CMV Laservision: M.A.R.K. 13 - Hardware

Die Endzeit ist angebrochen, die Zivilisation steht am Abgrund. Aus dem Radio verflucht der anarchistische Radiomoderator Angry Bob (Iggy Pop) die Menschheit und Mo kehrt vom Schrottsammeln zurück. Im Gepäck hat er ein Geschenk für seine Freundin, der Künstlerin Jill. Es ist der Kopf eines defekten M.A.R.K. 13, ein sich selbst rekonstruierender, unzerstörbarer Killercyborg. Nach Mos Aufbruch am nächsten Morgen verwandelt der vom Militär zur Bevölkerungsbegrenzung entwickelte Androide Jills riesiges Atelier in ein Kriegsgebiet. Als erstes muss der perverse Nachbar Lincoln dran glauben und während Mo verzweifelt versucht einen Weg zurück in die Wohnung zu finden, hat Jills letzte Schlacht bereits begonnen...

Der Film des britischen Regisseurs Richard Stanley gilt unter Freunden als Kultfilm, wird innerhalb der Szene sehr verehrt, wartet mit Gastauftritten von Carl McCoy (Fields of the Nephilim), Iggy Pop und Lemmy Kilmister (Motörhead) und einem entsprechenden Soundtrack auf, hat aber im deutschsprachigen ein entscheidendes Problem: von dem düsteren Sci-Fi-/Endzeit-Horrorschocker fehlt noch eine wirklich gute Veröffentlichung auf DVD. Es existiert nur eine qualitativ minderwertige Scheibe aus dem Haus Laser Paradise, berühmt-berüchtigt für seine unterdurchschnittlichen bis miesen Veröffentlichungen. Diese DVD musste als Vorlage noch für einige Repacks herhalten, um den Markt zu decken, allerdings war dies auf die Dauer für Liebhaber des Films untragbar.

Das Berliner Label CMV Laservision nimmt sich nun dem Film an und veröffentlicht ihn in einer würdigen Fassung, mit neuer Abtastung und vor allem im richtigen Bildformat. Kam die Laser Paradise noch in Vollbild daher, so darf man sich bei der ab 28. August 2009 erhältlichen DVD auf anamorphes 1.85:1 freuen. Sprachlich darf man sich auf den englischen Originalton und die deutsche Synchronfassung in Dolby Digital 2.0 freuen. Als Extras gibt es neben dem Kinotrailer, einer umfangreichen Bildergalerie und Deleted Scenes auch ein Interview mit dem Regisseur. Abgerundet wird dies durch einige Trailer zu anderen Veröffentlichungen des Labels.

Wie üblich, wird die ungeprüfte DVD (keine Vermietung an Kinder und Jugendliche/strafrechtlich unbedenklich) in einschlägigen österreichischen Online-Shops und auf Filmbörsen erhältlich sein. Wie von CMV gewohnt, erscheint M.A.R.K. 13 in einer kleinen Buchbox mit zwei unterschiedlichen Covern. Zur Auswahl stehen das italienische Plakatmotiv (links) und das alte deutsche VHS-Motiv (rechts).

Witchboard - Die Hexenfalle


OT: Witchboard
USA 1986 | ca. 96 Minuten | Horror/Mystery
Regie: Kevin S. Tenney
Darsteller: Tawny Kitaen, Todd Allen, Stephen Nichols, Burke Byrnes, Kathleen Wilhoite, Rose Marie, J. P. Luebsen u.v.m.

Auf der Party des Pärchens Jim und Linda kommt es nicht nur zu einem Streit zwischen den ehemals besten Freunden Jim und Brandon, sondern auch noch zu einem unheimlichen Zwischenfall, nachdem Jim den anwesenden Gästen ein Ouija-Board, mit dem man Kontakt zu Geistern herstellen kann, vorgeführt hat. Der von ihm beigerufene Geist David, ein im Alter von 10 Jahren gestorbener Junge, scheint einen Groll gegen den skeptischen Jim zu hegen und verläßt die Sitzung so schnell, wie er gekommen ist. Doch dann fangen die mysteriösen Begebenheiten erst an. Linda benutzt das Brett, welches Brandon bei ihr vergessen hat, immer öfters um mit David zu kommunizieren und scheint langsam aber sicher von diesem besessen zu werden. Obwohl Jims Meinung weiterhin skeptisch bleibt, hat auch er einige seltsame Begebenheiten erlebt und geht auf Brandons Warnung bezüglich des Geistes und Lindas Besessenheit ein. Erst recht, als die ersten mysteriösen Todesfälle einsetzen.

Der im Jahre 1955 auf Hawaii geborene Regisseur gab mit diesem kleinen, aber durchaus gelungenen Okkult-Horrorschinken sein Filmdebut und sollte sich im Laufe seiner Karriere zu einem soliden Handwerker im undurchsichtigen Wust der B-Film-Hölle entwickeln. Besitzt schon Witchboard, welcher zwei Fortsetzungen (eine davon nochmals von Tenney inszeniert) mit sich zog, im Horrorfandom einen gewissen Bekanntheitsgrad, schuf er mit seinem zweiten Werk gleich einen kleinen Kultfilm. Der Dämonenstreifen Night of the Demons sollte ebenfalls Auftakt einer insgesamt dreiteiligen Reihe werden, besticht durch seine liebevollen Effekte und einer tollen 80er Jahre-Atmosphäre und in diesem Jahre wurde davon ein Remake gedreht. Er ist vor allem ein sorgfältiger Handwerker der sich Zeit läßt was man auch seiner Filmographie anmerkt, besitzt diese trotz der gut 20 Jahre im Geschäft doch gerade mal dreizehn Einträge, wenn es rein um die Regiearbeit geht. Erst vor kurzem wurde einer seiner jüngeren Filme - die ziemlich garstige Low Budget-Splatterkomödie Brain Dead (nicht zu verwechseln mit Peter Jacksons Kultkunstblutschleuder gleichen Namens aber mit unterschiedlicher Schreibweise) - in deutschen Gefilden auf DVD veröffentlicht. Tenneys bisher letzter Film ist übrigens ein Familienfilm über Amerikas Yetiversion Bigfoot.

