Deadbeat At Dawn

Zusammenhalt. Solidarität. Sich gegenseitig unterstützen und in jeder noch so schwierigen Lage sich unter die Arme greifen und aus dem Dreck ziehen. Motive, die in verschiedensten Genres behandelt wurden aber auch gut passen, diese im kleinen Kosmos einer Straßengang näher zu beleuchten oder auch zu einem zentralen Thema zu machen. Gerade die im gleichen Jahr enstandenen Gang-Actioner The Warriors oder The Wanderers (beide 1979) zielen darauf ab, das Gefüge innerhalb dieser Gruppe zu beleuchten. Natürlich nicht ohne die Hollywood'schen Gesetze zu missachten und mit einem gut goutierbaren, aber auch sehr unauthentischen Darstellungsstil ausgestattet. Auch wenn die beiden Mixturen aus Drama und Action durchaus sehenswert sind und kurzweiliges Vergnügen bieten und sogar im Ansatz mit Sozialkritik daherkommen, so verlagert sich das ganze doch eher auf den Aktionsteil als Schwerpunkt. Zumal man erstgenannten auch noch als kleines Vorbild zum dystopischen Gangreißer The Riffs (1982) nehmen kann.

Auf seiner narrativen Ebene ist die Authentizität von Jim Van Bebbers Langfilmdebüt auch nicht gerade überragend groß. Doch alleine schon die Art, mit der Van Bebber hier seine Geschichte um den Gangboss Goose präsentiert, ist ein wummernder Schlag in die Magengrube, wie ihn eben auch Goose desöfteren abbekommt. Der Film wurde auf 16mm gedreht und kostete gerade mal 10.000$. Ein Low Budget-Film aus einer Zeit, in der Independent Filmmaking teilweise noch ein Abenteuer darstellte. Der clevere Autor, Hauptdarsteller und Cutter drehte übrigens erst das Finale, um so Verleiher oder auch Finanziers für seinen Film an Land zu ziehen, um so dann auch den Rest seines Filmes zu realisieren. Letztendlich wurde der Film mit seinem Studentenkredit umgesetzt. Allerdings musster er nach knapp einem Jahr feststellen, dass ein interessierter Verleiher den finanziellen Exodus erlebt hatte. Der in insgesamt vier Jahren gedrehte Film wurde von Van Bebber dann an die findigen Grindhouse- und Drive In-Betreiber verkauft.

Es ist die richtige Heimat für diesen in seiner stilistischen Art äußerst unangenehmen Film, der durch sein grobkörniges Material die Schattenseiten Ohios mit seinen alten Bahnhöfen, runtergekommenen und mehr als baufälligen Häuserblocks oder auch Friedhöfen in sehr bedrückenden Bildern festhält. Die Geschichte verfolgt eine klassische Rachestory, die sich um die Ravens und die Spiders dreht. Danny, Anführer letztgenannter Gang, macht sein Hormonhaushalt arg zu schaffen und versucht Christy, Gooses' Freundin, zu vergewaltigen. Der vorbeikommende Polizist löst die Situation schnell auf, doch die Konflikte und deren gewaltsame Lösungen sind vorprogrammiert. Nachdem sich Goose und Danny schon beharkt und geprügelt haben, ist noch lange nicht Schluss. Der psychotische Danny geht zum Äußersten und schickt zwei seiner übelsten Handlanger aus, Goose zu ermorden. Sie finden in der Behausung nur Christy vor und quälen und ermorden sie kaltblütig.

Bis zu diesem Punkt ist das gewaltsame Treiben der Gangs Nebensache, wobei das Aufeinandertreffen beider Truppen äußerst effektiv umgesetzt worden ist. Van Bebber kennt die Mechanismen des Actionfilms und von Prügelszenen und lässt eine Massenszene - ein schwieriges Unterfangen für manch Independent-/Amateur-Filmer - durch seine Montage sehr dynamisch aussehen. Inspiriert von alten Martial Arts-Streifen packen die Kontrahenten Handkanten, Füße und Fäuste aus, wobei man in der Choreographie nicht stilisiert vor sich geht. Die Kämpfe sind rauh und gnadenlos, wie das Leben in dieser sozialen Schicht selbst. Nach dem Tod der Geliebten überkommt Goose die Verzweiflung, hat er sich ihr zu liebe doch durchgerungen, aus der Gang auszusteigen. Perspektiven sind allerdings nicht vorhanden und so flüchtet er sich in die letzten der letzten Absteigen, lässt das Leben in all seiner Schlechtigkeit über sich ergehen und hängt an Alkohol und Drogen.

In seinen besten Momenten beschwört der Film eine außerordentlich beklemmende, intensive Stimmung herauf, welche die Tragik des Protagonisten gut unterstreichen kann. Die Geshichte geht in ihrer Mixtur aus Action und Drama mit blutrünstigen Splattereffekten, die einen gewissen Ekelfaktor besitzen, nicht allzu sehr in die Tiefe, was zu einem Leerlauf und träge Szenen führen kann. Ruhigere Passagen bestizen trotz grobkörniger 16mm-Optik immer noch eine außerordentliche triste Ausstrahlung mit sich. Der Sumpf, in den Van Bebber uns mit seinem Actiondrama führt, zieht uns unweigerlich tief runter. Die aufkommende Frage, inwieweit man Chancen hat, aus dem gewohnten Umfeld und dessen Alltagsmechanismen auszubrechen, wird mit grimmiger Aussage niedrig gehalten. Ein Mensch, der hier das Existenzminimum bestreitet, scheint in diesem "Spinnennetz" gefangen zu sein. Selbst geliebte Menschen, die plötzlich und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden, werden auf den Müll geworfen. Die "Beerdigung" von Christy, in dem Goose sie eingehüllt in ein blutiges Laken in eine Müllpresse wirft und sie dann auch noch betätigt, zeigt auf, dass im Endeffekt in der Welt der Ravens, Spiders und wie sie alle heißen, Leben beinahe schon Wegwerfprodukte sind. Eine würdige und ehrenvolle Verabschiedung eines Toten ist nicht möglich.

