Freitag, 5. März 2021

Guns Akimbo

Mit Beginn der 2000er zog das Internet immer weiter in mein und das Leben vieler anderer Menschen ein. Das verlockende Neuland wurde von mir ausführlich und wissbegierig erforscht und auf den langen Exkursionen im World Wide Web bemerkte ich, dass wo viel Licht, auch viel Schatten ist. Die dunkle Seite des Internets mit schnell berühmt-berüchtigten Seiten wie rotten.com oder der später (nicht nur) für deutsche User gesperrten Seite ogrish.com war schnell im Freundes- und Bekanntenkreis gewisses Gesprächsthema. Da ich von solchen Seiten wie von zugegeben häufig mit Fake-Material gefüllten Mondo-Filmen der Marke Gesichter des Todes und Co. nicht viel hielt und halte, genügten mir die Erzählungen darüber, die ich aufschnappte. Beide Webseiten gingen ihren Weg ins Datennirvana, doch das Internet verhält sich in manchen Dingen wie eine Hydra. Wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen dafür drei nach. 

Heißester "Darknet"-Scheiß in der Welt von Guns Akimbo ist Skizm, ein Death Match zweier Kontrahenten, welche sich auf brutalste Weise bis zum Tod jagen und bekriegen und von einer schnell wachsenden Nutzerschaft verfolgt wird. Aus Langeweile beschließt der frisch von seiner Ex-Freundin Nova verlassene Handy-Game-Entwickler Miles eines Abends die User und Macher im Chat der Webseite zu trollen und zu beleidigen. Letztere stehen anhand seiner ausgelesenen IP-Adresse alsbald vor Miles Tür, nageln ihm zwei automatische Feuerwaffen an jede Hand und küren ihn zum neuesten Gegner der aktuellen Championesse Nix. Zunächst darauf bedacht, sich ohne Kampf aus der Affäre zu ziehen und lieber die Hilfe seiner Verflossenen zu suchen, muss Miles sich widerwillig dem Skizm-Erfinder Riktor beugen, als dieser als Druckmittel Nova entführt. Um diese zu retten, stellt er sich dem Kampf gegen Nix und wird mit seiner unbeholfenen Art bei den Besuchern der Seite ein wahrer Publikumsliebling. 

Dies überträgt Guns Akimbo auf den Zuschauer, der für den von Daniel Radcliffe in einer hinreißenden Performance dargestellten, Durchschnitts-Losertypen Miles schnell derartig starke Sympathie entwickelt, dass manche vorhersehbare Entwicklung der vom Film erzählten Geschichte billigend in Kauf genommen wird. Jason Lei Howdens Werk ist so manipulativ, wie das, was er zwischen seinen abertausenden optischen Gimmicks und den breit aufgestellten Over The Edge-Actionszenen aufzeigen will. Die Lust auf Sensationen, das Interesse an der dunklen Seite unseres Daseins, wie Mord und Totschlag, welches man seit Existenz bzw. Ausbreitung des Internets mit wenigen Klicks aufrufen kann, weckt Guns Akimbo einerseits mit cleverem Timing. Die ruhigen Minuten bis zum nächsten Setpiece lassen dem Zuschauer genügend Zeit zum Verschnaufen, bindet ihn mehr an den Protagonisten, um mit diesem das nächste Level zu bestehen. Die Konzeptionierung des Scripts erinnert hier an den Aufbau eines Videospiels. 

Andererseits wird der Zuschauer auf die Ebene eines Zuschauers von Skizm gestellt, welche sich mit Miles durch seine zuerst langweilig erscheinende Durchschnittlichkeit immer mehr mit ihm Identifizieren können, wenn sich dieser immer mehr in die Rolle, in die er von Riktor gezwängt wird, einfindet. Der Everymen's and -women's Action Hero ist ein Mann aus der Mitte, bringt das greifbare Leben in die dröhnende Welt des Death Matchs und führt zu Szenen, in denen Guns Akimbo die Heuchelei, Manipulation und das Getrolle innerhalb von Social Media in überdrehter Manier durch den Kakao zieht. Komplett nimmt man das erst wahr, wenn die Credits über die Mattscheibe rollen. Zunächst walzt er mit seiner durchgestylten, ideenreichen und fantastisch fotografierten Action mit Übercoolness-Faktor alles platt, was sich nicht schnell genug vor diesem vollgestopften Film retten kann.