Kommt man aber wieder auf seine Anfänge im Genre zurück, so muss man Tenney vor allem attestieren, das er ein sehr bequemlicher Mensch zu sein scheint und so auch seine Filme erzählt. Zeit und Geduld sollte man für das Erzähltempo seines Filmes mitbringen, läßt er die Sache doch wirklich recht langsam angehen und führt erst einmal ein klein wenig seine Figuren ein, auch wenn dazwischen schon der erste kleine übernatürliche Einschub stattfindet. Trotz aller erster, leichter ins mysteriöse rückende Vorkommnisse in der Handlung bleibt Tenney aber auch dabei, die Konflikte der Charaktere untereinander zu beobachten. Von Ausarbeiten möchte man nicht sprechen, da der Film als ein eines Genreprodukt natürlich nur an der Oberfläche bleibt, aber gerade die aufgeriebene, streitgenährte Stimmung zwischen Jim und Brandon bleibt in den ersten Momenten von Witchboard ein zentrales Handlungselement.

Erst später läßt Tenney das Grauen von der Leine, bleibt allerdings bei leiseren Tönen und versucht seinen Horrorfilm eher durch Atmosphäre und dezenten Schockeffekten punkten zu lassen anstatt durch grelle und laute Effektegewitter. Dies gelingt dem Amerikaner sogar recht gut, auch wenn die Handlung von Witchboard einem eigentlich guten Grundsetting trotzdem etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Schon als der Film aktuell war, war der Stoff alles andere als innovativ und so sind einige Handlungsabläuft sehr vorhersehbar. Der Kniff besteht in so einem Fall aber darin, ob nun der Regisseur und der Stoff an sich es verstehen, daraus eine gute Sache zu machen. Dies gelingt, vor allem durch die wirklich sehr gut herausgearbeitete Atmosphäre, die für einige kleine Schauer beim Zuschauer sorgt. Hier gibt sich Witchboard angenehm altmodisch, vermengt gängige Genremuster zu einem durchaus unterhaltsamen Ganzen und geizt auch mit den Bluteffekten. Der nach Gore lechzende "Spläddafreund" erlebt hier eine herbe Enttäuschung. Auch wenn Witchboard nicht ganz ohne den roten Saft auskommt, so stehen äußerst effektiv und einfallsreiche Todesszenen nicht im Vordergrund des Geschehens.

Das Script schickt seine Protagonisten auf eine für diese unangenehme Reise durch die Welt des Okkultismus, garniert mit allerlei bösem Schabernack aus der Geisterwelt. Die Figuren sind dabei recht schnell umrissen, werden dabei allerdings solide von ihren Darstellern ausgefüllt. Es besteht für den Zuschauer schnell eine Bindung zu den drei Hauptcharakteren des Films und selbst dem anfänglich sehr unsympathischen Brandon, kann man durch seine leichte Wandlung doch etwas abgewinnen. Ein kleines Highlight ist übrigens die von Kathleen Wilthoite dargestellte, sehr schräg und exzentrisch daherkommende Medium Zarabeth. Einzig die Figur des Polizisten Dewhurst ist schlicht und ergreifend fehl am Platze und scheint herangezogen zu sein, um einige kleine Szenen zur Handlung hinzuzupinnen. Diese hätte Tenney ruhig aus dem Drehbuch streichen lassen können, oder seinen Polizisten etwas anders darstellen können. Dieser entpuppt sich als ein großer Freund der Magie und redet während seinen Ermittlungen nach einem Unfall eher von Siegfried und Roy oder anderem aus der Welt des Hokuspokus, als sich mit seinem Fall zu beschäftigen. Dies ist weder lustig noch schräg noch cool, sondern schlicht und ergreifend peinlich und unpassend.

Wenigstens können dafür die restlichen Darsteller überzeugen, wobei Tawny Kitaen sogar noch ein hübscher Blickfang für das männliche Publikum darstellt. Die 1961 als Julie Kitaen geborene Darstellerin wurde durch ihre Hauptrolle in der 1984 entstandenen Fetischcomic-Verfilmung Gwendoline von Emmanuelle-Schöpfer Just Jaeckin und dem der Teenie-Komödie Bachelor Party mit einem jungen Tom Hanks bekannt und glänzte durch ihr wildes Privatleben, das Tief in der damaligen Hair Metal-Szene verwurzelt war und in einer Beziehung zu Whitesnake-Frontmann David Coverdale gipfelte. Vor einigen Jahren fiel die hübsche Rothaarige zudem mit den Nachrichten eines Kokainfundes bei ihr in den amerikanischen Medien auf. Ihr Partner in Witchboard, Todd Allen, glänzt als rauhbeiniger und mit sehr trockenem Humor ausgestattetem Herr, der seine gesunde Skepsis gegenüber der Ouija-Sache erstmal bei Seite legen muss um dann seiner Partnerin in ihren schwersten Stunden beizustehen. Nur leider sind diese, bezogen auf das Finale von Witchboard, ein wenig misslungen.

