Samstag, 19. Februar 2022

Das Auge des Bösen

Er war The Man with Bogarts Face und Zeit seines Lebens profitierte der 2021 im Alter von 89 Jahren verstorbene Mime Robert Sacchi von seiner Ähnlichkeit zu Humphrey Bogart. Diesen verkörperte er in diverse Fernsehserien sowie im Musikvideo zu Phil Collins' "I Wish It Would Rain Down" und schon sein Filmdebüt Das Auge des Bösen nutzt diese für sich. Als Inspektor Fontaine versucht er als verkappter Sam Spade-Lookalike darin den Mörder der in Madame Colettes Etablissement ermordeten Francine zu finden und kann mit Antoine Gottvalles schnell einen Verdächtigen präsentieren. Die Indizien sprechen eine eindeutige Sprache gegen diesen, was zu dessen Verurteilung führt. Antoine gelingt die Flucht, baut auf dieser einen tödlichen Unfall, nur die Morde enden auch hinterher nicht. Es scheint, dass sein noch im Gerichtsstand ausgesprochener Fluch Wirklichkeit wurde und Fontaine ist bemüht, Licht ins Dunkel zu bringen und den wahren Mörder ausfindig zu machen.

Von Schlock-Master Dick Randall co-produziert, versucht der Film gegen sein sichtlich überschaubares Budget anzuspielen und mit ganzen fünf Weltstars, wie das deutsche Kinoplakat dem interessierten Schaukastenbegutachter versprach, zu protzen. Tatsächlich darf man sich verwundert die Augen reiben, wenn man La Dolce Vita-Hauptdarstellerin Anita Ekberg als Chefin des Edelpuffs erblickt. Beim restlichen Cast darf sich zumindest der Genrefilm- bzw. Eurocult-begeisterte Cineast freudig die Hände reiben: Barbara Bouchet, Rosalba Neri, Evelyne Kraft, Peter Martell, Gordon Mitchell in einer Kleinstrolle und Jess Franco-Regular Howard Vernon tummeln sich hier in einem Film, dem diese geballte Starpower in keiner Weise etwas nützt. Lebemann Rolf Eden darf auch vor die Kamera treten und spielt in der Rolle eines schmierigen Nachtclubbesitzer anscheinend quasi sich selbst.

Die genannten Darstellerinnen und Darsteller tummeln sich in einem trostlos kargen Giallo, der seine fade Kriminalgeschichte mit einem geringen Anteil Sex und Gewalt aufwerten möchte. Die annähernd vergnüglichen Sleaze-Spitzen versiegen nach gut einer halben Stunde, wenn Peter Martell als Antoine den Filmtod stirbt. Danach deliriert die Handlung durch abstruse Storyentscheidungen, die entweder als Füllmaterial ins Leere laufen oder die wenig vorhandene Logik des Werks aus deren wackeligen Angeln hebt. Als Zuschauer fühlt man sich, als würde man durch ein sich unendlich lang erstreckendes Moor waten, dessen Ende nicht so schnell in Sicht ist. Merighis Regie "brilliert" mit einer Schwerfälligkeit, welche Das Auge des Bösen regelrecht anstrengend werden lässt. Die Vergnüglichkeit, die manch ebenso offensichtliche Cashcow von Film besitzt, verabschiedet sich leider sehr früh.

Meine erste Begegnung mit dem Film hatte ich, als ich das Booklet zur filmArt-DVD verfassen sollte, welches in einer Besprechung in Marcus Stigleggers Webzine :Ikonen: als Schwachpunkt dieser Veröffentlichung ausgemacht wurde. Der dort attestierte gestelzte Stil meiner Sprache rührt auch daher, dass ich bis vor einigen Jahren den Stil Christian Keßlers, dessen Artikel in der Splatting Image eine der Inspirationen war, irgendwann mit dem Schreiben über meine Filmbegegnungen anzufangen, zu sehr zu adaptieren versuchte. Nachdem ich das Auge des Bösen wieder sah, komme ich nicht drumherum anzunehmen, dass ich damit unterbewusst versuchte, mir den Film schön zu reden. Als Trash-Connoisseur fällt es schwer, dem Film viel positives abzugewinnen. Das Auge des Bösen ist weit entfernt von erstklassigen Gialli oder Bogarts Verkörperung des Sam Spade und den anderen Noir-Ausflügen der Hollywood-Legende. Es ist ein schmalbrüstiges Werk aus der hintersten Ecke des italienischen Thrillers, den man selbst mit einem großen Grundstock an Geduld schwer durchsteht.


Share:

Samstag, 5. Februar 2022

Ein Mann wird zum Killer

Im Grunde genommen ist die philippinischen Exploitation-Streifen zugesprochene Exotik eine Mogelpackung. Zwar entwickelte sich nach der Befreiung des Inselstaates im zweiten Weltkrieg durch US-Streitkräfte eine betriebsame, nationale Filmindustrie, doch waren es Amerikaner wie Kane W. Lynn, welche die Filmemacher des Staates auf die internationale Bühne holten. Verlockend günstige Produktionskosten führten zu fruchtbaren Kollaborationen zwischen Produzenten aus den Vereinigten Staaten und einheimischen Regisseuren. Inhaltlich tragen viele der Filme jedoch deutlich sichtbar die Handschrift des US-(Genre-)Films während nur die Schauplätze für einen hübschen, andersartigen Look sorgen. Einflüsse aus der philippinischen Folklore oder Lebensart fanden nur bedingt Platz in den Exploitation-Filmen, die dort ab Ende der 50er entstanden sind. Die westlichen Filmbesatzer, darunter ab den 70ern auch Roger Corman, schenkten dem Fan dafür manches Pläsier bereitendes Lichtspiel-Werk. 