Verständlich, wenn das für manche Semester so gleich und oberflächlich erscheint, wie ähnlich gelagerte Actioner vergangener Jahre. Eine gewisse Affinität für von Ideen und Anspielungen vollgestopfte Filme, die gleichzeitig einer Epoche oder einem Genre ihre Ehre ihre Ehre erweisen - hier das Actionkino der letzten 40 Jahre - muss man schon mitbringen. Guns Akimbo ist der Crank für die Generation Fortnite, ohne den Film mit diesem Vergleich durch den schlechten Ruf des Spiels bzw. seiner Community abwerten zu wollen. Ein rasend schnelle Film-Erlebnis mit gut eingesetztem Humor, starker Performance von Ratcliffe und Samara Weaving als Nix und mitreißender Style over Substance-Action. Das überzeugt selbst solche mittelalte Knochen wie mich, die immer weniger Lust auf vollgestopfte Filme im Dauerfeuermodus, welche die Brücke zwischen zwei Medien wie Games und Film schlagen wollen, haben und vergleichbares wie Hardcore Henry (hier besprochen) zwar gut, aber auch anstrengend fanden.


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Dienstag, 23. Februar 2021

Creature - Die dunkle Macht der Finsternis

In meiner jugendlichen Hardcore-Horror-Phase stieß ich bereits früh durch einschlägige Literatur auf William Malones Alien-Rip Off Creature, in dem laut Beschreibung Klaus Kinski ein zugegeben kurzes Stelldichein geben soll. Davon fasziniert, so einen großen Namen in einer so "schundigen" Produktion zu finden - noch unwissend darüber, dass der Mime im Laufe seiner Karriere häufig seine Nase in kleinen B-Produktionen für wenige Minuten vor die Kamera hielt, damit man den Film mit seinem klangvollen Namen bewerben konnte - fing ich an, mich für den Film zu interessieren. Dazu kam und kommt, dass ich Rip Offs von Ridley Scotts Science-Fiction-Horror-Meisterwerk ohnehin gerne sehe. Einzig der Umstand, dass der Film in hiesigen Gefilden bisher nur gekürzt erhältlich war, ließ mich den Film bis vor kurzen meiden. 

Richtig verpasst habe ich - das war die erste Erkenntnis nach dem Schließen dieser kleinen Lücke - nicht viel. William Malones größte Vorbilder, neben Alien ist das noch Das Ding aus einer anderen Weltsind eindeutig zu erkennen. Neues kann er dem schon damals stagnierenden Genre nichts hinzufügen, obwohl einige der Ideen, die in die Geschichte eingebaut wurden, allein genommen recht interessant sind. Das fängt bei den beiden großen, um die Vorherrschaft in der Raumfahrt konkurrierenden Konzernen - einer in den UA, der andere in West-Deutschland beheimatet - an und hört bei den zur titelgebenden Kreatur gehörenden Parasiten auf, welche die Kontrolle über ihren Wirt erlangen können, welcher dadurch vom vielzahnigen Gummi-Alien durch die engen Gänge der Raumstationen gesteuert wird. Alles spielt sich auf dem Titan - größter Mond des Saturns - ab, auf dem zwei Mitarbeiter des amerikanischen Konzerns in einer archäologischen Ausgrabungsstätte eine uralte Lebensform mit großem Blutdurst befreien.

Nach diesem und einem weiteren unschönen, damit zusammenhängenden Zwischenfall wird eine zweite Expedition zum Titan geschickt, um nach dem rechten zu sehen. Das frei nach Murphys Gesetz alles, was nur schief gehen kann, auch wirklich schief geht, steht außer Frage: die Deutschen (in Gestalt von Kinski als Hans Rudi Hofner) sind schon längst da, das Raumschiff wird bei der unsauberen Landung in Mitleidenschaft gezogen und das Alien ist noch lange nicht von dem kleinen Erst-Expeditions-Snack satt. Gekleidet ist das in düsteren Bildern und dichter Atmosphäre, die zusammen mit den Außen-Settings dezent an Bavas Planet der Vampire erinnern. Die Exposition der Geschichte wird in auffallend lange Gewänder gekleidet; das gedrosselte Erzähltempo und die wenigen actionreichen Momente lassen Creature zwischen irrelevantem Füllmaterial und wirklich interessanten Szenen mit Gewichtung auf ersteres, schwanken. Da man sich in der Figurenzeichnung lieber auf Stereotype oder Überzeichnungen - die schweigsame Sicherheits-Offizierin mit gewissem Waffen-Fimmel stellt hier ein einsames Highlight dar - ausruht und altbekanntes mit (liebenswertem) Quatsch kombiniert, kann Creature auf diesem Feld keine Gefangenen machen.

