26. Juni 2016

The Last Jaws - Der weiße Killer

In seiner Karriere lieferte Enzo G. Castellari überwiegend actionlastige Filme ab: egal ob der dystopische Metropolis 2000, sein von Tarantino remakter Ein Haufen verwegener Hunde oder die in der frühen Phase seines Schaffens vorherrschenden Italowestern wie Töte alle und kehr allein zurück . Bei dem als Enzo Girolami geborenen Regisseur geht es in den meisten Filmen krachig und grobschlächtig zu Gange. Das er auch anders kann, beweist er in dem wunderbar düsteren (Italo)Western-Abgesang und seinem besten Film Keoma - Das Lied des Todes. In diesem beweist der routinierte Filmhandwerker, das er auch Atmosphäre schaffen kann und ein Gespür dafür besitzt. Bei The Last Jaws merkt man davon nichts.

Ich möchte mich gar nicht groß darüber beschweren, dass der Film den Eindruck eines billigen Cash-Ins besitzt. Diese gibt es im italienischen Genrefilm zu Hauf und auch Castellari hat mehr als nur dieses eine geschaffen. Aber weitaus bessere, mit weitaus mehr Charme. Den hat The Last Jaws zu keiner Zeit. Außerdem zeigt gerade The Last Jaws das Castellari ein Regisseur ist, der mit viel Krach umzugehen vermag, dynamische Action erzeugen, aber nie so wirklich einen brauchbaren Spannungsbogen erzeugen kann. Das merkt man (abgesehen von Keoma) auch in den meisten seiner guten Filme.

Dabei fängt man gar nicht so schlecht an. Man geht zügig zu Werke, die Geschichte um den "letzten Hai" (wörtliche Übersetzung des Originaltitels) zu erzählen. Hier terrorisiert der italienische Schwippschwager von Spielbergs Raubfischoper den kleinen Ort South Bay. Dort steht eine Windsurf-Regatta ein, ein für die Stadt doppelt wichtiges Spektakel: einerseits für den Ort und für den Bürgermeister William Wells, der gerade im Wahlkampf für seine Kandidatur als Gouverneur steckt. Doch der als Favorit der Regatta geltende Mike verschwindet beim Training auf dem Meer samt Surfbrett, welches später mit eindeutigen Bissspuren in Einzelteilen wieder auftaucht. Der Schriftsteller Peter Benton und der Haiexperte Ron Halmer warnen davor, die Regatta durchzuführen. Es kommt, wie es kommen muss: Wells setzt sich über die Warnungen hinweg, schafft einige Sicherheitsvorkehrungen um die Regatta nicht zu gefährden, doch der Hai macht diesem natürlich einen Strich durch die Rechnung.

Allerdings verpasste man eindeutig, der Geschichte Spannung zu schenken. Gerade die Haiangriffe - eine Mischung aus Stock Footage und einem gesteuerten Hai-Dummy - verpuffen wirkungslos. Sie passieren nebenher, wie überhaupt auch die komplette Geschichte ab einem gewissen Punkt. Tierhorror lebt allerdings vom bedrohlichen Aufbau der nahenden Gefahr bis diese in den Angriffen der wilden Kreaturen gipfeln. Ganz spät - nämlich erst im Finale - kommt dann wirklich etwas wie Spannung auf. Dort ist der Film längst vollends im Mittelmaß untergegangen. Ganz oft erscheint dieser als ein beiläufig gedrehtes Werk, als hätte man schnell das Interesse an diesem Projekt verloren und lässt jeglichen Charme vermissen. Trotz bzw. gerade wegen der limitierten, finanziellen Möglichkeiten besitzen italienische Rip Offs aber gerade diesen. Hier: Fehlanzeige. Der Film fühlt sich spröde und fade an und mag nicht so recht den Zuschauer für sich gewinnen.

