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Dienstag, 7. Mai 2024

Castle Freak

Gordon. Crampton. Combs. Namen, welche in dieser Kombination den Horror-Buffs häufig ein mehr als wohlwollendes Lächeln oder Kopfnicken entlocken. Mit den sehr freien Lovecraft-Adaptionen Re-Animator und From Beyond splatterte sich das Trio in den 80ern in viele Fan-Herzen. Mitte der 90er erinnerte sich Charles Band, der damals mit seinem Studio Empire den Vertrieb beider Filme übernahm, wieder an diese Kombination, heuerte alle für sein neuestes Projekt an und schickte sie getreu dem Motto "Aller guten Dinge sind drei" in sein in Umbrien gelegenes Schloss um dort die Magie noch einmal aufleben zu lassen. Für Castle Freak bediente man sich ebenfalls wieder am Œuvre von Lovecraft und bearbeitete dessen Kurzgeschichte "Der Außenseiter" noch freier, als es bei den beiden Funsplatter-Hits geschah. Der im Text namenlose Protagonist hört im fertigen Film auf den Namen Giorgio, welcher über Jahrzehnte von seiner Mutter im Keller eines italienischen Schlosses gefangen gehalten wurde. Als der Amerikaner John Reilly mit seiner Frau Susan und der blinden Tochter Rebecca auftaucht, um sich den frisch von einer bis dato unbekannten Tante geerbten Besitz anzuschauen, kann sich Giorgio aus seiner Gefangenschaft befreien. Fortan wandelt und lauert dieser in den dunklen Plätzen des alten Gemäuers. Zunächst nimmt nur Rebecca Notiz davon, dass noch jemand außer ihrer durch einen Schicksalsschlag zerrütteten Familie anwesend sein muss. Glauben schenkt man ihr zunächst nicht, bis sich die seltsamen Ereignisse häufen und die angespannte Stimmung zwischen John und Susan eskaliert.

Warum Castle Freak im Vergleich zu den beiden anderen Lovecraft-Vehikeln von Gordon nie die große Liebe vom Fandom erhielt, springt einem sofort ins Auge. Im Gegensatz zu diesen ist er keine zügellose, bunte, mit makabren Scherzen durchzogene Gore-Achterbahnfahrt sondern das komplette Gegenteil. Düster, stockernst und manches Mal leider auch stocksteif, nimmt man den Film als fast schon biedere Angelegenheit wahr. Dabei gestaltet Gordon wie auch Drehbuchautor Dennis Paoli die Geschichte mehr als gotisches Schauerstück, dass sich gleichermaßen dem DTV-Horror-Zeitgeist der 90er verschreibt und das für den amerikanischen Horrorfilm beliebte Motiv der dysfunktionalen Familie, die zusätzlich mit einer Bedrohung von Außen kämpfen muss, nutzt. Bevor diese in Form des titelgebenden Monstrums über den Reillys hereinbricht, nimmt sich die Geschichte viel Zeit für die innerfamiliäre Tragödie. Das in dieser wohnende Ungeheuer - namentlich Verlust genannt - kann man gleichzeitig als zentrales Thema des Films ausmachen. Jeder hat für sich etwas teures verloren. Die Reillys bei einem von John verursachten Unfall,  bei dem Rebecca ihr Augenlicht verlor, den Sohn, Giorgios Mutter den sie betrügenden Mann und Giorgio wurde deswegen wiederum um ein normales Leben gebracht. Der vom Theater stammende Gordon geht die Gestaltung der aus bekannten Motiven konstruierte Geschichte ernsthaft an, kann darin vorkommende Längen durch den langsamen, bedachten und teils theatralischen Aufbau schlecht kaschieren. Auf der anderen Seite kann Castle Freak durch eine für Full Moon-Verhältnisse sehr schwermütige Stimmung und der famosen Maske und Darstellung Giorgios gefallen. So monströs bösartig, wie uns die Vermarktung des Films glauben lassen möchte, ist dieser nicht. Auch er ist tragisches Opfer, unbeholfen, welches in der für ihn unbekannten Welt ein Außenseiter ist, sich darin schwerlich zurecht findet und an der Gewalt, welche man ihm über Jahrzehnte angetan hat, in der Interaktion mit den nun im Schloss befindlichen Menschen, orientiert. Die Tragik seiner Geschichte erinnert entfernt an das Monster in Mary Shelleys "Frankenstein". Letztendlich stellt der Film, wenn auch wenig feinfühlig, fest, dass jener Verlust und daraus resultierendes Schicksal das eigentliche Monster ist. Um dem Publikum einige Schauwerte zu bieten, dürfen Sex und einige blutige Momente nicht fehlen, die Castle Freak einen kruden, aber nicht unbedingt üblen Gesamteindruck schenken. Um als um Ernsthaftigkeit bemühter, erwachsener Horrorfilm zu punkten, ist er leider doch eine Spur zu seicht, bietet allerdings eine durchaus ansprechende Präsentation und zudem ein so nicht zu erwartendes Ende. 


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Dienstag, 30. April 2024

Rexosaurus

Ist Charles Band unter all' den B-Film-Produzenten-Veteranen nicht nur das Stehaufmännchen sondern womöglich noch ein Visionär? Zumindest hätte es unter dem Banner seines Produktionsstudios Full Moon beinahe den Vorläufer zu den heute zumindest auf Produzentenseite recht beliebten Cinematic Universes gegeben. Selbst riesiger Comic-Fan, wurde Band von den im Medium nicht unüblichen Crossovers inspiriert und plante bereits seit Empire-Tagen ein Franchise, in dem die von ihm und Marvel-Legende Jack Kirby für dieses erdachten Figuren in gemeinsamen Filmen auftreten sollten. Bevor es losgehen konnte, ging Empire das Geld und die Puste aus. Bei Full Moon fehlte ihm leider ebenfalls das nötige Kleingeld, um alle Ideen so umzusetzen, wie er es geplant hatte. An Crossovers gab es es nur wenige wie beispielsweise Tod im Spielzeugland (aka Dollman vs. Demonic Toys). Zum geplanten Team-Up-Film Legion of Doom, in dem u. a. aus Einzelfilmen bekannte Charaktere wie dem Mandroid oder Dr. Mordrid aus Rexosaurus auftreten und zusammenarbeiten sollten, kam es nie. Zumindest konnte der von Jeffrey Combs dargestellte Doktor in einem recht drolligen Einzelfilm unterhalten.