Würde man nicht Klaus Kinski auspacken, der einen überheblichen, vulgären und übergriffigen Großkotz (sich selbst?) spielt und in den ca. fünfzehn Minuten in denen er zu sehen ist, alles und jeden an die Wand spielt. Der Film nimmt sich in gewisser Hinsicht zu ernst; mit Kinskis Auftritt wird die Ernsthaftigkeit von campy Schlock durchbrochen, der den allgemeinen Spaß-Faktor um einiges steigert. Verbunden mit den sichtlich günstig produzierten, knalligen Splatter-Effekten mausert sich der Film zu einem unrunden, irgendwie doch interessanten Space-Horrorfilm, der mit Malones laisset faire-Regie planlos um die Eckpfeiler der Story umherschwebt. Sympathiepunkte erhält er durch sein ansprechendes Äußeres und den kleinen Obskuritäten, die im um Seriosität ringenden Film immer wieder auftauchen. Das schenkt dem Film gewissen Charakter, der ihm beim mühevollen Nachstreben seiner Vorbilder fehlt; ohne dies wäre Creature der x-te Alien-Klon, der er natürlich schon ist, aber damit zumindest etwas eigenes Profil bekommt. Zumindest mich konnte das bis zu einem gewissen Punkt schon gut unterhalten und meine Lust auf Weltenall-Horror-Epen mit bösartigen, außerirdischen Lebensformen am Leben erhalten.















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Freitag, 29. Januar 2021

Stripped To Kill

Es liegt alleine durch den Begriff schon auf der Hand: die Actricen in Werken des (S)Exploitation-Films geizen meistens nicht gerade mit nackter Haut und selbstverständlich lassen die Autoren in ihren Drehbüchern keine Gelegenheit aus, um blanke Busen und Hinterteile vor die Kamera zu rücken. Was Stripped To Kill allerdings in diesem Punkt abbrennt, stellte sogar mich, der schon seit einigen Jährchen durch die "Niederungen" des Unterhaltungsfilms wandert, auf die Geduldsprobe. Das man bei einer Story, die sich um Polizistin Cody dreht, welche nach dem Mord an einer Stripperin beginnt, undercover in dem Milieu zu ermitteln, nicht nur ein oder zwei Strip-Nummern präsentiert, dürfte auch Lieschen Müller einleuchten. Hier geben sich allein in der ersten Hälfte die Blankzieh-Einlagen häufig die Klinke in die Hand und nach dem dritten Tanz ruckelt man auch als stockheterosexueller cis-Kerl ungeduldig auf seinem Sessel hin und her.

Besänftigt wird die strapazierte Geduld bedingt. Zwischen all' der nackten Haut arbeiten sich Regisseurin Katt Shea und ihr Ehemann Andy Ruben, mit dem sie zusammen das Drehbuch verfasste, an zeitgenössischen Kino-Trends ab und kreieren einen neondurchfluteten Erotik-Thriller mit zwei ungleichen Cop-Partnern als Protagonisten. Wird Cody noch als glaubhaft sensibel und unsicher dargestellt, ist ihr Partner Heineman ein Over The Top-Cop und wandelndes Klischee, das ständig in Rockerkluft rumläuft, seine Kollegin mit seinem unlustigen Humor und dem immer gleichen "Witz" malträtiert und aufgesetzt cool ist. Das Geplänkel zwischen den beiden und der durchaus interessante und glaubhaft ungeschönte Blick hinter die glanzlosen Kulissen des Strip-Geschäfts, selbst wenn dies Mithilfe von Exploitation-Film-Mechanismen geschieht, drängt den grundlegenden Thriller-Anteil des Films stark in den Hintergrund.

