne im Auge ist, setzt man einen fähigen Mann auf diesen an. Der eigentlich schon in Ungnade gefallene und im Gefängnis einsitzende Pat Scotty wird von seinem Onkel, dem General höchstpersönlich, aus dem Knast geholt um sich dann in die Bande von Condor einzuschleichen. Der einem luxoriösen Lebensstil nicht abgeneigten und immer am schnöden Mammon interessierte Scotty willigt ein und wird als vermeintlicher, in der Wüste nach Gold suchendem Gringo von Condor schon beim ersten Aufeinandertreffen in die Bande aufgenommen. In dessem Lager freundet er sich mit der Gefangenen Maja, einem Indianermädchen, an die dann auch noch ein Zünglein an der Waage spielt, als es doch nicht so einfach wie gedacht wird, Condor samt Schergen auszuschalten. Zumal der ebenfalls im Regiment des Generals befindliche Ehemann der gefangen genommenen Janet nach seiner Ehefrau sucht und dies die Lage ebenfalls nochmals etwas kompliziert.

Nur eine ganz so dramatische und spannende Sause ist die Geschichte dann doch nicht. Das mag man kaum glauben, inszenierte Regisseur mit weitaus mehr Elan und weniger Hemmungen den unglaublichen Giallo In The Folds Of Flesh (1970) der auch wohl zu seinem bekanntesten Streifen gehört. Vielleicht war Bergonzelli einfach noch nicht so richtig auf dem Schaffenshöhepunkt angelangt oder hat hier ganz einfach nur seinen Job erledigt. So genau werden wir es nie erfahren, verstarb Bergonzelli doch schon 2002. Der Regisseur, welcher Anfang der 50er Jahre seine Karriere im Filmgeschäft als Darsteller begann, war wie so viele seiner Kollegen in keinem bestimmten Genre zu Hause und versuchte sich überall. Dabei gingen sogar zwei Aufklärungsfilme aufs Konto, während er in der späten Phase seiner Regiekarriere sich eher erotischeren Stoffen widmete. Da schien er bei bereits erwähntem Giallo-Übersleazer auf den Geschmack gekommen sein. Neben Pronto Amigo hat er auch noch einige andere Italowestern vollendet, darunter mit Das letzte Gewehr (1964) einen der ersten in Italien gedrehten Western. Bekanntestes Werk aus dieser Schublade dürfte wohl der 1971 enstandene Sando Kid spricht das letzte Halleluja darstellen, bei dem allerdings auch der geborene Argentinier León Klimovsky seine Finger mit im Spiel hatte.

Bei Pronto Amigo gibt sich Bergonzelli aber recht zugeknöpft. Zurückhaltend wird hier eine Geschichte erzählt, die sich von den üblichen Rachegeschichten oder dem Kampf um den schnöden Mammon abhebt, wobei letzteres schon noch in der Story enthalten ist. Dem Regisseur und seinem Co-Autoren Ambrogio Molteni gelingt es auch, dass die verschiedenenen Elemente des Films zusammen passen und ineinander greifen. Das Hauptaugenmerkt richtet man auf die Beziehung zwischen Scotty und dem mexikanischen Wüstling, lässt allerdings auch die anderen Nebenstränge der Handlung nicht außer acht. Wobei man gegen Ende die dramatische Wendung in der Geschichte um Janet und ihren Ehemann ein wenig schnell abfrühstückt und somit abhakt. Dies erscheint so, als wollte man hier noch ganz schnell - ehe man es vergisst - einen Strich unter diese Sache setzen. Allerdings schafft es das Autorenduo nicht richtig die hohen Vorgaben die man sich vielleicht auch versehentlich gesetzt hat, umzusetzen. Während es andere Filme aus dem gleichen Genre verstehen, ihre beiden ungleichen Protagonisten ins rechte Licht zu rücken und deren Beziehung genaustens zu betrachten und zu analysieren so bleibt Bergonzelli hier schon zu Beginn auf der Strecke liegen.

Hauptdarsteller Bob Henry, für den Pronto Amigo gleichzeitig erster und letzter Film in der Karriere als Darsteller war, gibt einen betont lässigen und coolen Helden, der eher die typischen Züge der Hauptfiguren in klassischen Western aufweist. Auch wenn er wie einige Antihelden späterer Werke aus dem Italowestern wohl eher immer auf den großen Reibach bedacht ist, so trägt er sein Herz doch am rechten Fleck. Dies wird schon mit der ganz sachte auflodernden Beziehung zwischen ihm und der Indianerin Maya angedeutet. Er ist eben ein gütiger Mann, ein Heroe im althergebrachten Stil. Etwas differenzierter geht man es bei El Condor an, auch wenn dies nur Andeutungen sind. Der mit strenger Hand über sein Gefolge herrschende Kerl, der schnell mit roher Gewalt bei der Sache ist, wenn jemand aus der Reihe tanzt, scheint aber auch seine gute Seiten zu haben. Gottesfürchtig ist er und ein wohl umsorgender und liebender Vater, wenn er in Szenen mit seinem Kind zu sehen ist. Außerdem scheint er auch ein ausgemachter Tierfreund zu sein. Doch an und für sich haben wir es dann doch eher mit dem fiesen und gnadenlosen Banditen aus dem Nachbarland der Staaten zu tun.