Dafür kennt man eben die Geschichte sattsam von den größeren Vorbildern, an denen man sich orientiert. Die Handlung wird erzählerisch ordentlich nach vorne getrieben; interessant kann man das nicht nennen. Auch wenn man sich das Drehbuch bemüht, parallel von Gouverneur-Kandidat Wells, dem Schriftsteller Peter Benton und seinem Mitstreiter Ron Hamer sowie dem nach Sensationen gierenden TV-Reporter Bob Martin zu erzählen. Bei der Stange hält der Film den Zuschauer damit nicht. Gefallen können dafür die Darsteller: Joshua Sinclair gefällt als der windige Bügermeister, während James Franciscus seine Schriftsteller-Rolle routiniert runterspielt. Vic Morrow macht als brummeliger Käpt'n Iglu-Verschnitt mit Haiexperten-Diplom einen spaßigen Eindruck; retten können die Drei The Last Jaws aber auch nicht. Dabei ist der Film technisch interessant: einige Einstellungen und Kamerafahrten (wie zum Beispiel die lange zur Einführung der Figur des Peter Benton) sind äußerst hübsch.

Im spröden Ganzen des Films kann dies nicht darüber hinweg sehen lassen, wie mäßig der Film ist. Ein Horrorfilm, dem jeglicher Schrecken und Spannung fehlt und der auch mit seiner restlichen Handlung nicht fesseln kann, vermag wirklich nicht mehr als ein müdes Lächeln zu zaubern. Manche trashige Momente - unvergessen natürlich die Szene, in der der Hai einen ganzen Hubschrauber unter Wasser zieht (!), die für den Castellari unverzichtbaren Zeitlupenmomente oder die einfachen Special Effects - sind kurz lustig aber auch nicht die Rettung für The Last Jaws. Es war der letzte Ausflug Castellaris in das Horrorgenre. Sein erster, der nicht in Deutschland erschienene Sensitivá, soll wirr aber atmosphärisch deutlich besser sein. Wahrscheinlich merkt man dort wie bei Der weiße Killer, dass Castellari kein Mann für dieses Genre ist. Nach Sichtung dieses Films bin ich doppelt froh, dass er den zuerst ihm angeboteten Regiejob für Woodoo zugunsten eines anderen Filmes ablehnte und letztendlich Lucio Fulci diesen drehte.

6. Juni 2016

Interceptor

Die Kleinstadt-Gang um den finsteren Packard Walsh wird in ihrer Komfortzone aus Terror und Autorennen, in denen man den Verlierern das Auto abknöpft, empfindlich gestört: zum Einen taucht der junge Jake mit seinem Motorrad auf, der ein Auge auf Keri, die unfreiwillige Freundin Packards, geworfen hat. Zum Anderen taucht auch ein geheimnisvoller schwarzer Wagen auf, der die Duelle gegen Packards Bandenmitgliedern mit tödlichem Ausgang gewinnt. Dies schmeckt, weder dem Bandenchef (der den schwarzen Wagen gerne in der Sammlung hätte) als auch dem örtlichen Sheriff überhaupt nicht.

1986 ist dieses Werk entstanden, der damals tatsächlich ein R-Rating bei der MPAA einfuhr. Kaum zu glauben, ist der Film doch merklich auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten. Viel eher steht ihm die Freigabe der US-DVD von Lionsgate, die ein PG-13 hat. Interceptor ist Horror light, mit etwas Mysterien, einer Prise Schnulze und ganz viel Action. Die Autorennen, in denen der titelgebende Wagen zu sehen ist, sind schnittig und mitreißend inszeniert. Das muss man dem Film lassen. Die Figuren sind dafür ist schablonenhaft und austauschbar, was man auch über die Story des Films sagen kann. All das, was Interceptor so abspülen, hat man häufig gesehen. Ja sicher auch besser und spannender. Aber der Film ist ein so offensichtliches Kind der 80er, im positivsten Sinne cheesy und dazu mit einem tollen Rock-Soundtrack gesegnet, das man sich seinem Charme nicht verwehren kann.