In dieser Funktion versagt Stripped To Kill leider ziemlich. Der von Cody gejagte Mörder gibt selten ein Stelldichein und wenn, wird in diesen Szenen spannungsloses Thriller-Einerlei geboten, dessen lasche Inszenierung den Zuschauer durchgehend kalt lässt. Ist das lästige drumherum abgehakt, kehrt man lieber zur nächsten Tittenschau zurück um sich damit über die Zeit zu retten. Selbst wenn Oliver Nöding - mit dem ich häufiger einer Meinung bin - einige positive Worte über den Film verloren hat, kann ich diesen in diesem Fall nicht so recht zustimmen. Die von ihm attestierte weibliche Sichtweise auf die Welt des Animiergewerbes ist Ansatzweise im Miteinander unter den Tänzerinnen Backstage zu spüren, bevor der Film doch wieder lieber die fleischlichen Gelüste des männlichen Publikums befriedigen möchte und noch eine Nackttanz-Nummer präsentiert. Eher ist Stripped To Kill eine Art sanftmütige Exploitation, der viel nackte Haut für das männliche Zielpublikum bieten möchte und deren misogynen Untertöne subtrahiert. Zumindest mir kommt das mehr als Alibi vor, um mit dem weiblichen Blick auf die Thematik des Films den Herrschaften des Publikums genügend Triebanheizer zu bieten. Das ist im Endeffekt genauso käsig wie vieles andere an diesem Film, der wenig interessante Blickwinkel, geschweige denn Szenen bietet.

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Freitag, 22. Januar 2021

Todestrauma

In der Motivation seiner Antagonisten ist der Slasher eine Reduktion dessen, was der Giallo, bekanntlich Vorläufer des Subgenres, meist breit ausgeschmückt und teils mit absurd anmutender Intention dem Publikum präsentierte. Ansatzweise bestimmen hier ebenfalls Motive wie persönliche Rache, sexuelle Traumata und Abnormitäten, psychologische Fehlentwicklungen oder gleich der pure Wahnsinn das Handeln der zum filmischen Boogeyman gewandelten, Mensch gewordenen Monster. In Todestrauma - mehr noch unter seinem Originaltitel The Dorm That Dripped Blood bekannt - stochert man als Zuschauer lange im Nebel, wenn man nach einem Grund für das Treiben des Mörders Ausschau hält. Der frühe Slasher hat zwar schon sorgfältig die Rezeptur für ein zünftiges Schlitzer-Treiben auf der Mattscheibe verinnerlicht, nur ein ansatzweise interessantes Setting und blutige Mordszenen allein machen noch lange keinen guten Slasher.

Während nun in den Weihnachtsferien Studentin Joanne mit ein paar freiwilligen Helfern ein Studentenwohnheim für den angedachten Abriss vorbereitet und ausräumt, geht in dem leeren Gemäuer ein natürlich zunächst unbekannter Mörder umher. Einem Schatten gleich bewegt sich dieser fast vollkommen unbemerkt durch die dunklen Treppenhäuser, Gänge und leeren Räume, um im Kinderabzählreim-Prinzip die studentische Truppe zu dezimieren. Ein auf dem Uni-Gelände verbliebener Sonderling wird zunächst dem Zuschauer, im weiteren Verlauf der Handlung den übrigen Hauptfiguren als Ursprung allen Übels schmackhaft gemacht. Nach obligatorischem Prolog-Mord, dessen Sinn mit jeder fortlaufenden Minute des Films mehr flöten geht, baut Todestrauma wie so mancher frühe Slasher seine Handlung mit bedächtigem Tempo auf. 

Bevor das Interesse des Publikums zu stark Richtung Nullpunkt kullert, schiebt man parallel dazu in das Script einige garstige Morde mit ein. Nur verpasste man es bedauerlicherweise, diesen einen Hintergrund zu schenken, damit überhaupt zuordenbar ist, wieso die betreffende Figur den Filmtod sterben musste. Somit erscheint der Prolog von Todestrauma doppelt verschenkt; andere Werke nutzen diesen meist zumindest Ansatzweise, um dem Killer ein Profil und einen Grund für sein Handeln zurecht zu legen. So verloren wie die Charaktere durch das Abrissgebäude stolpert man durch den Film, wie Obrow und Carpenter durch ihre eigene Story. Verloren in der eigenen dunklen Leere schleppt sich diese durch Genre-Muster, die bar jeder Spannung dem Zuschauer vor die Füße geworfen wird.