Cirio H. Santiagos Ein Mann wird zum Killer ist für genannte These ein gutes Beispiel. Das darin Gesehene ist mehr amerikanisches 70ies-Männerkino; ein Revenge- bzw. Vigilanten-Film, der große Nähe zum Blaxploitation-Film sucht. Zusätzlich schnetzelt sich mit Hauptdarsteller James Iglehart als Doug Russell eine Ikone dieser Filme über die Leinwand. Sein Ziel sind seine beiden ehemaligen Kameraden Morelli und McGee, die ihn in der gemeinsamen Zeit in Vietnam dazu überreden, sich mit ihnen im Heroin-Schmuggelgeschäft zu probieren. Während Russell mit dem Geld aus dem Handel für sich, seine Frau und sein Kind eine Sicherheit aufbauen möchte, giert es seinen zwei Kumpels bereits nach mehr. Zunächst entledigen sie sich Russell und werfen ihn nach einer Messer-Attacke über Bord des Schiffs, das sie Richtung Heimat trägt. Während der totgeglaubte Doug an den Strand eines Eilands angespült wird, auf dem zwei im zweiten Weltkrieg versprengte japanische Offiziere hausen, katapultieren sich McGee und Morelli mit brutalen Methoden in ihrer Heimat auf den Thron der Gangster-Könige.

Die Rechnung haben sie ohne Doug gemacht, der von den Japanern gesund gepflegt wird und vom streng nach dem Kodex der Samurai lebenden Offizier Saguro in deren Philosophie und Kampftechnik ausgebildet wird. Das Schicksal spielt Doug ein zweites Mal glücklich in die Karten und es gelingt die Rückkehr in die USA, wo er mit dem ihm von Saguro vermachten Katana seine geschworene Rache an den alten Kameraden in die Tat umsetzt. Diese Mär der Vergeltung wälzt Cirio H. Santiago auf knapp zwei Stunden aus, was insofern beachtlich ist, wenn man den narrativen Stil des Films näher betrachtet. Das auch als Fighting Mad veröffentlichte Werk ist reduktives Kino, dass seine Informationen an das Publikum auf das wesentliche herunterbricht. Szenen sind so kurz wie möglich gehalten und springen straff getaktet hin und her. Zunächst erscheint das Pacing stotternd; nach kurzer Zeit der Gewöhnung ergibt sich ein schnell fließender Strom an komprimierter, hochkonzentrierter Erzählstruktur. Nur in bestimmten Situationen bricht diese auf, entschleunigt, bevor das Gaspedal wieder durchgedrückt wird.

Mit dem hoch angesetzten Geschwindigkeitsniveau schlingert der Film in den ruhigeren Momenten. Narrativ bereitet es in der zweiten Hälfte spürbar Mühen, wieder zu beschleunigen. Tempodrosselung bedeutet Rückschritt bedeutet Stillstand. Santiago will mehr nach vorne treiben; sein Werk und den Protagonisten um jeden Preis zur Katharsis führen. Ein Mann, ein Wort. Die vielleicht auch vom Krieg und seinen Gräuel leer zurückgelassene Hülle Russells wird nach seiner Gesundung mit Wut und fernöstlichen Philosophien gefüllt, was zu einem explosiven Gemisch führt. Blaxploitation trifft auf die japanischen Samurai-Filme der 60er und 70er-Jahre, was den Film eine Vorreiterstellung einnehmen lässt. Jahre später vermischen u. a. Hip Hop-Künstler wie das Kollektiv des Wu Tang-Clans ihre Musik mit Samples aus asiatischen Martial Arts-Filme. Diese wiederum entwickelten sich zu immer spektakulärer choreographierten Leinwand-Epen, von denen man sich im westlichen Actionfilm vermehrt inspirieren ließ oder gleich dreist kopierte.

Spezifische Eigenschaften der nationalen (Kino-)Kultur der Philippinen bringt Santiago nicht ein. Er ordnet sich dem Einfluss der westlichen Produzenten- und Autoren-Seite unter, schafft aber die Verquickung von westlicher und fernöstlicher Kultur auf unterhaltsame wie ernsthafte Weise. So findet Doug im alten japanischen Offizier einen Lehrmeister für Kampfkunst und Philosophie und verkündet dessen Worte auf seine eigene, schlagkräftige Weise. Die unausweichliche Konfrontation zwischen den drei Veteranen mag sich mancher Klischees bedienen und eine simple Dramaturgie aufbauen, in der ein Mann das tun muss, was man im heutzutage überholten Rollenbild dieser alten Tage tun muss. This is a man's world. So überschaubar diese sein mag, so fest der Blick des Protagonisten in Richtung seines Ziels ist: Ein Mann wird zum Killer stellt mit seinem bösen Ende gleichzeitig die eng gesteckte Moral im Revenge- und Männer-Kino in Frage. Ein simpler und bekannter Zug, den der Film macht und die Frage aufwirft, ob die unausweichliche Vergeltung der einzige Weg ist, den inneren Frieden wieder herzustellen. Es lässt einen so atemlos zurück wie er auf weiten Strecken inszeniert ist und mit seiner Herangehensweise an bekannte Motiven eine kleine Exploitation-Perle darstellt.


