Doom - Der Film

Mit der Verfilmung des Kult-Egoshooters Doom hat man sich nur bedingt einen Gefallen getan. Fans des Spiels bemängelten schon beim Kinostart 2005, dass die Geschichte des Films zu stark vom Film abweicht. Anstatt gegen Kreaturen aus der Hölle kämpft hier eine Spezialeinheit gegen fehlgeschlagene Experimente. Mutanten, die ihren Blutdurst zombie- und alienartig stillen. Die Einheit um den befehlstreuen "Sarge" soll auf einer Forschungsstation auf dem Mars diese unter aller Härte gegen solche Kreaturen verteidigen und sie zurück in den "Ark", einer Art Dimensionstor, schicken.
Manche Sequenzen des Films erinnern mit ihren dunklen Schächten und Kanäle vor allem an den dunkel gehaltenen dritten Teil der Spielereihe. Andererseits aber auch immer stark an Filme wie Aliens - Die Rückkehr oder Mindripper und ähnlich aufgebaute Filme. Gerade in den frühen 90ern gab es einige B-Horrorreißer, welche in entlegenen Forschungsstationen (gerne auch unterirdisch) darin entkommene, genmanipulierte Kreaturen durch die Gänge wetzen und die sich darin befindlichen Wissenschaftler dezimieren lassen. Auch hier kamen meist Spezialeinheiten zum Einsatz, um die "Creature on the loose" zu bekämpfen.

Für Fans der Spiele ist das zu weit weg, zu stark variiert. Eigenständig gesehen ist die einfache Story von Doom und dessen narratives Muster zu einseitig. Kleine Gruppen von Einheiten schleichen durch dunkel beleuchtete Gänge, schießen auf vor ihnen herhuschende Schatten oder werden von diesen verfolgt und manchmal sogar getötet. Dazwischen wird kurz und knapp versucht, eine Erklärung für die Geschehnisse zu bieten. Es ist beiläufig und wenig stark ausgearbeitet. Selbst ähnlich gelagerte und eher auf den actionlastigen Part des Films ausgelegte Filme können dies sorgfältiger.

Die Action selbst ist ganz gut ausgearbeitet, auch die Ausstattung und Ausleuchtung kann überzeugen und lässt den Film in seinen besseren Momenten angenehm altmodisch - wie eine teurere Variante der angesprochenen B-Movies - erscheinen. Da das erzählerische Muster des Films sich aber in seiner Genreschablone wohlfühlt und diese nicht verlässt, dies auch auf das Herz eines solchen Films ausdehnt - eben der Action - ist ein dicker Minuspunkt. Spannung wird so nur bedingt erzeugt. Weiter ist es sehr bezeichnend, wenn eine der besten Szenen des Films - Die knapp dreiminütige Reminiszenz an das Spiel selbst in First Person-Sicht - überaus sinnlos (und dazu recht holprig geschnitten) ist.

Hier fühlt sich Doom schön "Over the top" an und dieser Mut, den man hier zeigt (um eigentlich die Gamenerds zum Jauchzen zu bringen), fehlt dem Film im Gesamten. Ein teilweise aufkeimendes Gefühl alter Sci-Fi-Action-Schule macht keinen guten, eher einen mäßig unterhaltsamen Film. Immerhin kann man Doom noch zugute halten, dass die Effekte ebenfalls altmodisch und schön handgemacht sind.

Ti Lung - Duell ohne Gnade

Ti Lung, David Chiang, Chang Cheh. Drei Namen, die bei Freunden des Hongkong-Kinos der 60er und 70er für leuchtende Augen sorgen. Das "Iron Triangle" kredenzt hier die Geschichte im Yen Chie, dessen Vater von einem verfeindeten Familien-Clan ermordet wird. Seine Stiefbrüder reden ihm ein, er solle die Schuld an der Tat auf sich nehmen und die Gegend verlassen. Ein Jahr später kehrt er zurück und muss sich gegen einen seiner intriganten Brüder erwehren. An seiner Seite ist dabei ein zwielichtiger Unbekannter, der schon vor einem Jahr auftauchte und mit Yen Chies Vater Geschäfte machte.