Als Wissenschaftler Dr. Anton Mordrid getarnt, wacht der aus einer anderen Dimension stammende Magier über das Wohlergehen unseres Erdenrunds. Als sich sein ebenfalls mit magischen Kräften ausgestattete Erzfeind Kabal aus seinem Gefängnis befreien kann, versucht Mordrid gegen dessen Plan, die Bewohner der Erde zu versklaven, anzukämpfen. Unterstützt von seiner neugierigen Nachbarin Samantha nimmt er den erneuten Kampf von Gut gegen Böse auf. Das aus dem im deutschen Raum leicht unpassend Rexosaurus betitelte Werk eigentlich eine Verfilmung von Marvels Doctor Strange hätte werden sollen, merkt man deutlich. Die bereits während der Empire-Zeit gekaufte Lizenz lief schlichtweg aus und so wurden einige Anpassungen vorgenommen, um dem interessierten Publikum einen halbwegs eigenständigen Charakter zu präsentieren. Diese Präsentation geht, nicht unüblich für Titel aus der Band'schen Filmschmiede, trotz einer Laufzeit unter achtzig Minuten in behäbigem Tempo von statten. Womit sich andere Full-Moon-Werke so selbst im Wege stehen, macht hier - sofern man über die Hintergründe der Produktion Bescheid weiß - halbwegs Sinn. Man fühlt Rexosaurus an, dass da noch mehr kommen sollte und dies nicht das Ende der Fahnenstange gewesen wäre. Er ist eine im Sand verlaufende Origin Story, der mit seiner comichaften Darstellung und seinem Augenmerk auf den Fantasy-Aspekt häufig harmloses, aber selbst heute noch charmantes Film-Fastfood auffährt. Eben das auch in meinen Besprechungen zur Puppetmaster-Reihe öfter erwähnte, eindimensionale Full-Moon-Family-Package. Gerettet wird dieses Einerlei mit seinem schleppend voranschreitenden Plot von gut aufgelegten Darstellern und heute rustikal erscheinenden, aber immer noch ganz hübschen Effekten. Diesbezüglich stellt der im Finale stattfindende Kampf zweier zum Leben erweckten Skelette eines Dinosauriers und eines Mammuts den absoluten Höhepunkt des Films dar. Die Diskrepanz zwischen kindlichem Fantasy-Stoff und Elementen, die eher auf ein erwachseneres Publikum abzielen, verleihen Rexosaurus noch mehr diese Aura der Eigentümlichkeit, auf die sich der Film zwar nicht ausruhen, aber überdurchschnittlich gut unterhalten kann. 

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Montag, 15. April 2024

Puppet Master: Axis Termination

So überraschend spaßig Axis Rising für seine Verhältnisse ausfiel, so groß ist die Ernüchterung im elften (Crossover und Spin-Offs ausgeschlossen) und vorerst letzten Teil der Puppetmaster-Reihe. Der Abschluss der Axis-Trilogie, Axis Termination betitelt, häuft leider wieder alles negative, was eine Full Moon-Produktion mit sich bringen kann, an und lässt so kaum Möglichkeiten zu, dass man über das Gesehene positive Worte verlieren kann. Es fängt schon damit an, dass der Paukenschlag zu Beginn die Handlung der beiden Vorgänger regelrecht über den Haufen wirft. Innerhalb einer Trilogie ein fragwürdiges Unterfangen und die selbe Schludrigkeit, wie sie innerhalb des Franchise über die Jahrzehnte häufiger vorkam und die man als Zuschauer wohl oder übel hinnehmen muss. Es ist nicht förderlich, dass das Publikum sich wieder an neue Hauptfiguren gewöhnen muss. Dieses Mal - hier erfolgt nochmals ein Brückenschlag zum 1989 entstandenen Erstling - landen Toulons Puppen in die Hände einer Gruppe verschieden übernatürlich begabter Menschen, angeführt von  Professor Ivan Ivanov (sic!), dessen Tochter Elisa im Verlauf der Geschichte nach einem Angriff auf die empfindliche Infrastruktur ihrer Heimatstadt, vom wahnsinnigen Nazi-Obermotz Sturmbannführer Krapke, verschleppt wird. Zusammen mit dem der Gruppe vom US-Militär zur Seite gestellten Captain Brooks und der Marionetten um Blade und Co. gilt es nicht nur, Elisa aus den Klauen des mit mächtiger Magie gesegneten Krapke zu befreien, sondern auch den Nazis im Bezug auf den Ausgang des Zweiten Weltkriegs eins auf den Deckel zu geben.

Der erneut von Charles Band in Szene gesetzte Film vollführt das berüchtigte Full Moon-Kunststück, dass sich eine kurze Laufzeit wie eine halbe Ewigkeit anfühlen kann. Zeit wird mit übermäßig viel Dampfplauderei geschunden, was selbst absurden, kleinen Einfällen wie der Spritzenhand von Krapkes Assistentin Friede Steitze jegliche Wirkung raubt. Das Amüsement geht in der unwichtigen Schwafelei der Figuren unter. Axis Termination ist mehr eine Ballung der schlechten Seiten des Franchise und macht deutlicher denn je, dass die meisten Figuren aus Fleisch und Blut egaler nicht sein könnten. Konzeptlos und der eigenen, bisher erzählten Geschichte gegenüber gleichgültig scheint Band lieber diverse, impulsive Ideen so zu verbinden, dass es gerade so schlüssig erscheint. So hart, wie die Zeilen klingen mögen, möchte ich mit Band gar nicht ins Gericht gehen wollen. Dem Stehaufmännchen des B-Films kann man für seine Unermüdlichkeit durchaus Respekt zollen und mittlerweile kann ich anders als früher so mancher Produktion von Full Moon mehr abgewinnen. Bei Axis Termination fällt es schwer, auch wenn das Team hinter der Kamera bemüht war, dieses Stückwerk irgendwie funktionieren zu lassen. Über die Jahre hat sich das Standard-Schema des Plot-Aufbaus abgenutzt; die redseligen Menschen werfen gleichermaßen bedeutungsschwere und leere Worthülsen um sich, während der Zeiger der Uhr bleiern schwer voran schreitet. Die Argentoeske Farbgestaltung Ausleuchtung und Farbgestaltung des Films ersäuft ganze Szenen in grellen Farbe und auch die bemüht verbesserten Animationen der Puppen auf beiden Seiten können keinen Funke Freude aufblitzen lassen. Das im Filmtitel verwendete Wort Termination erhält eine bedauerliche Doppeldeutigkeit, terminiert Band das langjährige Herzstück Full Moons in äußerst trauriger Weise.