Der Film tut eben nicht weh, zeigt keine allzu heftigen Spitzen - damit das jugendliche Publikum sich all das auch noch anschauen kann. Grob erinnert Interceptor an eine Mystery-Variante von Knight Rider, deren damalige Popularität man sicher auch noch ausgenutzt hat. Weiterer Pluspunkt ist die klischeehaft überzeichnete Darstellung der Fieslinge: da säuft ein Punk ständig irgendwelche Flüssigkeiten, die man sonst nur in Autos kippt, ein anderer ist ziemlich ängstlich und der von Nick Cassavetes dargestellte Chef überzeugt als eiskaltes Aas. Auf der anderen Seite hat man tatsächlich Carlos Estevez AKA Charlie Sheen als Hauptdarsteller, den man eigentlich nur eine halbe Stunde im Film sieht. Vielleicht war er da schon öfters such bei Oliver Stone zu Besuch, dessen Platoon der Durchbruch für Sheen war. Sheen sieht aber eigentlich nur gut aus und sitzt auf seinem Motorrad herum.

Macht nichts: durch seine flotte Art kann Interceptor mit seiner durchgenudelten Geschichte selbst heute noch ordentlich Spaß bringen. Bei mir vielleicht auch deswegen weil er eine schöne Jugenderinnerung darstellt, als sowas in den ausgehenden 90ern und beginnenden 2000ern öfter auf den Privaten lief.

24. April 2016

Howl

Murphys Gesetz besagt: "Alles was schief gehen kann, geht auch schief". Der Protagonist dieses Films, ein Sinnbild für all' die vom Leben gebeutelten und passend dazu mit dem Allerweltsnamen Joe ausgestattet muss dies in Howl am eigenen Leib spüren. Frisch im Feierabend, liegt im Spind des Zugbegleiters die Absage auf die sich beworbene Supervisor-Stelle. Nicht genug, schickt ihn sein unsympathischer Kollege Steve, frischgebackener Supervisor, zu einer Extraschicht: ein Kollege hat sich krank gemeldet. Im nächtlichen Zug durch die englische Provinz begegnet er Menschen unterschiedlicher Coleur, die alle irgendwie eines gemeinsam haben: so richtig sympathisch sind diese (fast) alle nicht.

Unsympathisch. Ein Wort, welches auch gut zum ganzen Film passt. Seine Grundidee, all die sich im Zug befindlichen, unterschiedlichen Menschen gemeinsam einer Bedrohung auszusetzen, ist solide. Während der Fahrt bremst die Bahn scharf und es geht nicht weiter. Während Joe und seine Kollegin Ellen versuchen, die aufgebrachten Passagiere zu beruhigen, will der Zugführer nachschauen, was genau ihn zur Vollbremsung getrieben hat. Etwas läge auf den Gleisen, erklärt er mit einer Durchsage noch. Seine Erkundung konfrontiert ihn mit diesem etwas: einem Werwolf. Dieser kommt allerdings nicht alleine, sondern bringt auch noch seine Sippschaft mit, die nun den sich im Zug befindlichen Menschen nach dem Leben trachten.

Howl hätte nun den Coup ausspielen können, durch den beinahe komplett auf den Zug reduzierten Handlungsort eine klaustrophobische Stimmung erzeugen zu können. Leider beschränkt sich das Drehbuch darauf, typische Abfolgen eines Horrorfilms in dem eine bunt zusammengewürfelte Gruppe sich zusammenraufen muss um zu überleben, runterzuleiern. Redudanz bleibt innerhalb des Genres nicht aus, es kommt aber darauf an, wie man dies überspielt und inszeniert. Paul Hyett, der vorher nur den nie richtig über den Geheimtipp-Status hinaus gekommenen The Seasoning House drehte, bleibt hier mit seinem Können - wie der Zug - auf der Strecke.