Die Wut auf die Situation und den Kontrahenten entlädt sich bei Goose ein knappes Jahr später, als er wortwörtlich gezwungenermaßen immer noch in der Gang verweilt, bei einem Überfall seine große Chance wittert, sich an Danny und seinen Handlangern zu rächen. Die Gewalterruptionen von Deadbeat At Dawn steigern sich kontinuierlich und untermalen dabei die sich immer weiter drehende Spirale des Untergangs für den Protagonisten. Auswege gibt es kaum bis wenige; für Happy Ends hat Van Bebber eindeutig keinen Platz. Der durchaus charismatische Herr hat auch eine tolle Präsenz und ließ es sich auch nicht nehmen, die Stunts für seine Rolle komplett selbst vorzunehmen. Ein Tausendsassa, eine One Man-Band, die nicht zur One Man-Show verkommt. Deadbeat At Dawn ist ein homogenes Ganzes, mit guten bis bemühten Mitstreitern vor der Kamera, welche aus diesem wahrhaftigen Underground-Film ein besonderes Erlebnis macht.

Diesem fehlt es in einigen Momenten an erzählerischer Kontiutität und Konsequenz. Er verliert sich in manchen Szenen, erst das Ende kann komplett aufrütteln. Der Job vor und hinter der Kamera, den Van Bebber gemacht hat, ist ein Guter. Die beim Schreiben des Buchs aufkeimende Ideenlosigkeit auf der einen und der überambitionierte Versuch, verschiedene Einflüsse der liebsten Genre in ein ganzes zu bringen auf der anderen Seite, läßt den Film teils etwas unrund erscheinen. Sicherlich stehen ihm ohnehin seine Ecken und Kanten; diese machen ihn auch aus und ein gelecktes, aalglattes Underground-Werk ist ein Paradoxum, welches man auch nicht sehen möchte. Er müsste einfach knackiger sein. Die Intensität die komplette Laufzeit über zu halten, wie es zum Beispiel der ebenfalls sehr depressiv gelagerte Combat Shock (1986) macht, schafft Van Bebber nicht. Dennoch ist Deadbeat At Dawn mit seiner Mischung aus Manie und Adrenalin-Gewaltschub ein tristes Werk allerhöchster Güte, das man sich anschauen kann.

Any Time Is Ice Cream Time

An Eiscreme kann gar nichts schrecklich sein? Beinahe. Man kann natürlich Hirnfrost bekommen, wenn man es zu schnell ißt oder ein wenig Bauchschmerzen, wenn man zu viel davon verzehrt. Im Horrorgenre versuchte man mit We All Scream For Ice Scream, einer Episode aus der kurzlebigen Masters of Horror-Serie sowie dem trashigen Slasher Ice Cream Man im gröberen Sinne die "dunklen Seiten" der süßen Kaltspeise zu zeigen.

Der Londoner Künstler Steve Cutts hat sich diesem Thema auch angenommen und präsentiert mit seiner Animation Any Time Is Ice Cream Time einen makabren als auch ziemlich süßen Horror-Roadmovie der das Leben aus der Sicht der Eiscreme-Riegel und -Waffelhörnchen zeigt. Nur Hargesottene klicken, alle andere machen lieber den Ed von Schleck.



Direktlink

Phase IV

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung; ein Fakt, der vor Überheblichkeit strotzt, an dem aber auch nichts zu rütteln ist. Gerne stellt man sich als überlegene Spezies dar, welche ihren Planeten und die Natur im Griff hat, sich selbst allerdings nur bedingt. Habsucht, Gier oder auch Neid werden nicht ohne Grund schon in der Bibel als Teile der sieben Todsünden aufgeführt und eben diese Eigenschaften sind auch der Grund dafür, dass der Mensch seit den frühesten Anfängen seiner Geschichte sich mit anderen Genossen im Krieg befindet. Allumfassender Pazifismus ist in der Theorie eine wunderbare Sache doch immer wieder sieht man in der Geschichte oder auch im tagesaktuellen Geschehen, dass Kriege (leider) zur Natur des Menschen gehören. Was dies nun mit einem im Tierhorror und Science-Fiction angesiedelten Film wie Phase IV zu tun hat? Auch hier befindet sich der Mensch im Krieg; allerdings im Kleinen.