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Donnerstag, 4. April 2024

Puppet Master X: Axis Rising

Stirnrunzeln, skeptisch hochgezogene Augenbrauen, verwunderte Blicke und vereinzelte Die-Hard-Fans, die euphorisch jubeln; vermutlich locken langlebige Filmreihen bei der Ankündigung eines neues Teils jene aufgezählte und noch ganz andere Reaktionen hervor. Gefühlt scheint doch eigentlich irgendwann mal genug und jeder noch so ertragreiche, kleine Tropfen aus der Kuh rausgequetscht worden zu sein. Wenige melken selbst dann noch, wenn das Tier längst dahinsiecht. So bemerkenswert unerschütterlich Charles Band sich über die Jahrzehnte im Filmbusiness hält; bei Puppetmaster haben es auch Hardcore-Fanatiker irgendwann schwer. Nichtsdestotrotz schob er mit Full Moon zwei Jahre nach Axis of Evil (hier besprochen) die Fortsetzung Axis Rising nach, die an ihren Vorgänger ziemlich nahtlos anschließt. Die in diesem von Nazis geplante Sabotage einer Waffenfabrik konnte vereitelt werden, doch die heimattreuen Hakenkreuz-Spinner planen schon den nächsten Coup. Mit Tunneler konnten sie eine von Toulons Puppen in ihre Gewalt bringen um endlich hinter das Geheimnis des Franzosen und seiner lebendigen Marionetten zu kommen. Man erinnere sich: bereits in Teil 3 versuchten die Nazis - hier noch vergebens - tote Soldaten für den erneuten Einsatz an der Front lebendig werden zu lassen. Mit Umwegen gelingt es dem Wissenschaftler Freuhoffer Toulon so weit nachzueifern, dass er mit lebendigen Nazi-Puppen seinen Kommandanten Moebius bei Laune halten kann. Die bereits aus dem Anfang der Trilogie bekannten Danny und Beth eilen mit dem Rest der Spielzeug-Schar zu Rettung.

Stirnrunzeln, skeptisch hochgezogene Augenbrauen, verwunderte Blicke und vereinzeltes applaudieren. Auch Puppet Master X: Axis Rising ist ein filmisches Wechselbad der Gefühle. Wer mit niedrig gesteckten Erwartungen an das vom Full Moon-Boss höchstpersönlich inszenierte Werk herangeht, kann mit Abstrichen positiv überrascht werden. Anders als beim direkten Vorgänger versucht man hier gar nicht erst mittels Nachbearbeitung den Film hochwertiger erscheinen zu lassen. Axis Rising versprüht einen, wenn auch intendierten, angenehmen Trash-Charme und die spärlich eingerichteten Kulissen - allen voran Freuhoffers Labor - wirken wie aus frühen, pulpigen Kino-Serials oder B-Movies entnommen. Mit der überzeichneten Darstellung von Oberbösewicht Moebius und seiner Assistentin Uschi schrammt Band den Bereich zur Naziploitation. Stilecht dazu ähnelt Uschis Uniform frappant der von Dyanne Thorne im berüchtigten Genre-Klassiker Ilsa: She-Wolf of the SS. Die Krönung sind - wie sollte es anders sein - die Puppen. Mit Bombshell, der Puppen-Version Uschis, die unter dem metallenen BH Kanonen versteckt (nur Chesty Morgans Brüste waren bisher tödlicher...), dem Werwolf Weremacht (sic!), dem Panzer Blitzkrieg und dem allen Klischees bedienenden Kamikaze (das für die Puppen zuständige Team orientierte sich bei deren Design an den rassistischen Darstellungen von Japanern innerhalb der US-Kriegs-Propaganda während des Zweiten Weltkriegs) wird es infantil spaßig. Leider bleibt der Film dem Full Moon'schen Gesetz treu, dass der Plot mit Leerlauf und wie in Axis of Evil unangenehmen Patrioten-Pathos verwässert werden muss. Mit jedem weiteren Puppetmaster-Teil, den man sieht, versteht man, warum S. Craig Zahler sein Script zu The Littlest Reich (hier besprochen) zu einer garstigen Splatterbombe gemacht hat. Leider ist das, was man zu sehen bekommt, oft eine Nummer zu seicht und harmlos. Dies muss man auch Axis Rising attestieren, der somit aber zumindest ein überwiegend durchschnittliches Low-Budget-Vergnügen wird. Kleines Kuriosum am Rande: Wrestling-Fans dürfen sich zudem fragen und wundern, wie sich Ring of Honor-Legende und aktueller AEW-Kommentator Nigel McGuinness mit einer Mini-Rolle in den Film verirren konnte. 