Schade ist, dass zu Beginn der nächtliche Schauplatz und die dunkle Farbpalette des Films eine gewisse Atmosphäre aufbauen können. Man wird auch nicht sofort mit den Werwölfen konfrontiert. Der erste Auftritt der Kreatur(en) braucht seine Zeit; dieser klassische Aufbau ist hübsch, beißt sich allerdings mit dem verkrampft modern wirkend wollenden Rest. Schuld daran ist der Aufbau der Gruppe und dem unglücklich gezeichnetem Protagonisten. Joe ist ein resignierender, unsicherer Typ, schüchtern, gehemmt. Ed Speelers verkörpert das souverän, zu seiner Figur kann man nur nie richtig einen Zugang finden. Auch die restlichen Figuren, die gerade während ihrer Einführung - der Fahrkartenkontrolle - allesamt recht schlecht wegkommen. Eine Überzeichnung im Versuch, die Charaktere zu greifbar und zu "realistisch" zeigen zu wollen. Bis auf Ellen kann man kaum einer der Figuren Sympathien entgegenbringen.

Sie bleiben zu stark im Stereotyp gefangen, manche wie der Fußballfan oder ein erfolgreicher Geschäftsmann sind sogar für eine Genreproduktion die in ihrer Figurenzeichnung auf gängige Klischees zurückgreift, zu überzeichnet. Ein positiver Punkt entsteht hier etwas bei letzterer: schnell ertappt man sich als Zuschauer bei dem Wunsch, das dieser so schnell wie möglich den Werwölfen in die Hände fällt. Dies ist allerdings nicht die einzige Enttäuschung, mit der man dann zu leben hat. Die Spannungsebene des Films bleibt gleich, der Knoten möchte nicht platzen. Man verlässt sich auf Altbekanntes, das technisch routiniert und gut gefilmt ist, nur richtig packend wird es nie. Hyett und dem Drehbuch fehlt es an Dynamik, die hier die typischen Verschanzungs- und Angriffstaktiken auf beiden Seiten verfeinert hätte.

Einen angenehmen Mittelweg geht Howl bei den Effekten: die Angriffe der Werwölfe geschehen meist klassisch im Off, selten sieht man während derer "Arbeit" wie die Auswirkungen ausfallen. Blut spritzt trotzdem massig. Selbst hier schafft man es aber, einen Minuspunkt zu setzen: die Werwölfe selbst sind äußerst unbefriedigend in ihrem Aussehen. Der erste, der in Gänze gezeigt wird, erinnert irgendwie an eine komische Mischung aus Mensch, Wolf und norwegischem Bergtroll mit schmieriger Heavy Metal-Frisur. Die restlichen Wölfe sollten wohl eine modern mutierte Hybrid aus Mensch und Wolf darstellen, erinnern im schlechtesten Fall an Gollum nach dem Genuss eines Wachstummittels oder dem weniger hübschen Ergebnis des Geschlechtsverkehrs zwischen einem Werwolf und einem selbst für Mordor zu hässlichen Ork.

Wenn die Credits beginnen, über den Bildschirm zu rollen, bleibt einem vor allem ein Schade im Kopf zurück. Das aufblitzende Potenzial nutzt Howl niemals. Man merkt, dass hier mehr drin gewesen wäre. Selbst die so ätzenden Figuren im Zug mit ihrer ganz eigenen Gruppendynamik hätte man besser, anders darstellen können. Hyetts Umgang mit den herkömmlichen Formeln des Horrorkinos ist in Kombination mit der durchaus interessanten Ausgangslage die schlechteste Herangehensweise für diesen Stoff. Was wäre Howl wohl für ein Film geworden, wenn man sorgfältiger und nicht - so kommt es einem zumindest vor - zu überhastet rangegangen wäre? So bleibt nur schnöder Durchschnitt, technisch einwandfrei, zu Beginn sogar hübsch atmosphärisch, im Ganzen aber leider nicht komplett überzeugend.