Die einzige Regiearbeit der Design-Legende Saul Bass, welcher durch seine Vorspänne zu einigen Hitchcock-Filmen wie zum Beispiel Vertigo (1958) oder auch Otto Premingers Der Mann mit dem goldenen Arm (1955) bekannt wurde, zeigt hier einen Krieg gegen die Natur. Einen Krieg gegen eine andere Art der "Zivilisation" bzw. Spezies. Ameisen sind es, die sich hier zusammenrotten. Im wahrsten Sinne des Wortes, auch wenn die genaueren Gründe im Script von Mayo Simon nur angerissen werden. Eine seltene kosmische Konstellation ist es, die laut den Experten zu Veränderungen führt, die allerdings dann auszubleiben scheinen. Nur der Insektenkundler Ernest Hobbs bemerkt, wie sich in der heißen Wüste Arizonas verschiedene Ameisenarten zusammenfinden und -rotten. Schnell verschwinden in dem Landstrich natürliche Feinde der Ameisen von der Bildfläche, so dass sich die Ameisen rasend schnell ausbreiten. Sie beginnen, aggressiver neuen Lebensraum für sich zu beanspruchen und monolitische Bauten zu errichten. Die Insekten schaffen es sogar, selbst Farmer zur Flucht zu bewegen.

Wer bei Phase IV einen Horrorfilm erwartet, in dem sich die Natur am Menschen für dessen rücksichtslosen Umgang mit der Umwelt rächt, wie beim gerade einmal zwei Jahre zuvor entstandenen Frogs (1972), liegt allerdings falsch. Der Film wendet sich eher dem damals langsam aufkommenden, nüchternen Science Fiction-Kino zu und man kann ihn sehr wohl auch in einem Atemzug mit Filmen wie Lautlos im Weltraum (1972), Colossus (1970) oder Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All (1971) nennen. Der Schrecken ist sehr subtil, gnadenlose, spektakuläre Schockmomente findet man vergebens. Es geht vor allem um den Konflikt zwischen den beiden Hauptpersonen. Hobbs nistet sich in einem Forschungslabor ein, in dem ihm der Kryptographie-Experte Lesko zur Seite steht. Phase IV entwickelt sich zu einem psychologischen Kammerspiel, dass allerdings an einigen Ecken es nicht schafft, noch mehr in die Tiefe zu gehen.

Die Kriegs-Allegorie, die Simon mit ihrem Script erschafft, bleibt in der staubtrocken erzählten Geschichte etwas stecken und wird durch den langsam schwelenden, aufkommende Konflikt zwischen den beiden Wissenschaftlern unterbrochen. Dieser bringt den Film dabei leider nicht richtig voran. Lesko ist der liberalere, pazifistischer eingestellt während Hobbs an der Eingangs besprochenen Überheblichkeit leidet. Die Ameisen erweisen sich währen der Forschungen der beiden als äußerst intelligent, die sogar die Schritte der Wissenschaftler vorausahnen können und selbst nach einem Pestizid-Gegenschlag, ausgelöst durch einen Angriff auf die Stromquelle des Labors, erweisen sich diese als Gegner, welche selbst auf so etwas eine Antwort wissen. Sie passen sich dem chemischen Gift an, so das es ihnen nichts mehr anhaben kann. Sie werden zum bedrohlichen Gegner stilisiert; ein Kontrahent, der sich nicht durch einzelne Individuen hervortut sondern zusammen als Masse es schafft, die beiden Wissenschaftler zu überlaufen.

Es ist die Angst vor dem Fremden, welche Phase IV nicht nur durch das Skript anspricht, sondern auch durch die hervorragende Kameraarbeit mit den verbundenen Aufnahmen von Miniaturfilmer Ken Middleham heraufbeschwören kann. Die Ameisen werden in riesigen Aufnahmen gezeigt, zu Beginn in Verbindung mit Erzählungen zum Off in ihrer Veränderung dargestellt und wie sie sich gegen ihren Gegner rüsten. Wenn eine einzelne Ameise im Labor vor Hobbs flüchtet, so empfindet durch die Entwicklung von dessen Figur der Zuschauer eher Empathie zum Tier als zum Menschen, der im eigentlichen Sinne sich einer Bedrohung von diesem gegenübersieht. Hobbs möchte den Ameisen die biologische Überlegenheit des Menschen aufzeigen, mit blanker Gewalt. Wohl auch wegen des erlittenen Ameisenbisses, der ihm eine stark geschwollene Hand und dauerhafte Schmerzen bescherte, nachdem die Überlebende Kendra, Enkelin von vor den Ameisen flüchtender Farmer, bei den beiden Wisschenschaftlern unterkommt.

Getreu den Mottos "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und "Gewalt erzeugt Gegengewalt" pushen sich beide Parteien auf. Auch hier beeindruckend, wie nach einem Angriff auf den Bau der Insekten eine Ameise die gefallenen Kameraden in Reih und Glied aufbahrt um dann mit anderen Insekten diese Betrachtet. Eine schöne Kamera- und Montagetechnik, die es sogar schafft, die Tiere rachelüstern aussehen zu lassen. Hobbs wird im Gegenzug von seiner Angst aufgehalten, einen wirklich vernichtenden Schlag gegen die Tiere einzuleiten. Zumal Lesko versucht, einen Dialog herzustellen und einzulenken. Er findet ein Muster in der Kommunikation der Tiere, entschlüsselt dieses und schickt ihnen eine Botschaft. Die Schwäche seiner Figur schwindet parallel mit dem ansteigenden Schmerz und Wahnsinn Hobbs.