Share:

Donnerstag, 3. Februar 2022

The Girl in Room 2A

Dick Randall war in seiner Funktion als Filmproduzent ein Sleaze-Globetrotter, der in den Jahrzehnten seines Schaffens u. a. von Spanien, den Philippinen oder Italien aus dafür sorgte, dass seine Exploitation-Maschinerie gut geschmiert am laufen blieb. Den während seines Aufenthalts in Italien entstandenen Gialli Das Auge des Bösen und The Girl in Room 2A merkt man seinen Einfluss diesbezüglich an: beide Filme besitzen einen amerikanischen Touch und es wurde merklich anders an die Thriller herangegangen als es man es von anderen Werken des Genres gewohnt ist. Ist erstgenannter darum bemüht, mit seiner durchaus beachtlichen Besetzung ein internationales, schillerndes Flair aufleben zu lassen, was leider mit seiner delirierenden bis konfusen Umsetzung kollidiert und kläglich scheitert, gibt sich der im Original La Casa della Paura betitelte Film bescheidener und versucht, aufgeräumter zu wirken.

Er setzt uns Zuschauern einen Krimiplot um die frisch aus dem Gefängnis entlassene Margaret Bradley vor die Nase, die von ihrer Betreuerin Alicia Songbird ein Zimmer im Haus der alten Mrs. Grant vermittelt bekommt. Wohl fühlt sich Margaret in dem Raum mit der Nummer 2A nicht; Albträume plagen die junge Frau, in denen sie von einem rot-maskierten Mann verfolgt wird und ein Blutfleck auf dem Boden erzählt stumm von schrecklichen Taten, die sich in ihrer Unterkunft ereignet haben müssen. Die sanft knospende Freundschaft zu Mrs. Grants sinisteren Sohn Frank bekommt Risse, als sie sich auch von dessen undurchsichtigen Freund Mr. Dreese verfolgt fühlt. Margarets Verdacht, dass es unter dem Dach ihrer Hausherrin nicht mit rechten Dingen zugeht, erhärtet sich, als sie die Bekanntschaft mit Jack Whitman macht, der seine verschollene Schwester Edie sucht, welche die Vormieterin von Margarets Zimmer war. Zusammen versuchen beide, Licht ins Dunkel zu bringen und Edie aufzuspüren.

Die Suche nach der vermissten Schwester entwickelt sich zu einem auf beiden Seiten mühseligen Unterfangen. Das Protagonisten-Paar stochert häufig im Dunkeln und gelangt nur langsam ans Ziel; narrativ gestaltet dies The Girl in Room 2A als spannungsarm und schwerfällig, dem der mediterrane Charme anderer Gialli merklich fehlt. Als Krimi/Thriller gibt sich der Film fast bieder, würde er dies nicht mit sleazigen Momenten konterkarieren. Margarets Albträume und die Auftritte des maskierten Henkers lassen die erzählerische Ausrichtung Richtung Mystery bzw. Gothic-Horror schwenken. Die mit Nuditäten und dezentem Kunstblut-Einsatz ausstaffierten Folterszenen erinnern dazu passend leicht an Scarletto - Schloß des Blutes. Eine durchaus grobe Mixtur, die unter Randalls produzierender Fuchtel und der Regie von William Rose eher zäh gerät. Ich wage die Behauptung, dass ein italienischer Regisseur im glücklichsten Falle mehr Gespür gehabt hätte, die verschiedenen Storyteile zusammenzufügen.

Komplett böse kann man dem Film dafür nicht sein. Nach seinem stimmigen Anfang kann er zumindest in großen Teilen seine dichte Grundatmosphäre aufrecht erhalten, wenn der Rest durch die Ziellosigkeit des Plots zu straucheln beginnt. Die eingestreuten Obskuritäten erfreuen dann auch mehr durch eben diesen Charakterzug, als dass sie die Handlung des Films mehr vorantreiben könnten. Dem Stirnrunzeln darüber folgt das Abhaken mit schmunzelnder Mine. Das pulpige Amusement mehrt sich mit zunehmender Laufzeit und The Girl in Room 2A gewinnt Sympathien gerade mit seiner kopflosen Narration. Wenn sich herauskristallisiert, was Mrs. Grant, Mr. Dreese und Co. im Schilde führen, hinterlässt der Film mehr offene Fragen, als das er sie beantwortet. Bei der finalen Desmaskierung der Henkersgestalt ergibt sich im Hinblick auf die Methoden derjenigen, mit denen diese unter einer Decke steckt, ein wahrer Scooby-Doo-Moment. Ein Vorfahren der Mystery Machine mit Daphne, Velma, Fred, Shaggy und Scooby-Doo würde dem Ganzen dort die Krone aufsetzen und wäre so unpassend wie der lustig quäkende Soundtrack bei der Sekunden zuvor stattgefundenen Verfolgungsjagd . Bemängeln kann man einiges am Film, der mit diesen Unzulänglichkeiten und seinem schmuddeligen Charakter trotzdem einen beschränkten, aber netten Unterhaltungswert besitzt.

Share:

Donnerstag, 20. Januar 2022

X-Tro 3

Fox Mulder wollte daran glauben und mit ihm eine große Zahl der Fans, welche von der Erfolgsserie Akte X befeuert den Blick sehnsüchtig zum Sternenhimmel richteten und vom Besuch extraterrestrischer Intelligenzen träumten. Fake-Filme aus der sagenumwobenen Area 51, "I Want To Believe"-Poster all around the globe, Heftroman-Serien über UFO-Akten, Comics, dutzende günstig produzierte B-Filme. Die Außerirdischen boomten. Die Männchen aus dem All waren nicht mehr grün, sondern grau und mit großer Sicherheit vom grasierenden Hype befeuert, warf Harry Bromley Davenport 1995 ein zweites Sequel seiner X-Tro-Reihe auf den Markt. Dessen englischer Untertitel Watch The Skies kann man als mahnende Worte oder Empfehlung verstehen. Bereits Teils eins brachte seinem Publikum bei, dass nicht alle Außerirdischen freundlich sind und X-Tro 3 untermauert dies wortwörtlich.