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Dienstag, 26. März 2024

Puppet Master: Axis of Evil

Es kann auch Monotonie in der malerischen Südsee und damit Melancholie bei 30 Grad herrschen, so wie Monotonie häufiger in den Filmen der rührigen Full Moon-Studios herrscht und man (bzw. ich) Aufgrund der Qualität von Puppet Master: Axis of Evil beinahe einen Edgebreak begeht: Campari in der Blutbahn, bittere Tränen bei Teil 9. Diesmaliges Motto: alles zurück auf Anfang! Der erste Teil der Axis-Trilogie knüpft direkt an den Ursprung der Reihe an und man darf zunächst dessen Prolog mit André Toulons Suizid begutachten, bevor das Publikum neu gedrehtes Material zu Gesicht bekommt. Dort lernen wir den handwerklich talentierten Danny kennen, welcher seinem Onkel bei einem Job im Bodega Bay Inn aushilft und dort Bekanntschaft mit Toulon macht. Im Hotelzimmer des Puppenmachers stößt er auf den versteckten Puppenkoffer samt aller Schöpfungen und dem Leben einhauchenden Serum. Der glühende Patriot, dessen Traum vom Militäreintritt und Einsatz gegen die bösen Krauts von seiner Behinderung ausgebremst wird, erfährt kurz nach seinem gigantischen Fund, dass sich in den Staaten aufhaltende Nazi-Spione an Toulons Tod Schuld tragen und mit der japanischen Besitzerin eines mitten in Chinatown befindlichen Theaters gemeinsame Sache machen. Ihr Ziel: die Sabotage einer Waffenfabrik. Mit der Hilfe der lebendigen Spielzeuge schlägt Dannys Stunde.

Der Gedanke, mit Axis of Evil direkt an Puppetmaster von 1989 anschließen zu wollen, mag löblich sein. Man ist mit dem nachbearbeiteten Bildmaterial und dem Production Design sichtlich bemüht, an die Tonalität bzw. das Look and Feel des Films heran zu kommen. Auch bei der Gestaltung des Plots orientiert man sich am ersten Part. Das heißt, dass man sich bei der Ausarbeitung der Story Zeit lässt und seinen menschlichen Figuren viel Raum schenkt. Dannys Schicksal, welches ihm den Wunsch verwehrt, seinem großen Bruder Don nachzueifern und in den Militärdienst einzutreten, soll zu Herzen rühren. Zumindest dann, wenn man ein rechtschaffener Bewohner der USA ist und jede Sekunde, Minute und Stunde Amerika liebt und lebt. Der vorherrschende Hurra-Patriotismus bremst die Handlung merklich aus und hinterlässt einen üblen Nachgeschmack. Dabei versteht sich von selbst, das auf Seiten der Bösewichte rassistische Klischees überwiegen und die Stimmung weiter trübt. Zwar war auch Puppetmaster 3 (hier besprochen) alles andere als nuanciert und subtil, nur besaß dieser Film im Vergleich mit Axis of Evil deutlich mehr Charme und wirkt wertiger als das, was mit dem insgesamt neunten Teil der Reihe dem Publikum vorgesetzt wird. Tatsächlich wird der Totalausfall von der Puppenaction halbwegs abgewendet, auch wenn die mehr als dürftigen Animationen dieser einen weiteren Schwachpunkt darstellt. Die sympathische Naivität, die frühere Teile der Reihe beseelte, fehlt leider völlig und das man trotz aller technischer Tricksereien auch wegen der sterilen Digitaltechnik optisch nie an Puppetmaster anschließen kann, versteht sich von selbst. 


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Samstag, 23. März 2024

Puppet Master: The Legacy

An sich könnte ich für den Beginn der Besprechung von Puppet Master: The Legacy den Anfang meines Reviews vom direkten Vorgänger Retro Puttermaster übernehmen. Geht es doch ebenfalls volle Kanne zurück in die Vergangenheit und blickt fast unentwegt in die Vergangenheit zurück. Wer nun vermutet, dass es sich beim insgesamt achten Teil der Reihe um ein weiteres Prequel handelt, der liegt nicht nur knapp daneben. Eher überkam Charles Band anscheinend die Faulheit, als er vom langjährigen Geschäftspartner und Supporter Blockbuster Video die Aufforderung bekam, einen neuen Teil der Saga um die beliebten, mörderischen Puppen zu produzieren. In zwei Tagen drehte Band unter Pseudonym neues Material, welches als Rahmenhandlung für die Best-of-Show der Reihe herhalten darf. Peter Hertz, der kleine Junge aus Teil 3 ist erwachsen und neuer Meister der Puppen. Geschäftig im Keller werkelnd wird er dort von der Privatermittlerin Maclain überwältigt, welche hinter das Geheimnis der Puppen kommen möchte. Mit der Knarre vor der Nase gibt Peter der Frau bereitwillig Auskunft, was dazu führt, dass einem nochmal Szenen aus allen bisherigen Filmen des Franchise vorgesetzt werden.

Das Cash in ging Charles Band hier sicher locker-flockig von der Hand. Die Fans dürften, als der Film frisch die Videotheken-Regale befüllen durfte, eine herbe Enttäuschung erlebt haben. Einerseits ist es natürlich schön, die Puppen so geballt und oft bewundern zu dürfen. Wie ich schon häufiger in den bisherigen Reviews der Puppetmaster-Filme feststellte, sind die deren Szenen das eindeutige Highlight innerhalb der Reihe. Es darf auch prima hart nostalgiert werden, wenn Puppet Master: The Legacy seine Chronisten-Rolle einnimmt. Schmerzhaft wird es nur dann, wenn Maclain und Peter auf der Mattscheibe zu sehen sind. Den Eindruck, welche diese Momente hinterlassen, mit dürftig zu umschreiben, ist noch untertrieben oder sehr nett ausgedrückt. Die deutsche Fassung verstärkt diesen nochmal mit einer extrem pornösen Synchronisationsarbeit, welche die Ohren bluten lässt. Und so richtig schlau wird man aus dem Sinn des Films, außer nochmal mit der erfolgreichen Reihe Moneten zu generieren, nicht groß. Als Chronik würde er durchaus Sinn machen, wird hier doch der Versuch unternommen, Ordnung in die chaotische Zeitlinie zu bringen. Soll heißen, dass man mit Retro Puppetmaster beginnt, weiter mit Teil 3 macht, bevor man zu den Teilen 1, 2, 4 und 6 übergeht, wobei der fünfte tatsächlich ausgelassen wird. Nur: die reine Ignoranz der bestehenden Logiklücken, wie hier betrieben, schließt diese nicht automatisch. Als Einstieg für Neulinge eignet sich Puppet Master: The Legacy ebenfalls nicht richtig, da schon einige Spoiler enthalten sind. So hinterlässt der Film mehr den Eindruck eines (zwischenzeitigen) traurigen Abschluss einer qualitativ wechselhaften Reihe. 
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Freitag, 15. März 2024