Phase IV zeigt hier, dass ein offener, starrsinniger Konfrontationskurs in der Konfliktbewältigung ein vollkommen falsch eingeschlagener Weg ist und der Versuch, einzulenken und mit milderen Tönen den Konflikt zu beenden, doch weitaus angenehmer ist. Allerdings lässt er mit seinem kryptischen, offenen Ende viel Platz für Spekulationen. In seinen stärksten Momenten ist es ein rationaler Science Fiction-Film mit Antikriegshaltung, der durch unheimlich starke, ästhetische Momente begeistern kann, allerdings auch beinahe schon belanglose Szenen mit sich bringt, die sich zu sehr bei den Tätigkeiten der Wissenschaftler aufhält. Beinahe kommt man sich so verloren wie die junge Kendra im Labor der beiden vor. Der psychologische Konflikt zwischen Hubbs und Lesko bleibt auf der Strecke und verliert sich etwas, seine starken Momente hat der Film aber trotzdem. Beinahe verliert sich Vollblut-Designer Saul Bass in der Optik, doch in ein Style over Substance-Vehikel verliert sich der Film nicht.

Die Bedrohung der Ameisen fühlt sich echt an, auch wenn sie hier und da eben "totgeforscht" wird. Untermalt wird dies mit einem zurückhaltenden, aber passenden Soundtrack der Phase IV wohl zu einem der stärksten Filme mit tierischer Bedrohung gegenüber der Menschheit macht. Die 70er waren dafür ein ohnehin sehr fruchtbares Jahrzent, was dies anbelangt. Saul Bass hätte ruhig noch mehr Filme machen können, doch dafür fiel der Film dem Publikum viel zu unspektakulär aus. Aus kommerzieller Sicht war der Film ein Flop und erlangte erst etwas später bei Genre-Fans die Anerkennung, die ihm zusteht, als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Wer nun etwas mit den auch aufgezählten "New Age"-Science Fictioner anfangen kann, der sollte ein Auge auf diese kleine Perle werfen.

Er - Stärker als Feuer und Eisen

Kaum schaffte es die von Robert E. Howard geschaffene Figur Conan der Cimmerier mit dem Kinofilm Conan, der Barbar im Jahr 1982 auf die Leinwand, schon hat der Film zusammen mit seinem Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger für einen Trend gesorgt. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass ein großer Teil des Publikums plötzlich mit Bodybuilding oder Schwertkampf anfingen, da der Film sie plötzlich so beflügelt hat. Vielmehr sah man dann auf den Leinwänden plötzlich des öfteren fellbeschürzte Muskelmänner durch die Landschaft stapfen um gegen das Böse zu kämpfen. Ein Jahr später machte sich Umberto Lenzi daran, seine Barbarengeschichte auf die Menschen los zu lassen. Anders als seine italienischen Kollegen wie Lucio Fulci, der mit Conquest (1984), seinem Beitrag zur Barbarenwelle, auch noch ordentliche Fantasy-Elemente einspannte, orientierten sich die Schreiber bei Er - Stärker als Feuer und Eisen stark am großen Vorbild aus Hollywood.

Man schlägt sich weder mit Ungeheuern oder mystischen Kulten mit magischen Kräften, sondern eher mit dem niederträchtigen und machthungrigen Vood herum. Dieser kann es kaum abwarten, bis er endlich Anführer des Stammes wird, da sein Vater Aufgrund des Alters abtreten möchte. Doch Papa zweifelt durch die unbeherrschte Art seines Zöglings an diesem, was bei einem Angriff auf eine kleine Gruppe durch einen anderen Stamm von Vood schamlos ausgenutzt wird. Die Jagdbeute wird erfolgreich verteidigt, allerdings nutzt er die Situation aus, um seinen Vater zu erschlagen. Dumm nur, dass er dabei vom muskelbepackten Ela beobachtet und bei der Begräbnis-Zeremonie des Mordes beschuldigt wird. Vood wird vom Stamm ausgestoßen und entdeckt nach dem Ausbruch eines Vulkans eine Sache, die sein Leben verändern wird: Eisen. Fast noch dampfend, entdeckt er das Potenzial der länglichen und noch unförmigen Eisenstange und die wortwörtliche Durchschlagkraft.

Als er dann mit diesem Teil sich erfolgreich gegen einen Löwen wehren kann und auf die geheimnisvolle Lith trifft, ist es um ihn geschehen. Die Dame setzt ihm die Flausen in den Kopf, dass er mit dieser neuen Waffe nicht nur seinen Stamm, sondern gleich das ganze Tal und die anderen Stämme unterjochen kann. Musik in den Ohren Voods und mit der von der Gottheit Efferum gegebenen Waffe kehrt er zu seinem Stamm zurück, zeigt Ela was eine Harke ist und macht sich zum Anführer. Im Gegenzug stößt er Ela aus, der sich nun in der Wildnis allerlei Gefahren ausgesetzt sieht. Bis er auf die schöne Isa und deren friedfertigen Stamm trifft, der von Isas weisem Vater Mogo mit allerlei schlauen Sprüchen und pazifistischem Gedanken geführt wird. Allerdings ist auch Mogos Stamm schnell im Visier des äußerst blutrünstigen Voods, da dieser immerhin das gesamte Tal und die dort angesiedelten Stämme beherrschen möchte.