Ein knapp zweistündiges Epos, das gekonnt Dramatik mit drastischen Action-Szenen verbindet. Bei letzteren fliegen weniger Fäuste und Beine, vielmehr sind es hier Messer, die in einem wahren Ballett des Sterbens in den groß angelegten Kampfszenen den roten Lebenssaft fließen lassen. Die Kämpfe sind zudem gut choreographiert; Duell ohne Gnade gefällt dabei auch auf der narrativen Ebene. Langsam baut das Buch die Rache-Geschichte auf, welche zwar nicht sonderlich innovativ ist, dafür routiniert erzählt und gespielt.

Der forsch auftretende Ti Lung muss sich im direkten Duell was Charisma angeht hier Co-Star David Chiang geschlagen geben. Dessen jederzeit zwielichtig dargestellter Charakter wird gleichzeitig undurchsichtig, bedrohlich aber auch zerbrechlich gespielt. Chiang glänzt richtig in seiner Rolle und trägt mit seinem Partner gekonnt den Film. Hier wird Duell ohne Gnade ein Drama um zwei Männer, die gegenseitig großen Respekt für sich haben, durch gewisse Entscheidungen in der Vergangenheit aber eine unschöne Ausgangslage für eine gemeinsame (freundschaftliche) Zukunft haben.

Zusammen mit einer ansprechenden Fotografie, welche die Studiosets ansprechend und atmosphärisch präsentiert, ist Duell ohne Gnade hochwertiges Eastern-Kino aus der Schmiede der Shaw Brothers. Chang Cheh selbst drehte 1980 ein Remake von diesem Film, dessen deutscher Titel 5 Kämpfer aus Stahl ist.

Riddick - Chroniken eines Kriegers

Schaut man sich den 2004 in die Kinos gekommenen Film heutzutage an, bekommt ausgerechnet diese Science-Fiction/Action-Melange einen bitteren Beigeschmack. Ein kriegerisches Volk zieht durch das All und unterjocht andere Planeten. Ihre Absicht: ihren ihrer Ansicht nach einzig wahren Glauben zu verbreiten. Die eroberten Planeten werden in Schutt und Asche gelegt und auch so hinterlassen, wenn man weiter zieht und seinen Glauben erfolgreich den Bewohnern der Himmelskörper aufgezwungen hat.

Necromonger nennt sich dieses Volk, welches zu Beginn von Riddick den Planeten New Mecca - auch Helion Prime genannt - bedroht. Ein weiser Geistlicher setzt ein Kopfgeld auf einen alten Bekannten aus, um diesen zu sich zu holen und davon zu überzeugen, gegen die Bedrohung zu kämpfen. Riddick, der immer noch vogelfreie Verbrecher, dem immer Kopfgeldjäger am Hals kleben hat. Der wortkarge Glatzkopf nimmt, nachdem er die Invasion der Necromonger hautnah miterlebt, den Kampf gegen diese und deren Befehlshaber Lord Marshal auf.

Was folgt, ist eine temporeiche Geschichte, die selbstredend hier noch mehr als in Pitch Black um den von Vin Diesel dargestellten Antihelden kreist. Zur Fortsetzung wird am Anfang eine Brücke geschlagen, wenn wir Keith David als Imam erleben dürfen. Im späteren Verlauf gibt es ein Wiedersehen mit der zur Frau gereiften Jack, die sich hier nun mittlerweile Kyra nennt. Dies sind die einzigen zwei Bezüge zum Vorgänger. Viel mehr geht es Regisseur Twohy darum, dem Kosmos um den geheimnisvollen Kriminellen mehr Raum zu verschaffen, ihn auszuweiten und mit dieser neuen Geschichte zu erweitern. Man erfährt mehr über den Mann und seinen Hintergrund, ohne das ihm gleich ein lückenloser Lebenslauf verpasst wurde.

Es geht primär auch mehr um die Action und Riddicks Kampf gegen die Necromonger; eine Nebenhandlung lässt ihn zwischenzeitlich gegen Kopfgeldjäger antreten und vom Gefängnisplaneten Crematoria entkommen. Auch wenn das Drehbuch versucht, diese Sequenz für den Verlauf der Hauptstory mit der Tatsache, dass Jack bzw. Kyra dort einsitzt und Riddick sie dort rausholen will zu rechtfertigen, fühlt sie sich wie ein kleiner Fremdkörper an. Das Tempo des Films wird hier stark runtergefahren und auch wenn der  dreckige Look sehr gut herausgearbeitet wurde, mag es nicht hundertprozentig passen.