Das große Aber kommt mit der Enthüllung des Mörders und dem damit eingeleiteten Finale. Große Innovationen bleiben aus, doch schwenkt die Tonalität des Films derart, dass man den Verdacht nicht loswird, dass Obrow und Carpenter dieses Kapitel ihres Slashers zuerst in den Sinn gekommen ist und sie eher kläglich versucht haben, daraus einen kompletten Film zu machen. Während alles davor weitgehend Slasher-Dutzendware ist, bietet Todestrauma im letzten Viertel ein spannendes Katz-und-Maus-Duell, dessen kaltschnäuziges Auftreten im krassen Kontrast zum bisherigen Film steht. Vorhersehbar bleibt die Handlung wie zuvor auch im Finale; (positiv) überraschend ist dabei, wie konsequent und ernst man dies bis zum niederschmetternden Schluss beibehält. Gesamt betrachtet macht das aus ihm leider keinen richtig guten Horrorfilm. Die schal inszenierte, mit sinnlos erscheinenden Kills garnierte Story bietet leider so wenig Interessantes, als das der gute Rest dies retten könnte. Die dort vollzogene Wandlung schenkt dem Früh-Slasher zumindest einen kleinen Obskuritäten-Status, bei dem man bedauert, dass der dort beschrittene Weg nicht viel früher begangen wurde. Das hätte aus Todestrauma mehr als nur zu einer Randnote des Subgenres gemacht.
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Samstag, 19. Dezember 2020

Leprechaun - Tödliches Spiel in Vegas

Mit kleinen, aber steten Schritten ziehe ich es zu meiner eigenen Überraschung durch und wate durch das gesamte Leprechaun-Franchise. Anders als bei den beiden Vorgängern war die erneute Begegnung mit Teil 3 von geringer Skepsis und wenig gering gehaltener Erwartung geprägt. Tödliches Spiel in Vegas blieb mir als bester Teil der ursprünglichen Trilogie in Erinnerung und doch leicht überraschend bestätigte er dies erneut. Der wieder in die Rolle des bösartigen und nach Gold gierenden Gnoms geschlüpfte Warwick Davis wuselt im zweiten Sequel wieder mit sichtlicher Spielfreude durch das Spielerparadies Las Vegas und hält die Belegschaft eines Hotels mit angeschlossenem Casino auf Trab, welche alle auf ein Goldstück aus dem Pott des irischen Zwergs scharf sind, das der eigentlich nur auf der Durchreise befindliche Scott beim toten Besitzer eines Pfandhauses findet. Nichtsahnend, was bzw. wer diesen auf dem gewissen hat, nimmt der sein Studiengeld verzockende Pleitegeier die Münze an sich und hat durch deren magischen Kräfte eine kräftige Glückssträhne, die dem Personal nicht verborgen bleibt.

Es folgt die unausweichliche Begegnung mit dem fiesen Besitzer des Golds, der dieses mit seiner gewohnt schroffen Art und manch' garstigem Limerick auf den Lippen zurück fordert. Zusammen mit Tammy, der Assistentin des eingebildeten, im Hotel seine Shows aufführenden Magiers Fazio versucht Scott dem aggressiven Gnom Herr zu werden, während dieser jeden, der sich das fehlende Stück aus seinem Goldpott unter den Nagel reißt, kreativ ins Jenseits schickt. Erschwert wird das Unterfangen von den körperlichen Veränderungen die Scott durchläuft, nachdem er vom Leprechaun gebissen wurde. Mehr als in den vorangegangenen Filmen fokussiert sich der dritte Leprechaun-Aufguss auf den komödiantischen Aspekt seiner Geschichte. Mit dem Unterschied, dass es hier zumindest die meiste Zeit über funktioniert. Zwar bedient sich Tödliches Spiel in Vegas gängiger Muster des Genres, unter den Fittichen von Brian Trenchard-Smith funktioniert die Verschmelzung der Comedy- und Horror-Elemente weitaus besser als in den Vorgängern.