Aber immerhin hat man ja Ela, dargestellt vom durchtrainierten Sam Pasco, der hier durchaus eine passable Figur abgibt. Was ihm vor allem an darstellerischer Kraft fehlt macht er mit der starken Präsenz seines definierten Körpers wett. In den Actionszenen macht er sich wirklich gut, während Pasco - beinahe schon wie Arnie selbst in den zwei Conan-Filmen - mit wenig Gesichtsausdrücken auskommt. Selbst beim Lächeln muss sich der langmähnige Hüne arg anstrengen. Aber so eine Testosteronbombe auf zwei Beinen muss auch eher seiner Muskelkraft genügend Ausdruck schenken, was er auch bei der ständig lauernden Gefahr häufig tun darf. Eigentlich wäre der Herr also prädestiniert für Rollen in ähnlichen Filmen, auch wenn die Zeit der Barbarenfilme recht kurzlebig war. Doch schaut man auf die Filmographie des Herren, dann wird nur seine Hauptrolle im auch als Ironmaster bekannten Film aufgelistet.

Dabei hat er noch einige Filme mehr gemacht. Der wahrscheinlich schon verstorbene Pasco - seine Spur verliert sich recht schnell und er soll entweder an einem Leberschaden (wegen der vielen Steroide), einer Überdosis Drogen oder AIDS gestorben sein - kommt eigentlich aus der Schwulenporno-Szene (!) und hat es bei den Castings wegen seines eben recht gut definierten Körpers und dem Verschweigen des Umstands, bei welchen Werken er sonst noch so mitgewirkt hat, zu seiner Rolle als Ela geschafft. Doch schon nach der Arbeit an diesem Film soll es ihn wieder zu seiner gewohnten Arbeit - hier unter den Pseudonymen Big Max oder Max Spanner - zurückgekehrt sein. Einem starken Helden muss aber natürlich noch ein ebenbürtiger Gegner gegenüber stehen und hier hat man ebenfalls ein glückliches Händchen bewiesen. Egal ob mit seltsamer Löwenkopf-Mütze als großer Herrscher oder im knappen Fellhöschen: Luigi Montefiori aka George Eastman ist einfach der geborene Bösewicht, obwohl er auch in weniger negativen Rollen natürlich eine gute Figur macht. Aber wer so schön abgedreht und irre aus dem Löwenmäulchen schauen kann, dem darf man auch die Klingen der Macht in die Hand drücken.

Ganz klar, das der ja immer leicht am Overacting vorbeischrammende Eastman hier eine unheimlich tolle Schau abliefert und er durch das Drehbuch auch schnell zum ersten Eisen-Industriellen in der Geschichte der Menschheit aufsteigt. Es ist schon äußerst lustig anzuschauen, wenn Vood - kaum als Stammeschef etabliert - die neue Waffe seinen Mitstreitern bringt, ihnen dadurch Unbesiegbarkeit prophezeit und wohl irgendwo auch eine Anleitung zur Verarbeitung von Eisen im noch heißen Vulkangestein gefunden hat. Die Produktion der Schwerter macht wirklich unglaublich schnelle Fortschritte und bringt die Mundwinkel des Zuschauers öfter dazu, sich zu einem Grinsen zu verformen. Generell ist Er - Stärker als Feuer und Eisen ohnehin eine sehr spaßige Angelegenheit, welche den Kopf nicht allzu sehr anstrengt. Das Buch begeht wahrlich keine neuen Pfade und auch wenn es für Ela noch einige Gefahren - darunter sehr possierliche Affenmenschen (mit kleinen Pimmeln!) - birgt, so kann man sich denken, dass es auf das unumwindbare Duell zwischen dem blonden Helden und dem wahnsinnigen Machtgeier hinausläuft.

Bis es zu diesem kommt verläuft der Film in bekannten Bahnen. Man möchte das nicht einmal vorhersehbar schimpfen, aber die Geschichte ist eben auch eine altbekannte Abfolge von gefährlichen Situationen für den Helden, bis er auf einen friedlichen Stamm trifft, der eben schon ein vorbestimmtes Schicksal durch die fürchterliche Herrschaft Voods besitzt. Dafür darf William Berger - vor allem aus vielen Italowestern bekannt - mit Langhaarperücke den Barbarenhippie mimen, pazifistisch die Gewaltlosigkeit predigen und auch sonst sehr schlaue Sprüche rauslassen. Mit dem unheilsschwangeren Off-Kommentar zu Beginn des Films, der davon berichtet, wie ein Mensch eine neue, fürchterliche Waffe entdeckt und somit den Krieg erfindet sowie seinem leicht weichgespülten Ende versucht man ohnehin, eine Botschaft gegen die sinnlose Gewalt als kleine "Moral von der Geschicht'" zu installieren. Das kommt einem fast so vor wie die Erklärungen am Ende einer jeden Episode der He-Man-Zeichentrick-Serie.

Tiefgründig ist das ganze nicht, wobei die Autoren - darunter der allseits bekannte Dardano Sacchetti der u. a. auch für Fulci (Geisterstadt der Zombies oder auch Manhattan Baby), Dario Argento (Story für Die neunschwänzige Katze) aber auch die Bücher zu Die Gewalt bin ich (1977) oder Asphalt Kannibalen (1980) schrieb - bei einem Punkt der Geschichte einen kleinen und amüsanten Kniff einbauten. Die recht patriarchaische Geschichte in der Frauen als Beiwerk verkommen, bietet mit der hübschen Pamela Prati als Lith die Ideengeberin für Voods Gedanken, die Herrschaft über das Tal zu erlangen. Ohne ihre Implikationen könnte er vielleicht auch gar nicht oder wenn, dann erst recht spät, diesen Gedanken bekommen haben. Generell wird Prati auch immer so inszeniert, dass nie weit weg von Eastman steht. Im Hintergrund, im Schatten von Eastman. Ein Machismo, der allerdings auch anders gedeutet werden kann. Laut einer bekannten Redewendung steckt hinter einem erfolgreichen Mann auch immer eine starke Frau. Prati ist eine hinterlistige Schlange, biedert sich auch Ela in einer Szene an und könnte hiermit die wahre Lenkerin hinter Vood, dessen Gier sich allerdings auch schnell verselbständigt, sein.