Das Ende ist im Vergleich zum bisherigen Verlauf des Films sehr banal und umgangssprachlich ausgedrückt reichlich Banane. Es mag nicht wirklich zur Handlung passen und erscheint sogar irgendwie angepappt aus lauter Verzweiflung, ein laues Ende eines ansonsten gut unterhaltenen Films der auch technisch sehr begeistern kann und einige schöne Kamerafahrten bietet. Das Ende ist allerdings ein sehr lauer Abschluß eines soliden und guten Gruselfilms, der sogar ein wenig 80er Jahre Hochglanzschick vermittelt was seinen Look angeht. Seine behende von statten gehende Erzählweise steht ihm zwar nicht direkt im Weg, sie paßt sogar recht gut, doch auch eine im Aufbau recht althergebrachte Geschichte und das angesprochene Ende verwehren ihm ein rundum zufriedenes Endurteil. Seinen kleinen Kult- bzw. Klassikerstatus, den er bei manchen Fans nach gut 20 Jahren aufgebaut hat, trägt er aber zurecht. Witchboard bleibt ein guter Okkulthorrorstreifen und Einstand von Kevin S. Tenney.

Sklaven der Hölle


OT: Manaos
Italien/Spanien/Mexiko/Venezuela 1978 | ca. 94 Minuten | Abenteuer/Action
Regie: Alberto Vázquez Figueroa
Darsteller: Fabio Testi, Jorge Rivero, Agostina Belli, Andrés Garcia, Alberto de Mendoza, Florinda Bolkan, Jorge Luke, Milton Rodríguez u.v.m.

"Aufgrund der Nachfrage sind die Preise gestiegen. Das Zeug ist mehr Wert als Gold!" tönt der eiskalte Plantagenbesitzer Sierra und meint damit ganz explizit Kautschuk, das er auf seinem großflächigen Besitz durch Sklavenarbeit gewinnt. Er ist ein rundum verdorbener Mensch, der auch nicht davor zurückschreckt, Indiostämme zu unterdrücken, sondern auch Reisende zu überfallen, ermordert und ebenfalls versklavt. Die besten Männer müssen für ihn Schuften, während die Frauen zur Belustigung der Aufseher auf seinen Plantagen herhalten müssen. Dieses Schicksal trifft auch Claudia, die während ihrer Hochzeitsreise überfallen wurde. Ihre Rettung erscheint in Gestalt von Howard und Arquimedes, zwei ebenfalls verschleppten Weißen. Zusammen mit einem Indio versuchen sie, an die Grenze zu kommen und den Schergen und Wachposten Sierras zu entkommen, was Gefahrenreicher verläuft, als sich die Gruppe vorstellen kann.

Gerade mal bei zwei Filmen hat der Spanier Alberto Vázquez Figueroa Regie geführt. Neben dem recht seltenen Plasma - Jetzt holen sie dein Blut, der trotz seines Namens nicht in die Horror- sondern eher die Drama-Richtung geht, saß er nur noch beim in Deutschland auch noch als Manaos - Die Sklaventreiber vom Amazonas bekannten Abenteuer-/Action-Mix auf dem Regiestuhl. Als Schreiber hat er einige mehr Einträge in die Annalen der Filmgeschichte vorzuweisen, zuletzt steuerte er im Jahre 2004 die Geschichte zum Science-Fiction-Horrorstreifen Rottweiler von Kultproduzenten und -regisseur Brian Yuzna bei. Vielleicht lag ihm das Schreiben und Ausarbeiten der Geschichten einfach mehr als die ganze Leitung eines Filmes, was man sich nach der Sichtung seiner bekannteren Arbeit Sklaven der Hölle denken kann. Obwohl der Film durchaus goutierbar ist, so löst er keineswegs zügellose Begeisterungsstürme aus.

Okay. Nett. Zwei Wörter, die trotz ihres positiven Charakters trotzdem auch gleich zeigen, das durch- bis weitaus mehr drin gewesen wäre. So auch im hier vorliegenden Fall, der im besten Falle eine kleine Ablenkung an einem langweiligen Sonntag Nachmittag ist. Obwohl hinter als auch vor der Kamera einige Italiener am Werk mitgearbeitet haben, so gibt sich der Film sehr zahm und brav und deutet exploitatives nur an, anstatt es mit aller Macht vor der Kamera zu zelebrieren. Dabei könnten Atmosphäre und Stimmung aus einem alten und vergilbten Schundroman stammen, der ein klischeehaftes Abenteuer harter Männer erzählt, in dem man sich sofort wohlfühlt. Mit allen Wassern gewaschen und vom Leben gezeichnet präsentieren sich hier Jorge Rivero und Fabio Testi in den Hauptrollen. Dabei kommt der Spanier Rivero noch ein wenig besser weg als sein bekannter Partner Testi, der recht reserviert und sehr sparsam mit seinem Talent vor der Kamera agiert. Wobei von dem Duo allerdings keine großen schauspielerischen Anstrengungen gefordert sind. Hauptsache, man zeigt wo der Hammer hängt, gibt sich stark, weiß in jeder Situation einen Ausweg, beweißt Mut und Loyalität und hat das Herz immer am rechten Fleck. Zwei Helden, die es - wie auch immer - trotzdem in diese schlechte Lage geschafft haben und auf einer Kautschuk-Plantage knechten müssen.