Ein Jahr zuvor machte der britische Regisseur schon aus dem Sequel des ganz netten Night of the Demons eine kurzweilige Fun Splatter-Sause und dank eines Drehbuchs, das endlich einen konstanteren Weg verfolgt, schafft Trenchard-Smith das mit Abstrichen auch beim dritten Leprechaun-Teil. Während Leprechaun Returns (hier besprochen) noch konsequenter und geradliniger auf gorigen Spaß setzt und bis zur Mitte Komödie und Horror ein ausgeglichenes Verhältnis besitzen, verliert sich die Goldhatz durch Vegas in manch eingestreuten Albernheiten. Das drückt das durchgehend hohe Tempo nach unten und Trenchard-Smith bemüht sich im Schalten und Walten hinter der Kamera, die Zügel anzuziehen. Wenn die gewählte Formel dann mal aufgeht, ist der Film und seine überzogene Darstellung der Klischees des "Entertainment Capital of the World" und der darin lebenden Menschen ein amüsanter Spaß, der von einigen saftigen Effekten aus der Schmiede von Gabe Bartalos abgerundet wird. Tödliches Spiel in Vegas fühlt sich zwar wie seine beiden Vorgänger nach wie vor nach kalkuliertem Kassenauffüller an, doch zumindest ist sein beschrittener Weg nicht so schlingernd und besitzt eine gefestigtere Attitüde, die für netten Spaß sorgt.

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Donnerstag, 17. Dezember 2020

Die Bande des Captain Clegg

Packt man gleich zu Beginn der Worte, die ich über die Produktion der altehrwürdigen Hammer Studios verlieren möchte, die Negativ-Kelle aus, dann kann man nicht abstreiten, dass Die Bande des Captain Clegg seine Geschichte auf überschaubaren Bahnen bewegt. Große Überraschungen bleiben aus; die als spektakuläre Twists geplanten Wendungen, die der Plot parat hält, kann man mit wenig Mühen erahnen. Und es ist nicht mal mein beim Schauen von Filmen des britischen Studios öfter aufkommender, verklärter Blick auf dessen Filme, selbst wenn sie sich als eher mäßig gebaren, dass mich auch dieses Film-Abenteuer gut unterhalten hat. Seinen Charme hat er sich bis heute bewahrt und zusammen mit dem verschmitzt aufspielenden Peter Cushing in der Hauptrolle kann der Film schnell die Zuschauer auf seine Seite ziehen. Selbst wenn dieser anhand der großen Gothic Horror-Tradition von Hammer mit seiner Quasi-Piraten-Thematik für den Unkundigen zunächst untypisch erscheinen mag.

Komplett verabschiedet man sich selbst in Die Bande des Captain Clegg aber nicht vom atmosphärischen Grusel. Gespenster sollen im Moor nahe einer kleiner englischen Ortschaft umgehen, erzählt man sich in dieser und auch dem dort ankommenden Captain Collier und dessen Truppe, welche auf der Suche nach einem angeblich in der kleinen Ortschaft operierenden Schmuggler-Ring sowie dem ebenso grausamen wie legendären Piraten-Kapitän Clegg sind. Collier, dem Clegg in der Vergangenheit bereits einmal entwischt ist, muss vom örtlichen Geistlichen Dr. Blyss erfahren, dass dieser mittlerweile verstorben und auf dem Dorf-Friedhof begraben ist. Richtig möchte dies der Captain nicht glauben und bei seinen Nachforschungen stößt er neben Hinweisen darauf, dass tatsächlich ein reger illegaler Handel mit Alkohol betrieben wird auch auf Hinweise, dass sein alter Widersacher Clegg noch am Leben sein könnte.

Während der amerikanische Verleih den Film Aufgrund der Szenen mit den Moor-Geistern den Film mehr in die Horror-Ecke zu drängen versuchte, sind deren Einsätze spärlich gesät. Insgesamt drei Auftritte gewährt man ihnen um das atmosphärisch dichte Abenteuer mit den bekannten Hammer Trademarks aufzuwerten, welches sich ansonsten am ersten Auftritt des literarischen Schmuggler-Königs Dr. Syn, "Dr. Syn: A Tale of the Romney Marsh" von 1915, orientiert. Da zur Zeit der Produktion Unklarheiten über die Rechte um Dr. Syn herrschten -Walt Disney hatte diese wie Hammer ebenfalls erworben und es galt zu klären, wer inwieweit nun tatsächlich die Filmrechte an den Büchern hielt - änderte man sicherheitshalber einige Teile der Geschichte und benannte Syn in Clegg um, bevor ein teurer Rechtsstreit drohte. Dass Peter Cushing ein großer Freund der Bücher war, merkt man seinem euphorischen Spiel an. Der Mime legt eine tolle Performance hin und kann wie das hübsche Set Design von den simpleren Momenten des Films gekonnt ablenken.