Vielleicht nutzt sie ihn selbst nur als Instrument für ihre Rachegelüste, laut ihrer Aussage kommt die ansonsten kaum mit einem gewissen Hintergrund ausgestattete Figur Lith von einem fremden Stamm und wurde ausgestoßen. Schon die Berliner Rapper K.I.Z. bemerkten in einem ihrer Songs, dass hinter einem bösen Mann eine immer noch bösere, bösere, bösere Frau (sic) steckt. Trotz aller versuchter Deutungen ist der Ironmaster natürlich ein Aufhänger für einige Abenteuer-Szenen, die alle recht souverän umgesetzt worden sind, die mit einem geringen Spannungsanteil ausgestattet worden sind. Hier und da wird sogar garstig die Effekte-Kiste entmottet und gerade im Finale wird recht blutig hantiert. Er - Stärker als Feuer und Eisen bietet sich als perfekter, launiger Kandidat für einen faulen Sonntag an um gut eineinhalb Stunden Kurzweil zu bieten.

Sicherlich ist das ganze recht trashig und die Geschichte hangelt sich von Höhepunkt zu Höhepunkt, doch wenn sich schon Leerlauf andeutet, reißt man sich glücklicherweise am Riemen und steuert geradlinig auf die Zielgerade zu. Die kostengünstige Umsetzung beschert die Story um Ela und Vood einen gewissen naiven Charme und wunderbar abstrus ist eine Szene in einer Höhle, in der sich Ela, Mogo und andere Flüchtige aus dessen Stamm vor Voods Schergen verstecken. Plötzlich kommen da grausig entstellte Menschen aus der Ecke, die ganz vage an die Zombies aus Marino Girolamis Crossover-Epos Zombies unter Kannibalen (1980) erinnern. Er - Stärker als Feuer und Eisen ist vor allem eine äußerst spaßige Angelegenheit, filmisches Fast Food, welches zwar auch schnell wieder vergessen sein könnte aber im großen und ganzen nicht weh tut. Selbst wenn Umberto Lenzi mit seinem Können auf Sparflamme runterfährt, ist die ganze Chose immer noch sehr lustig.

Patrick lebt!

Ist die Rechnung des Produzenten voll aufgegangen und ist deren Film beim Publikum wie eine Bombe eingeschlagen, dann schielt man natürlich schon einmal gerne auf die Möglichkeit der Fortsetzung. Auch wenn es selbst mit dem Finale bzw. dem Plot des Ursprungsfilm vereinbar ist: winkt die Kohle, ist ein Sequel so gut wie sicher. Ein in der Filmwelt beinahe schon ausgestorbenes Kuriosum ist da die Quasi-Fortsetzung, die uns weiß machten will, dass sie der legitime Nachfolger des Blockbusters ist. Selbst, wenn dieser vielleicht gerade mal vor drei Monaten in den Kinos lief. Heute produzieren solche kleinen Indie-"Kaschemmen "wie z. B. Asylum Filme, die großen Blockbustern alleine schon vom Titel her sehr ähneln, deren Plot aber so weit abgewandelt ist, dass man nicht vom allergrößten, offensichtlichsten Plagiat reden kann. Es versteht sich von selbst, dass diese äußerst kostengünstig hergestellt werden.

Diese Quasi-Fortsetzungen wurden natürlich eben sehr günstig fortgesetzt und gerade die Italiener verstanden es sehr gut, abenteuerliche "Sequels" zu produzieren. Schnell wurden sie heruntergekurbelt, das Drehbuch mit heißer Nadel gestrickt und somit sieht man diesen Filmen noch stärker ihre stark kommerzielle Bestimmung an als anderen. Das da über die Jahrzehnte im Stiefelland so einiges zusammengekommen ist, kann man sich denken. Allerdings ist nicht jeder dieser Filme unbedingt als billig und schlecht abzustempeln. Wie überall auch gibt es qualitative Schwankungen, aber auch Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies (1979) von Lucio Fulci, der sehr wohl als einer der besten italienischen Zombiefilme angesehen werden kann, ist so ein Beispiel. Originaltitel ist nämlich Zombi 2 und sollte so als Nachzügler bzw. eben Quasi-Fortsetzung von Romeros Dawn of the Dead (1978) dargestellt werden.

Daneben gab es aus Italien zum Beispiel noch Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück (1980) der auf Ridley Scotts Alien (1979) abzielt, der mit Lee Majors besetzte Piranha II - Die Rache der Killerfische (1979) der vom damaligen deutschen Verleih den direkten Bezug auf Joe Dantes makaber-lustigen Knabberfischhorror verliehen bekommen hat. Die Handlung schielt stark auf das große Vorbild, im Original wurde er allerdings noch recht dezent Killer Fish benannt. Wobei dies nur zwei Beispiele sind, im Laufe der Zeit hat es da noch unzählige weitere Filme gegeben. Und auch Mario Landi hat es sich nicht nehmen lassen, so etwas mal auszuprobieren. Als im Jahre 1978 der australische Thriller Patrick über die Leinwand flimmerte, dachte man gar nicht, dass dieser einen doch recht ordentlich Erfolg darstellen sollte. Im Original aus Down Under rächt sich die titelgebende Figur, nach einem traumatischen Schock im Koma befindlich, an seinen Peinigern aus dem Klinikum, in dem er untergebracht ist. Dies geschieht, nachdem sich eine neue Schwester recht rührend um Patrick kümmert.