Retro Puppetmaster

Den Blick rückwärts gewandt, volle Fahrt zurück in die Vergangenheit; alles retro! Auch in der Puppetmaster-Reihe machte man Ende der 90er den Schritt nach hinten. Während man im direkten Vorgänger Curse of the Puppemaster (hier besprochen) eine halbwegs neue Geschichte mit ebenso neuen Figuren erzählte, begab man sich ein Jahr später lieber wieder auf halbwegs bekannte Pfade und widmete sich dem bisherigen Meister der Puppen, André Toulon. Dieser erzählt seinen Schöpfungen sowie dem Publikum, wie er zu dem Mann wurde, um den sich Reihe zu ihren Anfängen drehte. Als junger Puppenspieler macht er im Paris um die Jahrhundertwende die Bekanntschaft mit einem ägyptischen Zauberer, der dem Dämonen Sutek das Geheimnis des Lebens entwendet hat. Auf der Flucht vor Suteks Handlangern gibt er dieses vor seinem Tod an Toulon weiter. Als dessen Puppenspielerkollegen von den Schergen des Dämonen umgebracht werden, belebt er mit Hilfe des Geheimnis und der Seelen der Toten seine Puppen um Rache zu üben.

Je weiter man in der Reihe voranschreitet, desto mehr Abstriche muss man machen. Das beginnt bei Retro Puppetmaster alleine und leider mit dem sterilen Look seiner digitalen Fotografie. So richtig Atmosphäre mag nicht aufkommen, während man den den im sechsten Teil beschrittenen Weg, sich an der Narrative klassischer Phantastik zu orientieren, weiter verfolgt. Das bedeutet, dass man viel Geduld mitbringen muss und durch den Film im übelsten Falle lernt, wie lange sich achtzig Minuten anfühlen können. Bedauerlicherweise erkennt man, dass eigentlich der Wille, aber kein größeres Budget da war. Die Ausstattung ist trotz der beschränkten Gelder nicht so übel und die Vorgänger der allseits bekannten Puppenschar sind mit ihrem grob beschaffenen Aussehen nicht schlecht anzusehen. Nur die Geschichte schafft es einfach nicht, aus den Puschen zu kommen. Es fehlt ein finaler Impact um komplett zu überzeugen. So spult man eine überraschungsarme, vorhersehbare Story ab, die in einzelnen Szenen nette Einfälle präsentiert, im Gesamten aber nur bedingt überzeugen kann. Retro Puppetmaster erschöpft leider schnell die Geduld seines Publikums, obwohl nicht alles falsch, aber doch weniges richtig bzw. überzeugend gemacht wird. Anscheinend durch sein überschaubares Budget kommt dazu der nächste Schnitzer in der Lore des Films. Die Erklärung, dass Toulon das Geheimnis des Lebens während eines Aufenthalts in Ägypten erhalten hat, was in einer kleinen Rückblende im zweiten Teil zu sehen ist, wird zu Gunsten des günstiger reproduzierbaren Schauplatz Paris fallen gelassen. Es sind Diskrepanzen, an die man sich über die Zeit eben gewöhnt. Letztendlich ist's eben Band'sches Gesetz.


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Freitag, 8. März 2024

Curse of the Puppetmaster

Anscheinend hatte man nach dem missglückten Puppet Master V auch bei Full Moon selbst gemerkt, dass es mit der Reihe so nicht weitergehen kann. Man ließ vom jährlichen Produktionsrhythmus ab und vier Jahre gingen ins Land, bis Curse of the Puppetmaster veröffentlicht wurde, der mit dem, was bis dahin in der Reihe geschah, bricht. Es wehte der Hauch eines Neuanfangs durch die Reihe. André Toulon wurde (erstmal) in Rente geschickt und dem Publikum mit Dr. Magrew ein neuer über die Puppen bestimmender Meister präsentiert. Dieser betreibt ein Puppenkabinett und verfolgt in seiner abgeschiedenen Heimstatt, inspiriert durch die lebendigen Stars seiner Schau, nebenher und bisher unbemerkt, die Schaffung einer neuen Spezies. Behilflich soll ihm dabei der bisher als Tankwart arbeitende, schüchterne Robert sein, der ein großes Talent fürs Schnitzen mit sich bringt und für den alten Herren neue Puppen schaffen soll. Wie sehr ihn Magrew tatsächlich in seine Pläne einbeziehen möchte, merkt der junge Kerl, der eine Liebelei mit dessen frisch von der Uni heimgekehrten Tochter Jane anfängt, viel zu spät.

Hinter den Kulissen kehrte dafür der bereits beim dritten Teil die Strippen ziehende David DeCoteau auf den Regiestuhl zurück um die Neuausrichtung der Puppetmaster-Reihe umzusetzen. Einen harten Schnitt vollzog man im sechsten Teil bedingt. Mehr verschob man die Ausrichtung und so orientiert man sich in diesem Film noch mehr am klassischen Horrorfilm. Soll heißen, dass das Publikum langsam und bedächtig an die zunächst so unbekannten Charaktere herangeführt wird und man bemüht ist, ihnen und ihrer Geschichte Raum zu geben. Frei von Klischee ist das nicht und in einigen Sequenzen regiert das, was man heute so gerne mit cringe umschreibt. Das die Puppen trotz Präsenz auf dem Bildschirm in der Geschichte in den Hintergrund rücken, zeigt das Problem der Reihe, welches sie durch ihre bisherige erzählerische Haltung selbst mit aufgebaut hat. Die menschlichen Figuren sind egal, nur Mittel zum Zweck, Spielzeug für das Spielzeug, um diesem Gründe für seine Handlungen zu geben. Das nun Melodramatik, welche mit dem klassischer Horror verhaftet ist, ein Grundzug sein soll, ist löblich und keine schlechte Idee. Umgesetzt ist das nur öfter hölzern und ungelenk. Mehr Sorgfalt - auch im Bezug auf die Tricktechnik - hätte Curse of the Puppetmaster gutgetan. Richtig mies ist das - mit Blick auf den Vorgänger - nicht wirklich. Auf der Sollseite steht dem Film die gewollte Ernsthaftigkeit ganz gut. Zumal das Ende des Films so abrupt wie konsequent ist und auf Rührseligkeiten verzichtet. Das mag eine seltsame, aber nicht ungeeignete Entscheidung sein, die zu einer kruden, nicht uninteressanten Filmerfahrung führt.



