4. Oktober 2017

Horrorctober 2017: Anthony (3/13)

Premiere bei Allesglotzer: da ich in meine Horrorctober-Liste absichtlich einige Filme einbaute, um diese nach längerer Zeit wieder mal zu schauen, wird nun ein weiteres Review zum bereits besprochenen Anthony in die Tasten geklimpert. Laut Datum der damaligen Besprechung sind vier Jahre ins Land gezogen, seitdem ich diesen kleinen B-Horror-Streifen das letzte Mal sah. Bis auf einige Punkte kann ich den alten Text bejahend abnicken. Denn der ebenfalls unter seinem Originaltitel The Kindred bekannte Horrorfilm ist ein netter, kleiner Horrorstreifen, der es teilweise verschläft, wirklich mal zu gruseln. Die Regisseure Stephen Carpenter und Jeffrey Obrow sind sehr bemüht, ihrem gemeinsamen Kind eine hübsche Ausstrahlung bzw. Atmosphäre zu schenken, lassen dabei elementäre Dinge wie einen gut funktionierenden Spannungsaufbau außen vor.

Apropos Kind: so bezeichnet Amanda, die Mutter des Wissenschaftlers John Hollins, von ihrem Krankenbett aus den titelgebenden Anthony. Er solle die Protokolle über die durchgeführten Experimente vernichten, weil sie es versäumt habe. Die aufgeregte, ältere Dame antwortet John auf seine Frage wer denn Anthony überhaupt ist, dass er sein Bruder ist. Weder John, noch Philipp Loyd, der frühere Forschungspartner seiner Mutter, wissen etwas davon. Mit seinem Stammteam, der dazu gestoßenen und geheimnisvollen Melissa, für die Amanda ein Vorbild war und seiner Freundin Sharon macht er sich zum Haus seiner Mutter auf um die Dinge aufzuklären. Die Entdeckung der Gruppe fällt dabei schrecklicher aus, als diese zuerst annimmt.

Nach der ersten Sichtung ist meine Vorliebe für eben solche kleinen B-Filme aus der zweiten Reihe weiterhin ungebrochen, die ab und zu sehr lieb gemeinten Worte aus der ersten Besprechung können nur bedingt wiederholt werden. Die Stärken von Anthony liegen im sorgfältigen Aufbau der Geschichte, der gleichzeitig auch schwerfällig ist. Geduld muss man mitbringen, lassen sich Carpenter, Obrow und ihre Mitautoren Zeit, John und seine Kollegen die chaotische Lage im Haus Amandas zu klären. Als wäre man sich des schleppenden Aufbaus bewusst, baut man zu Beginn eine Szene mit dem dubiosen Dr. Loyd ein, die atmosphärisch hübsch ist, dessen bösen Charakter festigt, aber nicht zwingend für die Geschichte notwendig ist. Auch der erste Mord an einem Teammitglied ist sichtbar nur deswegen im Film, um mehr Tentakel, Schleim und Monstrositäten zu bieten. Dabei scheint die arme Dame, welche während einer Autofahrt traurige Bekanntschaft mit Anthony schließen muss, so unwichtig zu sein, dass auch ihren Teamkollegen ihr dauerhaftes Verschwinden nicht auffällt.

Dazwischen gerät das Drehbuch in einen uninspirierten Leerlauf, der kurz bevor sich die Geschichte völlig in Nichtigkeiten auflöst, immer wieder mit kleinen Effektszenen bei der Stange hält. Seine sicher auch dem limitierten Budget zuzuschreibenden Aussparungen und Steigerungen der Monsteraction, die an jenen Punkten auftritt, ist dem Freund matschiger Effekteskapaden aus den 80ern eine Freude: trotz aller Einfachheit, können einige Tricks die volle Punktzahl landen, gerade die ausufernde Melting Action zum Ende ist wirklich gut gemacht. Das langsame hinarbeiten auf den großen, finalen Knaller mag sicher auch eine Remineszenz an einige Monsterfilm-Vorbilder der 50er sein, kann Anthony aber nicht davor bewahren, dass er trotz einiger netter Einfälle erzählerisch wie insgesamt ordentlicher Durchschnitt ist. Eben Video-Massenware, die in den Erinnerungen schnell wieder verblasst. An vieles konnte ich mich nicht mehr erinnern, als gestern die zweite Sichtung des Films anstand. Die Wiederentdeckung war nett, aber bei weitem nicht so spannend, wie bei der Erstsichtung empunden. Die fehlt dann doch und auch die "I ♥ 80s B-MOVIES"-Fanbrille reicht nicht aus, Anthony, diesen mäßigen, die gängigen Erzählstrukturen klassischer Monsterhorror-Filme abarbeitenden Film dem es spürbar an Elan fehlt, mehr als nur okay bzw. durchschnittlich zu finden. Da gibt es eben viel, viel mehr B-Ware auf dem Horrorwühltisch der 80er, der einfach schmissiger ist.