Doch mit der Ankunft der liebreizenden Agostina Belli als Claudia und einer geplanten Kastration von Howard (weil er der beste Freund des ermordeten Ehemanns Claudias ist!) läuft bei den beiden Herren das Fass über und man zettelt eine Revolution im kleinen Stil an. Sie nehmen das Zepter in die Hand und geben es auch nicht aus dieser. Die strikte und traditionelle Rollenverteilung ist selbst bei der Flucht durch den Dschungel gegeben. Während Testi und Rivero die harte Arbeit verrichten, so muss Belli im Hintergrund bleiben, einen Blickfang vor der Kamera hergeben und mehr eigentlich nicht. Das Trio, das das Drehbuch verbrochen hat (darunter auch der Regisseur), scheint nichts von Gleichberichtigung zu halten. Frauen haben wenn überhaupt gut auszusehen, ruhig zu sein und gehören an den Herd. Sogar im dichten Forst des Amazonas, denn dort sorgt die Dame mehr als einmal für die Mahlzeiten der Herren. Auch wenn diese so edelmütig erscheinen und gegen den reichen Schnösel Sierra und seine Schreckensherrschaft aufmucken, so herrscht auch bei diesen - wenigstens bei Testis Figur des Arquimedes gut erkennbar - ebenfalls eine Zwei Klassen-Gesellschaft. Der ihm zur Seite stehende Indio, der erst im weiteren Verlauf der Handlung eine freundschaftliche Basis mit dem Duo aufbaut, hat das Vergnügen und Privileg, mit Arquimedes zu arbeiten. Latent rassistische Untertöne könnte man hier Sklaven der Hölle unterstellen, zumal am Drehbuch ausschließlich Spanier arbeiteten und hiermit ihre Meinung zu den Ureinwohnern der ehemaligen Kolonien in Südamerika abgeben. Der weiße Mann wird hier als Retter dargestellt, ohne den der Ureinwohner gar nicht überleben kann.

Relativiert wird dieser Unterton durch eine andere Szene, in der Sierra seinen reichen Freunden einen Schaukampf gegen seine rechte Hand, einem großen und kräftigen Indio, bietet, in dem dieser erst tumb und schwer von Begriff dargestellt wird, dann aber mit seiner Kraft und einem gezielten Schlag seinen Herren auf die Bretter schickt. Sierras Blick, diese Ungläubigkeit das dieser zu so einer Tat überhaupt fähig ist, spricht Bände. Schade, das diese Szene wie insgesamt gut fünfzehn Minuten in der alten Kinofassung des Films gefehlt haben. Erst die DVD-Veröffentlichung vor einigen Jahren durch das Sammlerlabel X-Rated brachte dem Fan eine komplette Fassung. Wobei man aufpassen muss. Diese Scheibe ist durch die Tatsache, das sie nicht FSK-geprüft ist, nur bei einschlägig bekannten Onlineshops und auf Börsen erhältlich. Die im Verkauf erhältliche, ab 12 freigegebene Fassung, ist leider nur die gekürzte Kinofassung. Man sollte aber freilich nicht zu sehr bemüht sein, bei so einem Werk zwischen den Zeilen zu lesen und zu viele Aussagen hinein zu interpretieren. Es geht hier schließlich nur um kurzweilige Unerhaltung, die Sklaven der Höllen durchaus bietet, allerdings in keinem ausgewogenen Maße.

Der Film ist sehr solide umgesetzt und ist durch seinen Schauplatz mit einigen wirklich schönen Einstellungen ausgestattet. Doch Figueroa vermag es nicht, den Zuschauer über volle Distanz zu fesseln. Es gibt ein wenig Schießereien, ein wenig Gefahren durch wilde Tiere und ein wenig brenzlige und dramatische Situationen, die die Protagonisten durchleben, doch allein schon an der Umschreibung ist zu bemerken: ein wenig ist einfach zu wenig. Der Spannungsfaden ist nicht straff angezogen sondern leiert des öfterten rechtlich fade herum. Die anfängliche, Spaß verheißende Stimmung, die so herrlich schundig startet, verpufft im weiteren Verlauf und pendelt sich auf einem relativ unspektakulären Niveau ein. Das ausgesuchte und angesprochene, meistens männliche Publikum kann man so nicht bei der Stange halten. Diese Männerwelt, die Sklaven der Hölle heraufbeschwört ist überraschend eindimensional. Selbst die in einer kleinen Nebenrolle auftauchende Florinda Bolkan, u. a. in Lucio Fulcis Gialloklassiker Don't Torture A Duckling oder dem berüchtigten Nunploitationfilm Flavia - Leidensweg einer Nonne zu sehen und beim Genrepublikum bekannt und beliebt, kann keine Akzente setzen. Auch hier ist, man mag es schon erraten haben, einfach zu wenig drin.

