5. Oktober 2018

Horrorctober 2018: The Heretics (2/13)

Die zweite Runde des 2018'er Horrorctobers beschert mir mit The Heretics einen Film, der irgendwann mit jeder fortschreitenden Minute sein durchaus vorhandenes Potenzial verschenkt. Interessant ist hierbei, dass die Qualitätskurve nicht rapide abstürzt, sondern wie auf einer kurvigen Bergstraße ins Schlingern gerät, sich auf der Strecke halten kann, aber immer gefährlich nahe am Abgrund entlang verläuft. Regisseur Chad Archibald verliert im weiteren Verlauf die Kontrolle; The Heretics rauscht frontal über die Strecke und selbst wenn die Mängel von einem Totalschaden entfernt sind, ist das Endergebnis ernüchternd mäßig. Sein Beginn verspricht solide Okkulthorror-Kost und nimmt sich angenehm Zeit um seine Figuren einzuführen. Im Zentrum der Geschichte steht Gloria, welche vor Jahren von einer Gruppe Satanisten entführt wurde. Nach einem blutigen Ritual, welches in Massensuizid endete, entkam die junge Frau und leidet seitdem an Alpträumen.

Diese werden wieder real, als sie nach einem Besuch bei ihrer Freundin Joan, welche sie bei ihren regelmäßig stattfindenden Therapiegruppensitzungen kennenlernte, erneut entführt wird. Gloria gelingt es, ihrem Kidnapper ihr entwendendes Handy zu entreißen und einen panischen Hilferuf auf den Anrufbeantworter ihrer Mutter zu sprechen. Ihre Freundin Joan organisiert in halb hysterischem Zustand auf eigene Faust einen Suchtrupp, während Gloria von ihrem Entführer in einer kleinen Berghütte festgehalten wird. Dort offenbart sich dieser ihr als Überlebender des damaligen Massakers und das er sie vor den Brüdern und Schwestern des Kults schützen will, da durch das Ritual ein Dämon in sie gefahren sei. Das entpuppt sich über erste Strecken mehr als Thriller, denn als Horror, der in kleinen Dosen in die Story integriert wird. The Heretics spielt dabei mit der Wahrnehmung seiner Figuren und des Zuschauers, lässt den besagten Dämonen bedrohlich im Dunkel der Hütte für wenige Sekunden auftauchen und genau so schnell wieder verschwinden.

Leider geht der Film den weniger subtilen Weg und konzentriert sich nicht auf die aufkommende Frage, ob es sich dabei um kollektive Wahnvorstellungen von Gloria und ihrem Entführer sind. Um den nach Effekten gierenden, einfachen Genrefan zu befriedigen, entschließt man sich, Gloria nach und nach äußerlich torturreich zu etwas dämonischen transformieren zu lassen. Dieser an Bodyhorror heranreichende Schritt kulminiert in einigen ekligen Effektszenen, raubt der Geschichte aber gleichzeitig die gering vorhandene Doppelbödigkeit. Der Subplot um die immer stärker emotional entgleisende Joan, die durch die Entführung ihrer Freundin den Verstand zu verlieren scheint, wird erst durch den späteren Twist mit der Hauptstory verbunden und fühlt sich vorher als seltsamer Fremdkörper im Storygefüge an. Ist die Katze einmal aus dem Sack, wird The Heretics aller aufkommenden Stärken nahezu beraubt. Es bleibt ein Horrorthriller, der mit geringer Spannung, dafür straightem Weg Richtung Finale einen maximal okayen Gesamteindruck hinterlässt.

Den Machern des Films scheint das Potenzial der Geschichte, daraus einen subtil arbeitenden, okkult gefärbten Horrorthriller über die wahnhafte Macht des Glaubens entgangen zu sein. Die durchaus dichte und hübsche Atmosphäre, verstärkt durch die ansehnliche Ausleuchtung während der Szenen in der Hütte, wäre ein idealer Nährboden für eine solche Art von Film gewesen. Der eingeschlagene Weg ist durchaus goutierbar, lässt allerdings die vergebenen Chancen der Story nach Ende des Films lange nachhallen. Lieber setzt man noch einen drauf und präsentiert in der letzten Einstellung einen derart dummen Einfall, der zwar nicht alles, aber einiges zuvor aufgebautes, zunichte macht. Auch wenn er vorhersehbar ist, setzt er allem die Krone auf und lässt das aufgebaute Ansehen von The Heretics beim Zuschauer sinken. Eben weil man zuvor behutsam, langsam an die eigene Geschichte herangegangen ist, zwar keine gut gezeichneten, aber bemüht charakterisierten Hauptfiguren präsentiert und Pfade für einen im Subtext mitnichten gut gefüllten, aber leicht cleveren Film geebnet hat. Im Endeffekt hat man als Zuschauer durch weniger gute Entscheidungen der Macher, lieber auf Nummer sicher gehen zu wollen, einen durchschnittlichen Mix aus Okkult- und Bodyhorror.