24. Juni 2018

Prom Night (2008)

Die letzten Wochen über habe ich mich durch die vier Originalteile der Prom Night-Reihe gekämpft, die, wie ich feststellen musste, mehr Schatten als Licht bietet. Mehr als Mittelmaß (Teil 1 und 2) oder annehmbarer Überdurchschnittshorror (Teil 3) war nicht drin, der vierte und abschließende Teil ist sogar ein Totalausfall. Als Im ersten Jahrzehnt der 2000er reihenweise Slasherklassiker oder das, was man in Hollywood dafür hielt, für die junge, hippe Zielgruppe erneuert wurden, zerrte man auch Paul Lynchs Werk von 1980 aus der Mottenkiste um es dem Zeitgeist der damals gegenwärtigen Jugend anzupassen. Das macht das Remake zu Prom Night zu einem überaus oberflächlichen Film, der einen schönen Sein, auch durch den Protz, der in der Abschlussnacht in der er spielt zelebriert wird, wahren will, dessen Leere durch die dünne Haut des trügerischen Glanzes schimmert. Das verleiht dem Film beinahe einen Symbolstatus für die Upper Class-Jugend, die sorglosen, die hübschen, die aus der heilen Welt, von der das sozial durchgemischte Publikum träumen soll.

Das auch dahinter Abgründe klaffen können, soll die "unerreichbaren" greif- und spürbarer machen. In bester Genretradition erzählt das Build Up des Films vom schweren Schicksal seiner Protagonisten Donna, welche nach einem Kinoabend mit einer Freundin zuhause angekommen, dem blanken Schrecken gegenüber steht. Ein von dem Mädchen fanatisch besessener Lehrer dringt im finalen Akt seiner Obsession im elterlichen Haus ein, lauert ihr auf und lässt sie von ihrem Versteck vor dem Eindringling den Mord an ihrer Mutter beobachten. Die Polizei kann den Täter stellen, der Film macht einen Zeitsprung und präsentiert uns die ältere Donna vorm Ende ihrer Jugend. Die Highschool-Zeit neigt sich dem Ende, die Prom Night, der Abschlussball steht vor der Tür. Mit ihrem Freund Bobby und zwei befreundeten Pärchen jetten die Jugendlichen am Abend der Abende in feinem Zwirn, mit dicker Limousine zu einem Luxushotel, in dem die Feier unter dem Motto "Hollywood" (stilecht mit Absperrung und rotem Teppich vor dem Eingang) steigt.

Bezüge zum Original zieht Nelson McCormicks Remake durch einen ausgebrochenen Straftäter. War es 1980 der vermeintliche Mörder der Filmschwester von Jamie Lee Curtis, ist es hier Donnas ehemaliger Lehrer, immer noch von ihr besessen, der sie problemlos in ihrem neuen Wohnort aufspürt und bis zu besagtem Luxushotel verfolgt. Dort wird der Abschlussball für Donna und ihre Freunde zu einer blutigen Angelegenheit, während der damals an der Ergreifung der verrückt gewordenen Lehrkraft beteiligte und vom Ausbruch informierte Detective Winn versucht, Donna vor dem schlimmsten zu bewahren. Schaffte es das Original, durch die vagen Andeutungen auf den ausgebrochenen Mörder, der in der Erzählung wie ein unsichtbares Phantom präsent war, genau so gut aber ein anderer Filmcharakter der Mörder sein konnte, ein steifes Whodunnit zu sein, scheitert das Original an seiner hochgesteckten Absicht. Stalking drängte durch die mittlerweile etablierten und nicht mehr so neuen Medien als noch neue Verbrechensart in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und wahnhafte, eingebildete Liebe konfrontierte die Jugend mit neuen Problemen und Sorgen. Autor J. S. Cardone schustert aus diesem Motiv einen unfunktionellen Horrorthriller zusammen, bei dem Spannung ein Fremdwort ist.

Die von Beginn an bekannte Identität des Mörders nimmt ihm in Windeseile Anflüge von (spannenden) Whodunnit-Elementen; leider wirkt der obsessive Stalker mehr angestrengt als bedrohlich, wenn man sich fernab von einigen Logiklöchern näher mit diesem befasst. Dieser spaziert gemächlich durch einen flachen, klischeegepflasterten Plot, der Prom Night zwischen den Stühlen hängen lässt. Die angepeilte Zielgruppe lässt sich bedingt durch die hübschen Kerle und Mädels, ihren chicen Kleidern und den Schimmer der nachgebauten Hollywood-Welt abholen, der in seiner Kinoversion mit einem PG-13-Rating auskommende Film (es existiert allerdings auch eine Unrated Version) kann mit seinen blutleeren Versuchen, Spannung oder Schrecken zu erzeugen, weder die Kids noch erfahrene Horrorfans locken. Das lässt den Eindruck entstehen, dass es sich bei Prom Night um eine zu lange Folge irgendeiner abendlichen Dauerschleifenkrimiserie auf irgendeinem Privaten handelt. Der manchmal unangenehm klinisch wirkende Hochglanzlook des Films verstärkt diesen Eindruck. Nennenswerte Szenen bleiben nicht hängen, außer der gewonnene Eindruck, dass der ermittelnde Polizist im Remake noch planloser (oder blöder) als der im Original ist und in dieser Rolle Idris Elba gnadenlos verheizt wird.

Das Konzept, irgendwelche gutaussehenden jungen Darsteller einen Film nachstellen zu lassen, den die Eltern damals feierten, ging damals selten auf. Weder bei Marcus Nispels Absaufen im Crystal Lake in seiner modernen Mär um Jason Vorhees, noch bei mit guten Ansätzen aufwartenden Halloween-Remake von Rob Zombie oder vom totlangweiligen und vorhersehbaren, krampfhaft mit 3D aufgepeppten Neuaufguss von My Bloody Valentine. Wenn Prom Night etwas schafft, dann sich in diese Aufzählung miteinzureihen. Das Remake lässt selbst die mäßigen ersten Teile wie Wunderwerke der Horrorfilmkunst erstrahlen, während dieses selbst das Prädikat "vergessenswert" verliehen bekommt. Auch wenn man hier, ganz nach der neuen, schnelllebigen Lebensart, schneller zum Punkt kommt und sich wenig mit dem Vorgeplänkel zur Prom aufhält. Diese selbst ist wie der Film eine aufgesetzte, lahme Nummer bei der man im Vergleich mit dem Original merkt, dass dieses bei allen faden Momenten mehr Charme besitzt als die Neuauflage. Das Schlitzerei mit Schulabschlussthematik besser funktioniert, zeigt ausgerechnet ein europäischer Film: Andreas Prochaskas In 3 Tagen bist du tot geht zwar schnell einen ganz anderen Weg, die dort ihre Matura feiernden Teens sind mir weitaus lieber, als dieses Stück Zeitverschwendung.