Etwas ungewohnt erscheint bei diesem übrigens auch die Tatsache, dass der Mexikaner vom chinesischen (!) Darsteller George Wang verkörpert wird. Dabei macht der Schauspieler, welcher auch in ettlichen anderen Italowestern vor der Kamera stand, gar keine so schlechte Figur. Im direkten Vergleich mit seinem Gegenüber Henry geht er sogar als klarer Sieger aus dem Schauspielduell hervor. Wang scheint sichtlich Freude an der Rolle zu haben und stiehlt dem Rest der Belegschaft die Schau, wobei aber auch die anderen Kollegen eine gute Figur machen. Überraschen an Pronto Amigo ist dabei auch, dass in dem ansonsten sehr maskulin geprägten Genre diesmal zwei weibliche Figuren eine größere Rolle spielen. Als verschleppte Janet erleben wir dabei die in anderen Genreproduktionen ansonsten eher freizügiger auftretende Lucretia Love. Zarte Bande mit Held Scotty darf die gar nicht mal schlecht ausschauende Marisa Solas schließen, während im Gefolge der vor allem als Nebendarsteller in einigen Poliziotteschi bekannt gewordene Luciano Catenacci, stilecht mit blankem Schädel, auftaucht. Man macht seine Sache gut, ausreißer gibt es keine zu entdecken. Weder nach oben noch nach unten, was auch im Gesamteindruck von Pronto Amigo dessen Mängel ausmacht.

Bergonzelli hat hier einen Streifen geschaffen, den man als rundum okay betrachten kann, der allerdings keine Glanzstunde des Genres darstellt. Das wohl etwas geringere Budget konnte man gekonnt verstecken und die Settings, in denen der Film vorüberwiegend spielt, sind sogar ziemlich ansprechend geraten. Gerade die von El Condor besetzte Klosterruine weiß zu gefallen und verleiht dem Film noch etwas an Atmosphäre, die ihm wohl ansonsten verlustiert gegangen wäre. Geht man mal vor die Klostermauern, so ist es westernuntypisch ziemlich Grün vor der Haustür und die Wüste erscheint so, als habe man in den Drehpausen von Demofilo Fidani dessen Stammsteinbruch benutzt. Wobei Pronto Amigo bei weitem nicht so sehr nach Low Budget wie dessen Machwerke ausschaut und gegen Ende sogar mit einigen aufwendigen Massenszenen punkten kann, die man so gar nicht erwartet hätte. Da kommt sogar einiges an Action auf, die man sonst eher schmerzlich im Film vermisst und dem Gesamtpaket deutlich gut getan hätte. Der Western fließt wie ein Fluss in ruhigen Morgenstunden an einem vorbei, dann stürmt es ein wenig und ehe man sich versieht ist das ganze auch schon wieder vorbei.

Es ist ein ganz unaufgeregter und unauffälliger Film, der im Reigen der Italowestern irgendwo in der zweiten oder dritten Reihe steht und einem nicht weiter auffällt bzw. den man nach betrachten auch schnell wieder vergessen könnte. Richtig bemerkenswertes bleibt nicht hängen, außer die Tatsache, dass der Film auch nicht übermächtig weh tut. Bergonzelli hätte seinem Film ruhig mehr Biss verleihen können, so kommt Pronto Amigo ein wenig wie abgestandene Limo die an Geschmack und prickeln verloren hat rüber. Da passt sich auch der Score von Gian Piero Reverbi an, der auch recht unbemerkt im Hintergrund vor sich hin dudelt ohne dass er mal ganz prägnant in der Vordergrund tritt. Das ist weder Fisch noch Fleisch was einem Bergonzelli vorsetzt und auch wenn das ganze ein wenig fade erscheint, so war es im Endeffekt dann doch ganz in Ordnung. Mehr aber auch nicht. Verschenkte Möglichkeiten bietet der Film ebenfalls, gerade bei der Beziehung zwischen Condor und Scotty hätte man noch etwas mehr in die Tiefe gehen können, wenn das Gespür dafür vorhanden gewesen wäre. Oder einfach nur etwas mehr Schwung, Pepp und Action - das würde Pronto Amigo auch gut zu Gesicht stehen. Für einmal Anschauen reicht der Film aber dennoch aus. Auch wenn man weiss, dass der Herr Bergonzelli auch anders kann.
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Sonntag, 23. Oktober 2011

Sonntag, 9. Oktober 2011

24 Frames - Die Woche bei den Kollegen

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