So ist Sklaven der Hölle ein verhalten agierendes Stück Abenteuer- und Actionkino, ein wunderares Beispiel für das Wort harmlos aber dennoch recht nett unterhaltsam. Gerade die angesprochene, dichte Atmosphäre, untermalt durch einen hörenswerten Soundtrack des Trio Bixio, Frizzi und Tempero (unter anderem auch für Fulcis Spätwestern Silbersattel verantwortlich) trägt dazu bei, das der Film trotzdem anschaubar ist, allerdings knapp im Feld der überdurchschnittlich unterhaltenden Filmunterhaltung einzuordnen ist. Es ist ein Filmsnack für Zwischendurch, der den Hunger auf mitreißende Abenteuerstreifen nicht gerade stillt sondern eher noch mehr anregt.

Allesglotzer jetzt auch bei Twitter

Ganz kurz in eigener Sache: nicht nur, das der Blog - trotz sehr geringer Postingfrequenz - natürlich weiterhin besteht, ab sofort haben wir nun auch einen Account bei Twitter, in dem wir über neue Postings auf dem Blog sowie Neuigkeiten rund um die Film- und DVD-Welt weitergeben und verbreiten. Während es über Twitter die knackige Kurzform gibt, so kann wenig später eine etwas ausführlichere Meldung dazu auch weiterhin hier im Blog auftauchen. Und gerade über Twitter werden wir auch über die Szene des sogenannten unterschlagenen Films so Aktuell und genau wie möglich berichten.

Den Link zu unserem Account findet man übrigens auch ganz bequem oben im Header.

Frischer Trailer zu Halloween 2


(Direkt-Halloween)

Eines muss man Rob Zombie lassen: er läßt die Trailer zu seinen Filmen unheimlich vielversprechend aussehen, konnte aber die hohen Erwartungen mit dem gesamten Ergebnis bisher noch nie wirklich befriedigen. Talent hat Zombie ja schon irgendwie, aber so richtig vom Hocker konnte er einen mit seinen Filmen noch nie. War beim Vorgänger und dem Remake zu John Carpenters Kultklassiker genauso: der Anfang war richtig stark, dann verwässert Halloween allerdings zu einem schrecklich uninspirierten 08/15-Slashergedöns der langweiligeren Sorte. Die Enttäuschung war groß, aber: verdammt nochmal, Herr Zombie macht auch mit diesem Trailer wieder Hunger auf den Film. Eventuell kann er ja mit diesem Film endlich vollends überzeugen.

(via)

Iron Man


OT: Iron Man
USA 2008 | ca. 121 Minuten | Action
Regie: Jon Favreau
Darsteller: Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Jeff Bridges, Terrence Howard, Shaun Toub, Leslie Bibb, Faran Tahir, Clark Gregg u.v.m.

Der Erfinder und Großindustrielle Tony Stark ist ein unbekümmerter, großkotziger Lebemann der gern auf leichtem Fuß lebt. Keine Party und keine Frau, die er nicht ausläßt. Als er auch mal wieder an das Geschäft denkt und wegen einer Präsentation einer neuesten Waffe seiner Rüstungsfirma Stark Industries in Afghanistan verweilt, wird sein Treck angegriffen und er von Rebellen entführt. Der schwer verletzte Stark soll die präsentierte Waffe für diese nachbauen, allerdings denkt Stark gar nicht daran und schmiedet sich in zusammenarbeit mit einem Mitgefangenen aus Waffenschrott einen Anzug, mit dem er sich aus der Gefangenschaft befreien kann. Überwältigt und nachdenklich von den Ereignissen in Afghanistan, gibt Stark nach seiner Rückkehr in die USA bekannt, das er keine Waffen mehr herstellen möchte. Es kommt dabei zum Konflikt mit seinem langjährigen Freund und Geschäftsführer Obadahia Stane, der dabei auch nicht zurückschreckt, Stark mit hinterlistigen Mitteln aus der Firma zu drängen. Währenddessen arbeitet Stark heimlich an einem zweiten, verbesserten Anzug...

Seit 1963 sind von der aus dem Marvel-Universum stammenden Superheldenfigur Iron Man an die 600 verschiedene Abenteuer erschienen. Auch wenn es massive Unterschiede zum DC-Helden Batman gibt, so haben sowohl der unter der Fledermausmaske das Verbrechen bekämpfende Bruce Wayne und der Erfinder und Lebemann Tony Stark eines gemeinsam: sie sind ganz normale Menschen, welche über keine Superkräfte verfügen. Ihre einzige Stärke ist ihr Erfindungsreichtum, der bei Batman in die vielen verschiedenen Gimmicks resultiert, während Stark seine zweite Haut, den Mark II genannten Anzug, besitzt. Vielleicht ist dies auch ein Grund, das beide Figuren gleichermaßen gut auch bei ihren Leinwandumsetzungen funktionieren. Es steht trotz dem vielen, actionhaltigen Getöse auch immer noch die menschliche Figur hinter dem Superhelden im Blickwinkel der Geschichte.