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Mittwoch, 6. März 2024

Puppet Master V

Es ist Neunzehnvierundneunzich, Charles Band scheffelt mit Puppen Zaster und bräunt sich - vielleicht auch in der Südsee - allein durch den Erfolg der Puppetmaster-Serie sicher recht häufig in warmen Gefilden den Wanst. In besagtem Jahr erblickte nämlich der fünfte Teil der Puppen-Saga das Licht der Videotheken-Welt und zauberte den Fans nach erster Vorfreude auf ein neues Abenteuer mit Blade und Co. das freudige Lächeln schnell aus dem Gesicht. An den Vorgänger direkt anknüpfend, gibt es für das Publikum ein Wiedersehen mit Wissenschaftler Rick und Dämon Sutek. Ersterer befindet sich nach den Ereignissen im vierten Eintrag der Reihe in Polizeigewahrsam und wird für die ermittelnden Beamten durch seine wenig glaubhaften Aussagen zum Hauptverdächtigen, während letzterer keine Ruhe gibt und weiter dem Geheimnis um Toulons lebende Puppen nachjagt und mit Eyad einen neuen Dämonen in die menschliche Welt schickt, um dieses für ihn zu Beschaffen. Neu im Game dabei ist Ricks Arbeitgeber, der diesen unter Kaution aus der U-Haft holt und drei angeheuerte, finstere Gesellen ins Bodega Bay Inn entsendet, um nach den Puppen zu suchen. Dieses wird für alle drei Parteien erneut zum Point of Interest und Treffpunkt, in dem sich erwartungsgemäß auch der Showdown abspielt.

Ursprünglich sollte aus Teil vier und fünf ein Film zusammengeschnitten werden und vielleicht hätte man besser daran getan, diesen Plan so umzusetzen. Da man lieber an einen durch die Fanschar ausgelösten, warmen Geldregen dachte, separierte man das vorhandene Material und obwohl dadurch viel bekanntes in Puppet Master V zu finden ist, geht einem der Spaß an dem im Film gebotenen ziemlich schnell ab. Am zuvor noch so angenehmen höheren Erzähltempo fehlt es völlig. Beinahe wirkt es so, als hätten Burr und sein Team die vorhandene Energie komplett in das gesteckt, was zu Puppetmaster IV wurde. Diese gefühlte zusammengetackerte Ausschussware, die nun als Teil 5 bekannt ist, wirkt saft- und kraftlos. Es fehlt an neuen Impulsen, weitere Ideen; repetitiv schleicht die Geschichte in an sich knackigen, aber endlos lang anfühlenden 75 Minuten dem Ende entgegen. Selbst der Charme der Puppen mag da nichts dagegen ausrichten. Zusammen mit diesen schleichen auf der einen Seite Rick, die von dessen Arbeitgeber beauftragten Typen, die mit ihrer dusseligen Art Three Stooges-Feeling aufkommen lassen und Dämon Eyad durch die Hotelräume. Spannung ist Fehlanzeige. Dieses entzündete Feuer der Lethargie ist mit dem zu vergleichen, was Christian Keßler mal Krauchfilm nannte; nur das hier als Zuschauerin und Zuschauer mehr verzweifelt als vergnügt dem Ende entgegen kraucht.


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Montag, 4. März 2024

Puppetmaster IV

Was beim Durchackern der Puppetmaster-Reihe immer mal wieder negativ auffällt, ist die Inkohärenz innerhalb der Gesamtgeschichte. Erst 2003 hat man mit Puppet Master: The Legacy, einer Art Best-of-Zusammenschnitt mit Szenen aus den vorangegangenen Teilen, zusammengehalten von einer eilig heruntergekurbelten Rahmenstory, leidlich versucht, etwas Ordnung in diese zu bringen. Bestehende Logiklücken und falsche Jahresangaben konnten damit trotzdem nicht ausgemerzt werden. Den Grund hierfür merkt man schon beim vierten Teil. Im Vorfeld hat man sich über eine stimmige Lore einfach nie Gedanken gemacht und zu dieser fix noch etwas dazu gedichtet. Ungeachtet dessen, ob das zu den zuvor veröffentlichten Werken passen mag. Nachdem man die Puppen und André Toulon in Teil drei im Kampf gegen Nazis auf die Seite der Guten umziehen ließ, behielt man dies bei Teil Vier bei, aber springt wieder in die Gegenwart und kehrt ins Bodega Bay Inn zurück. Dort hat sich der junge Wissenschaftler Rick als Hausmeister eingenistet, um für eine Firma an der Schaffung künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Darin wird er von seinen zu Besuch kommenden Freunden unterbrochen, welche bei einem Streifzug durch das Hotel auf Toulons Schöpfungen stoßen. Beflügelt von der Entdeckung, will Rick hinter das Geheimnis der lebendigen Puppen kommen. Gleichzeitig trachtet der Dämon Sutek, dem Toulon augenscheinlich jenes Wissen entrissen hat, nach eben jenem und entsendet Kreaturen in die menschliche Welt, um es zurückzuholen. Wieder einmal wird die Herberge Schauplatz zu einem Kampf um Leben und Tod.