Erneut muss eine militärische Spezialeinheit seine Köpfe und Gliedmaßen dafür herhalten, einen erzürnten Außerirdischen Besucher bei Laune zu halten. Dieser wurde über Jahrzehnte von amerikanischen Behörden in Beton gehüllt auf einer kleinen, namenlosen Insel festgehalten und sich selbst überlassen. In den 50er Jahren nahm man an diesem zahlreiche Experimente und Untersuchungen vor, bevor das ganze Projekt fallen gelassen wurde. Befreit wird er von der vom Agenten Fetterman angeheuerten Sprengstoffräumeinheit, die bei ihrer Arbeit auf dem Eiland versehentlich ein Loch in das Gefängnis des großen grauen Männchens sprengt. Zuvor liest die kleine Einheit unter Leitung von Major Kirns einen zotteligen, geistig verwirrten Mann auf, der sich als überlebender Beteiligter der Experimente aus den 50ern entpuppt und besonderes Interesse bei Fetterman weckt. Als die angespannte Lage auf der Insel eskaliert und der verwahrloste Überlebende aus dem Lager der Einheit türmt und das Alien mit mächtig Wut im Bauch über die Insel streift, macht sich der Agent mit seiner Assistentin aus dem Staub und überlässt Kirn und dessen Anhang sich selbst.

Zum ersten Mal tauchte X-Tro 3 als Unbekanntes Filmobjekt durch eine nächtliche Ausstrahlung in den 2000ern bei VOX auf meinem Radar auf. Damals waren private Fernsehanstalten für einige kleinere Überraschungen gut und so lief der Film im Fernsehen immer ungekürzt, während die deutsche Video-Veröffentlichung des Films geschnitten war. Seit geraumer Zeit liegt von dem Film eine mehr als saubere 2K-Abtastung auf Blu Ray von Vinegar Syndrome vor. Das Wiedersehen bescherte mir die gleichen Gefühle wie damals. Ein großer Wurf ist auch X-Tro 3 nicht. Der Gesamteindruck fällt weit weniger desolat als beim zweiten Teil aus, komplett erquicklich ist die Mixtur aus trister Militär-Action und teils krudem Alien-Horror nicht. Der eigentlich für die Hauptgeschichte nicht unwichtige Subplot um den Robinson-Lookalike schindet stellenweise einiges an Zeit und lässt diese nicht so zum Punkt kommen, wie es wünschenswert wäre. Es steht außer Frage, dass so manches Element der Story haarsträubend ist. Bromley Davenport beschreitet seinen Weg durch diese leider wenig effizient und zielgerichtet.

Den Actionszenen des Films raubt dies die Kraft und lässt X-Tro 3 fast eine Bruchlandung hinlegen. Minimalistische Predator-Anleihen werden schlecht kopiert und entpuppen sich als eine monotone Militär-Chose mit repetitiven Zügen. Einzig das Auftreten des Aliens bietet zwar keine neuen, aber halbwegs nette Ideen. Befeuert vom nicht beabsichtigten Subtext des Erstlings scheint Bromley Davenport einem übergroßen Anspruch in Bezug auf komplexe Storygestaltung zu besitzen und verrennt sich in der umständlichen Umsetzung seiner filmischen Visionen. Unerheblich wie groß diese waren, erwecken sie den Anschein, dass man den glücklichen Subtext-Zufall des Ursprungsfilm reproduzieren wollte. Es beißt sich erheblich mit den Anbiederungen an damalige Trends und größere filmische Vorbilder. Geradlinige Action, straighter Horror: um das zu bieten, fehlt es dem Film an einem sauberen Konzept. Allenfalls durchschnittlich ist das, was Bromley Davenport mit seinem Film abliefert. Ein Jahr zuvor zeigte Watchers: The Chase Is On, dritter Teil des 80er-Jahre-Horrors Watchers, dass kostengünstiger Action-Horror auch in knallig und kurzweilig geht (zugegebenermaßen ist er aber auch eine recht dreiste Kopie des McTiernan-Klassikers). Zumindest ist der letzte Teil der X-Tro-Reihe kein kompletter Ausfall und bietet mit Abstrichen einige nette, wenn auch niveaulose, Momente.

Share:

Samstag, 15. Januar 2022

Xtro II - Die zweite Begegnung

Wenigstens ist Harry Bromley Davenport ehrlich, wenn er Auskunft über die Entstehung des ersten X-Tro-Sequels gibt. Aus Mangel an Moneten wurde für ein schnelles Cash-In ein Drehbuch zusammengeschustert, dass sich nicht weiter vom Ursprungsfilm entfernen könnte. Grund hierfür war, dass er zwar die Rechte am Franchise, jedoch nicht an der Story seines eigenen Films besaß. Deswegen orientiert sich Xtro II mehr an damals gängiger Videoregal-Massenware als eigene Akzente zu setzen. Von der kauzigen Eigentümlichkeit des Vorgängers ist leider nichts mehr vorhanden. Lieber leimt man im Script verschiedene Teile aus dem Baukasten für Außerirdischen-Horror zusammen, die im Endergebnis auf wackeligen Füßen stehen. Action-orientierte Komponenten, wie man sie aus Aliens kennt, treffen auf den Versuch, aus einem alten Lagerhallen-Komplex ein ähnlich todbringendes wie spannendes Labyrinth in James Camerons Film zu schaffen.