23. April 2016

The Cabin In The Woods

Teenies machen sich auf in ein Wochenende voller Spaß, Zügellosigkeit und Exzess. Wohlgemerkt in der Theorie. Die Figuren sind klar nach gängigen Mustern des Horrorkinos angerissen: ein harmloser, akademisch angehauchter Kerl, ein sportliches Mädchen mit ihrem gegenteiligen Part, der etwas weniger offenen, jungfräulich anmutenden Frau. Dazu natürlich die leicht tumb wirkende Sportskanone und ein vollkommen abgewrackter Kiffer. Der Aufmacher von Cabin In The Woods scheint wohlbekannt. Seit Sam Raimis Evil Dead weiß man, dass Ausflüge in im Wald gelegene Hütten nicht immer gut ausgehen. Zahlreiche sich an dieser Ausgangslage orientierende Filme machten dies in den letzten Jahren unmissverständlich klar.

Wenn nun allerdings Joss Whedon, u. a. der Regisseur beider Avengers-Filme und Macher der Serie Buffy - Im Bann der Dämonen zusammen mit dem damaligen Regiedebütant Drew Goddard (unter anderem ausführender Produzent der Netflix-Serie Daredevil) sich dieser Sache annimmt, kommt ein Film dabei heraus, den man so nicht wirklich auf der Rechnung hatte. Weil The Cabin In The Woods ständig mit den Erwartungen des Zuschauers bricht. Was hat es zum Beispiel mit Hadley (Bradley Whitfort) und Sitterson (Richard Jenkins) die für eine dem Zuschauer unbekannt gelassenen Behörde arbeiten und deren Arbeitsalltag parallel zu den Teens geschnitten ist? Und wieso spricht ein unbekannter Mann, auf einem Dach stehend, in sein Funkgerät das die Vögel ausgeflogen sind, wenn die Gruppe zur Hütte aufbricht?

Schnell wird man darüber aufgeklärt; Hadley und Sitterson haben etwas damit zu tun. Von ihrem Arbeitsplatz steuern sie das Schicksal der Gruppe von Teens und sind für die unheimlichen Vorkommnisse dort zuständig. Wie sie und ihre Kollegen dies auch für andere übernatürliche Geschehnisse auf der Welt sind. Es ist ein altes Ritual um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, in dem Opfer - beobachtet und gesteuert von dieser unsichtbar agiernden Behöre - an alte Götter geopfert werden. Mithilfe von Kreaturen, die jedem Freund des fantastischen Fans bekannt sein dürften. All das, was in Horrorfilmen passiert: die beiden Beamten und ihre Kollegen sind dafür verantwortlich. Dieser aberwitzige Überbau in der Handlung von The Cabin In The Woods sorgt dafür, dass die bewusst klischeehaft gezeichnete Story um die Jugendlichen mehr als einmal ironisch gebrochen wird. Wenn das Pärchen der Gruppe zum Beispiel im nächtlichen Wald spaziert, in ihrer Verliebtheit sich einen lauschigen Platz für ihr Liebesspiel aussuchen, er ihr beteuert, man ist ja alleine und der Schnitt in die Zentrale die gesamte Belegschaft zeigt, die die beiden gespannt beobachtet.

Jegliche Muster und Formeln, die Horrorfilme dieser und anderer Coleur aufzeigen werden durch die den Beamten gegebenen Möglichkeiten erklärt und ironisiert. Erwarteter Grusel und Schrecken bleibt eigentlich auf der Strecke; womöglich auch ein Grund, warum der Film beim normalen Publikum schlecht ankam und nicht viel einfuhr an den Kinokassen. Whedon und Goddard haben mit The Cabin In The Woods einen Meta-Horrorfilm geschaffen, der sich nahe am Rande solcher Filme die von Fans für Fans gemacht wurden, bewegt. Es ist ein anspielungsreiches Werk, welches bewusst seine Figuren zu Beginn der Reise bei auf Marty (den Kiffer) nicht stark überzeichnet einführt. Diese Wandlung ins Klischeehafte - ebenfalls ein Werk der Behörde.