Unter der Fuchtel vom leider im letzten Jahr verstorbenen Jeff Burr entstanden, führen Charles Band und seine Kumpanen in Puppetmaster IV mit dem Dämonen Sutek und dessen lebendigen Totems Fantasy-Elemente ein, welche sich glücklicherweise nicht als Fremdkörper erweisen. Diese bringen eher eine Art Frische mit sich; Abwechslung in einem sonst eher mit traditionellen Versatzstücken des Genres arbeitenden Film. Die in der Reihe sich längst etablierte Gratwanderung zwischen klassischem, angestaubten Grusel und modernerem Horror glückt durch die zugegeben erhöhten Cheesiness und einem flotteren Tempo. Sympathisch naiv bleibt es weiter; Leerlauf kommt wenig und immer dann auf, wenn die Story sich mehr auf die Figuren aus Fleisch und Blut konzentriert. Das diese vergessenswert und austauschbar sind, offenbart sich hier und in den späteren Sequels zu offensichtlich. Die Stars sind und bleiben eindeutig die namensgebenden Puppen; was für die folgenden Fortsetzungen narrativ zu einem merklich schmerzlichen Problem wird. Wenn die Puppen zum Finale hin in Frankenstein-Manier einem kleinen Spielzeug-Kumpel Leben einhauchen, ist das schlicht einfach nett anzuschauen. Bei Puppetmaster IV ist die Full Moon-Welt noch weitgehend in Ordnung. Low Budget ist das natürlich weiterhin, sichtlich aber weit entfernt von dem Ultra-Billigheimer-Ansatz, den Band einige Jahre später verfolgen mochte. Es sollte aber auch gesagt sein, dass dieser Film der letzte der Reihe ist, bei dem sowas wie Spaß aufkommt, weil er eben noch genug Charme besitzt, um merkliche Schwächen in der Figurenzeichnung oder Narrative abzumildern.  

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Mittwoch, 21. Februar 2024

Puppetmaster 3

Getreu der Redensart, dass man das Eisen schmieden muss, solange es heiß ist, vergingen zwischen dem zweiten und dritten Teil der für Full Moon sehr ertragreichen Puppetmaster-Reihe gerade mal zwölf Monate. Mit Puppetmaster 3 erreichte diese ihren Höhepunkt und füllte den mythologischen Hohlkörper des Franchise endlich etwas aus; auch wenn man mit der Zeitlinie innerhalb der Lore schlampig umgeht und das, was man mit diesem Sequel erzählt, zeitlich nicht mit den im Prolog des ersten Teils gezeigten Begebenheiten zusammenpasst. In diesem nimmt sich Toulon auf seiner Flucht vor Nazi-Kollaborateuren im Jahr 1939 das Leben, während Teil drei in Berlin im Jahr 1941 spielt und einen äußerst lebendigen Puppenspieler präsentiert, der sich in seinen Aufführungen über Hitler lustig macht. Wenig erpicht davon, nimmt ein Nazi-Leutnant, welcher im Publikum einer Vorstellung Toulons sitzt, diesen genauer unter die Lupe und stößt auf das Geheimnis von dessen lebendig wirkenden Puppen. Als er seinem Vorgesetzten Major Kraus und dem Arzt Dr. Hess, die an einer Experimentreihe arbeiten, um tote Soldaten für den Einsatz an der Front wiederzubeleben, davon berichtet, veranlassen diese eine Durchsuchung von Toulons Räumlichkeiten. Dort kommt es zur Eskalation: Kraus erschießt Elsa, die Gattin des Puppenmachers, lässt diesen zur Befragung abführen und geht doch leer aus, da dem Künstler mit Hilfe seiner Puppen die Flucht gelingt und Rache an den Nazi-Schergen nimmt.

Zusammen mit seinem direkten Vorgänger war der dritte Puppetmaster-Film mein erster Berührungspunkt mit der Serie, als diese vor mehr als zwanzig Jahren, zu Beginn meiner erblühenden Horrorleidenschaft, im Privatfernsehen liefen und ich alles, was nur annähernd mit dem Genre zu tun hatte, auf Video aufnahm. Tatsächlich funktioniert dieser Part der Saga für mich insofern heute noch am Besten, da er sich des Prinzips bad things turning good bedient und es sich denkbar einfach macht und seinem Helden und dessen Helferlein fieses Nazi-Pack als Antagonisten gegenüberstellt. Wenn Tunneler, Leech Woman, Pinhead, Jester, Blade und der hier neu dazugekommene Cowboy Six-Shooter den braunen Mob massakrieren, ist es nicht nur wegen der eigenen politischen Einstellung eine Freude. Bei Full Moon hatte man sich Anno 1991 längst eingegroovt, das geringe Budget wurde erneut sehr gut kaschiert und Vielfilmer David DeCoteau - welcher diesmal auf dem Regiestuhl platz nahm - hatte einen guten Tag erwischt und setzte das aufgeräumte Skript zu einem kurzweiligen Gimmick-Horrorfilm um. Überraschungen darf man keine erwarten und irgendwie spürt man während des Films bereits, dass man hier bereits hätte Schluss machen können. Charles Band melkte die Kuh bekanntlich noch länger. Was Puppetmaster 3 angeht, so bleibt er bis heute so sehenswert, weil zum einen die Puppen in der Heldenrolle sehr gut funktionieren (immerhin sind sie in den Sequels ohnehin Dreh- und Angelpunkt) und zum anderen der Umstand, weil man sich immer so fühlt, als würde man einen gefilmten Comic-Strip erleben. Um es mit dem einer Aussage des von mir sehr geschätzten Patrick Lohmeier vom Bahnhofskino-Podcast auf den Punkt zu bringen: da war die Reihe eben noch cool.



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Freitag, 16. Februar 2024

Puppetmaster II

Erstes Sequel, ergo zweiter Teil des Franchise, Rückkehr ins Bodega Bay Inn. Da sich Puppetmaster zum Knüller an den Videotheken-Kassen entwickelte, schob der umtriebige Charles Band mit seinen Full Moon-Studios bereits ein Jahr später eine Fortsetzung nach. Hier gibt es dann auch mehr André Toulon, den dessen Schöpfungen zu Beginn des Films aus seinem Grab ausbuddeln und mittels der Flüssigkeit, welche auch die Puppen selbst lebendig macht, wieder zum Leben erwecken. Bevor der Puppenmacher die Szenerie betritt, macht das Publikum Bekanntschaft mit einem Team Parapsychologen, welche im Auftrag der Behörden die sich im ersten Teil zugetragenen, mysteriösen Vorkommnisse untersuchen sollen. Relativ schnell nach ihrer Ankunft müssen die Damen und Herren feststellen, dass in dem alten Gemäuer tatsächlich etwas nicht stimmt. Trauriger Höhepunkt ist hierbei der Tod Patricks, dem Bruders von Carolyn, Leiterin der Operation. Dessen Mörder, eine quicklebendig erscheinende Puppe, kann am Tatort noch gleich ausgeschaltet werden. Während die restliche Gruppe hinter das Geheimnis des Spielzeugs kommen möchte, taucht ein mumienhaft gewandeter, geheimnisvoller Herr auf, der sich als rechtmäßiger Besitzer des Hotels ausgibt und ein Auge auf Carolyn geworfen hat, die ihrerseits mit dem Sohne eines von ihr zu Rate gezogenen Mediums anbandelt. Natürlich handelt es sich bei dem wortwörtlich alten Knochen - wie das Publikum längst weiß - um Toulon, der das Bodega Bay Inn und die attraktive Parapsychologin gerne für sich allein hätte.