Bei Landi ist dies fast so ähnlich. Der italienische Patrick bekommt bei einer Autopanne aus einem vorbeifahrenden Auto heraus eine Flasche an die Murmel geworfen, hat das Gesicht blutig rot, wirft sich schreiend auf den Boden und liegt dann ebenfalls im Koma. Im Sanatorium seines Vaters wird er von diesem im Verborgenen weiter behandelt. In der Zeit zwischen den Saisons werden in dieses Personen ohne zuerst größeren Bezug zueinander eingeladen. Wie sich nach und nach herausstellt, können diese laut den Recherchen von Patricks Vater für den Unfall verantwortlich sein. Kein Wunder also, das die telekinetische Kraft von Patrick ausgenutzt wird, um sich ebenfalls an diesen Menschen recht heimtückisch und grausam zu rächen.

Das ganze ist dabei unheimlich schmierig und einfach runtergekurbelt worden. Mit einer gehörigen Kelle Schmuddel draufgeklatscht, wie sich bei Landi versteht. Mit gerade einmal zwei Filmen hat sich der Regisseur einen gewissen Ruf erarbeitet. Als der Giallo schon ziemlich an seinem Ende angelangt ist, schubste er mit seinem äußerst schmierigen Giallo A Venezia (1979) das Genre in sein Grab. Hier wird ohne großartigem Plot bzw. einem Gerippe von diesem ein blutiger Mord nach dem anderen zelebriert und dazwischen viel nackte Haut präsentiert. Das Grundgerüst auch vieler Gialli, nur das hier die Geschichte und die gesamte Art weit ansprechender umgesetzt worden sind. Auch wenn der Film nie einen deutschen Verleih fand, wurde er von der BPjM sogar beschlagnahmt. Auch Patrick lebt! verquickt einfach mal so nackte Haut und ordentlich Mettgut miteinander und versucht mit einer pseudointeressanten Handlung den Zuschauer bei der Stange zu halten. Das ganze mutet dann im Endeffekt sehr obskur an, was schon beim Einstieg sehr deutlich wird.

Ein Auto am Straßenrand mit offener Motorhaube und einem noch quicklebendigem Gianni Dei als Patrick, der seinem Vater gerade vermittelt, das der Schaden so nicht mehr zu beheben ist. Plötzlich rollt ein Auto an, Patrick ruft den Fahrern noch zu ob sie anhalten könnten, plötzlich fliegt die Flasche, Dei sieht rot, der Zuschauer auch (bei so vielem Kunstblut auf dem Gesicht auch kein Wunder) und dann sehen wir in schönstem Overacting die schmerzensvollen Schreie von Patrick. Dann blickt plötzlich ein Oberarzt im OP in unser Antlitz, sagt zu Doktor Herschell (Patricks Vater), dass sie alles versucht haben, aber nichts mehr zu machen ist. Das Koma ist unumweichlich. Im Hintergrund wabern Synthielines und der Vorspann beginnt. Das war im Grunde schon der ganze Aufhänger für das nun folgende.

Das Drehbuch bemüht sich zwar rühmlich, die Gesichte auszuweiten und den Figuren, die in dem Sanatorium einkommen, einen gewissen Hintergrund zu verleihen. Es geht um Termine, wie da geheimnisvoll um den eher lauwarmen Brei geredet wird. Diese müsse man einhalten und nach und nach lässt man die Hüllen der Story fallen, während gefühlt schon hundert mal diverse sekundäre Geschlechtsmerkmale weiblicher Darsteller prall durch die Kamera hüpften. Jeder hat irgendwie Dreck am Stecken, der Sohn eines Versicherungsinhabers beging nach einem Unfall Fahrerflucht, ein bekannter Politiker wird angeblich erpresst und seine zeigefreudige Gattin scheint an seiner Karriere nicht ganz unbeteiligt zu sein. Es wirkt arg bemüht, als ob man gekauten Kaugummi so lang wie möglich ziehen möchte ohne das dieser reißt.

Spannung ist da natürlich Fehlanzeige auch wenn man sich in Rahmen seiner Möglichkeiten daran versucht, den Zuschauer zu erschrecken. Die geringe bzw. gar nicht vorhandene Qualität schafft das allerdings auch, aber gruselig wird es nicht richtig. Man bemüht sich dem allseits bekannten Horror-Baukasten für Schnellschüsse und bei Freunden obskurer Rohrkrepierer rettet sich Patrick lebt! noch durch seine äußerst amüsanten Versuche, den Schrecken zu erzeugen. Da heulen die Hunde, der Wind pfeift und plötzlich erscheinen da au dem Nichts diese zwei (zu Patrick gehörenden) Glotzeaugen, die den Schrecken und den Tod ankündigen. Wenn es dazu kommt, wird ordentlich die Blutkelle ausgepackt und zugeschlagen. Die Figuren agieren hier nicht gerade logisch oder nachvollziehbar, nur ist dies auch in tausenden anderen Horrorfilmen dabei. Lustig anzuschauen ist auf jeden Fall dieser fragende, trottelige Blick mit dem Paolo Giusti den Haken anschaut, der ihm bald die Lebenslichter ausbläst.