Die damit mitschwingende Naivität erinnert mich an Begegnungen in frühester Kindheit mit dem Medium Film, wenn ich - der öfter bei seiner Oma war als bei den Eltern - bei dieser ^^^^^^^^^^^^^^^^^^ihr im Wohnzimmer mit spielen beschäftigt war und von dem im Fernsehen laufenden bunten Kintopp, welches Anno dazumal im Vormittagsprogramm der damals noch spärlichen Spartensender der öffentlichen-rechtlichen liefen, plötzlich abgelenkt wurde und fasziniert dem Treiben auf dem Bildschirm folgte. Irgendwann wandte ich mich mehr wieder meiner eigenen Fantasie und dem Spielen zu, doch bevor ich in späteren Jahren durch den Horrorfilm komplett auf den Geschmack gebracht wurde und mich das Goutieren unzähliger B-Filme cineastisch sozialisierte, war dies die erste prägende Begegnung mit dem Medium. Dann unterhält Captain Clegg nicht einfach nur durch Mimen, welche der Geschichte förderlich in schwächeren Momenten unter die Arme greift (neben Cushing ist z. B. Hammer-Regular Michael Ripper als Sargmacher Mipps ein Genuss) und dem im richtigen Moment ansteigenden Tempo, sondern auch durch das von ihm hervorgerufene nostalgische Gefühl.

Dann ist man im Hinterkopf unmerklich in diese unbekümmerte Zeit zurückgekehrt, kann das, was man damals so ähnlich schon mit seinem kindlichen Gemüt von der Flimmerkiste aufgesogen hat, noch besser greifen und verstehen und sinkt mit dem ansteigenden wohligen Gefühl zufrieden in den Sessel und erfreut sich an diesem einfach gestrickten, aber mit viel Charme ausgestatteten Abenteuer. Hinzu kommt, dass die Darstellung der Figuren die Sympathien des Zuschauers auf die rational betrachtet eigentlichen Kriminellen lenkt. Die Macht emotionaler Manipulation beherrscht er mehr als ordentlich, so dass man ihm seinen steifen Nebenplot mit obligatorischer Liebesgeschichte mitsamt etwas blasserem Auftritt von Oliver Reed verzeiht. Die Bande des Captain Clegg ist einer dieser Sonntags-Filme, für die man nicht so viel Aufmerksamkeit braucht und der durch seine Gesamtwirkung jeden Tag zum Sonntag macht, wenn man ihn anschaut. Egal ob wie ich etwas mehr hintergründig oder vordergründig empfänglich für solcher Art Werke von früher, wo alles - auch die Abenteuer - besser war, ist: man kann durchaus seinen Spaß damit haben.

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Mittwoch, 16. Dezember 2020

Pale Blood - Im Bann der Vampire

Ruheloses Treiben auf den Straßen und aus dem nächtlichen Treiben des südkalifornischen Molochs Los Angeles schälen sich die Creatures of the Night, deren Music der sich schnell im Ohr festsetzende New Wave-Song "Bite The Hand That Feeds" der Sonst als Surf-Punks bekannten Band Agent Orange ist und häufiger das düstere Treiben in Pale Blood untermalt. In der ersten Hälfte des Films absolviert die Kapelle einen Auftritt in einem angesagten Club und lässt dutzende Kinder der Nacht über die Tanzfläche schwofen. Leicht fühlt man sich an den neo-gothischen Touch eines The Lost Boys erinnert, den Autorin und Regisseurin V.V. Dachin Hsu heraufbeschwört. Von dessen und anderen Teenie-Horror-Flicks des damaligen Jahrzehnts sich absetzend, möchte Pale Blood der ursprünglichen Vampir-Lore entwachsen und sich einem erwachsenen Publikum zuwenden. Wie einige andere Filme der 80er versucht Hsu das verstaubte Image der Leinwand-Blutsauger aufzupolieren; selbst wenn die ursprüngliche Vampir-Lore in diesen Fällen nur ein zeitgemäßes Makeover erhalten hat.