Während er im ersten Teil einzig für die Konstruktion und Animation der Puppen zuständig war, machte es sich David Allen für Puppetmaster II auch auf dem Regiestuhl gemütlich. Der Oscar-nominierte Effektspezialist verleiht dem Film im Vergleich mit dessen Vorgänger einigen Schwung. Das bedeutet beileibe nicht, dass man es mit einem von Anfang bis Ende aktionsreichen Horror zu tun hat. Zur Mitte hin mag die Story, bis das Finale eingeleitet wird, nicht richtig vom Fleck kommen. Das Sequel tut nur das, was ein Sequel eben so meistens tun muss: es bietet more of the same, was dem Gesamteindruck zu Gute kommt, weil das etwas mehr Schauwerte als im ersten Teil bedeutet. Natürlich darf David Allen auch häufiger die Puppen tanzen lassen, was er mit Bravour meistert. Diese sind eindeutig Herzstück des Films und der Reihe und es bereitet immer wieder Spaß, wenn diese auf der Bildfläche erscheinen. Zur bekannten Spielzeugriege gesellt sich hier der mit einem Flammenwerfer-Arm ausgestattete Torch dazu, welcher wortwörtlich für Zunder sorgt. Das Rad erfindet Puppetmaster II natürlich nicht neu und er bleibt der Linie seines Vorgängers treu, dass trotz einiger netter Gore-Effekte und ansprechender Atmosphäre sich alles etwas wie die Light-Version eines "richtigen" Horrorfilms anfühlt. Das man mit der Verkleidung Toulons und einigen netten Sets nebenbei versucht, sich an Klassikern des Horrorkinos anzulehnen, ist ein nettes Zubrot. Durch die mitschwingende Naivität gewinnt das Sequel ebenso schnell die Sympathien seines Publikums wie der erste Teil. Über die Jahre wurde es leider weniger, aber zu Beginn konnten Full Moon-Produktionen wie diese durch ihren ganz eigenen Charme punkten und damit ist Puppetmaster II ein recht angenehmer Fast Food-Horror.

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Donnerstag, 15. Februar 2024

Puppetmaster

Man kann Charles Band uneingeschränkt glauben schenken, wenn dieser davon erzählt, dass er von der Idee, wie unbewegliche Dinge plötzlich zum Leben erwachen, fasziniert ist. Bereits mit seinem zu Grabe getragenen Filmstudio Empire produzierte er Stuart Gordons Film Dolls (und ein paar Jahre davor bereits David Schmoellers Tourist Trap) in dem titelschenkendes Spielzeug quicklebendig durch das Haus seiner Schöpfer saust und unliebsame Besucher gewaltsam aus dem Leben befördert. Der 1989 entstandene Puppetmaster war für Band gleichzeitig Startschuss für dessen neu gegründetes Produktionsstudio Full Moon und für eines der langlebigsten und beliebtesten Franchise aus dem Hause. Zu Beginn des Erstlings wird das Publikum direkt mit André Toulon, dem Schöpfer von Blade, Tunneler, Leech Woman & Co., bekannt gemacht, wie dieser, sich auf der Flucht vor den Nazis befindend, in seinem Unterschlupf, dem Hotel Bodega Bay Inn, sich das Leben nimmt und das Geheimnis um seine lebendigen Puppen mit ins Grab nimmt. In der Gegenwart angekommen, folgen vier unterschiedlich übersinnlich Begabte ihrem Bekannten, dem Forscher Neil Gallagher, in eben jenes Hotel, in dem damals Toulon untergekommen ist. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass Gallagher tot ist und die Schöpfungen von Toulon immer noch quicklebendig sind.

Bevor sie über die Jahre die den Ton angebenden Stars der Reihe wurden, halten sich die Puppen im Erstling weitgehend im Hintergrund. Mit einer etwas zu lang geratenen Exposition, hier wäre durch die gediegene Narration des Films etwas mehr Schwung löblich gewesen, nimmt sich Puppetmaster viel Zeit um uns seine menschlichen Figuren näher zu bringen. Schon hier kann man den Comic Book-Charakter späterer Produktionen ausmachen. Nur mögen die hierdurch überzeichneten Charaktere manchmal nicht in das versucht sorgfältig aufgebaute Stimmungs-Setting passen. Dazu gesellen sich zotige Momente sexueller Natur, welche nochmal zusätzlich mit der vorherrschenden Atmosphäre brechen. Seien wir ehrlich: beim Anblick der selbst heute noch charmant getricksten Puppen ist das schnell verziehen. Deren Charme wurde zwar erst in späteren Teilen so vollends ausgespielt, doch bereits in Puppetmaster können sie dessen Schwächen kaschieren. Der Film bleibt zwar manchmal irritierend harmlos, ist mit seiner zahmen Charakteristik letztendlich aber auch ein Grundstein für das, was man zwar nicht von allen, aber vielen Full Moon-Produktionen kennt. Leicht verdaulich, etwas quatschig, aber meist immer recht sympathisch. In Verbindung mit dem zwar überpräsenten, aber tollen Score von Richard Band und der ansehnlichen Kameraarbeit von Fulci-Stammkameramann Sergio Salvati ist Puppetmaster noch heute weitgehend funktionierender Gute Laune-Horror


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