In der Art der Erzählung macht Regisseur Drew Goddard das einzig richtige und legt ein zügiges Tempo auf; man hält sich nicht mit unnötigen Nebensächlichkeiten auf. Diese schnelle Art der Erzählung und die sich aufbauende Überdrehtheit des Films macht es für den mit fantastischem Stoff sich nicht groß beschäftigendem 08/15-Seher schwer, sich auf seine Art einzulassen. Der Fan freut sich umgangssprachlich gesagt einen Ast, was Whedon und Goddard in ihr Werk einbauen. Über die Stränge schlagen die beiden nie. Dafür ist der Film auch viel zu sympathisch in seiner ganzen Art her, eben weil endlich mal auch mit allen Horrorfilmen aufgeräumt wird, die sich in ihrem überzeichneten Wesen auch noch so bierernst nehmen. Die Mitarbeiter der Behörde kann man sogar nocha ls Metapher für ein gewisses Horrorpublikum nehmen, welches in ihrer konservativen Art wohl auch mit The Cabin In The Woods hätte.

Neigt diese Art von Publikum doch auch immer schnell dazu, allzu neue Dinge oder ironisch mit Formeln des fantastischen Films spielende Filme abzulehnen bzw. diesen sehr reserviert gegenüber zu stehen. Sich vom Mainstream abgrenzende Horrorfreaks, meistens auch noch mit einer Vorliebe für Metal und sich so in alternative Subkulturen einordnend, sind trotz ihrer Abneigung gegenüber normalem und eben konservativem aus dem Bürgerlichen gerade letzteres: konservativ. Auch das Horrorkino an und für sich: bedient es sich doch eben Jahr für Tag den Eingangs erwähnten konventionellem Aufbau einer Geschichte. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet punktet The Cabin In The Woods noch mehr als ohnehin schon.

17. April 2016

Metal Beast

Es gab eine Zeit im B- und C-Horrorfilm der 90er Jahre, in denen Menschen gerne vor irgendwelchen mutierten Killerbestien und ähnlichem in langen Gängen wegrannten. Auch Metal Beast kann man dazu zählen. Hier läuft ein Team von Wissenschaftlern in seinem geheimen Labor des US-Militärs vor einem Werwolf mit Metallhaut, letztere ist das eigentliche Forschungsobjekt des Teams, davon. In einem Prolog lernt der Zuschauer, dass zwanzig Jahre zuvor ein Dr. Butler (der zur gleichen Einrichtung wie das Team gehört) in Ungarn einen Werwolf ausfindig gemacht hat und ihm aus Forschungszwecken Blut abzapft. Sein Selbstversuch mit dem Blut geht schief und während seinem wölfischen Amoklauf im Labor wird er von seinem Vorgesetzten Miller überwältigt, angeschossen und in den Kälteschlaf geschickt. Miller ist es auch, der Butler den Wissenschaftlern als Versuchsobjekt unterjubelt und damit unschöne Ereignisse heraufbeschwört.

Der von Alessandro de Gaetano realisierte Film ist ein bemühtes Stück Horrorfilm, der trotz des sichtbar begrenzten Budgets das Beste herausholen will. Die atmosphärisch recht nette Einstiegssequenz im nächtlichen Ungarn ist hier als positives Beispiel zu nennen. Die Ausleuchtung und Requisite versuchen ein gewisses Gothic Horror-Flair zu vermitteln, was recht ordentlich gelingt. Auch der hier auftretende Werwolf ist ansprechend gelungen. Dies zeigt gleichzeitig, dass für die beiden Werwolfmasken wohl das meiste Geld ausgegeben wurde. Wenn Metal Beast hinterher in die 70er Jahre und schließlich die Gegenwart schwenkt, gibt es eine volle Breitseite der für Horrorvideomassenware aus den 90ern vorherrschenden Stimmung, die durch den leicht sterilen und leeren Look des Films verstärkt wird. Auf weiter Flur sind die sechs Wissenschaftler zusammen mit ihrem General die einzigen anwesenden Personen im von außen recht groß wirkenden Areal.