Zum Scheitern verurteilt ist das Vorhaben bereits durch die auf Komplexität gebürstete Geschichte, die mehr Quatsch als interessante Entwicklung bietet. Das Militär werkelt in einem unterirdischen Labor am Projekt Nexus, mit dem man versucht, in Parallel-Dimensionen vorzudringen. Nachdem Jahre zuvor das Vorhaben nach einem Unfall aufgegeben und vom damaligen Leiter Dr. Shepherd zerstört wurde, wagt man einen zweiten Versuch. Die Verbindung zum in die fremde Dimension vorgedrungene Team reißt ab und Leiterin Dr. Casserly sieht sich dazu gezwungen, den zurückgezogen lebenden Shepherd zu überreden, dass er ihnen und einer für die geplante Rückholaktion angeheuerte Einheit Marines hilft. Bei deren Durchführung holt das Team nicht nur eine Überlebende sondern auch eine fremde Kreatur ins Labor, welches von dieser unsicher gemacht wird.

Der von Christian Keßler geprägte Begriff des Krauchfilms, von diesem ursprünglich für Bruno Matteis Dystopien-Horror The Riffs III - Die Ratten von Manhattan kreiert, lässt sich prima auf Xtro II anwenden. Wenn der Film seine umständlich lange Exposition, in der mehr pseudo-wissenschaftliche Schwafelei als einem lieb ist über den Zuschauer ausgeschüttet wird, hinter sich gelassen hat, bietet er unspektakuläre Minimal-Action innerhalb von gefühlt endlos langen Wanderschaften der Mimen durch das Set. Der Film ist ein wahrhaftes Krauchwerk, der angesteckt von der berichteten und sichtbaren Lustlosigkeit von Hauptdarsteller und Ex-Airwolf Jan-Michael Vincent seinem Finale entgegen deliriert. Weitaus seltener kraucht an der Kamera das zu bekämpfende Monstrum vorbei, welches für wenige, halbwegs sehenswerte Effektarbeit sorgt.                                                             

Selten habe ich bei einem B-Film das Desinteresse seiner Schöpfer am Werk deutlicher wahrgenommen. Die vorherrschende Cash-In-Charakteristik nimmt dem Film jeden kleinsten unterhaltsamen Ansatz. Bevor Spaß aufkommt, wird die dünne Geschichte bereits wieder mit viel Füllmaterial aufgebauscht um auf eine spielfilmtaugliche Laufzeit zu kommen. Dazwischen spult der Film seine geliehenen Inspirationen derart belanglos ab, dass er - wäre er nicht Teil einer qualitativ wechselhaften Reihe - längst komplett vergessen worden wäre. Seinen Zweck scheint Xtro II - Die zweite Begegnung erfüllt zu haben. Bromley Davenport dürfte einigen Videothekengängern ein besser gefülltes Bankkonto verdanken zu haben und fünf Jahre später folgte mit X-Tro 3 ein zweites und letztes Sequel, für das sich der Brite abermals verantwortlich zeigte. 

Share:

Dienstag, 4. Januar 2022

X-Tro - Nicht alle Außerirdischen sind freundlich

Strahlend blauer Himmel, alles ist friedlich, ein Junge spielt mit seinem Vater im Garten. Im nächsten Augenblick wird dieser friedliche Moment gebrochen. Das Firmament hat sich schwarz gefärbt, Blitze erhellen den in Dunkel getauchten Schauplatz und ein Sturm wütet. Eine Albtraumszenerie, die der kleine Tony durchlebt und ihn naxh seinem Vater rufen lässt. Seine ins Zimmer geeilte Mutter Rachel beruhigt ihn, dass ihn nur ein böser Traum ereilt hat um ihn im nächsten Moment auf den harten Boden der Realität zu schmettern, als sie hinterher schiebt, dass sein Vater Sam doch verschwunden ist. Tonys Einwand, dass Sam von Außerirdischen entführt wurde, schiebt Rachel mit allen Kräften der erwachsenen Ignoranz ins Reich der Fantasie. Sie scheint sich mehr um sich und ihre neue Beziehung mit dem Fotografen Joe als um ihren Sohn zu kümmern. 

Es ist der Auftakt für einen eigentümlichen Eintrag in der langen Liste der Alien-Rip Offs. Die Tagline von X-Tro, vom deutschen Verleih zum obligatorischen Untertitel befördert, macht unmissverständlich klar, dass die auftretenden Außerirdischen anders als der von Spielberg im gleichen Jahr in die Kinos geschickte E.T. - Der Außerirdische, zu keinen herzerwärmenden Momenten führen. Die bleiben auch aus, als Sam nach drei Jahren wieder auf der Matte steht. Der hat sich während seiner Abstinenz sehr verändert. Neben der Distanz zur Gattin und seinem Nebenbuhler scheint auch das Interesse am Sohn wenig mit väterlichen Gefühlen zu tun zu haben. Einzig Eingeweihter ist der Zuschauer, der die Landung eines extraterrestrischen Wesens beobachten konnte, das mit wortwörtlichem Körpereinsatz zum alten Sam in Menschengestalt mutierte. 