Auf Crematoria dreht Twohy einen Handlungsaspekt von Pitch Black einfach um, verknüpft die dort spielende Szenerie dafür ganz gut wieder mit der Hauptstory. Was man ihm und seinem Buch (hier und für manch andere Stellen) anlasten muss, ist eine starke Sprunghaftigkeit der Handlung. Bei aller Action und (schön anzuschauendem) optischem Pomp sind manche Handlungen und Szenenwechsel/-sprünge einfach zu plötzlich. Der recht gute Gesamteindruck des Films wird nur gering geschmälert. Selbst die Tatsache, dass Riddick bei näherer Betrachtung viele Versatzstücke anderer Werke aufweist, nicht.

Star Wars mit seinem Imperator Darth Vader fällt einem natürlich ein, wobei die Darstellung der Necromonger noch mehr an David Lynchs Dune erinnert. Die geistige Umerziehung zu einem Necromonger selbst, könnte man mit den aus Star Trek bekannten Borg und deren Assimilierung gleichsetzen. Bei der Crematoria-Sequenz fühlt man sich an Stuart Gordons Fortress erinnert. Riddick ist allerdings keine reine Plagiats-Show; der Film bleibt eigenständig genug.

Anlasten könnte man Twohy für seinen zu Unrecht im Kino untergegangenen Film, dass bei all der Action, auf die Riddick vordergründig aus ist, man einen interessanten kritischen Ansatz nur ankratzt. Der interessanterweise stark an eine mittelalterliche, orientalische Stadt erinnernde Planet New Mecca wird nach Landung und Angriff der Necromonger von einem Bewohner als offener, freier Ort mit vielen Religionen beschrieben. Die Invasoren selbst erinnern - nach den jüngsten Weltgeschehnissen - an eine Weltraum-Version von Al Kaida oder (jüngst) des IS. Anderen Glauben lässt das kriegerische Volk nicht zu, wer sich ihnen nicht beugt muss mit dem Tod rechnen.

Die Vorlage um "im Vorbeigehen" auch mit kriegerischem Aufzwingen einer Religion ins Gericht zu gehen, wird nicht groß genutzt. Selbst die kritische Auseinandersetzung mit Religionen nicht. Eventuell ist aber die Art, wie die Necromonger ihren Glauben in Andersgläubige implizieren, ein kleines Statement des Regisseurs. Erinnert dies doch an eine Art Gehirnwäsche. Die kreuzzüglerischen Necromonger werden so einfach als eine bedrohliche, böse Macht dargestellt. Dafür bleibt Riddick trotzdem ein solider bis guter Science-Fiction-Actioner.




"In The End" - Gesungen von 183 Filmausschnitten

Wer kennt den Song "In The End" von Linkin Park eigentlich nicht? Das dürfte einer der bekanntesten Songs der Band sein - hier nun in einer Version, bei der der Gesang aus Ausschnitten von genau 183 Filmen zusammengeschnitten wurde. Richtig genial!


(via Twitter)


Alienkiller

John McNaughton hat schon mit Henry - Portrait of a Serial Killer gezeigt, wie  eindringlich er die dunkle Seite des Menschen porträtieren kann. Er hat ein Gespür für den "Human Scum" und wie dieser auf der Leinwand zu wirken hat. Gleichzeitig hält er bei manchen Themen dem Zuschauer den Spiegel vor und garniert ohnehin schon bedrückende Szenen mit gesellschaftskritischen Tönen. Selbst in einem zuerst sehr konventionell wirkenden Film wie Alienkiller ist sowas zu finden.