Hinzu kommt, dass de Gaetano, der auch an der Geschichte mitschrieb, sich Zeit lässt, diese zu erzählen. Es entsteht etwas einlullender Leerlauf, den es zu verschmerzen gilt. Eingeschoben werden immer wieder kleine, blutige Effekteinlagen wie eine ausgiebige Transplantationsszene der Metallhaut oder eine unheimlich gut gelungene Maske des bemitleidenswerten Butlers, dessen Gesicht und Körper halb Mensch, halb Werwolf ist. Für die sehenswerte Maskenarbeit war John Carl Buechler verantwortlich, der unter anderem an den Effekten für die Lovecraft-Verfilmung From Beyond, den spaßigen Alien-Rip Off Mutant oder auch die Trashgranate Troll beteiligt war. Splatterfans haben sonst wenig Freude, geschehen die Morde wohl auch budgetbedingt meistens im Off. Die Auswirkungen des Werwolfwütens werden nur dezent im Nachhinein gezeigt. 

Die Ingredienzen des Films kennt man aus vergleichbaren Produktionen der damaligen Zeit und eigentlich sticht Metal Beast nicht groß aus dem Wust des 90er-Horrors heraus. Innovation, Spannung oder Action sind nicht groß vorhanden. Die krude Grundidee bietet Potential, kann aber nicht ausgeschöpft werden. Da fehlt Können und auch das nötige Kleingeld. Wenn wie in meinem Fall die ersten Horrorfilme, mit denen man in Berührung kam, eben solche Produktionen (darunter auch Metal Beast selbst) gehörten, schwingt immer noch etwas nostalgische Verklärung mit. Man muss zugeben, daß es damals auch noch weitaus uninspirierter und schlechter zuging. Manchen Szenen sieht man die Bemühung an, Ihnen Atmosphäre schenken zu wollen. Mit manchen netten Kameraeinstellungen und Ausleuchtungen mag es sogar gelingen. Für einen übermäßig begeisternden Horrorfilm ist das zu wenig. Da hilft auch der geringe nostalgische Charme nicht wirklich. Es bleibt ein netter, knapp über dem Durchschnitt schwebender Low Budget-Film.

10. April 2016

Insidious

Eines kann man wirklich sagen: Für Genre-Filme hat der in Malaysia geborene Regisseur James Wan wirklich ein Händchen. Das hat er nicht nur bei seinem Durchbruch Saw bewiesen. Sein Talent blitzte auch in den darauf folgenden Filmen mehr als einmal auf. Auf dem Gebiet des Geisterfilms setzte er gleich zwei riesengroße Duftmarken: The Conjuring und Insidious. Beiden Filmen liegt anheim, dass sie die Bedrohung im Heim heraus zeigen, eine fremde Erscheinung dort ihr Unwesen treibt und die dort ansässigen Menschen terrorisiert.

Im Falle von Insidious sind das Josh und Renai Lambert, die mit ihren drei Kindern in ein neues Haus ziehen. Mit der Familie scheint auch das Unglück mit ins neue Heim gezogen zu sein. Das neue Zimmer ist dem Sohn Dalton zu unheimlich, Dinge scheinen sich von alleine zu bewegen. Bei einem unglücklichen Sturz von einer Leiter fällt Dalton am nächsten Tag ins Koma. Keiner der behandelten Ärzte kann sich allerdings diesen Zustand des Jungen erklären. Alle Behandlungsmethoden greifen nicht. Dalton kehrt zur Dauerpflege wieder nach Hause zurück und von da an geht der Spuk erst richtig los. Unheimliche Gestalten scheinen im Heim der Familie umherzuwandeln, was nach Drängen von Renai die Familie dazu bewegt, in ein anderes Haus zu ziehen. Doch die Ruhe möchte nicht einkehren.