Was die konkrete Mission der Kreatur ist, lässt der Film offen. Sam gibt seine besonderen Kräfte in einem pervertierten Moment väterlicher Zuwendung an Tony ab, was ab dort X-Tro zu einem Horrorfilm zwischen surrealem Albtraum und krudem Alien-Body-Horror werden lässt. Wie bei Norman J. Warrens Samen des Bösen (AKA Inseminoid; hier besprochen) herrscht im Stimmungsbild eine durchdringende Kühle, die von traumartigen Sequenzen durchbrochen wird. Die britische Distanziertheit schenkt dem Film und seiner Ausgestaltung der Geschichte eine höchst interessante, bizarre Atmosphäre. Laut Regisseur Harry Bromley Davenport war dies nicht intendiert. Vermutlich war dies auch nicht der ansatzweise vorhandene Subtext des Films, der Sams Entführung durch Außerirdische als versuchte Trauma-Verarbeitung von Tony lesen lässt. Der Junge kanalisiert die Abwesenheit des geliebten Vaters durch diese Fantasterei und flüchtet sich in eine Fantasie-Welt nach dem Erhalt von Sams Kräften und verbringt seine Zeit mit dem von ihm zum Leben erweckten Spielzeug.

Viel daraus macht X-Tro leider nicht. Es ist ein Erklärungsansatz sowie ein Versuch zu verstehen, warum die vom Film groß beworbenen, unfreundlichen Außerirdischen wie einst Sam eine ganze Weile mit Abwesenheit glänzen. Die wilde Wundertüte, die Bromley Davenport vor uns ausschüttet ist ein Kabinett aus Kuriositäten, durch die sich die Geschichte um die Familie Phillips zwängen muss. Deren familiäres Drama ordnet sich dem unentschlossenen Gesamtbild des Werks unter. Der Film gibt vielen seiner Ideen Raum, von denen einige bedauerlicherweise ins Nichts führen. Auf der Gegenseite besticht X-Tro dadurch mit einer Anti-Attitüde, die ihn zu einem gegen den Strich gebürsteten Horrorfilm macht, der einen Fick auf Konventionen gibt obwohl er sich dieser gleichermaßen bedient. Die Versatzstücke, derer er sich bedient, sind nicht wenige und sattsam bekannt. Großer Pluspunkt des Films ist, wie er diese anpackt.

1982 existierten noch nicht viele Nachahmer von Ridley Scotts Alien. Was der Brite darin definierte, kopierten diese mit unterschiedlicher Anzahl von Variationen und schufen einerseits für nachfolgende Filme gewisse Standards eines Subgenres. Von diesen ausgehend, mutmaßt man als Zuschauer vorschnell, dass auch X-Tro ein Paket bestehend aus Monstren, Schleim, Blut und eventuell etwas nackter Haut ist. Der Film spielt mit den Erwartungen des Publikums, befriedigt diese in den ersten zwanzig Minuten sattsam bevor er genug davon hat und eigene Wege beschreitet. Hätte Bromley Davenport das Potenzial seiner Geschichte um eine absonderliche Art des Familiendramas um einen sich von der Familie entfremdenden und entfernenden Vater erkannt, der dessen schutzbedürftigstes Mitglied tief traumatisiert zurücklässt, eher erkannt, könnte X-Tro ein explosiver Knaller aus Schmodder und Subversion sein. Das Erleben des Films bleibt anders: die Eigenheiten stechen hervor, die der Genre-Welt einen überraschend interessanten Alien-Anarcho schenkten, von dem man sich gerne entführen lässt.

Share:

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Cage Fighter + Cage Fighter II - Arena of Death

Ein schmutziger Stadtteil mit vom Wetter und der Zeit gezeichneten Gebäuden, die Schatten werfen, welche sich und die Menschen, die dort leben, immer wieder in ihrem undurchdringlichen Schwarz verschlucken. Kein Normalsterblicher würde sich, zumindest allein, in diese Gegend trauen. Labyrinthe aus schmalen Gängen führen in halb verfallenen Bauwerken zu Kellergewölben, deren Wände durch die vielen in ihm befindlichen Leute unaufhörlich schwitzen. Sie versammeln sich vor einem Käfig, aus klapprigen Maschendrahtzaun-Wänden zusammengebaut, in dem sich zwei Athleten scheinbar ohne Regeln einen Kampf auf Leben und Tod liefern. Eine Szenerie, wie sie nach dem Erfolg von Bloodsport viele B-Filme aufgebaut haben. Illegale Turniere mit Athleten, welche verschiedenste Kampfkünste repräsentieren, um den Champion der Champions unter sich auszumachen.

In den ausgehenden 80ern und den sich ankündigenden 90ern versprühten Videos mit Vale-Tudo- bzw. Free Fight-Kämpfen einen Hauch verlockender Illegalität, die interessierte Menschen in den Underground des Vollkontaktsports sogen. Über die Jahrzehnte hat sich das Ganze stark verändert. Irgendwann entstand der Begriff des Shootfightings, wie in Japan Mixed Martial Arts-Veranstaltungen bezeichnet wurden. Letztere Bezeichnung gilt heute als Überbegriff für einen seit Jahren erfolgreichen Kampfsport, der nicht nur in Deutschland harsche Kritik wegen seiner rohen Brutalität über sich ergehen lassen musste. Geld haben Organisationen wie Ultimate Fighting Championship oder Bellator trotzdem zu Hauf gescheffelt und dort bekannt gewordene Athleten wie Ronda Rousey oder Matt Riddle wechselten zum eher auf Show setzenden Wrestling und begannen durchaus erfolgreiche zweite Karrieren. Entgegengesetzt verbuchten vom Wrestling kommende Fighter wie Brock Lesnar oder Bobby Lashley in ihren MMA-Karrieren beachtliche Erfolge. Der Kreis hat sich längst geschlossen. Shootfight-Pioniere wie Ken Shamrock oder Minoru Suzuki gelten heute in beiden Bereichen - Wrestling und MMA - als Legenden.