Den Einfluss der schauerromantischen Wurzeln des Genres kann Pale Blood nicht verbergen. Allein mit Hauptfigur Michael Fury und seiner Partnerin Lori konterkariert der Film die eigene Prämisse. Fury - ein Vampir vom alten Schlag - wird auf eine Mordserie in L.A. aufmerksam, bei der ausschließlich weibliche Opfer vom Täter blutleer am Tatort zurückgelassen werden und deswegen in den Medien "Vampir-Killer" genannt wird. Auf der Suche nach den immer weniger werdenden Artgenossen verschlägt es Michael deswegen in die Stadt der Engel. Die von ihm engagierte Detektivin Lori - welche wie er von grausamen, anscheinend mit der Mordserie zusammenhängenden Visionen geplagt wird - trifft sich kurz nach Michaels Ankunft in L.A. direkt dort, wo der Mörder zuletzt zugeschlagen hat und trägt ihm vor, was sie bisher herausgefunden hat. Kurz danach trifft der Vampir auf dem Dach eines Gebäudes gegenüber des Fundorts des letzten Opfers auf den exzentrischen wie extrovertierten Künstler Van Vandemeer, der für Lori und Michael durch sein Auftreten zum Hauptverdächtigen wird.

Die Chancen, die sich durch den nicht uninteressanten Plot ergeben, lässt Hsu leider großflächig liegen. Pale Blood zerfasert in fragmentarische Einzelteile, die grob von einem steif durch Los Angeles schweifenden George Chakiris auf der Suche nach weiteren Vampiren auf diesem Erdenrund zusammengehalten werden. Melancholische Stimmung wird in Farbfilter-Spielen und manchmal hübscher 80er-Hochglanz-Optik ertränkt. Nebensächlichkeiten der Geschichte um Michael werden ausgedehnt; möglicherweise deswegen, um die einfach gestrickte Narration in die Länge zu ziehen, da Pale Blood bei seinem vorhandenen Potenzial hier leider ohne große Bemühungen sehr vorhersehbar wird. Überraschungsarm wird eine schwer vorgetragene Geschichte erzählt, welche mit spannenderem Verlauf ein atmosphärisch ansprechender Vampir Neo(n)-Noir hätte werden können. Leider gebiert sich Pale Blood so ungelenk wie Chakiris' Darbietung, die den angestaubten, blutsaugenden Aristokraten in ein post-punkiges, gothisches Grundsetting wirft. 

Dieses alternde Relikt möchte in den kleinen Kosmos, der durch die Limitierung des Plots selbst eine Metropole wie Los Angeles wie ein Dorf wirken lässt, nie richtig passen. Zumal (ausgerechnet) Wings Hauser als Van Vandemeer darstellerisch frei dreht und jeder seiner Auftritte damit zu kleinen Highlights wird. Gemocht hab ich das fade Treiben dennoch irgendwie. Einzelne Ideen sind wirklich gut umgesetzt und der Beginn - der auf einen gothisch angehauchten Detektiv-Thriller mit Vampir-Setting hoffen lässt, schenken diesem kleinen Film eine perfekt unperfekte Ausstrahlung, bei dem auch der Soundtrack seinen Beitrag leistet. Die new-wavigen Agent Orange-Stücke passen richtig gut in Hsus Versuch, zeitgenössische Strömungen und Trends der ausgehenden 80er mit den starren Blutsauger-Darstellungen vergangener Jahrzehnte zu verbinden. "Bite The Hands That Feeds", "Fire In The Rain" und "...So Strange" sind übrigens alle auf dem 1986 entstandenen Album "This Is The Voice" vertreten und nachzuhören. Das einzige, was dauerhaft bei Pale Blood nachhallt, allerdings der unüberschaubare Umstand, wie Schade es ist, dass so viel Potenzial auf einmal verschwendet wird. Dankbar bin ich dennoch, dass das US-Label Vinegar Syndrome durch ihren Blu Ray-Release im April 2020 diesen eher sehr kleinen Vertreter des Vampir-Genres vor dem Vergessen retteten.

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