Unter Splatterfans ist der Film durch seinen berühmt-berüchtigen Schürhaken-Tod bekannt geworden, bei dem dieser bei einem Opfer vaginal ein- und oral austritt. Sehr garstig und äußerst heftig umgesetzt, zumal das Eindringen nicht angedeutet sondern breit ausgeschlachtet und gezeigt wird. Sprichwörtlicher Hardcore-Horror. Selbstzweckhaft umgesetzt und die Anlässe, in denen die weiblichen Darsteller ihre Hüllen fallen lassen, sind beinahe schon richtig pornös umgesetzt. Zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkte setzen sie ihre drallen Kurven vor die Kamera. Erotisch ist das natürlich auch nicht, aber dem voyeuristisch veranlagten Zuseher eine schöne Zugabe. Patrick lebt! versprüht einen ordentlichen Sexismus, bei dem so manche Emanze mächtig Schaum vor den Mund bekommen würde. Über allem schwebt dann diese obskure Stimmung, gerade wenn in einer Szene eine vollkommen betrunkene Dame das Abendessen sprengt, Streit mit der Politikergattin anfängt, diese sich dabei natürlich schön die Kleidung vom Leibe reißen und nur der Leiter des Sanatoriums so, als wäre das eine vollkommen ruhig-entspannte Gesellschaft, einfach weiter ißt.

Gehöriger Trash, der nur für Hartgesottene wirklich etwas bietet. Unfreiwillige Komik in einer Umgebung völligen Unvermögens und Schwachsinns. Es gibt liebenswerteren Schwachsinn, bei Patrick lebt! geht ja selbst der Charme flöten, doch die ganze Chose ist so ein gewisses filmisches Unikum, bei dem Freunde des Bodensatzes gerne mal danach fischen können. Noch obskurer erscheint der Film ja, wenn man sich die Karriere seines Regisseurs betrachtet. Landi besuchte die Accademia dell'Arte Dramatica und schloss sie sogar mit Diplom (!) im Fach Regie ab und inszenierte im kulturellen Zirkel Diogene in Mailand etliche Stücke. Zu Beginn der 50er feierte er mit der Musikkomödie Canzoni per le strade seinen Einstand beim Film um sich dann dem TV zu widmen. Hier blühte Landi auf und inszenierte einige Klassiker, die sogar Preise einheimsten. Die Serie Le inchieste de commissario Maigret (von ihm komplett alleine inszeniert) gehört sogar selbst heute noch zu einer der erfolgreichsten italienischen TV-Serien. Im Kino wurde es arg trivialer und wie hier oder eben Giallo A Venezia arg schmuddeliger. So gehen auch einige Erotikkomödien auf sein Konto. Nach Patrick lebt! blieb er dann beim TV und verstarb 1992 in Rom.

Die über- oder gar nicht agierenden Mimen haben auch so einiges auf dem Kerbholz und gerade Sacha Pitoëff sticht hier auch heraus. Der mit stoischer Mine den überruhigen Doktor Herschell mimende Darsteller war auch in Argentos Horror Infernal (1980) zu sehen und verdingte sich in vielen TV- und Kinofilmen. Bekannt wurde er mit dem überaus hochangesehenen und superben Letztes Jahr in Marienbad (1961). Noch obskurer ist, dass er ein in seiner Heimat Frankreich hoch angesehener Theaterregisseur war und dort als Institution galt. Patrick-Darsteller Gianni Dei braucht hier ja nur stur geradeaus zu stieren, keine große Leistung. Fragt sich, ob er auch so straight singt wie er hier glotzt. Ende der 80er hat er eine Sängerkarriere eingeschlagen, nachdem er seit den 60ern im Film zu Hause war. Dabei war er auch im sehenswerten und viel zu unbekannten Poliziotescho Killer sind unsere Gäste (1974) zu sehen. Bei den weiblichen Darstellern muss man auch noch kurz Mariangela Giordano erwähnen. Die Tochter eines Journalisten war sogar mal "Miss Ligurien" was sie auch zum Film brachte.

Hier durfte sie schon recht schnell ihre weiblichen Vorzüge zur Schau stellen. Zuerst in einigen Sandalen- und Abenteuerfilmen, dann wurde sie auch in Italowestern wie dem ballerwütigen Django und Sartana, die tödlichen Zwei (1969) oder Fünf blutige Stricke (1969). Mit dem Herrn Dei war sie übrigens auch schon bei Giallo A Venezia mit am Start und 1981 durfte sie in Andrea Bianchis Zombiegaudi Die Rückkehr der Zombies die Mutter von Peter Bark darstellen und im späteren Verlauf des Films von ihrem zum Zombie gewordenen Sohn sich die Brust wortwörtlich abkauen lassen. Apropos Die Rückkehr der Zombies: auf einer Suche nach einem geeigneten Drehort muss Bianchi mit Sicherheit Landi angerufen haben und von diesem dann einen tollen Tipp bekommen haben, das Haus, in dem sich Patrick lebt! abspielt durfte dann für Bianchi auch einige Zombies beherbergen. Mit dieser Hintergrundgeschichte bzw. der von Landi (und Pitoëff) mutet Patrick lebt! noch seltsamer als ohnehin schon an. Wer unbedingt Lust auf schlechte Filme hat, kann sich hier ruhig rantrauen, alle anderen dürften mit zuckendem Daumen an der Stop-Taste den Film "genießen".