Noch einen drauf setzt die in den USA beheimatete Indie-Wrestling-Liga Game Changer Wrestling. Diese veranstaltet - vorausgesetzt das keine Pandemie unser aller Leben aus den alltäglichen Fugen hebelt - einmal im Jahr eine Shoot Style-Wrestling-Veranstaltung namens "Bloodsport". Dort wird auf das herkömmliche Booking - das durchplanen des Kampfverlaufs und Bestimmen des Siegers - verzichtet und lässt in einem Turnier die stärksten der Starken gegeneinander antreten. Die Bereiche verschwimmen an manchen Stellen, obwohl sich MMA und Wrestling ansonsten weiter versuchen voneinander abzugrenzen. Wenn Hauptdarsteller Lou Ferrigno in den Cage Fighter-Filmen im Käfig steht und seinen Kontrahenten die Grütze aus dem Körper hämmert, erinnerte mich nicht nur das mehr an Wrestling- als an Shootfight-Kämpfe. Der als Hulk in der gleichnamigen TV-Serie bekannt gewordene Ex-Bodybuilder hätte in der Entstehungszeit beider Filme schon wegen seiner Körperstatur wunderbar in das Big Men-Universum der damals noch als World Wrestling Federation firmierenden Company von Vince McMahon gepasst.

Die Inszenierung der Kämpfe, Herzstück aller Action-Kloppereien, die illegale Kampf-Turniere als Aufmacher ihrer sonst austauschbaren Story nutzen, mutet schwerfällig an. Mitreisende Dynamik wird in Cage Fighter (1989) nicht entfacht, wenn Ferrigno als ehemaliger Soldat Billy, der bei einem Vietnam-Einsatz eine schwere Kopfverletzung davontrug, im Käfig seine Fäuste benutzt. Die kurz gehaltenen Fights scheinen Beiwerk für den Film zu sein, der eigentlich mit seinen Titel genau für diese wirbt. Bevor Billy in den Squared Circle stapfen muss, widmet sich Cage Fighter für diese Spezies Film überraschend detailliert der Beziehung zwischen Ferrignos Figur und ihrem Freund Scott Brown. Der Prolog führt nach Vietnam bzw. dem, was das schmale Budget uns versucht weiszumachen, dass dies das ostasiatische Land sei. Billy rettet Scott im letzten Monat aus einem verloren geglaubten Gefecht und fängt sich leider einen Kopfschuss ein, der ihn geistig auf den Stand eines Kindes zurückwirft. Mit viel Schmalz im Titellied zeigt uns der Vorspann die mühsame Reha Billys, mit Scott als treuem Freund an seiner Seite.

Hat man dies überstanden, werden in Scotts Kneipe zwei hochverschuldete Schmalspur-Ganoven Zeuge einer Schlägerei, bei denen sie von Billys Kräften beeindruckt werden. Da das Duo es auf normalen Wege nicht schafft, Scott oder Billy davon zu überzeugen, für sie bei illegalen Kämpfen anzutreten, schmieden sie einen niederträchtigen Komplott. Sie lassen Scotts Bar abfackeln und locken Billy mit einer Finte zu sich und überreden ihn, am Turnier teilzunehmen, in dem sie ihm glauben lassen, er kann damit Geld für das abgebrannte Lokal verdienen. Dies ruft Scott auf den Plan, der versucht, seinen Brother from another mother aus den Fängen der Kriminellen zu befreien. Erstaunlich ist daran, dass alles, was Cage Fighter bis dahin präsentiert, so auch in anderen Werken präsent und meist besser inszeniert ist. Regisseur Lang Elliott weist den Weg durch das Script kurzsilbig und grobmotorisch. Szenen strecken sich oder stehen offensichtlich nur deswegen im Drehbuch, um die Laufzeit zu dehnen. Auf optischer Seite sieht es nicht besser aus. Cage Fighter wirkt durchgehend heruntergekommen und zeigt dem Zuschauer damit ohne Scham, dass er für ein paar schmale Taler zusammengezimmert wurde.

Der Shabby Style des Films wirkt optisch wie narrativ Wunder. Diese mögen schmal sein, aber wirksam. Ferrignos Charakter ist nervig wie liebenswert; zumindest in der deutschen Fassung, da dessen Synchronsprecher Thomas Wolff mit seiner hohen, manchmal quäkigen Stimme entgegen den Strich gecastet erscheint, aber für Billys Wesen gut passt. Kumpane Scott wird von Reb Brown verkörpert, dem ich (wie dem ganzen Film) persönlich jedes Mal beim Genuss von Antonio Margheritis Einer gegen das Imperium (hier besprochen) heimliche Luftküsse entgegen schleudere. Beide Hauptdarsteller sind meilenweit von einer Oscar-verdächtigen Leistung entfernt, Brown wirkt nicht nur in den Actionszenen steif, aber die Chemie auf dem Bildschirm stimmt. Sie sind sympathische B-Buddys, die in ein quatschiges Storyumfeld geschrieben worden sind. Wenn man sich dem Film gegenüber öffnet, sorgen auch die wenigen flachen, humoresken Einschübe für eine erhöhte Kurzweil. Objektiv ist das Käse, den man nicht weg diskutieren kann. Die subjektive Ebene bzw. Wahrnehmung des Zuschauers kann Cage Fighter durchaus für sich gewinnen.

