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Montag, 15. Oktober 2018

Horrorctober 2018: Preservation (4/15)

Man vs Nature die Erste in meinem diesjährigen Horrorctober mit der Erkenntnis: man muss nicht gleich ins ferne All, damit keine Menschenseele schmerzerfüllte Schreie hören kann. Ein Campingtrip genügt. In Preservation fahren das Ehepaar Wit und Mike Neary als Vertreter des modernen, urban geprägten Menschen mit Mikes Bruder Sean, ein pragmatischer und bodenständiger Kerl, einer der Marke bei dem man am liebsten alle vier Buchstaben des Wortes Kerl groß schreiben möchte, in die Wildnis hinaus um einige erholsame Tage zu verbringen. Es wird ein unfreiwilliger Abenteuertrip, eine Jagd, bei der die drei zu den Objekten unbekannter werden, welche sie gnadenlos durch ein stillgelegtes Naturschutzreservat jagen. Die Schmerzensschreie, welche die Urlauber während ihres Martyriums den stummen Bäumen entgegenschleudern, werden nur von ihren maskierten Peinigern wahrgenommen. Andere Menschen sucht man in dieser verlassenen, weit abgelegenen Umgebung vergebens.

Ebenfalls gesucht wird die Innovation, welche Autor und Regisseur Christopher Denham außen vor ließ. Preservation ist ein geradliniger Backwood-Terrorfilm, der keinen Preis für die frischesten Ideen gewinnen könnte. Es wird auf die bewährte Formel des Subgenres gebaut, die Abläufe der Geschichte erscheinen bekannt und vertraut. Kaum im Wald angekommen und aus dem Wagen gestiegen, legt der Film eine falsche Fährte, die man leicht erschnuppern kann. Aus dem emotionalen Gestrüpp der Protagonisten wuchern dezent Konflikte, bis man nach der ersten Nacht von Zelt und Besitz beraubt in der Wildnis erwacht, mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn. I choose you schreit es den noch ahnungslosen Figuren entgegen, bevor die namen- und gesichtslosen Unbekannten auftauchen und zur Tat schreiten. Hinter grimmig dreinblickenden Masken und in großen Jacken, Panzern und Polsterungen gepackt und versteckt, scheint dem Trio die gewalttätige Seite der heimischen Urbanität in die fast unberührte Natur gefolgt zu sein.

Die Modern Rednecks beginnen ihr Spiel und Preservation nimmt an Fahrt auf. Auf der Erstschlag folgt der Gegenschlag, die städtischen Eindringlinge können erstaunlich gut mithalten und ziehen, so will es das Gesetz des Genres, doch den Kürzeren. An diesen Entscheidungen im Drehbuch kann man sich stören, wenn der Erfahrene des urbanen Dreiers schnell seinen Odem aushaucht und die Figur, die am wenigsten Ahnung vom Überleben in der Wildnis hat, in Windeseile alle Survivalregeln des Backwood-Thrillers/-Horrors befolgt. Unglaubwürdige Genresyntax, lax von Regisseur Denham zu Papier gebracht, trifft auf geschmackvollen Stil. Aufgeräumt und hell, kalt und gleichzeitig in warme Farben getaucht ist Preservation einer der wenigen digital gedrehten Filme, an dessen Stil ich mich nicht störe sondern zugebe, dass es ihm gut steht. Hinzu gesellt sich ein akustisch-elektronischer Soundtrack, dessen vage an Country erinnernden Melodiebögen sich ins Ohr schmeicheln.

Bei fehlenden Innovationen, dem hübschen Look und einem Erzähltempo, welches zu erahnenden Momenten einen kurzweiligen Charakter schenkt, ist Preservation kein großes Feuerwerk, der aber in seinen positiven Szenen mich durchaus überrascht hat. Wenn Christopher Denham die Masken seiner Antagonisten fallen lässt, beschert er die größte Überraschung. Es mag übertrieben sein, wirkt im Nachgang kurze Sekunden später schlüssig. Das entlockte mir ein ungläubiges Lachen, eben wegen diesen beiden gegensätzlichen Extremen. Ich fühlte mich dezent an Eden Lake erinnert, ohne dass Preservation sich zu stark an diesem bedient. Würde Christopher Denham in seiner Geschichte die Hüllen bzw. Masken eher fallen lassen, wäre der Film einiger Stärken beraubt worden. Auf der anderen Seite wäre er ein etwas anderer, mehr eigenständiger Film geworden, als er letzten Endes ist. Für gewisse Kurzweil sorgt der Film bei allen bekannten Elementen allemal. Wo manches Mal das Timing nicht richtig sitzt, hat man bei der Auflösung fast alles richtig gemacht und die unglaubwürdigen Stellen werden einfach unter den Mantel des Schweigens gepackt. Es kann ja nicht alles gleich Deliverance sein.

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