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Freitag, 6. September 2024

Barbara's Baby - Omen III

Er ist voll evil und trägt kein Horn: es ist der Damien, Nachname Thorn! Wem beim Lesen des einleitenden Satzes dieser Besprechung als erstes das Wort cringe in den Kopf gekommen ist, dem sei gesagt, dass sie ganz bewusst so begonnen wurde. Nicht, das der dritte Teil der Das Omen-Saga ein potenzieller Sieger von Peinlichkeits-Wettbewerben im filmischen Bereich wäre. Man kann dem finalen Konflikt um den Sprössling des Leibhaftigen zweifellos attestieren, dass er solide und routiniert gefilmt ist. Gleichzeitig sind dies Attribute, welche unter Umständen - die in diesem Falle bestehen - ein aber mit sich bringen. In Barbara's Baby ist Damien Thorn zum erwachsenen Mann gereift und an dem Punkt angelangt, den er als Ziel immer vor Augen hatte: an der Spitze des Konzerns Thorn Industries. Von dort aus könnte er eine Schreckensherrschaft einleiten, aber dunkle Wolken ziehen für ihn herauf, als ihm die Wiedergeburt Christi in England vorhergesagt wird. Mit dem US-Präsidenten unter seiner Fuchtel, lässt er sich von diesem zum Botschafter in London machen und versucht mit seinen treu Untergebenen, alle im betreffenden Zeitraum geborenen Kinder ausfindig zu machen und umzubringen. Zeitgleich versucht eine Gruppe von Mönchen Damien unter Zuhilfenahme der Dolche Megiddos zu töten.

Endlich ist der Antichrist voll ausgewachsen, eigenständig, handlungsfähig und mit Sam Neill in seiner ersten größeren Rolle ausgezeichnet besetzt. Die Suche nach Christi Wiedergeburt - auf die der deutsche Titel anspielt - mit dem gleichzeitigen Versuch der Gegenseite, den Sohn des Teufels ein für alle Male zu vernichten, hätte ein epischer Abschluss werden können. Glänzen kann Omen III bedauerlicherweise einzig in den Szenen, in denen Sam Neill seinem Damien eine düstere Aura und Unnahbarkeit schenkt, gehüllt in Überheblichkeit, weil ausgesprochen siegesbewusst. Das wiegt schwer und ist atmosphärisch dicht umgesetzt, allerdings bleiben die Figur wie der Film eindimensional. Beim Antichristen betont man allein das anti, was bedeutet, dass er nur allgegenwärtiger Gegenpol - nun insbesondere zu Christus - ist, aber nicht daran gearbeitet wurde, ihm Komplexität zu schenken. Einfach nur böse bzw. der Böseste von allen ist sein alleiniges Merkmal und im Endeffekt bleibt die Hauptfigur der Reihe immer etwas austauschbar. Wie in den Vorgängern liegt der narrative Fokus auf dem Antagonisten, ohne dass dieser jemals zu sowas wie einem Antihelden wird. Zumal Omen III im Handlungsablauf seinem direkten Vorgänger soweit ähnelt, dass man die dortigen um Damien wissenden und mit ihrem Leben zahlenden mit den Mönchen austauschen kann. Das Abspulen diverser Todesarten hat sich mit dem ersten Sequel soweit etabliert, dass man sich dieser Rezeptur einfach noch einmal bedient. Die Geistlichen verhalten sich dazu noch so dämlich bei den Versuchen, Damien umzubringen, was der Story bei allem phantastischem Grundgerüst einiges an Glaubhaftigkeit raubt und regelrechter Quatsch ist. Die Dramatik, welche der Film für sein Finale aufzubauen versucht, verpufft in großem Stil. Zwar bekommt er anders als Damien - Omen II (hier besprochen) die Kurve und baut keinen erzählerischen Loop auf, doch der anscheinend groß geplante, finale Akt im Kampf gegen Satans Sohnemann bleibt wie der bleibende Gesamteindruck des Films eher lau. Für den seinerzeit als Abschluss der Reihe geplanten Film ist das leider ein Armutszeugnis, auch wenn es weitgehend erträglicher und interessanter als der zweite Teil gestaltet ist.



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Freitag, 12. Juli 2024

Killing Birds

Wer mir auf diversen sozialen Netzwerken folgt, dem dürfte nicht entgangen sein, dass ich mein Sammlerherz seit längerem an das im US-Bundesstaat Connecticut beheimatete Filmlabel Vinegar Syndrome, welches dort auch eines von insgesamt drei Ladengeschäften und ein beachtliches Filmarchiv betreibt, verloren habe. Mit ihrem Programm, irgendwo zwischen Genre-cineastischen Highlights, kleinen Perlen, Käse - mal schmackhaft, mal stinkend - aus der B-Film-Hölle, Höhepunkten der goldenen Ära des Erwachsenenfilms und jüngst auch Arthouse und Autorenkino triggert man meinen Geschmack meist mit neunundneunzigprozentiger Sicherheit. Dabei schaffen es auch Filme wieder in die Sammlung, von denen man sich sicher war, dass man sie wegen ihrer mangelnden Qualität nimmermehr im Leben schauen wird. Ein Beispiel hierfür ist Claudio Lattanzis einzige Regiearbeit Killing Birds, der aus einer Zeit stammt, in der das italienische Genrekino damit begann, sich auf seinem Totenbett nieder zu betten. Die letzten Jahre seines langsam verblassenden Sterns gerieten weitgehend so prunklos und karg, wie sich der Film präsentiert. Mit Blick auf die glorreichen Jahre kopierte es sich sowie seine Vorbilder aus den USA bloß noch und ließ jegliche Kreativität zumeist vermissen. Wenngleich das Wiedersehen weniger schlimm wie erwartet ausfiel, muss ich eben dies auch dem von Joe D'Amatos Studio Filmirage produzierten Werk attestieren.

Der mitunter krude und wilde Ideenreichtum glorreicher Tage ist merklich vergangen. Krude ist höchstens noch, wie Lattanzi, der sich auch für das Script verantwortlich zeichnet, Genreversatzstücke kombiniert. Was mit dem Prolog - der Heimkehr eines Kriegsveteranen, der seine Gattin im Bett mit einem anderen erwischt und sein Kampfmesser zur blutigen Bestrafung zückt - einem Slasher gleicht, entwickelt sich mit der eigentlichen Story zu einem übernatürlichen Brimborium, in dem - selbstverständlich - Untote nicht fehlen dürfen. Der Farbgebung des Films ähnlich fahl folgt die Geschichte einer Gruppe von Studenten, die in der Wildnis Louisianas eine seltene Vogelart ausfindig machen wollen. Das einzige, was die Damen und Herren finden, ist ein heruntergekommenes Haus, in dem man sein Lager aufschlägt und nach einigen seltsamen Begebenheiten unliebsame Bekanntschaft mit Zombies macht. In der Art der Darstellung möchte Lattanzi merklich eine Brücke zu den frühen Horrorgroßtaten eines Lucio Fulci schlagen. Von diesem leiht er sich für seinen Film eine alptraumhafte Stimmung, die wie die Narration farblos, trüb ist und doch auf eine ganz eigene Weise zu gefallen weiß. Der durch die Sets wehende Hauch von Fulci ist aber doch mehr ein Miasma. Dieser über Killing Birds wabernde Pesthauch verleiht dem Film eine undefinierbare, eigenartige Schönheit der Verendung, wenn man wohl auch etwas wehmütig dabei zuschaut, wie der Film sich im schnöden Reproduzieren der Eigenheiten des Horrorfilms seines Entstehungslandes ergeht. Während spätere italienische Produktionen noch mehr Zeit verschwendendes Ärgernis waren, so kann man unter der faden Oberfläche eine Bemühung verzeichnen, den Schock vergangener Jahre nochmal aufleben zu lassen. Doch 1987 reichte es bei der Filmirage nur zu einer Großtat, die erstaunlicherweise in jenem Jahr mit Michele Soavis Aquarius - Theater des Todes noch einen der besten italienischen Horrorfilme der späten 80er Jahre veröffentlichten sollten.

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Montag, 8. Juli 2024

Die Zeit der Wölfe

Er wird geschätzt, verehrt und gefürchtet. Die Darstellung des Wolfes in den unterschiedlichen, existenten Mythologien ist vielschichtig und mehrdeutig. Nicht allein, aber auch durch die Christianisierung etablierte sich im Kopf der Menschen ein negatives Bild des Tieres, welches dort zu einem natürlichen Feind des Hirten (Gott) und seiner Schafe (die Gläubigen) wurde. Jahrzehnte später, in den 80ern, predigte auch Rock'n'Roll-Heiland Lemmy: "The wolf is here, he's at your side / You better fight him, or it's you that's gonna die". Im Grimm'schen Märchen über Rotkäppchen ist er das Sinnbild für den Fremden, von dem man als junges Mädchen besser Abstand und sich in Acht nimmt, bevor man vom rechten Weg abkommt und schlimmsten Falls seine Keuschheit verliert. Auch die feministische Autorin Angela Carter macht uns in Zeit der Wölfe mit Regisseur und Co-Autor Neil Jordan eigentlich unmissverständlich klar, dass man nicht vom Wege abweichen solle, da der Wolf - hier Sinnbild für Vertreter des männlichen Geschlechts - scharfe Zähne hat und man keinem fremden Manne trauen soll. Trotzdem setzt sich die Erwachsenen-Mär um das sich in eine fantastische Welt träumende Mädchen Rosaleen nicht allein auf diese simple Moral fest. Jordan und Carter formen deren Kurzgeschichten "Der Werwolf" und "Die Gesellschaft der Wölfe", auf denen der Film basiert, zu einem vieldeutigen Werk.

Die Pubertät hat längst von Protagonistin Rosaleen und ihrem Körper Besitz ergriffen. In einem unruhigen Fiebertraum erfährt sie als Red Riding Hood in einer mittelalterlichen Fantasiewelt am eigenen Leib die verführerischen Künste eines Wolfes, der nicht im Schafspelz, dafür in der Haut eines adretten wie attraktiven Jägers daherkommt. Die Warnungen ihrer Großmutter, von dieser in Geschichten gepackt, sind in diesem Moment längst in Vergessenheit geraten. Sie erliegt dem Reiz des verschlagenen Wolfes, scheint an ihn verloren, obwohl davor durch die von Angela Lansbury gemimte Oma Rosaleens in aller Deutlichkeit die moralische Keule geschwungen wird. Dabei entfernt sich Die Zeit der Wölfe an diesem Punkt einzig von einer eindeutigen, unmissverständlichen Schwarz-Weiß-Zeichnung und dem belehrenden Charakter der Volksmärchen. Die Widersprüchlichkeiten des Erwachsenwerdens, Rosaleens Coming of Age, verpackt der Film in eine wunderschön düstere Geschichte, die von kleineren Erzählungen aufgebrochen wird, bevor der rote Faden wieder in die Hand genommen wird. Manchmal lässt dies den erzählerischen Fluss brechen; das großartige Production Design lässt locker darüber hinwegsehen und begeistert mit einer wortwörtlich traumhaften Welt, durch die man gerne wandelt und von seiner proppenvollen Symbolik erschlagen lässt.

Die Zeit der Wölfe bezaubert - wieder wortwörtlich - ebenso durch seine progressive, feministische Haltung. Carter und Jordan nutzen die Symbolik des zu Grunde liegenden Märchens, lassen den Wolf zum Sinnbild für den Mann werden, ohne ihn zur Gänze abzulehnen. Mehr nutzt man die Syntax der Erzählungsform, um die vom männlichen Geschlecht ausgehenden Gefahren darzustellen und schildert in der Geschichte von jenem Erwachsen werden seiner Hauptfigur. Sexuelles erwachen und auch die Loslösung von den Eltern, das stehen auf eigenen Füßen; auch wenn dies ein großer Bruch bedeutet indem man dem inneren Tier den Vortritt lässt. Wenn die Wölfe in ihrer ungezügelten Wildheit in den Wald stürmen, darunter auch die verwandelte Rosaleen, dann ist dieses Ende weit weniger negativ, wie eventuell zuerst empfunden. Es ist mehr eine positive Haltung zu dem, was in einem auch in den Jahren des Heranwachsens schlummert und zu dem man stehen sollte. Das macht den Film zu einem wunderbar vielschichtigen Werk, ein folkloristisches Horror-Märchen, beseelt vom Geist des klassischen und Gothic-Horrorfilms, zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt, weil er auch so viel bietet, worüber man sinnieren kann. 
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Mittwoch, 12. Juni 2024

Killerspiele

Bei einem im Hochleistungssportler-Milieu spielenden Slasher mit der Redewendung Sport ist Mord um die Ecke zu biegen, dürfte abgedroschener nicht sein. Wobei abgedroschen mit Blick auf Killerspiele ein mehr als passendes Stichwort ist. Objektiv betrachtet dürfte man den Film in irgendwelchen Rankings nirgends auf einem der Medaillenplätze vorfinden. Dafür ist seine Inszenierung in den für diese Spielart des Genres wichtigsten Szenen schlicht und ergreifend äußerst uninspiriert. Ein guter Grund hierfür dürfte der Umstand sein, dass Regisseur Michael Elliot laut Aussagen der Darstellerinnen und Darsteller kein Freund von Horrorfilmen war und manchmal merklich desinteressiert wirkte und seine Abscheu dem gegenüber an den Tag legte. So spult der Film das bekannte Teenie-Programm zwischen zarten Romanzen, Eifersucht, strengen Lehrern und an den Karriereträumen ihrer Sprösslinge zweifelnden Eltern ab und nutzt als Schauplatz eine "Falcon Ahtletic School" genannte Sportakademie. Dort trainieren die jungen Menschen für einen Platz bei den nationalen Meisterschaften, über die man sich wiederum für die olympischen Spiele qualifizieren kann. Ein kleiner Nebenplot erzählt noch einen Schwank über den Mannschaftsarzt, der den Athletinnen und Athleten diverse Mittelchen verabreicht, damit man mit den "hochgespritzten" Ostblock-Sportlern mithalten kann.

Selbstverständlich sind dieser und die anderen im Plot existierenden Themen nur dazu da, um so viel Zeit zu schinden, bis es wieder an der Zeit für eine Tötungsszene ist. Leider ist in diesen der drei Jahre früher entstandene und recht ähnliche Graduation Day etwas abwechslungsreicher. Bei Killerspiele beschränkt sich die Figur des Killers darauf, mit gekonnten Speerwürfen - sogar Unterwasser! - die Traumblase von der Goldmedaille sowie das Leben der Girls und Boys an sich zerplatzen zu lassen. Was das ganze seltsam werden lässt, ist der Umstand, dass die redundanten Rahmenhandlungen und das größtenteils unbemerkte Treiben des Mörders parallel nebeneinander her existieren. Beides greift spät ineinander und bis dahin wundern sich die Figuren zwar über den Verbleib ihrer Sportskameraden, gehen aber sogleich ihrem alltäglichen Athletentrott weiter nach. Eine abstruse Handlungsentscheidung, die zusammen mit den restlichen Banalitäten des Films ein guter Grund dafür sein dürfte, dem Film - wenn überhaupt - eine Mitleids-Medaille in Blech zu verleihen. Nur ist da dieser gewisse Faktor Cheesiness - welche schon mit dem pop-rockigen Titelsong beginnt, der mit jeder Note eine dicke Wolke 80er-Flair ausatmet - welcher dazu führt, dass neben der netten Früh-80er-Atmosphäre die Diskrepanzen von Killerspiele zumindest bei mir für eine gewisse Sympathie gesorgt haben. Man kann ihn mit dem krassen, in die Bundesliga aufgestiegenen Außenseiter vergleichen, der versucht, mit den Großen mitzuhalten, aber direkt wieder in die Zweitklassigkeit zurückgeführt wird. Vielleicht ist es in diesem Fall auch die Drittklassigkeit, aber der Versuch, innerhalb des Genres irgendwas zu reißen, ist ziemlich rührig. Wie heißt es doch - um bei abgedroschenen Sportweisheiten zu bleiben - so schön? Dabei sein ist alles. Dazu behandelt der Film im Plot sachte aufploppende queere Motive für seine Entstehungszeit überraschend wertefrei und klischeebefreit und schielt beim Twist im Finale merklich ins Sleepaway Camp rüber. Abgehärtete Horrorfans und Komplettisten, die Redundanz und Repetition nicht scheuen, können gerne - egal ob mutterseelnallanich oder mit Gleichgesinnten - einen Blick riskieren. Vorzugsweise auf die wie üblich tolle, im November 2023 veröffentlichte Blu-Ray von Vinegar Syndrome. In diesem Sinne: Es lebe der Sport!


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Samstag, 25. Mai 2024

Kill Me Again - Töten Sie mich

In John Dahls zweitem Film Red Rock West gibt es eine kleine, vordergründig nichtig erscheinende Szene, in der eine Nebenfigur einen Satz von sich gibt, der hintergründig einiges über die ersten drei Filme des Amerikaners aussagt. Darin lässt Hauptdarsteller Nicolas Cage an einer im weiten Nirgendwo liegenden Tankstelle für die letzten Dollar, die in seiner Brieftasche sind, den Tank seines Autos befüllen. Bezogen auf den sich noch gut in Schuss befindlichen Straßenkreuzer, bemerkt der Tankstellenbesitzer gegenüber Cage "You know, they just don't make them that way anymore!" Betrachtet man Dahls erzählerischen und gestalterischen Ansatz bei seinen ersten drei Filmen, so erscheint uns dieser alte Kerl plötzlich als Sprachrohr des Regisseurs. Leicht wehmütig scheint er damit das zu kommentieren, was er selbst auf die Beine gestellt hat. Völlig darüber bewusst, dass dies einer alten, vergangenen Zeit entstammt und nicht dem cineastischen Zeitgeist entspricht. Bereits mit seinem Debüt Kill Me Again - Töten Sie mich wendet er sich dem Noir-Crime bzw. -Thriller der 40er und 50er Jahre zu und lässt die goldene Zeit gebrochener Helden, zwielichtiger Gestalten und gleichermaßen verführerischer wie gefährlichen Femme Fatales wieder aufleben. Mit dem Plot werden gleich mehrere, gebräuchliche Tropes des Genres vereint.

Der abgebrannte, verschuldete Privatdetektiv Jack Andrews steht mit dem Rücken zur Wand. Seine zwielichtigen Gläubiger möchten endlich ihre Kohle wiedersehen und setzen ihm ein Ultimatum. Glücklicherweise taucht kurz darauf Fay Forrester in seinem Büro auf und bietet ihm eine hohe Summe, wenn er ihr dabei hilft, sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann Vince zu beschützen. Dabei soll Jack ihren Tod vortäuschen und ihr eine neue Identität verschaffen. Ungläubig und misstrauisch geht er mit Blick auf die stattliche Entlohnung, die ihm winkt, auf den Job ein. Als dieser vermeintlich erfolgreich ausgeführt wurde, muss der Schnüffler feststellen, dass sein Misstrauen gegenüber der attraktiven Fay nicht unbegründet war und muss sich zudem vor gegen seine ungeduldigen Gläubigern, Vince und der Mafia höchstpersönlich behaupten. Eine Classic-Noir-Story, sich zweifellos in der Zeit der ausgehenden 80er abspielend, in der kleine Details mit dieser Epoche bricht. Dahls Cineastik lässt die Zeit aufweichen. Fahrzeuge, diverse Szenenbilder, Kleidungsstil einzelner Figuren und nicht zuletzt Zitate filmischer Vorbilder: gleichermaßen Verweise auf die Epoche und Hochzeit des Genres, welche so stimmig platziert werden, dass das Konstrukt des Films zeitlos erscheint. Die Konzentration auf solcherlei Kleinigkeiten, scheinen den Regisseur so abzulenken, dass es selten gelingt, mit Verve und spannungsreich zu inszenieren. Die Reproduktion von Genre-Merkmalen funktioniert, komplett verinnerlicht hat Dahl dieses hier noch nicht. Dies sollte erst in seinen anderen Neo Noirs folgen. Gleichzeitig krankt Kill Me Again an seinem blassen Hauptdarstellern Val Kilmer und dessen damaliger Frau Joanne Whalley-Kilmer. So sollte man seinen Erstling eher als interessante, aber an sich ausbaufähige Fingerübung verstehen.


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Mittwoch, 1. Mai 2024

The House on Sorority Row

Wer in einem über die Jahre rapide einfältig und stumpf gewordenen Subgenre wie dem Slasher originelle Stoffe sucht, dürfte diese aufgrund von Ermüdungserscheinungen schnell einstellen. Auch The House on Sorority Row ist nicht der höchstoriginellste Film, aber kommt im Vergleich zu anderen Genre-Beiträgen mit genügend Eigenständigkeit daher, um sein Publikum bei der Stange zu halten. Der 1983 entstandene und bis dato nie im deutschsprachigen Raum veröffentlichte Schlitzerstreifen bietet dabei alles, was sich in den frühen 80er Jahren im Genre bereits etabliert hatte. Nach seiner in der Vergangenheit spielenden Exposition, welche - selbstredend - den späteren Twist des Films vorbereitet, schwenkt er in das Wohnheim einer weiblichen Studentenverbindung. Es ist Semesterende, alle bereiten die Abfahrt nach Hause vor und nur eine kleine Gruppe Studentinnen möchte, wenn alle inklusive der restriktiven Hausmutter Mrs. Slater das Heim verlassen haben, eine große Sause steigen lassen. Von der bekommt Mrs. Slater Wind, verweigert den jungen Frauen quasi die Feier im Wohnheim und lässt die dadurch entstehenden Streitigkeiten eskalieren, als sie eine der Organisatorinnen bei einem Schäferstündchen erwischt und ihr mit ihrem Gehstock kurzerhand das neue Wasserbett zerstört. Der daraufhin geplante Old-School-Prank um die Slater gehörig zu erschrecken, geht schrecklich schief und schickt die Hausmutter in die ewigen Jagdgründe. Neben der Feier haben die Studentinnen nun nicht nur das Problem, die Leiche der alten Dame unbemerkt zu entsorgen. Irgendjemand scheint von dem Mord erfahren zu haben und beseitigt während der Party die am Streich beteiligten Damen.

Regisseur und Autor Mark Rosman, ein Protegé Brian De Palmas, wagt bei seinem Horrorfilm den Versuch, Elemente der Thriller seines Lehrmeisters mit den üblichen Formeln des Slashers zu verbinden. Nur lässt er den Spannungsbogen zu Beginn arg schlingern und räumt der Einführung seiner Figuren großen Raum ein. Das hat weniger etwas mit Zeit schinden zu tun, sondern ist mehr der merklichen Absicht geschuldet, dass das Publikum eine Verbindung mit den Schwestern der Verbindung aufbauen soll, um deren Aversion gegen die Figur der Mrs. Slater auf die Zusehenden zu übertragen und final den ersten Climax des Plots - den eskalierenden Streich - zu verstärken. Die Spannungsmomente werden sowohl zu diesem wie im späteren Zeitpunkt recht herkömmlich herbeigeführt und auch wenn Rosman bemüht zu sein scheint, sich nicht stark an gängigen Mustern des Genres zu orientieren: frei hiervon oder von Klischees ist auch The House on Sorority row nicht und auch der All-Girl-Cast des Films, an sich eine angenehme Abwechslung zu den das Genre beherrschenden, tumben Kerls, scheint mehr an hemmungslosem Alkoholkonsum und promiskem Sex als allem anderen interessiert zu sein. Was den Film vom Gros anderer Werke leicht abhebt, ist die Tatsache, dass Rosman seinen Killer nicht zum verlängerten Arm von republikanischen Konservatismus macht. Rache ist Blutwurst und seine Motivation, den Odem der jungen Frauen auszuhauchen. Ist die Geschichte einmal in Gang gekommen, bietet The House on Sorority Row mit den für seine Protagonistinnen chaotischen Verhältnissen und daraus resultierenden Situationen keine aus dem Stuhl fegende, aber atmosphärisch hübsche und durchaus unterhaltsame Genre-Kost, welche wie eine Mischung aus Thrillern der 70er und Früh-80er-Slashern wirkt, die zudem überraschend harsche Effektszenen bereit hält. Wer sich beim Plot an Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast erinnert fühlt, darf sich auf die Schulter klopfen und auch dessen Autor Kevin Williamson dürfte sich hier etwas Inspiration abgeholt haben. Ironischerweise wirkt das Remake von The House on Sorority Row - dazu an anderer Stelle demnächst mehr - wie ein stark auf diesen schielenden, aber mäßiger Aufguss des Kinokassenhits. 
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Mittwoch, 24. April 2024

Ghost Town

Die Kombination der Genres Horror und Western birgt einiges an Potenzial. Bedauerlich, dass es tatsächlich wenige Werke gibt, welche amtlichen Grusel mit dem amerikanischsten aller Filmgenres kombiniert. Ende der 80er rotzte Charles Band mit seinem Indie-Studio Empire den Film Ghost Town in die Videotheken (und in seinem Entstehungsland sehr limitiert auch in die Kinos) und versuchte sich zumindest daran, dem Publikum einen Grusel-Western zu präsentieren. Ausgangspunkt ist die Suche von Deputy Langley nach der jungen Blondine Kate, die man zu Beginn des Films mit ihrem roten Cabrio über eine einsame Landstraße brausen sieht. Just von der eigenen Hochzeit geflüchtet, landet sie im wortwörtlichen Geisterstädtchen Cruz Del Diablo, in dem der untote Desperado Devlin wütet und die längst verstorbenen Bewohner der kleinen Ortschaft davon abhält, in Frieden ins Jenseits überzutreten. Wenig überraschend verschlägt es auch Langley in die Stadt, frisch vom einst von Devlin niedergemähten Sheriff Harper mit der Aufgabe vertraut, den diabolischen Outlaw in seine Schranken zu verweisen.

Die Tour de Force des unfreiwillig zum Sheriff beförderten Langley in den Weird West fällt bei allen netten Ideen, die der Film bietet, überwiegend narrativ angestrengt aus. Während die sichtlich, dem ebenfalls schmalen Budget geschuldeten, kargen Kulissen dank einer hübschen wie effektiven Fotografie zur Thematik des Films passend erscheinen mögen, nagt der Wurm des Zerfalls im Plot. Einzelne, gelungene Szenen können gegen die restliche, im Leerlauf vor sich hin tuckernde Handlung nicht ankämpfen. Das Mysterium um Cruz Del Diablo, dessen Bewohner und Tyrann Devlin und seiner Bande könnte seichte, aber durchaus ansprechende Unterhaltung bieten. Richtig warm wird man selten mit dem Film, da die darin befindlichen, einzelnen Ideen wenig trefflich zu einem funktionierenden Gesamtwerk zusammengefügt wurden. Die Crux ist, dass das insgesamt betrachtet höchst bedauerlich ist. Ghost Town ist ein einziges hätte, wäre, könnte; was nützt beispielsweise anschauliche Maskenarbeit, wenn der Antagonist ein Abziehbild diverser Schreckensfiguren des B-Horrors und von Western-Mieslingen ist? So planlos wie anfänglich der Protagonist gebiert sich der komplette Film, dem sein Setting sichtlich ein Stück weit egal ist. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das Land des Westerns diesen nicht adäquat mit Horror-Elementen ausstaffieren kann. Gänzlich gruselbefreit ist der gebotene Schrecken entweder mit Gleichgültigkeit oder bedauernswerter Langeweile gesegnet. Wenn es doch mal funktioniert, bietet Ghost Town leider nicht mehr als Durchschnitt.

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Donnerstag, 21. März 2024

Feuer und Eis

Kann ein Animationsfilm, an dem der Individualist Ralph Bakshi und die Fantasy- und Science-Fiction-Illustrations-Ikone Frank Frazetta gemeinsam arbeiteten, tatsächlich schlecht sein? Was theoretisch nach einem todsicheren Hit, der eine Menge Potenzial besitzen müsste, klingt, ist in der Praxis ein laues Low Fantasy-Animationswerk, das sehr simpel vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse kündet. Zunächst wäre da Nekron, Zauberer und Herrscher über das Eis, der mit Hilfe seiner Truppe von "Untermenschen" und einem unaufhaltsam über die Erde ziehenden Gletscher diese unterjochen möchte. Auf der anderen, guten Seite, steht König Jarol, Herrscher des Feuers und letzte Bastion der Menschheit. Das unausweichliche Aufeinandertreffen steht bevor; Nekron fordert nichts weniger als die komplette Unterwerfung des Königs und um seinem Willen Nachdruck zu verleihen, lässt der Zauberer Königstochter Teegra entführen. Diese entkommt allerdings den Vasallen Nekrons und trifft auf ihrer Flucht auf den jungen Krieger Larn, Überlebender aus einem von den Truppen des Magiers dem Erdboden gleich gemachten Dorfes und beginnt eine Romanze mit diesem. Zusammen mit dem geheimnisvollen Krieger Darkwolf trotzt man zahlreichen Gefahren und schafft es, Jarol zum finalen Kampf gegen den Hüter der ewigen Kälte zu mobilisieren.

Wie unter anderem auch seine Version von Tolkiens Fantasy-Epos Der Herr der Ringe drehte Bakshi seinen Film im sogenannten Rotoskopie-Verfahren. Hierbei wurden die Szenen zunächst mit menschlichen Darstellern gefilmt und dann Bild für Bild überzeichnet. Dies sollte dem Geschehen mehr Realismus verleihen und die Bewegungen anders als bei traditioneller Animation fließender und echter erscheinen lassen. Zumindest drückt dies den auf dieser Weise produzierten Werken des Amerikaners einen eigenen Stempel auf. Die heutzutage leicht überholt erscheinende Technik verleiht auch Feuer und Eis eine unwirklich erscheinende Stimmung, die von den teils grob und hastig gemalt wirkenden, expressiven Hintergründen unterstützt wird. Das sich verbreitende Gefühl der Fremdartigkeit ist die klare Stärke des Werks, während seine Geschichte generisch und frei von jeglichen Überraschungen auf ihren Höhepunkt zuläuft und sich typischer Fantasy-Motive bedient. Bakshi, dem es ein Bedürfnis war, einmal mit seinem Freund Frazetta an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, holt mit diesem zu wenig aus der trivialen Story heraus. Diese gebiert sich aktionsbetont, was darauf hinausläuft, dass ein stetes Gerangel mit den Nekron'schen Schergen oder die Flucht vor diesen besteht, was auf Dauer leider einlullend wie repetitiv ist. Leider wird dieser narrative Loop bis zum Finale nie durchbrochen; eine variantenreichere Geschichte wäre für den Film wünschenswert gewesen. Es bleibt ein insgesamt leidlicher Eindruck vom abspulen diverser Fantasy-Klischees zurück, in Betracht auf die nette Atmosphäre bedauernswert. Richtig überzeugend ist das nicht, zumal der Film heutzutage von deutlichen Hommagen wie The Spine of Night in Bezug auf grafischer und erzählerischer Gestaltung längst überholt wurde. 

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Donnerstag, 15. Februar 2024

Puppetmaster

Man kann Charles Band uneingeschränkt glauben schenken, wenn dieser davon erzählt, dass er von der Idee, wie unbewegliche Dinge plötzlich zum Leben erwachen, fasziniert ist. Bereits mit seinem zu Grabe getragenen Filmstudio Empire produzierte er Stuart Gordons Film Dolls (und ein paar Jahre davor bereits David Schmoellers Tourist Trap) in dem titelschenkendes Spielzeug quicklebendig durch das Haus seiner Schöpfer saust und unliebsame Besucher gewaltsam aus dem Leben befördert. Der 1989 entstandene Puppetmaster war für Band gleichzeitig Startschuss für dessen neu gegründetes Produktionsstudio Full Moon und für eines der langlebigsten und beliebtesten Franchise aus dem Hause. Zu Beginn des Erstlings wird das Publikum direkt mit André Toulon, dem Schöpfer von Blade, Tunneler, Leech Woman & Co., bekannt gemacht, wie dieser, sich auf der Flucht vor den Nazis befindend, in seinem Unterschlupf, dem Hotel Bodega Bay Inn, sich das Leben nimmt und das Geheimnis um seine lebendigen Puppen mit ins Grab nimmt. In der Gegenwart angekommen, folgen vier unterschiedlich übersinnlich Begabte ihrem Bekannten, dem Forscher Neil Gallagher, in eben jenes Hotel, in dem damals Toulon untergekommen ist. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass Gallagher tot ist und die Schöpfungen von Toulon immer noch quicklebendig sind.

Bevor sie über die Jahre die den Ton angebenden Stars der Reihe wurden, halten sich die Puppen im Erstling weitgehend im Hintergrund. Mit einer etwas zu lang geratenen Exposition, hier wäre durch die gediegene Narration des Films etwas mehr Schwung löblich gewesen, nimmt sich Puppetmaster viel Zeit um uns seine menschlichen Figuren näher zu bringen. Schon hier kann man den Comic Book-Charakter späterer Produktionen ausmachen. Nur mögen die hierdurch überzeichneten Charaktere manchmal nicht in das versucht sorgfältig aufgebaute Stimmungs-Setting passen. Dazu gesellen sich zotige Momente sexueller Natur, welche nochmal zusätzlich mit der vorherrschenden Atmosphäre brechen. Seien wir ehrlich: beim Anblick der selbst heute noch charmant getricksten Puppen ist das schnell verziehen. Deren Charme wurde zwar erst in späteren Teilen so vollends ausgespielt, doch bereits in Puppetmaster können sie dessen Schwächen kaschieren. Der Film bleibt zwar manchmal irritierend harmlos, ist mit seiner zahmen Charakteristik letztendlich aber auch ein Grundstein für das, was man zwar nicht von allen, aber vielen Full Moon-Produktionen kennt. Leicht verdaulich, etwas quatschig, aber meist immer recht sympathisch. In Verbindung mit dem zwar überpräsenten, aber tollen Score von Richard Band und der ansehnlichen Kameraarbeit von Fulci-Stammkameramann Sergio Salvati ist Puppetmaster noch heute weitgehend funktionierender Gute Laune-Horror. 


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Dienstag, 13. Februar 2024

Der weiße Hund von Beverly Hills

Bereits vor seiner Veröffentlichung Kontroversen entfachend - die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) hatte bereits im Vorfeld ohne den Film gesehen zu haben Boykott angedroht - wurde Der weiße Hund von Beverly Hills zu einem sehr ungeliebten Kind des Majors Paramount. Zwar erhielt Samuel Fullers Film im europäischen Raum wohlwollende Besprechungen, doch in seinem Entstehungsland sollte eine Weile vergehen, bis er einen Kinostart erhielt. Leider ist die behandelte Thematik heute noch brandaktuell. Schauspielerin Julie nimmt nach dessen Behandlung einen weißen Schäferhund bei sich auf, welchen sie Abends auf ihrem Heimweg angefahren hat. Die Bindung zum Tier wächst schnell, als dieser einen Vergewaltiger vertreibt, der bei ihr zu Hause eingebrochen war. Der Verdacht, das mit ihrem vierbeinigen Kumpanen etwas nicht stimmt, kommt ihr erst, als er bei Dreharbeiten eine afroamerikanische Schauspielkollegin anfällt. Alsbald erkennt sie, dass sie einen White Dog, von Rassisten speziell auf farbige Menschen abgerichtet, besitzt und sucht sich Hilfe beim Tiertrainer Keys, selbst ein Farbiger, der den Hund entkonditionieren soll. Von der Skepsis seines Partners Caruthers begleitet, entwickelt sich dies zu Keys Herzensaufgabe.

Während man bei Paramount von einem eher dem Horror zugewandten Film träumte - während seiner Entwicklung hatte man eine Art Jaws with Paws vor Augen - rückte Regisseur Samuel Fuller mit nüchternem Blick und einer dem Thema angemessenen Sensibilität den in der Gesellschaft verborgenen Rassismus in den Mittelpunkt. Der weiße Schäferhund, anscheinend ganz bewusst namenlos gehalten, ist ein Sinnbild dafür und der Film zeigt durch sein wenig Hoffnung aufkommen lassendes Ende, dass man diesen trotz aller Mühen leider nie komplett ausradieren kann. Es ist ein mehr als hartnäckiges Geschwür, dass jegliche Emotionalität ausmerzt und ein hasserfülltes Gesicht enthüllt, welches blutgierig mit gebleckten Zähnen auf seine potenziellen Opfer zustürzt. Keys bestürzter und mehr noch schmerzerfüllter Blick, dass alle bisherigen kleinen Erfolge im Training mit dem Hund zu nichts führten, fährt ins Mark, während Fuller sich in Resignation ergeht. Ennio Morricones Score, durch den sich eine kleine Traurigkeit zieht, tut sein übriges. Knapp vierzig Jahre nach seiner Entstehung gelingt es dem Film heute noch, Angst vor der sich im Finale androhenden Ohnmacht gegenüber Rassismus zu schüren und verpackt dies in Spannungskino alter Schule. Unaufgeregt und ohne große Sentimentalitäten steuern Sam Fuller und sein Film auf jenes bedrückendes Ende zu, das zum Nachdenken anregt und diesen für einige Zeit im Kopf nachhallen lässt. 

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Freitag, 2. Juni 2023

Milly... und sowas nennt sich seine Mutter

Tausendmal geseh'n, tausendmal hat's nicht tangiert und auch beim tausendundeinen Mal ist die ohnehin allseits bekannte Prämisse eines Films nicht so prickelnd, dass es einen beim Genuss des Werkes vom bevorzugten Sitzmöbel hebt. Der durch seine Fernsehausstrahlungen auch unter dem Alternativtitel Der Todesengel von San Francisco bekannte Thriller aus der dritten (oder vielleicht auch vierten) Reihe schickt seiner im Mittelpunkt der Handlung stehenden Familie ein Schwiegermonster par excellence, frisch aus einer psychiatrischen Anstalt ausgebüxt, auf den Hals, welche weniger harmlos schrullig scheint, als es der erste, oberflächliche Eindruck erwecken mag. Nach zehn Jahren Funkstille steht Milly urplötzlich vor der Tür des trauten Heimes ihres Sohnes Bill, wird von diesem gegen Willen seiner Frau Arlene im geräumigen Domizil der Familie einquartiert und darf mit einigen Auffälligkeiten glänzen. Ob die eventuell mit der Situation heillos überforderte Verwandtschaft der alten Dame deren psychologischen Zustand unterschätzen, ignorieren oder als exzentrischen Zug abtun, bleibt Interpretationssache des Zuschauers.

Gleichermaßen darf geraten werden, was der Film eigentlich sein möchte. Als reiner Thriller lässt er eben diesen Part arg schleifen und paart die verschrobenen Auftritte Millys mit einem überraschungsarmen, sattsam bekannten Handlungsaufbau in dem sie alles aus dem Weg räumt, was in ihren Augen moralisch verkommen ist oder zwischen ihr und dem geliebten Sohn steht. Wenn Milly im letzten Drittel des Films völlig von der Rolle ist und man in einigen Szenen merklich Richtung Slasher steuert, steigert das den Unterhaltungswert zwar nicht in ungeahnt höhere Sphären, aber bringt eine dringend benötigte, aber zu späte Abwechslung. Bis dahin wirft Milly die Frage auf, wieso das dezent vorhandene Potenzial als gallige Satire auf die amerikanische Vorbildsfamilie bzw. Fernsehfamilien aus US-TV-Shows der 70er und 80er nicht komplett abruft. Der Culture Clash zwischen der harmonischen und damit schrecklich ätzenden Vorzeigefamilie und der verschütt' geglaubten Milly lodert kurz auf und löst sich schneller wieder in Rauch auf, als man den deutschen Filmtitel komplett ausgesprochen hat. Das Problem liegt zum größten Teil darin, wie sich der Film präsentiert.

Obwohl anscheinend eine Produktion für den Direct To Video-Markt, wirkt Milly... und sowas nennt sich seine Mutter mehr wie ein Fernsehfilm. Auch die wenigen Effekt- und Nacktszenen, welche man zu Gesicht bekommt, können nicht verhehlen, dass der ganze Rest immer etwas bieder und mit angezogener Handbremse inszeniert wirkt. Als wolle man mit erhobenem Haupte und Restwürde wissentlich im schundigen Filmmorast untergehen und sich ein gewisses (nicht unbedingt vorhandenes) Niveau herbeidenken. Ausgerechnet diese damit vorherrschende Stimmung ist es, die bei Stange halten kann. Das wenige Budget, die Ideenlosigkeit, sichtlich bemühte Darstellerinnen und Darsteller, eine uninspirierte Regie die nur in einzelnen und wenigen Szenen nette Einfälle bietet (gleiches gilt übrigens auch für die Kameraarbeit): es scheint den Menschen vor und hinter der Kamera immer bewusst gewesen zu sein, was man da überhaupt fabriziert. Neben dem über dem Film schwebenden Umstand ist es zuletzt Marilyn Adams, die Ehefrau des in der Comicwelt mehr als geschätzten Neal Adams - der Batman nach seiner durch die TV-Serie der 60s begonnenen quietschbunten Phase zurück in die ernsthafte Düsternis zurückführte - welche mit ihrem leicht daneben wirkenden Overacting in jeder Szene, in der sie zu sehen ist, dem Werk etwas positives schenkt.

Zuletzt irgendwann durch seine häufigeren Ausstrahlungen im Nachtprogramm diverser Privatsender gesehen, war es für mich wie für die Familie von Bill (im übrigens von Joe Estevez gemimt) ein eigenartiges Wiedersehen mit Milly. Ganz wahrscheinlich wäre das die meiste Zeit über cringe, aber auch wenn einem bewusst ist, dass das, was sich da auf dem Bildschirm abspielt alles andere als gut ist, kann man sich als schundfilmaffiner Filmfreund dem verschrobenen Charme des Films nicht ganz verwehren. Nachdem der Film hierzulande vor kurzem leider nur als augenscheinlich leidlich aufgehübschter Videorip auf DVD veröffentlicht wurde (ein Schelm, wer böses dabei denkt...), bleibt zu hoffen, dass sich ein auf solchen Schlock spezialisiertes US-Label wie beispielsweise Culture Shock Releasing dem Werk annimmt und ihn auf ansprechendere Weise auf Blu Ray veröffentlicht. Immerhin haben diese mit der SOV-Produktion The Flesh Merchant bereits ein Werk mit Joe Estevez in der Hauptrolle veröffentlicht, was ein wenig hoffen lässt.

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