Wie bei einem ersten Film über einen Superhelden üblich, so läßt sich auch Iron Man gehörig Zeit mit der Einführung der Figuren. Es braucht Zeit, bis der nach spektakulärer Action lechzende Zuschauer diese auch erfährt. Bis auf den auf Stark verfügten Angriff in Afghanistan nimmt sich der Film und Regisseur Jon Favreau Zeit, dem Zuschauer Tony Stark näher zu bringen. Und dies gelingt auch durch das wundervolle Spiel des Hauptdarstellers Robert Downey Jr. wirklich schnell. Die Wahl auf den Mimen war dabei eine gute Wahl, geht Downey Jr. doch schnell in seiner Rolle auf und verschmilzt mit dem Comiccharakter, als wäre er einfach dieser Lebemann, der trotz aller Überheblich- und Oberflächlichkeit zu Anfang auch gehörig Charme mitbringt, dem sich sowohl die Charaktere im Film als auch der Zuschauer nicht verwehren kann. Dabei muss man aber auch attestieren, dass Iron Man zeitweise sogar zu einer kleinen One Man-Show für den Mimen wird, für den alles hinten angestellt wird. Auch wenn man seinen Kollegen keine schlechte Leistung unterstellen kann, so bleiben sie doch deutlich hinter Downey Jr. zurück. Dieser wirbelt mit einer ungeheuren spürbaren Spielfreude durch den Film, das man ihn schon beinahe übermotiviert nennen könnte.

Allerdings ist Iron Man natürlich in erster Linie die Geschichte des Tony Stark, der durch seine lebensgefährliche Verletzung und die Erlebnisse im Krisengebiet allmählich anfängt, auch seinen Kopf einzuschalten und nicht mehr unbekümmert und desinteressiert durch die Welt läuft. Seine Werdung zum stählernen Helden wird eindrucksvoll erzählt und gerade die unter der Beobachtung der Rebellen so gut wie mögliche, heimliche Konstruktion des Prototypen des Anzugs, ist dabei eine sehr gut umgesetzte Sache die ehrlich gesagt auch den spannendsten Teil des Films darstellt. Zwar bleibt das Werk auch in seiner zweiten Phase auf einem gleichen Spannungslevel, doch gerade Starks unfreiwillig längerer Aufenthalt in Afghanistan überzeugt durch seinen düsteren und dreckigen Look, der auch nach der Flucht Starks mit harten Bildern überzeugt, die zwar verwässert und pathetisch die Ereignisse im Krisengebiet schildern, allerdings auch eine gewisse Wirkung hinterlassen.

Trotz seines unbestreitbaren Popcorn-Charakters kann man hier auch eine klitzekleine Kritik an der US-Außenpolitik unter Präsident Bush lesen, wenn Stark in seinem Mark I nicht nur die bösen Rebellen bekämpft sondern dabei auch noch gleichzeitig seine eigenen Waffen zerstört. Nicht nur, das Stark hier geläutert seine Gefangenschaft beendet, das Autorenteam deutet hier auch an, das die Amerikaner durch ihre Entscheidungen in der Vergangenheit selbst Schuld an manchen Entwicklungen im nahen Osten waren. Man sollte Iron Man allerdings nicht als mit erhobenem Zeigefinger daherkommende Anklage gegen das internationale, schmutzige Waffengeschäft verstehen. Dafür kann man andere Filme drehen, die sich intensiver und besser mit der Materie auseinandersetzen. Es vermag auch etwas oberflächlich und moralinsauer sein, wie Stark sein neugefundenes Gewissen dafür einsetzt, das keine seiner Waffen mehr verkauft werden, schaden tut es dem Film auf keinen Fall. Glaubhaft bleibt die Wandlung des Charakters von Downey Jr. weiterhin.

Doch auch die Figuren- und Charakterzeichnung muss sich bei der Erzählung der Geschichte einem hintenan stellen: der Fertigung der verschiedenen Anzüge. Was schon mit dem Mark I beginnt, der stark an die Kunstrichtung des Steampunks erinnert, wird mit Starks basteln am seinem zweiten Anzug perfektionert. Die vielen, detailliert dargestellten Unglaublichkeiten des Films und das mit einigen witzigen Pannen bestückte Testen des Anzugs dürfte ein Festessen für jeden technik-verrückten Geek und Nerd sein. Hier überschlägt sich Iron Man von jeder Minute aufs Neue, das einem beinahe schon die Spucke wegbleibt. Egal ob das "Hirn" seines Hauses, sein mit 3D-Modellen bestückter Arbeitsplatz oder der immer wieder mit neuen Gadgets begeisternde Anzug sind das eigentliche Herzstück des Werks. Da wird sogar soviel Augenmerk darauf gelegt, das eine vernünftige Weiterführung der Geschichte beinahe unter den Tisch fällt. Die Werdung zum Helden nimmt viel Zeit in Anspruch, was an Fantastic Four erinnert. Auch in diesem Superhelden-Werk fällt die Verlagerung auf die Entwicklung zu den Figuren, so das der Actionanteil recht gering ist und die Storyerzählung ein wenig verschleppt vorkommt.

Was bei genanntem Beispiel noch etwas irritierend wirkt, ist kein wirkliches Manko von Iron Man, auch wenn es ebenfalls auffällt, das man wie bei vielen ersten Leinwandauftritten der Superhelden lieber darum bemüht ist, die Werdung aufzuzeigen. Effektreiche Action bietet der Film dennoch, darüber hinaus eine sehr gute Verschmelzung handgemachter Effekte mit CGI, was selbst den größten Skeptiker computergenerierter Effekte mit einem wohlwollenden Nicken zur Kenntnis nimmt. Man hat sich sichtlich Mühe gegeben, dem Film und seinem Helden einen ordentlichen ersten Auftritt auf der Bühne Hollywoods zu schaffen. Iron Man geht zwar ein wenig die Spannung flöten, wenn es zum Entscheidenden Konflikt zwischen Stark und seinem engen Vertrauten Stane kommt, für packende Action ist allerdings noch genug Platz.

So ist Iron Man trotz seiner Länge von gut zwei Stunden ein vergnüglicher Ausflug in die Welt der Marvel-Superhelden, der für Comic-Kenner und -Insider zudem noch einige Anspielungen bietet. Die nach der Flucht Starks auftauchenden Agenten einer Behörde mit viel zu langem Namen (ein kleiner Running Gag), gehören zu S.H.I.E.L.D, einer Organisation aus dem Marvel-Comic Nick Fury. Dieser taucht nach dem Abspann auch noch selbst auf, dargsestellt von Samual L. Jackson, was nicht nur auf einen eigenen Film über Fury in Aussicht stellt. Fury fragt Stark nach seiner Heimkehr ins traute Heim auch noch, ob er schon etwas von der Rächer-Initiative gehört habe, was eine Andeutung auf den geplanten Film über die Marvel-Superheldengruppe ist. Bis dahin bietet Iron Man action- und witzreiche Unterhaltung, die sogar manche bekannen Erzählmotive außen vor läßt (Liebesgeschichten sucht man hier vergeblich), dafür aber mit einem wahren Feuerwerk für Nerds glänzt. Eine gutklassig, aufwändig erzählte Geschichte bei der sich zwar die Mimen dem technikgetöse und ihrem Kollegen Downey Jr. unterordnen müssen, die aber trotzdem zu einer der besten Comicverfilmungen der jüngeren Zeit gehört. Da freut man sich schon auf den geplanten zweiten Teil.

Die Farben der Nacht


OT: Tutti i colori del buio
Italien/Spanien 1972 | ca. 91 Minuten | Thriller/Horror/Giallo
Regie: Sergio Martino
Darsteller: Edwige Fenech, George Hilton, Ivan Rassimov, Maria Cumani Quasimodo, Susan Scott, Tom Felleghy, Marina Malfatti, Julian Ugarte, Luciano Pigozzi u.v.m.

Die hübsche Jane wird seit längerer Zeit Nacht für Nacht von grausamen Albträumen heimgesucht. Während sie von diesem sichtlich verängstigt ist, sieht ihr Freund Richard, mit dem sie zusammenlebt, diese als Nachwirkungen eines tragischen Autounfalls der sich vor einem Jahr ereignete und bei dem die damals schwangere Jane ihr Baby verlor. Auch wenn Richard nichts davon hält, besucht Jane den von ihrer Schwester Barbara empfohlenen Psychoanalysten Dr. Robertson, um endlich die Albträume los zu werden. In der Praxis angekommen, bemerkt sie einen Mann, den sie aus ihren Träumen kennt. Immer wieder wird die junge Frau von dem geheimnisvollen und schweigsamen Mann verfolgt. In ihrer Verzweiflung geht sie auf das Angebot ihrer neuen Nachbarin Mary ein, sie zu einer schwarzen Messe einer teufelsanbetenden Sekte begleiten, um dort eventuell Erlösung zu finden. Doch hiermit fängt der richtige Terror für Jane erst an.

Gäbe es den Titel "Königin der Gialli" hochoffiziell, Edwige Fenech wäre eine Kandidatin als Trägerin. Die 1948 im heutigen algerischen Annaba (damals französisch Bône) geborene Schauspielerin, die von vielen Fans des Genres durch ihren wirklich wunderschönen Anblick so beliebt ist und verehrt wird, gewann schon im zarten Alter von 16 Jahren ihren ersten Schönheitswettbewerb und begann danach eine Karriere als Fotomodell. Kurz nachdem sie auch den Titel der "Miss France" gewann, begann sie ihre Filmkarriere in einigen erotischen Komödien aus Deutschland wie Frau Wirtin hat auch einen Grafen oder Alle Kätzchen naschen gern. Der Durchbruch gelang ihr, als sie mit Mario Bavas Five Dolls For An August Moon ihren ersten Giallo drehte. Es folgten zwar auch in Italien noch einige andere Rollen in erotischen Komödien, doch erstmal sollten noch einige der italienischen Thriller folgen. Durch ihre Beziehung zum Produzenten Luciano Martino, Bruder des Regisseurs Sergio, hatte sie auch viele Hauptrollen in dessen Filmen inne, so zum Beispiel im Meisterwerk Der Killer von Wien oder auch Your Vice Is A Locked Room And Only I Have The Key. Heutzutage beschäftigt sie sich eher mit der Arbeit hinter der Kamera und produziert TV-Serien, wurde aber von Eli Roth für dessen Film Hostel 2 zu einem Cameoauftritt überredet. Mit dem aus Uruguay stammenden Mimen George Hilton, mit dem sie in diversen Gialli gemeinsam vor der Kamera stand, bildete sie sogar ein Traumpaar des Subgenres, welches auch in Die Farben der Nacht zu sehen ist.

Doch die Chemie, in anderen Werken als ausgezeichnet zu bezeichnen, mag hier nicht so wirklich stimmen, was eventuell auch daran liegt, das so einiges bei diesem seltsamen Okkulthorror- und Giallo-Hybriden im Arge liegt. Während sich Edwige Fenech ins Zeug legt und in ihrer Rolle als verängstigte und verwirrte Jane wirklich überzeugt, so ist George Hilton sichtlich reserviert und unterkühlt in seinem Spiel. Böse Zungen könnten sein Spiel auch steinern nennen. Hilton kommt nicht so richtig in Gang und sein Schauspiel könnte im Verlauf des Films sogar die Füße zum Einschlafen bringen, so uninspiriert stolpert er hier durch die Handlung, die man mit vorangegangenm Adjektiv - uninspiriert - auch schon richtig gut beschreiben kann.

Drehbuchautor Ernesto Gastaldi scheint zusammen mit seinem Co-Autoren Sauro Scavolini öfters den Roman Polanski-Klassiker Rosemaries Baby angesehen zu haben um sich etwas Inspiration für einen weiteren Streifen zu holen. Nur leider kam diese bei dem Gespann nie so richtig an bzw. konnten sie diese nicht adäquat genug umsetzen, um einen Film zu schreiben, der den geneigten Fan hinter seinem heimeligen Genreofen hervorlocken kann. Die wie auch in Polanskis Meisterwerk ständig vorherrschende Stimmung der Bedrohung wird zwar beabsichtigt, kann aber auch vom ansonsten so sicheren Martino nicht wirklich überzeugend umgesetzt werden. Die Farben der Nacht ist ein fahriger Film, der ständig zwischen kleinen Giallo-Anleihen und okkultem Brimborium hin- und herschwankt und sich nie so wirklich für eine Richtung entscheiden kann. Die Löcher im Drehbuch mutieren zu Schlaglöchern bei denen man bald durch die Handlung wie auf einer alten Landstraße holpert. Schade, das auch die Bremsen nicht funktionieren, um noch eine gescheite Abzweigung/Abfahrt anzusteuern.

Obwohl sowohl vor und hinter der Kamera das so ziemlich gleiche Team wie bei Martinos bestem Giallo Der Killer von Wien agiert, wird dessen hohes Niveau zu keinster Weise erreicht. Dafür erweist sich der Film viel zu träge in seiner Umsetzung, die es auch verschläft, über die ganze Zeit so etwas wie Spannung aufkommen zu lassen. Einzigstes Spannungselement ist der geheimnisvolle Mann, der Jane auf Schritt und Tritt verfolgt und nach ihrem Leben trachtet. Ivan Rassimov, ein geeigneter Darsteller für solche Rollen, steht die meiste Zeit irgendwo in der Pampa rum, guckt böse durch seine strahlend blauen Kontaktlinsen und kann zwar so recht geheimnisvoll erscheinen, doch eine Bedrohlichkeit vermag auch ihm nicht zu gelingen. Das Drehbuch hat einen einzigen Handlungsablauf auf Dauerrotation gestellt, der daraus besteht, wie Jane wegen ihrer Albträume immer ängstlicher wird und dann taucht irgendwann Rassimov auf und stellt ihr nach. Ab und an werden, wie üblich im Genre, auch falsche Fährten gelegt die die angebliche Bedrohung als Irrtum entlarfen.

Einzig und allein in den Szenen, bei der die schwarzen Messen abgehalten werden, gelingt es Martino eine atmosphärische stimmige Sache dem geneigten Fan zu präsentieren. Untermalt mit einem tollen Stück vom einstigen Morricone-Lehrling Bruno Nicolai, der sich hier aber der allgemeinen Mittelmäßigkeit anpaßt, wird ein ansehnlicher, surrealer Moment geschaffen. Doch gerade wenn die Sekte auf den Plan tritt und bekannt wird, das auch Rassimovs Figur zu diesen gehört, geht es weiter bergab mit dem Film, der nun irgendwie versucht die verschiedenen in den Raum geworfenen Puzzlestücke - egal ob passend oder nicht - zu einem ganzen zu fügen. So ist dann auch die Giallo-typische Auflösung, die Beantwortung des wieso, ebenso wie der Rest der Geschichte recht uninspiriert. Das es dabei auch unlogisch zur Sache geht, kann man dabei schon fast ausklammern, ist dies doch auch in anderen Gialli der Fall, nur das es dort dann besser paßt.

Sergio Martino vermag es also leider nicht, aus dem schwachen Drehbuch einen leidlich unterhaltsamen Film zu stricken. Fade wirkt er, was insofern schade ist, da die gesamte Technik was Schnitt und Kameraarbeit anbelangt, wirklich klasse ist und mit einigen schönen Einstellungen aufwarten kann. Begonnen von der ebenso surrealen Traumsequenz zu Anfang bis zum Schluss kann man sich wenigstens an der schönen Kameraarbeit ergötzen. Doch dies ist für einen guten Film wirklich zu wenig. Da vermag es schon zu verwundern, das Die Farben der Nacht im großen und ganzen sogar meistens gute Wertungen und Kritiken erhält. Seine sperrige Langatmigkeit, die sich sogar bis in die Atmosphäre des Films erstreckt, vermag vielleicht einen kleinen Teil der Genrefans zu begeistern, doch für alle anderen, am Subgenre interessierten dürfte sich hier eher die gähnende Langeweile auf die Fernsehcouch hinzugesellen. Der im englischen Raum als All The Colors In The Dark bekannte Streifen ist wirklich als einer von Martinos schwächsten Werken anzusehen, der es vor allem nicht schafft aus der Mischung zwischen leichtem Okkulthorror und Giallo eine spannende Mixtur zu schaffen. Mehr als unterer Durchschnitt ist hier nicht drin.

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