Über Insidious wie auch The Conjuring ist zu sagen, dass beide Filme das Rad nicht neu erfinden. Die Geschichte(n) sind ein gängiges Thema im Horrorfilm, welches schon oft bemührt wurde. Während der drei Jahre spätere The Conjuring seine anfänglich sehr angenehm zurückhaltende Gruselmomente leider immer mehr für einen grellen, effektbeladenen Höhepunkt aufgibt, so bleibt Insidious auf einem angenehm altmodischen Niveau. Diese Floskel, dass Filme mit Geisterthema in der Tradition altmodischer Grusler stehen, wurde in den letzten Jahren oft benutzt und mag mittlerweile auch schon abgenutzt wirken. Für Insidious passt es sehr gut, spielt der Film doch so gut mit den Ängsten seiner Protagonisten und des Zuschauers.

Dem Buch des Films gelingt es, eine fantasievolle Erklärung bzw. Auflösung für das Problem mit Daltons Koma zu bringen. Bis dorthin packt Insidious all das aus, was man an Geisterfilmen mag und kennt. Schemenhafte Gestalten, die durch Gänge wandeln oder in Ecken stehen, plötzlich auftauchende Personen, Dinge die an anderen Stellen sind als vermutet etc. Regisseur James Wan besticht zusammen mit dem Drehbuch, das seine Geschichte schnell, stimmig und mit Sinn für Atmosphäre aufbaut, ein unglaublich gutes Timing. Der Film konzentriert sich auf die Wesentlichkeiten der klassischen Horrorfilme, an die man sich anlehnt: eine Atmosphäre, die zu jeder Zeit eine unheimliche Stimmung heraufbeschwört.

Zusammen mit der nie wirklich ruhenden Kamera, die immer stark an den Figuren des Filmes dran ist und das bzw. die Häuser perfekt einfängt und einem ebenfalls reduzierten Soundtrack entsteht eine intensive Melange, die dem Zuschauer keine Pause gewähren lässt. Man kann sich an einige Filme aus der asiatischen Geisterwelle á la Ju-On oder Ringu oder Poltergeist erinnert fühlen: Insidious bleibt eigenständig und versucht nicht munter, sich durch bisherige Genre-Glanztaten zu zitieren. Das der Film es schafft, bis zum Ende immer punktgenau seine Schocks zu landen, muss man dem Team um Autor Leigh Wannell und Regisseur James Wan zu Gute kommen lassen. Sie lassen von dieser Art Genrefilm das Grundgerüst übrig, lassen jeden übrigen Ballast und Schnickschnack außen vor. Da sind selbst die selbstironisch gezeichneten Figuren der beiden Geisterjäger kein Zugeständnis an heute geltende Gesetze moderner Horrorfilm-Schreibung. Auch sie passen in diese gut hundertminüte Schockarie sehr gut hinein.

Diesen straighten Weg geht man bis zum Schluss. Das Ende des Films schielt natürlich auf weiteres Cash, dass man an der Kinokasse verdienen kann - man verzeiht es ihm. Dafür hat Insidious vorher sehr intensiv, ohne auf irgendwelchen Splatter (der hier ohnehin sehr unpassend gewesen wäre) zu setzen, seine Zuschauer und die Protagonisten durch eine sehr tolle Schockertour gezogen. Hätte Wan The Conjuring auch so inszeniert, oder in eine ähnliche Richtung getrieben, wäre dieser (gesamt doch recht ordentliche) Film ebenfalls ein kleines Highlight - ähnlich wie Insidious - der letzten Jahre geworden.