Manchmal riecht es gegen Ende etwas offensichtlich nach Bloodsport-Kopie. Der Bolo Yeung-Ersatz für den allmächtigen Champ bleibt bis zum unausweichlichen, letzten Duell leider recht bass. Dessen Darsteller Tiger Chung Lee, der von 1982 bis 1988 in den USA in den Wrestling-Ring, u. a. auch für die WWF (heute WWE), stieg. Mit vielen weiteren bekannten Gesichtern wie James Shigeta, Al Leong oder Al Ruscio fühlt sich Cage Fighter wie ein nicht immer angenehmes Wiedersehen mit alten Bekannten an, dass mit einigem Abstand betrachtet doch wieder okay ist. Der Film wandelt auf dem schmalen Grat zwischen B- und C-Action, von dem seine Fortsetzung Cage Figher II - Arena of Death (1994) stolpert und sich selbst ein T. K. O. verpasst. Darin hat das Cage Fighting einen halben Schritt aus dem Untergrund gewagt und wird im Kabelfernsehen übertragen. Strippenzieher sind weiterhin windige Geschäftsmänner, die es abermals mit Billy und Scott zu tun bekommen. 

Bei einem Überfall auf einen Supermarkt bzw. dem, was das noch schmälere Budget uns weiszumachen versucht, dass dies ein Selbstbedienungsladen sei, wird Scott nach dem Schusswechsel zunächst für tot geglaubt. Abgesehen haben sie es auf Billy, den sie betäubt und entführt haben. Unter Droge gesetzt, zwingen sie ihn wieder auf die Matte und kreieren aus ihm den neuen Undisputed Champ der Liga. Derweil macht Scott die Bekanntschaft zweier Interpol-Agenten, welche ihm helfen wollen, seinen Freund aus den Fängen der Drahtzieher hinter dem Kampfspektakel zu befreien. Dem ungeschriebenen Sequel-Gesetz folgend, schenkt die Rückkehr in die Arena dem Zuschauer mehr von allem. Mehr Fights, mehr Leerlauf, mehr Quatsch. So simpel wie effektiv sich der erste Teil präsentierte, so ärgerlich plump wirkt der zweite. Ferrignos Billy scheint hier zu mahnen, dass auch im sanftesten Riesen eine Bestie steckt und diese hervorgelockt werden kann. Häufig aus der Frosch-Perspektive gefilmt, ist der zugedröhnte Veteran eine Larger Than Life-Version der Figur des Vorgängers.

In seiner Wirkung nutzlos ist dieser Ansatz, da Cage Fighter II es verspielt, abermals die bekannten Konventionen seines Genres mit Charme aufzuwerten. Lang Elliott geht mit seiner Regie noch grobschlächtiger um und kreiert viele dröge Momente, durch die es sich zu kämpfen gilt. Der in die Story eingewobene Ansatz einer Love-Story zwischen Billy und seiner von seinem Boss bestellten,, persönlichen Dienerin schlägt dem Fass den Boden aus. Anstrengende Momente voll angestrengter Emotionalität, die eine leere Hülle an Dramatik zurücklässt und einzig die Laufzeit aufbläst. Ferrigno spielt den gleichen Charakter, der nicht mehr der selbe ist. Was Cage Fighter erschaffen hat, wird im Sequel willkürlich umgekrempelt. Schwerlich möchte man von neuen Perspektiven auf eine Figur sprechen. Dafür wird im Vergleich mit dem Erstling zu wenig variiert. Mehr kopiert man sich beim Versuch Neues zu erschaffen, selbst. Und das nicht mal gekonnt. Die Action mag kompakter erscheinen und lahmt hintergründig sichtbar. 

Die Arena of Death entpuppt sich als schaler Aufguss des ersten Teils mit verschobenen Konstellationen und ist mehr als Cage Fighter ein austauschbarer und dämlicher Actionfilm. Er bietet mehr und gibt dem Zuschauer weniger. Man darf froh sein, dass das halbwegs offene Ende nicht zu einem dritten Film geführt hat. Eventuell wäre das qualitativ nochmal eine oder mehr spuren erbärmlicher gewesen. Sollte man Lust auf simpel gestrickte Action mit viel Muskelpower aus der güldenen, bereits leicht verblassenden Videotheken-Zeit bekommen, darf man gerne einen Blick auf Cage Fighter werfen. Den zweiten Teil wiederum sollte man in einer Gegend, in die man sich zumindest allein niemals traut, verfrachten und in versteckten Kellergewölben in einen Käfig sperren. Und den Schlüssel wegwerfen. Oder sich durch andere der dutzenden Käfigkämpfer-Filme wühlen, welche bis dato produziert werden und zumeist weiterhin kämpferisch fachkundiges Hauptdarsteller-Personal wie z. B. in Cagefighter: Worlds Collide aufstellt. Darin ist der ehemalige AEW-World Champion Jon Moxley, bei WWE dem Mainstream-Publikum unter dem Namen Dean Ambrose bekannt geworden, zu sehen, welcher sich mit einem MMA-Champion ein verbissenes Duell liefert. Nur vom abgeranzten Charme des Untergrunds eines Cage Fighters ist darin leider längst nichts mehr zu spüren.

Share: