Warum Castle Freak im Vergleich zu den beiden anderen Lovecraft-Vehikeln von Gordon nie die große Liebe vom Fandom erhielt, springt einem sofort ins Auge. Im Gegensatz zu diesen ist er keine zügellose, bunte, mit makabren Scherzen durchzogene Gore-Achterbahnfahrt sondern das komplette Gegenteil. Düster, stockernst und manches Mal leider auch stocksteif, nimmt man den Film als fast schon biedere Angelegenheit wahr. Dabei gestaltet Gordon wie auch Drehbuchautor Dennis Paoli die Geschichte mehr als gotisches Schauerstück, dass sich gleichermaßen dem DTV-Horror-Zeitgeist der 90er verschreibt und das für den amerikanischen Horrorfilm beliebte Motiv der dysfunktionalen Familie, die zusätzlich mit einer Bedrohung von Außen kämpfen muss, nutzt. Bevor diese in Form des titelgebenden Monstrums über den Reillys hereinbricht, nimmt sich die Geschichte viel Zeit für die innerfamiliäre Tragödie. Das in dieser wohnende Ungeheuer - namentlich Verlust genannt - kann man gleichzeitig als zentrales Thema des Films ausmachen. Jeder hat für sich etwas teures verloren. Die Reillys bei einem von John verursachten Unfall, bei dem Rebecca ihr Augenlicht verlor, den Sohn, Giorgios Mutter den sie betrügenden Mann und Giorgio wurde deswegen wiederum um ein normales Leben gebracht. Der vom Theater stammende Gordon geht die Gestaltung der aus bekannten Motiven konstruierte Geschichte ernsthaft an, kann darin vorkommende Längen durch den langsamen, bedachten und teils theatralischen Aufbau schlecht kaschieren. Auf der anderen Seite kann Castle Freak durch eine für Full Moon-Verhältnisse sehr schwermütige Stimmung und der famosen Maske und Darstellung Giorgios gefallen. So monströs bösartig, wie uns die Vermarktung des Films glauben lassen möchte, ist dieser nicht. Auch er ist tragisches Opfer, unbeholfen, welches in der für ihn unbekannten Welt ein Außenseiter ist, sich darin schwerlich zurecht findet und an der Gewalt, welche man ihm über Jahrzehnte angetan hat, in der Interaktion mit den nun im Schloss befindlichen Menschen, orientiert. Die Tragik seiner Geschichte erinnert entfernt an das Monster in Mary Shelleys "Frankenstein". Letztendlich stellt der Film, wenn auch wenig feinfühlig, fest, dass jener Verlust und daraus resultierendes Schicksal das eigentliche Monster ist. Um dem Publikum einige Schauwerte zu bieten, dürfen Sex und einige blutige Momente nicht fehlen, die Castle Freak einen kruden, aber nicht unbedingt üblen Gesamteindruck schenken. Um als um Ernsthaftigkeit bemühter, erwachsener Horrorfilm zu punkten, ist er leider doch eine Spur zu seicht, bietet allerdings eine durchaus ansprechende Präsentation und zudem ein so nicht zu erwartendes Ende.
Dienstag, 7. Mai 2024
Dienstag, 30. April 2024
Rexosaurus
Als Wissenschaftler Dr. Anton Mordrid getarnt, wacht der aus einer anderen Dimension stammende Magier über das Wohlergehen unseres Erdenrunds. Als sich sein ebenfalls mit magischen Kräften ausgestattete Erzfeind Kabal aus seinem Gefängnis befreien kann, versucht Mordrid gegen dessen Plan, die Bewohner der Erde zu versklaven, anzukämpfen. Unterstützt von seiner neugierigen Nachbarin Samantha nimmt er den erneuten Kampf von Gut gegen Böse auf. Das aus dem im deutschen Raum leicht unpassend Rexosaurus betitelte Werk eigentlich eine Verfilmung von Marvels Doctor Strange hätte werden sollen, merkt man deutlich. Die bereits während der Empire-Zeit gekaufte Lizenz lief schlichtweg aus und so wurden einige Anpassungen vorgenommen, um dem interessierten Publikum einen halbwegs eigenständigen Charakter zu präsentieren. Diese Präsentation geht, nicht unüblich für Titel aus der Band'schen Filmschmiede, trotz einer Laufzeit unter achtzig Minuten in behäbigem Tempo von statten. Womit sich andere Full-Moon-Werke so selbst im Wege stehen, macht hier - sofern man über die Hintergründe der Produktion Bescheid weiß - halbwegs Sinn. Man fühlt Rexosaurus an, dass da noch mehr kommen sollte und dies nicht das Ende der Fahnenstange gewesen wäre. Er ist eine im Sand verlaufende Origin Story, der mit seiner comichaften Darstellung und seinem Augenmerk auf den Fantasy-Aspekt häufig harmloses, aber selbst heute noch charmantes Film-Fastfood auffährt. Eben das auch in meinen Besprechungen zur Puppetmaster-Reihe öfter erwähnte, eindimensionale Full-Moon-Family-Package. Gerettet wird dieses Einerlei mit seinem schleppend voranschreitenden Plot von gut aufgelegten Darstellern und heute rustikal erscheinenden, aber immer noch ganz hübschen Effekten. Diesbezüglich stellt der im Finale stattfindende Kampf zweier zum Leben erweckten Skelette eines Dinosauriers und eines Mammuts den absoluten Höhepunkt des Films dar. Die Diskrepanz zwischen kindlichem Fantasy-Stoff und Elementen, die eher auf ein erwachseneres Publikum abzielen, verleihen Rexosaurus noch mehr diese Aura der Eigentümlichkeit, auf die sich der Film zwar nicht ausruhen, aber überdurchschnittlich gut unterhalten kann.
Montag, 15. April 2024
Puppet Master: Axis Termination
Der erneut von Charles Band in Szene gesetzte Film vollführt das berüchtigte Full Moon-Kunststück, dass sich eine kurze Laufzeit wie eine halbe Ewigkeit anfühlen kann. Zeit wird mit übermäßig viel Dampfplauderei geschunden, was selbst absurden, kleinen Einfällen wie der Spritzenhand von Krapkes Assistentin Friede Steitze jegliche Wirkung raubt. Das Amüsement geht in der unwichtigen Schwafelei der Figuren unter. Axis Termination ist mehr eine Ballung der schlechten Seiten des Franchise und macht deutlicher denn je, dass die meisten Figuren aus Fleisch und Blut egaler nicht sein könnten. Konzeptlos und der eigenen, bisher erzählten Geschichte gegenüber gleichgültig scheint Band lieber diverse, impulsive Ideen so zu verbinden, dass es gerade so schlüssig erscheint. So hart, wie die Zeilen klingen mögen, möchte ich mit Band gar nicht ins Gericht gehen wollen. Dem Stehaufmännchen des B-Films kann man für seine Unermüdlichkeit durchaus Respekt zollen und mittlerweile kann ich anders als früher so mancher Produktion von Full Moon mehr abgewinnen. Bei Axis Termination fällt es schwer, auch wenn das Team hinter der Kamera bemüht war, dieses Stückwerk irgendwie funktionieren zu lassen. Über die Jahre hat sich das Standard-Schema des Plot-Aufbaus abgenutzt; die redseligen Menschen werfen gleichermaßen bedeutungsschwere und leere Worthülsen um sich, während der Zeiger der Uhr bleiern schwer voran schreitet. Die Argentoeske Farbgestaltung Ausleuchtung und Farbgestaltung des Films ersäuft ganze Szenen in grellen Farbe und auch die bemüht verbesserten Animationen der Puppen auf beiden Seiten können keinen Funke Freude aufblitzen lassen. Das im Filmtitel verwendete Wort Termination erhält eine bedauerliche Doppeldeutigkeit, terminiert Band das langjährige Herzstück Full Moons in äußerst trauriger Weise.
Donnerstag, 4. April 2024
Puppet Master X: Axis Rising
Stirnrunzeln, skeptisch hochgezogene Augenbrauen, verwunderte Blicke und vereinzeltes applaudieren. Auch Puppet Master X: Axis Rising ist ein filmisches Wechselbad der Gefühle. Wer mit niedrig gesteckten Erwartungen an das vom Full Moon-Boss höchstpersönlich inszenierte Werk herangeht, kann mit Abstrichen positiv überrascht werden. Anders als beim direkten Vorgänger versucht man hier gar nicht erst mittels Nachbearbeitung den Film hochwertiger erscheinen zu lassen. Axis Rising versprüht einen, wenn auch intendierten, angenehmen Trash-Charme und die spärlich eingerichteten Kulissen - allen voran Freuhoffers Labor - wirken wie aus frühen, pulpigen Kino-Serials oder B-Movies entnommen. Mit der überzeichneten Darstellung von Oberbösewicht Moebius und seiner Assistentin Uschi schrammt Band den Bereich zur Naziploitation. Stilecht dazu ähnelt Uschis Uniform frappant der von Dyanne Thorne im berüchtigten Genre-Klassiker Ilsa: She-Wolf of the SS. Die Krönung sind - wie sollte es anders sein - die Puppen. Mit Bombshell, der Puppen-Version Uschis, die unter dem metallenen BH Kanonen versteckt (nur Chesty Morgans Brüste waren bisher tödlicher...), dem Werwolf Weremacht (sic!), dem Panzer Blitzkrieg und dem allen Klischees bedienenden Kamikaze (das für die Puppen zuständige Team orientierte sich bei deren Design an den rassistischen Darstellungen von Japanern innerhalb der US-Kriegs-Propaganda während des Zweiten Weltkriegs) wird es infantil spaßig. Leider bleibt der Film dem Full Moon'schen Gesetz treu, dass der Plot mit Leerlauf und wie in Axis of Evil unangenehmen Patrioten-Pathos verwässert werden muss. Mit jedem weiteren Puppetmaster-Teil, den man sieht, versteht man, warum S. Craig Zahler sein Script zu The Littlest Reich (hier besprochen) zu einer garstigen Splatterbombe gemacht hat. Leider ist das, was man zu sehen bekommt, oft eine Nummer zu seicht und harmlos. Dies muss man auch Axis Rising attestieren, der somit aber zumindest ein überwiegend durchschnittliches Low-Budget-Vergnügen wird. Kleines Kuriosum am Rande: Wrestling-Fans dürfen sich zudem fragen und wundern, wie sich Ring of Honor-Legende und aktueller AEW-Kommentator Nigel McGuinness mit einer Mini-Rolle in den Film verirren konnte.
Dienstag, 26. März 2024
Puppet Master: Axis of Evil
Der Gedanke, mit Axis of Evil direkt an Puppetmaster von 1989 anschließen zu wollen, mag löblich sein. Man ist mit dem nachbearbeiteten Bildmaterial und dem Production Design sichtlich bemüht, an die Tonalität bzw. das Look and Feel des Films heran zu kommen. Auch bei der Gestaltung des Plots orientiert man sich am ersten Part. Das heißt, dass man sich bei der Ausarbeitung der Story Zeit lässt und seinen menschlichen Figuren viel Raum schenkt. Dannys Schicksal, welches ihm den Wunsch verwehrt, seinem großen Bruder Don nachzueifern und in den Militärdienst einzutreten, soll zu Herzen rühren. Zumindest dann, wenn man ein rechtschaffener Bewohner der USA ist und jede Sekunde, Minute und Stunde Amerika liebt und lebt. Der vorherrschende Hurra-Patriotismus bremst die Handlung merklich aus und hinterlässt einen üblen Nachgeschmack. Dabei versteht sich von selbst, das auf Seiten der Bösewichte rassistische Klischees überwiegen und die Stimmung weiter trübt. Zwar war auch Puppetmaster 3 (hier besprochen) alles andere als nuanciert und subtil, nur besaß dieser Film im Vergleich mit Axis of Evil deutlich mehr Charme und wirkt wertiger als das, was mit dem insgesamt neunten Teil der Reihe dem Publikum vorgesetzt wird. Tatsächlich wird der Totalausfall von der Puppenaction halbwegs abgewendet, auch wenn die mehr als dürftigen Animationen dieser einen weiteren Schwachpunkt darstellt. Die sympathische Naivität, die frühere Teile der Reihe beseelte, fehlt leider völlig und das man trotz aller technischer Tricksereien auch wegen der sterilen Digitaltechnik optisch nie an Puppetmaster anschließen kann, versteht sich von selbst.
Samstag, 23. März 2024
Puppet Master: The Legacy
Freitag, 15. März 2024
Retro Puppetmaster
Je weiter man in der Reihe voranschreitet, desto mehr Abstriche muss man machen. Das beginnt bei Retro Puppetmaster alleine und leider mit dem sterilen Look seiner digitalen Fotografie. So richtig Atmosphäre mag nicht aufkommen, während man den den im sechsten Teil beschrittenen Weg, sich an der Narrative klassischer Phantastik zu orientieren, weiter verfolgt. Das bedeutet, dass man viel Geduld mitbringen muss und durch den Film im übelsten Falle lernt, wie lange sich achtzig Minuten anfühlen können. Bedauerlicherweise erkennt man, dass eigentlich der Wille, aber kein größeres Budget da war. Die Ausstattung ist trotz der beschränkten Gelder nicht so übel und die Vorgänger der allseits bekannten Puppenschar sind mit ihrem grob beschaffenen Aussehen nicht schlecht anzusehen. Nur die Geschichte schafft es einfach nicht, aus den Puschen zu kommen. Es fehlt ein finaler Impact um komplett zu überzeugen. So spult man eine überraschungsarme, vorhersehbare Story ab, die in einzelnen Szenen nette Einfälle präsentiert, im Gesamten aber nur bedingt überzeugen kann. Retro Puppetmaster erschöpft leider schnell die Geduld seines Publikums, obwohl nicht alles falsch, aber doch weniges richtig bzw. überzeugend gemacht wird. Anscheinend durch sein überschaubares Budget kommt dazu der nächste Schnitzer in der Lore des Films. Die Erklärung, dass Toulon das Geheimnis des Lebens während eines Aufenthalts in Ägypten erhalten hat, was in einer kleinen Rückblende im zweiten Teil zu sehen ist, wird zu Gunsten des günstiger reproduzierbaren Schauplatz Paris fallen gelassen. Es sind Diskrepanzen, an die man sich über die Zeit eben gewöhnt. Letztendlich ist's eben Band'sches Gesetz.
Freitag, 8. März 2024
Curse of the Puppetmaster
Hinter den Kulissen kehrte dafür der bereits beim dritten Teil die Strippen ziehende David DeCoteau auf den Regiestuhl zurück um die Neuausrichtung der Puppetmaster-Reihe umzusetzen. Einen harten Schnitt vollzog man im sechsten Teil bedingt. Mehr verschob man die Ausrichtung und so orientiert man sich in diesem Film noch mehr am klassischen Horrorfilm. Soll heißen, dass das Publikum langsam und bedächtig an die zunächst so unbekannten Charaktere herangeführt wird und man bemüht ist, ihnen und ihrer Geschichte Raum zu geben. Frei von Klischee ist das nicht und in einigen Sequenzen regiert das, was man heute so gerne mit cringe umschreibt. Das die Puppen trotz Präsenz auf dem Bildschirm in der Geschichte in den Hintergrund rücken, zeigt das Problem der Reihe, welches sie durch ihre bisherige erzählerische Haltung selbst mit aufgebaut hat. Die menschlichen Figuren sind egal, nur Mittel zum Zweck, Spielzeug für das Spielzeug, um diesem Gründe für seine Handlungen zu geben. Das nun Melodramatik, welche mit dem klassischer Horror verhaftet ist, ein Grundzug sein soll, ist löblich und keine schlechte Idee. Umgesetzt ist das nur öfter hölzern und ungelenk. Mehr Sorgfalt - auch im Bezug auf die Tricktechnik - hätte Curse of the Puppetmaster gutgetan. Richtig mies ist das - mit Blick auf den Vorgänger - nicht wirklich. Auf der Sollseite steht dem Film die gewollte Ernsthaftigkeit ganz gut. Zumal das Ende des Films so abrupt wie konsequent ist und auf Rührseligkeiten verzichtet. Das mag eine seltsame, aber nicht ungeeignete Entscheidung sein, die zu einer kruden, nicht uninteressanten Filmerfahrung führt.
Mittwoch, 6. März 2024
Puppet Master V
Ursprünglich sollte aus Teil vier und fünf ein Film zusammengeschnitten werden und vielleicht hätte man besser daran getan, diesen Plan so umzusetzen. Da man lieber an einen durch die Fanschar ausgelösten, warmen Geldregen dachte, separierte man das vorhandene Material und obwohl dadurch viel bekanntes in Puppet Master V zu finden ist, geht einem der Spaß an dem im Film gebotenen ziemlich schnell ab. Am zuvor noch so angenehmen höheren Erzähltempo fehlt es völlig. Beinahe wirkt es so, als hätten Burr und sein Team die vorhandene Energie komplett in das gesteckt, was zu Puppetmaster IV wurde. Diese gefühlte zusammengetackerte Ausschussware, die nun als Teil 5 bekannt ist, wirkt saft- und kraftlos. Es fehlt an neuen Impulsen, weitere Ideen; repetitiv schleicht die Geschichte in an sich knackigen, aber endlos lang anfühlenden 75 Minuten dem Ende entgegen. Selbst der Charme der Puppen mag da nichts dagegen ausrichten. Zusammen mit diesen schleichen auf der einen Seite Rick, die von dessen Arbeitgeber beauftragten Typen, die mit ihrer dusseligen Art Three Stooges-Feeling aufkommen lassen und Dämon Eyad durch die Hotelräume. Spannung ist Fehlanzeige. Dieses entzündete Feuer der Lethargie ist mit dem zu vergleichen, was Christian Keßler mal Krauchfilm nannte; nur das hier als Zuschauerin und Zuschauer mehr verzweifelt als vergnügt dem Ende entgegen kraucht.
Montag, 4. März 2024
Puppetmaster IV
Unter der Fuchtel vom leider im letzten Jahr verstorbenen Jeff Burr entstanden, führen Charles Band und seine Kumpanen in Puppetmaster IV mit dem Dämonen Sutek und dessen lebendigen Totems Fantasy-Elemente ein, welche sich glücklicherweise nicht als Fremdkörper erweisen. Diese bringen eher eine Art Frische mit sich; Abwechslung in einem sonst eher mit traditionellen Versatzstücken des Genres arbeitenden Film. Die in der Reihe sich längst etablierte Gratwanderung zwischen klassischem, angestaubten Grusel und modernerem Horror glückt durch die zugegeben erhöhten Cheesiness und einem flotteren Tempo. Sympathisch naiv bleibt es weiter; Leerlauf kommt wenig und immer dann auf, wenn die Story sich mehr auf die Figuren aus Fleisch und Blut konzentriert. Das diese vergessenswert und austauschbar sind, offenbart sich hier und in den späteren Sequels zu offensichtlich. Die Stars sind und bleiben eindeutig die namensgebenden Puppen; was für die folgenden Fortsetzungen narrativ zu einem merklich schmerzlichen Problem wird. Wenn die Puppen zum Finale hin in Frankenstein-Manier einem kleinen Spielzeug-Kumpel Leben einhauchen, ist das schlicht einfach nett anzuschauen. Bei Puppetmaster IV ist die Full Moon-Welt noch weitgehend in Ordnung. Low Budget ist das natürlich weiterhin, sichtlich aber weit entfernt von dem Ultra-Billigheimer-Ansatz, den Band einige Jahre später verfolgen mochte. Es sollte aber auch gesagt sein, dass dieser Film der letzte der Reihe ist, bei dem sowas wie Spaß aufkommt, weil er eben noch genug Charme besitzt, um merkliche Schwächen in der Figurenzeichnung oder Narrative abzumildern.
Mittwoch, 21. Februar 2024
Puppetmaster 3
Zusammen mit seinem direkten Vorgänger war der dritte Puppetmaster-Film mein erster Berührungspunkt mit der Serie, als diese vor mehr als zwanzig Jahren, zu Beginn meiner erblühenden Horrorleidenschaft, im Privatfernsehen liefen und ich alles, was nur annähernd mit dem Genre zu tun hatte, auf Video aufnahm. Tatsächlich funktioniert dieser Part der Saga für mich insofern heute noch am Besten, da er sich des Prinzips bad things turning good bedient und es sich denkbar einfach macht und seinem Helden und dessen Helferlein fieses Nazi-Pack als Antagonisten gegenüberstellt. Wenn Tunneler, Leech Woman, Pinhead, Jester, Blade und der hier neu dazugekommene Cowboy Six-Shooter den braunen Mob massakrieren, ist es nicht nur wegen der eigenen politischen Einstellung eine Freude. Bei Full Moon hatte man sich Anno 1991 längst eingegroovt, das geringe Budget wurde erneut sehr gut kaschiert und Vielfilmer David DeCoteau - welcher diesmal auf dem Regiestuhl platz nahm - hatte einen guten Tag erwischt und setzte das aufgeräumte Skript zu einem kurzweiligen Gimmick-Horrorfilm um. Überraschungen darf man keine erwarten und irgendwie spürt man während des Films bereits, dass man hier bereits hätte Schluss machen können. Charles Band melkte die Kuh bekanntlich noch länger. Was Puppetmaster 3 angeht, so bleibt er bis heute so sehenswert, weil zum einen die Puppen in der Heldenrolle sehr gut funktionieren (immerhin sind sie in den Sequels ohnehin Dreh- und Angelpunkt) und zum anderen der Umstand, weil man sich immer so fühlt, als würde man einen gefilmten Comic-Strip erleben. Um es mit dem einer Aussage des von mir sehr geschätzten Patrick Lohmeier vom Bahnhofskino-Podcast auf den Punkt zu bringen: da war die Reihe eben noch cool.
Freitag, 16. Februar 2024
Puppetmaster II
Während er im ersten Teil einzig für die Konstruktion und Animation der Puppen zuständig war, machte es sich David Allen für Puppetmaster II auch auf dem Regiestuhl gemütlich. Der Oscar-nominierte Effektspezialist verleiht dem Film im Vergleich mit dessen Vorgänger einigen Schwung. Das bedeutet beileibe nicht, dass man es mit einem von Anfang bis Ende aktionsreichen Horror zu tun hat. Zur Mitte hin mag die Story, bis das Finale eingeleitet wird, nicht richtig vom Fleck kommen. Das Sequel tut nur das, was ein Sequel eben so meistens tun muss: es bietet more of the same, was dem Gesamteindruck zu Gute kommt, weil das etwas mehr Schauwerte als im ersten Teil bedeutet. Natürlich darf David Allen auch häufiger die Puppen tanzen lassen, was er mit Bravour meistert. Diese sind eindeutig Herzstück des Films und der Reihe und es bereitet immer wieder Spaß, wenn diese auf der Bildfläche erscheinen. Zur bekannten Spielzeugriege gesellt sich hier der mit einem Flammenwerfer-Arm ausgestattete Torch dazu, welcher wortwörtlich für Zunder sorgt. Das Rad erfindet Puppetmaster II natürlich nicht neu und er bleibt der Linie seines Vorgängers treu, dass trotz einiger netter Gore-Effekte und ansprechender Atmosphäre sich alles etwas wie die Light-Version eines "richtigen" Horrorfilms anfühlt. Das man mit der Verkleidung Toulons und einigen netten Sets nebenbei versucht, sich an Klassikern des Horrorkinos anzulehnen, ist ein nettes Zubrot. Durch die mitschwingende Naivität gewinnt das Sequel ebenso schnell die Sympathien seines Publikums wie der erste Teil. Über die Jahre wurde es leider weniger, aber zu Beginn konnten Full Moon-Produktionen wie diese durch ihren ganz eigenen Charme punkten und damit ist Puppetmaster II ein recht angenehmer Fast Food-Horror.
Donnerstag, 15. Februar 2024
Puppetmaster
Bevor sie über die Jahre die den Ton angebenden Stars der Reihe wurden, halten sich die Puppen im Erstling weitgehend im Hintergrund. Mit einer etwas zu lang geratenen Exposition, hier wäre durch die gediegene Narration des Films etwas mehr Schwung löblich gewesen, nimmt sich Puppetmaster viel Zeit um uns seine menschlichen Figuren näher zu bringen. Schon hier kann man den Comic Book-Charakter späterer Produktionen ausmachen. Nur mögen die hierdurch überzeichneten Charaktere manchmal nicht in das versucht sorgfältig aufgebaute Stimmungs-Setting passen. Dazu gesellen sich zotige Momente sexueller Natur, welche nochmal zusätzlich mit der vorherrschenden Atmosphäre brechen. Seien wir ehrlich: beim Anblick der selbst heute noch charmant getricksten Puppen ist das schnell verziehen. Deren Charme wurde zwar erst in späteren Teilen so vollends ausgespielt, doch bereits in Puppetmaster können sie dessen Schwächen kaschieren. Der Film bleibt zwar manchmal irritierend harmlos, ist mit seiner zahmen Charakteristik letztendlich aber auch ein Grundstein für das, was man zwar nicht von allen, aber vielen Full Moon-Produktionen kennt. Leicht verdaulich, etwas quatschig, aber meist immer recht sympathisch. In Verbindung mit dem zwar überpräsenten, aber tollen Score von Richard Band und der ansehnlichen Kameraarbeit von Fulci-Stammkameramann Sergio Salvati ist Puppetmaster noch heute weitgehend funktionierender Gute Laune-Horror.