Es fängt schon damit an, dass ein außerirdischer Straftäter, verurteilt wegen Mord, nicht wie üblich durch die Todesstrafe hingerichtet wird. Nein, er wird "genetisch degradiert" (O-Ton) und zu einem Menschen verwandelt. Als dieser wird er auf dem "unterentwickelten Planeten Erde" (wieder O-Ton) ausgesetzt und muss dort fortan seine Strafe verbüßen. Der Haken ist, dass er - bei einer Verletzung des Körpers - eine schmerzhafte Transformation vollzieht und sich in das alte Alien-Ich verwandelt. Dem kann er entgegenwirken, indem er sich einen neuen Kopf von anderen Menschen borgt. Die deswegen bald vorzufindenden kopflosen Leichen sind dabei schnell der neue Fall des der beiden Polizisten Diane und Charlie, wobei erstere es zudem mit einem skrupellosen Vergewaltiger Namens Scully zu tun hat.

Dabei erinnert der Film manches Mal an The Hidden - Das unsagbar Böse, schafft es aber in der ersten Hälfte, starke eigene Akzente zu setzen. Das große Unglück und die Schwäche des Films resultieren aus den Problemen während der Produktionszeit. 1988 startete man mit dem Dreh, dann ging die Produktionsfirma Vestron pleite, der Film wanderte zu Atlantik und letztenendens konnte McNaughton nur durch eine Finanzspritze von Cannon den im Original The Borrower betitelten Film fertig stellen. Die wollten seinen Film, der auf ein NC 17-Rating (höchste Freigabe in den USA) hinauslief, so nicht veröffentlichen. Fünf (!) Schnittauflagen der MPAA später und Cannon war zufrieden. Was man im Endeffekt mit dem Film nicht ganz ist, obwohl er dennoch ein überdurchschnittlich guter Alienhorror ist.

Die starke erste Hälfte gewinnt hier viel, wenn der hilflose und fremde Alien versucht, sich an die Menschen anzupassen und ihnen abschaut, wie man sich verhält. Er ist ein Fremdkörper bzw. Sonderling, der in dem Umfeld, in dem er sich bewegt, zunächst nicht oder kaum auffällt. Ihm hilft auf seinem Streifzug durch das nächtliche Chicago ein Obdachloser, der ihn als "Freak" aber auch als einer der seinen annimmt. Hier zeichnet McNaughton düstere Bilder, parallel erzählt er von Diane und ihrem Kampf mit Scully. Ein minimalistischer Synthiescore macht aus diesen dunklen Bildern einen 80er Horror Noir mit kritischen Untertönen.
Menschen nehmen den Alien  der durch das Wechseln der Köpfe mit sichtbaren Wunden am Hals, Blut auf der Kleidung und sehr seltsamen Verhalten durch die Stadt läuft nicht wahr - oder wollen dies nicht. Die Nacht und der Kiez, auf dem er sich aufnimmt verschluckt ihn und nimmt als einen der ihren an. Das menschliche Trübsal am sozialen Rand wird nebensächlich, aber gut beobachtet eingefangen. Wenn der Alien Nachts in einem Kaffee sitzt, unbeteiligt und hinter ihm ein Schusswechsel zwischen Besitzer und Dieben stattfindet und er ebenso ungerührt die Szenerie verlässt, so ist dies eine beklemmende Szene die nachhallt.

Die an McNaughtons Film gestellten Auflagen lassen den Film verwässern und gerade in seiner zweiten Wirkung abschwächen. Nicht zu vergessen, dass das Finale sehr ungelenk und holprig wirkt. Der Eingriff von außen ist stark spürbar und lässt ihm zu einem routiniert abgedrehten Science-Fiction-Horror-Hybriden schrumpfen. Rae Dawn Chong als Diane und die jeweiligen Darsteller der verschiedenen Verkörperungen des Alien wissen zu gefallen, können aber ebenso wie McNaughton nicht verbunden, dass durch die Umschnitte der Film mitsamt seiner Stimmung kippt.

die kritischen Töne gegenüber einer Menschheit, die gerade den sozialen Rand ihrer Gesellschaft verkommen lässt und dabei abgestumpft Gewalt und Verfall (von Hilfsbedürftigen) hinnimmt, machen Alienkiller zu einem äußerst interessanten Film, der im ganzen (leider) nicht komplett überzeugen kann. Schade, spürt man doch, dass so viel mehr möglich und drin gewesen wäre.